„Die IBA Basel hat die beiden Rheinfelden nochmal näher zusammengebracht“

Zusammenarbeit der beiden Rheinfelden

Die Projektträger des IBA Basel Projekts „Rheinfelder Rheinuferrundweg extended“ wollen den Hochrheinabschnitt zwischen Stein/Bad Säckingen und Grenzach-Wyhlen zu einem länderübergreifenden Flusspark entwickeln. Die Mission: die bestehenden Qualitäten des zusammenhängenden Gewässerraums als gemeinsamen Natur-, Kultur- und Naherholungsraum zu stärken. Am Ende soll ein attraktiver Rundweg entstehen, der reich an Sehenswürdigkeiten wie Stegen, Wegen, Erholungs-/ Spielbereichen, Anlegestellen und Beobachtungstürmen durch Fußgänger*innen- und Radwege sichtbar gemacht wird. Von den beiden Rheinfelden, Rheinfelden (Baden) und Rheinfelden (CH), ging das Projekt aus. Wir haben uns mit Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Rheinfelden (Baden), und Franco Mazzi, Stadtammann von Rheinfelden (CH) über das Projekt und die Zusammenarbeit zwischen den Städten unterhalten.

 

Klaus Eberhardt, Franco Mazzi, sagen Sie, warum und inwiefern braucht die Region den Rheinfelder Rheinuferrundweg extended?

Franco Mazzi: Mit zunehmender Verdichtung von Wohngebieten wird die Konzeption, Erstellung und dann auch die Kommunikation von gemeindeübergreifenden Freizeit- und Naherholungsgebieten immer wichtiger. Insbesondere, wenn es sich um Gebiete mit unterschiedlicher Landeszugehörigkeit handelt. Deswegen macht der Rheinfelder Rheinuferrundweg extended viel Sinn.

Klaus Eberhardt: Der Hochrhein bis Basel steht für das wichtigste Charakteristikum von Landschaft und Siedlung, der Kultur und des Zusammenlebens der Menschen. Der Flussverlauf ist als Freizeit- und Erholungszone von sehr interessanten und unterschiedlichen strukturierten Landschafts- und Siedlungsräumen geprägt. Die Idee, über einen Weg die einzelnen markanten Projekte über teilweise vorhandene Wegestrukturen herauszustellen, neue Akzente zu setzen und der Bevölkerung ins Bewusstsein zu rücken, wurde von allen Beteiligten als einen starken Moment gesehen.

 

Der einst geplante Rheinsteg, eine zentrale Maßnahme des IBA Projektes, ist seit Oktober 2019 Geschichte. Das Schweizer Stimmvolk stimmte in einer Referendumsentscheidung dagegen. Was sagt die Entscheidung für Sie aus?

Franco Mazzi: Dass die Abstimmenden dem Projekt aufgrund der erheblichen Kostenentwicklung mehrheitlich nicht mehr zustimmen mochten.

Klaus Eberhardt: Das Projekt war von Beginn an sehr professionell entwickelt worden und hätte im Falle einer Realisierung einen der Leuchttürme der IBA Basel 2020 bilden können. Gleichwohl muss man eingestehen, dass den freiwilligen Aufgaben von Städten und Gemeinden eine besondere Bewertung, insbesondere in Hinblick auf die fiskalischen Auswirkungen, zukommt. Auch haben sich unterschiedliche Faktoren in der Berücksichtigung der jeweils nationalen Situation ergeben, die sich bedauerlicherweise kostensteigernd ausgewirkt haben. Trotz der Ablehnung ist jedoch der Rheinsteg ein Beispiel dafür, wie sich zumindest in der Form der Zusammenarbeit und Vorbereitung eines Projektes Qualitätskriterien finden lassen, die ein gemeinsames Projekt ermöglichen helfen. Allerdings ist es eine Lehre aus dem jahrelangen Vorgang, die Bevölkerung noch mehr als vollzogen in den Projektverlauf und die Entscheidung einzubinden.

 

Zusammenarbeit jetzt selbstverständlich 

Klaus Eberhardt, Sie haben die IBA Basel von Beginn an begleitet. Hat die IBA Basel beide Rheinfelden und die Region noch näher zusammengebracht?

Klaus Eberhardt: Die beiden Rheinfelden pflegen seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit. Schon frühzeitig wurde ein gemeinsames Stadtentwicklungskonzept auf den Weg gebracht, das erste Vorschläge für eine Gesamtbetrachtung der beiden Siedlungsräume aufzeigte und eine Grundlage für die Herausstellung gemeinsamer Entwicklungsziele bildete.

Mit der Möglichkeit, im Zuge der Internationalen Bauausstellung Basel 2020, Projekte gemeinsam zu definieren, wurde die schon bestehende Zusammenarbeit intensiviert. Dies umfasste einmal eine gemeinsam entwickelte Projektträgerschaft und die mittlerweile fast schon selbstverständlich wirkende Zusammenarbeit der betroffenen Verwaltungsbereiche in Projektgruppen. Das gemeinsame Verständnis für anstehende Projekte und die gemeinsam entwickelten Organisationsformate haben dazu geführt, dass die Zusammenarbeit der Verwaltungen selbstverständlich wurde.

Guter Job der IBA Basel 2020

Wie sehen Sie das, Franco Mazzi?

Franco Mazzi: Ich kann dem nur zustimmen. Auch wenn beide Rheinfelden schon seit vielen Jahren in etlichen Bereichen eng zusammenarbeiten, so hat doch die IBA und die sich daraus ergebenden Projektentwicklungen die beiden Rheinfelden nochmals näher gebracht. Insbesondere mit dem Projekt Rheinfelder Rheinuferrundweg extended wurde aber zusätzlich die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und Nachbarstädten vertieft.

 

Wenn Sie heute nochmal in die IBA starten würden, was würden Sie anders machen?

Franco Mazzi: Ich würde versuchen, die Realisierung der angestrebten Projekte zu beschleunigen.

Klaus Eberhardt: Die IBA Basel 2020 ist ein Beispiel für eine Bottom-up entwickelte Internationale Bauausstellung, die nicht von vornherein auf große Zuschüsse zurückgreifen konnte. Unter dieser Prämisse hat die IBA Basel 2020 einen guten Job geleistet.

Weiterhin beispielhafte Zusammenarbeit geplant

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft? Ihre Vision für beide Rheinfelden?

Franco Mazzi: Beide Rheinfelden sollen weiterhin lebenswert und liebenswert sein und bleiben, und aufgrund der geschaffenen soliden Grundlagen gemeinsam eine gute Entwicklung anstreben. Die grenzüberschreitende gute Zusammenarbeit soll auch in Zukunft beispielhaft sein und als Muster wirken.

Klaus Eberhardt: Dem kann ich nur zustimmen. Wir werden gemeinsam unseren weiteren Weg gehen.

 

Franco Mazzi ist Betriebsökonom Fachhochschule. Im Jahr 2006 wechselte Mazzi nach mehr als 20 Jahren beruflicher Tätigkeit in der Privatwirtschaft in die Position des sogenannten „vollamtlichen Stadtammanns“ – Bezeichnung eines Bürgermeisters im Kanton Aargau. Seit 2012 ist er Großrat im Parlament des Kantons Aargau und seit 2006 im Vorstand des Trinationalen Eurodistrictes Basel TEB.

Klaus Eberhardt studierte Stadtplanung an der TU Berlin, arbeitete als Stadtplaner in Goslar sowie Osterholz-Scharmbeck. Von 1990 bis 1992 war Eberhardt Stadtbauamtsleiter in Weil am Rhein, von 1992 bis 2000 Geschäftsführer der Landesgartenschau in Weil am Rhein sowie von 1992 bis 2012 Bürgermeister in Weil am Rhein. Seit 2012 ist er Oberbürgermeister von Rheinfelden (Baden).

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

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Wie Bukarest Smart Lighting mit Biodiversitätszielen kombiniert

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Nächtliche Stadtansicht von Baden, Schweiz, fotografiert von Julian (photasticlab).

Wer glaubt, dass intelligente Städte nur smarte Sensoren und blinkende Laternen meinen, hat Bukarests radikalen Ansatz nicht auf dem Schirm: Hier werden Biodiversität und Smart Lighting nicht als Widerspruch, sondern als Symbiose begriffen. Die rumänische Hauptstadt wagt, was viele europäische Metropolen noch nicht einmal denken: Lichtmanagement als Instrument für Artenschutz und urbane Lebensqualität – präzise, datenbasiert und überraschend innovativ.

  • Bukarest als Vorreiter: Wie die Stadt Smart Lighting strategisch mit Biodiversitätszielen verbindet.
  • Technische Grundlagen: Adaptive LED-Systeme, Lichtmanagement und Sensorik im Praxiseinsatz.
  • Biodiversitätsförderung: Wie gezielte Lichtsteuerung Tiere, Pflanzen und Menschen schützt.
  • Planungsprozesse: Interdisziplinäre Kooperation zwischen Verwaltung, Technik und Naturschutz.
  • Relevanz für DACH-Städte: Übertragbarkeit der Ansätze auf deutsche, österreichische und schweizerische Kommunen.
  • Herausforderungen: Rechtsrahmen, technischer Standard, gesellschaftliche Akzeptanz.
  • Smart Lighting als Katalysator für lebenswerte, klimaresiliente Städte.
  • Zukunftsausblick: Urbanes Licht als Steuerungsinstrument für nachhaltige Stadtentwicklung.

Smart Lighting in Bukarest: Von der Straßenlaterne zum Biodiversitätsmotor

Wer Bukarest nur als laute, dichte Metropole mit hektischem Verkehr und historischen Fassaden kennt, wird überrascht sein: Die Stadt hat sich in den letzten Jahren als Innovationslabor für urbane Lichtplanung und Biodiversität positioniert. Die Ausgangslage war typisch für viele osteuropäische Großstädte – veraltete Beleuchtung, hohe Energiekosten, Lichtverschmutzung und fragmentierte grüne Infrastruktur. Doch anstatt das Problem isoliert zu betrachten, wagte Bukarest einen Paradigmenwechsel: Licht sollte nicht länger nur Sicherheit garantieren oder Energie sparen, sondern aktiv zur Förderung von Artenvielfalt beitragen.

Das Herzstück des Konzepts ist die Einführung eines stadtweiten Smart Lighting Systems auf LED-Basis. Anders als herkömmliche Straßenbeleuchtung operieren diese Systeme nicht starr, sondern adaptiv. Sensorik und vernetzte Steuerungsplattformen erfassen kontinuierlich Lichtbedarf, Verkehrsdichte, Wetterdaten und sogar saisonale Veränderungen im Vegetations- und Tierleben. Die Beleuchtung wird daraufhin in Echtzeit angepasst – weniger Licht in sensiblen Zonen, gezieltere Ausleuchtung an neuralgischen Punkten, dynamische Dimmung nachts und bei geringer Nutzung.

Doch die eigentliche Innovation liegt in der konsequenten Verzahnung mit Biodiversitätszielen. Schon im Planungsprozess wurden Biologen, Landschaftsarchitekten, Informatiker und Stadtverwaltungen an einen Tisch geholt. Ziel: Lichtverschmutzung minimieren, Wanderkorridore für nachtaktive Tiere erhalten, Lebensräume von Insekten nicht weiter zerstören. Dabei wurden Lichtpunkte entlang von Parks, Flussufern und urbanen Biotopen gezielt reduziert oder mit speziellen Spektren ausgestattet, die bestimmte Insektenarten weniger anziehen. In einigen Gebieten wird Licht sogar temporär komplett ausgeschaltet, um saisonale Wanderbewegungen oder das Brutverhalten von Vögeln nicht zu stören.

Das Pilotprojekt startete zunächst in ausgewählten Stadtteilen und entlang des Dâmbovița-Flusses. Viel Überzeugungsarbeit war nötig, denn die Bevölkerung verbindet Licht traditionell mit Sicherheit und Modernität. Umso wichtiger war die transparente Kommunikation: Bürgerversammlungen, Infokampagnen, digitale Dashboards und Bürgerbeteiligung sorgten für Akzeptanz und Mitgestaltung. Heute ist die Skepsis der Anfangsphase einer breiten Zustimmung gewichen – auch, weil messbare Effekte schnell sichtbar wurden. Die Zahl nachtaktiver Insekten stieg wieder an, Fledermäuse wurden in alten Lebensräumen gesichtet, und das subjektive Sicherheitsgefühl blieb trotz reduzierter Helligkeit konstant hoch.

Das Beispiel Bukarest zeigt: Smart Lighting kann mehr als Strom sparen und vandalismusresistente Technik bieten. Es wird zu einem Steuerungsinstrument, das soziale, ökologische und technische Ziele zusammenführt. Damit verschiebt sich auch der Anspruch an die Rolle von Lichtplanern und Stadtverwaltungen – weg vom reinen Technikbetrieb, hin zur Moderation komplexer Zielkonflikte. Bukarests Ansatz ist deshalb eine Blaupause, die weit über Rumänien hinausstrahlt.

Technische Grundlagen: Adaptive Lichtsysteme, Sensorik und Biodiversitätsmonitoring

Technisch gesehen ist das Rückgrat von Bukarests Smart Lighting eine flexibel steuerbare LED-Infrastruktur. Jedes Leuchtmittel ist mit einer individuellen Adresse versehen und wird über ein zentrales Lichtmanagementsystem angesteuert. Die Steuerung erfolgt nicht nur nach festen Zeitplänen, sondern reagiert dynamisch auf eine Vielzahl von Parametern. Bewegungs- und Präsenzsensoren, Wetterstationen, akustische Detektoren und Kameras liefern kontinuierlich Daten über Verkehrsaufkommen, Wetterlagen, Geräuschpegel und sogar biologische Aktivität.

Ein entscheidendes Novum ist die Integration von Biodiversitätsmonitoring in das System. Spezielle Sensoren und akustische Module erfassen das Vorkommen bestimmter Tierarten – insbesondere Fledermäuse, Nachtfalter und Vögel. Diese Daten fließen in die Lichtsteuerung ein: Kommt es beispielsweise in einer bestimmten Nacht zu erhöhter Fledermausaktivität entlang eines Flussufers, wird die Beleuchtung dort automatisch gedimmt oder abgeschaltet. Umgekehrt kann bei Großveranstaltungen oder erhöhter Nutzung öffentlicher Räume die Lichtintensität kurzfristig erhöht werden, ohne den Grundschutz für die Tierwelt dauerhaft zu kompromittieren.

Eine weitere technische Feinheit ist die differenzierte Lichtfarbwahl. Während herkömmliche Straßenleuchten meist im blauen oder weißen Spektrum arbeiten, das viele Insekten anzieht und stört, setzen die Bukarester Planer auf warmweiße und bernsteinfarbene LEDs. Diese Spektren sind für nachtaktive Tiere deutlich weniger störend. In sensiblen Biotopbereichen wird mit sogenannten Amber-LEDs gearbeitet, die kaum UV-Anteil und eine geringe Attraktivität für Insekten haben. Flächendeckende Lichtverschmutzung wird dadurch signifikant reduziert, ohne die Orientierung für Menschen zu erschweren.

Alle Systemdaten laufen in einer zentralen Plattform zusammen, die für die Stadtverwaltung und beteiligte Forschungseinrichtungen zugänglich ist. Hier können Lichtprofile, Energieverbrauch, Biodiversitätsdaten und Störfälle ausgewertet und langfristige Trends analysiert werden. Die Plattform ermöglicht es zudem, Szenarien für künftige Entwicklungsgebiete zu simulieren, etwa wie sich eine neue Straßenführung oder ein Parkumbau auf Lichtimmissionen und Artenvielfalt auswirkt. Damit wird die Lichtplanung zum integralen Bestandteil der Stadtökologie und nicht länger als rein technisches Detail behandelt.

Diese technische Tiefe ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine wirklich adaptive, zielorientierte Lichtsteuerung im urbanen Raum. Sie ermöglicht es, zwischen den Bedürfnissen von Mensch und Natur zu vermitteln, Zielkonflikte transparent zu machen und iterative Verbesserungsprozesse zu etablieren. Bukarest ist damit nicht nur technologisch, sondern auch methodisch einen Schritt voraus.

Biodiversität im Fokus: Licht als Steuerungsinstrument für urbane Ökosysteme

Lange Zeit galt künstliches Licht in der Stadt als notwendiges Übel – unvermeidbar, um Sicherheit und Nutzbarkeit öffentlicher Räume zu gewährleisten. Doch die Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Flora und Fauna sind gravierend. Viele nachtaktive Tiere werden durch zu viel oder falsch eingesetztes Licht irritiert oder aus ihrem Lebensraum verdrängt. Pflanzen wiederum geraten aus dem natürlichen Biorhythmus, wenn sie rund um die Uhr beleuchtet werden. Bukarest hebt diesen Zielkonflikt auf eine neue Ebene: Hier wird Licht nicht nur gemanagt, sondern strategisch als Steuerungsfaktor für die Biodiversität genutzt.

Eine zentrale Erkenntnis der Planer: Unterschiedliche Tierarten reagieren sehr spezifisch auf Lichtintensität, Lichtfarbe und Beleuchtungsdauer. Bei Insekten etwa wirkt sich der Anteil an UV-Licht in der Beleuchtung besonders negativ aus, während Fledermäuse vor allem durch übermäßige Helligkeit und fehlende Dunkelzonen beeinträchtigt werden. Die adaptive Lichtsteuerung ermöglicht es, auf diese Besonderheiten flexibel zu reagieren. In besonders sensiblen Habitaten werden Lichtquellen gezielt abgeschattet oder in ihrer Intensität reduziert. Wanderkorridore für Tiere bleiben erhalten, weil Lichtinseln und Barrieren minimiert werden.

Gleichzeitig profitieren auch Pflanzen und Pilze: Weniger künstliches Licht bedeutet weniger Stress, bessere Photosynthesezyklen und damit auch eine höhere Resilienz urbaner Grünflächen. In den Pilotgebieten wurde beobachtet, dass sich die Artenvielfalt von Nachtfaltern, Käfern und sogar Amphibien innerhalb weniger Jahre spürbar erholte. Die Lichtsteuerung wird so zum aktiven Beitrag gegen das globale Insektensterben – ein Ziel, das auch in deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten zunehmend auf der Agenda steht.

Wichtig ist dabei die enge Verzahnung zwischen Technik, Ökologie und Kommunikation. Naturschutzverbände und wissenschaftliche Partner begleiten das System, liefern Monitoringdaten und evaluieren die Wirksamkeit der Maßnahmen. Die Erkenntnisse fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Lichtprofile ein. Ein iterativer Prozess entsteht, in dem Stadtentwicklung, Technik und Biodiversität gemeinsam gedacht werden. Die Bürger werden dabei nicht nur informiert, sondern aktiv eingebunden – etwa durch Citizen-Science-Projekte zur Erfassung von Arten oder durch öffentliche Workshops zur Gestaltung neuer Lichtzonen.

Die Erfahrung aus Bukarest zeigt: Licht ist kein banaler Infrastrukturaspekt, sondern ein mächtiges Instrument in der Hand der Stadtplanung. Wer es klug einsetzt, kann urbane Biodiversität nicht nur erhalten, sondern aktiv fördern – ohne auf Komfort oder Sicherheit zu verzichten. Das setzt allerdings voraus, dass Planer, Verwaltung und Öffentlichkeit bereit sind, neue Wege zu gehen und scheinbare Widersprüche auszuhalten. Bukarest macht vor, wie es geht.

Übertragbarkeit und Herausforderungen: Was DACH-Städte von Bukarest lernen können

Die Frage, ob Bukarests Ansatz auf deutsche, österreichische oder schweizerische Städte übertragbar ist, drängt sich förmlich auf. Die technischen Voraussetzungen – intelligente LED-Systeme, Sensorik, zentrale Steuerungsplattformen – sind in Mitteleuropa längst vorhanden oder im Ausbau. Auch das Wissen um die Bedeutung von Biodiversität und Lichtverschmutzung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dennoch tun sich viele Städte schwer, ähnlich konsequente Wege zu gehen. Woran liegt das?

Ein Grund sind die fragmentierten Zuständigkeiten in der Stadtverwaltung. Lichtplanung, Grünflächenmanagement, Verkehrssteuerung und Naturschutz liegen oft in unterschiedlichen Händen – und eine gemeinsame Strategie ist selten. Bukarests Erfolg beruht gerade auf der engen interdisziplinären Zusammenarbeit aller Akteure. In DACH-Städten wäre ein ähnlicher Schulterschluss nötig, unterstützt durch klare politische Leitlinien und ausreichend Ressourcen für Pilotprojekte.

Hinzu kommen rechtliche Herausforderungen: Die Anpassung der Lichtintensität im öffentlichen Raum ist oft durch Normen und Sicherheitsvorgaben reguliert. Hier braucht es Mut zu Experimenten und die Bereitschaft, mit Modellprojekten auch einmal kontrollierte Ausnahmen zuzulassen. Gleichzeitig ist eine transparente Kommunikation mit der Bevölkerung entscheidend. Die Angst vor „dunklen Ecken“ und subjektivem Unsicherheitsgefühl ist weit verbreitet und darf nicht unterschätzt werden. Bukarest hat gezeigt, dass offene Beteiligungsprozesse und kontinuierliche Information entscheidend sind, um Akzeptanz für neue Lichtkonzepte zu schaffen.

Ein weiteres Thema ist die Finanzierung: Intelligente Lichtsysteme und Biodiversitätsmonitoring kosten Geld. Allerdings zeigt die rumänische Hauptstadt, dass sich Investitionen durch Einsparungen bei Energie und Wartung sowie durch Förderprogramme für Klimaschutz und Stadtökologie mittelfristig amortisieren können. Gerade für Kommunen, die ohnehin Energiesparziele verfolgen, bietet Smart Lighting einen doppelten Mehrwert.

Schließlich braucht es eine neue Haltung in der Stadtplanung: Licht ist nicht nur eine technische Frage, sondern ein Steuerungsinstrument für Lebensqualität, Umweltgerechtigkeit und Klimaanpassung. Wer Smart Lighting als Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie versteht, kann urbane Räume resilienter, attraktiver und biodiverser gestalten. Bukarest liefert dafür eine überzeugende Blaupause, die auch in Mitteleuropa Schule machen kann – vorausgesetzt, Mut, Kreativität und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden großgeschrieben.

Zukunftsausblick: Urbanes Licht als Transformationsmotor für nachhaltige Städte

Der Blick nach Bukarest verdeutlicht: Die Zukunft der urbanen Lichtplanung liegt nicht in immer helleren Straßen und immer effizienteren LEDs, sondern in einer intelligenten, ökologisch sensiblen Steuerung. Smart Lighting wird zum Katalysator für lebenswerte, klimaresiliente und biodiversitätsreiche Städte. Dabei ist die Technologie nur Mittel zum Zweck – entscheidend sind die Ziele, die damit verfolgt werden, und der Mut, Zielkonflikte offen zu adressieren.

In Zukunft könnten urbane Lichtsysteme noch weit mehr leisten: Sie könnten etwa als Teil von Urban Digital Twins mit anderen Infrastrukturen vernetzt werden, um Synergien zwischen Verkehr, Energie und Grünflächenmanagement zu heben. Mit Hilfe von KI und Big Data ließen sich Lichtprofile noch präziser auf lokale Bedürfnisse zuschneiden – vom Mikroklima im Straßenzug bis zur Wanderroute einer besonders schützenswerten Tierart. Die städtische Lichtlandschaft würde so zum dynamischen, lernenden System, das auf Veränderungen in Echtzeit reagiert und sich kontinuierlich optimiert.

Gleichzeitig rückt die soziale Dimension stärker in den Fokus: Licht ist ein Medium der Teilhabe, der Orientierung und der Lebensqualität. Intelligente Lichtsteuerung kann dazu beitragen, Angsträume zu entschärfen, soziale Treffpunkte zu stärken und neue Formen der Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Das setzt voraus, dass Transparenz und Mitbestimmung feste Bestandteile der Lichtplanung werden – etwa durch offene Datenplattformen, partizipative Entscheidungsprozesse und kontinuierliches Monitoring.

Auch der rechtliche und normative Rahmen wird sich ändern müssen. Städte sind gefordert, neue Standards für Lichtverschmutzung, Artenvielfalt und soziale Sicherheit zu setzen – und diese konsequent in ihre Planungsprozesse zu integrieren. Förderprogramme, Modellprojekte und internationale Kooperationen können helfen, innovative Ansätze schneller zu skalieren und voneinander zu lernen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Smart Lighting ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um urbane Räume für alle Lebewesen lebenswerter zu machen. Wer den Mut hat, neue Wege zu gehen und alle Akteure einzubinden, kann mit Licht weit mehr gestalten als nur Sichtbarkeit und Sicherheit. Bukarest beweist eindrucksvoll, dass Biodiversität und Digitalisierung keine Gegensätze sind – sondern gemeinsam die Stadt der Zukunft prägen.

Fazit: Licht, Leben, Lebensqualität – Bukarests Lektion für die urbane Zukunft

Bukarest hat vorgemacht, wie sich smarte Lichttechnik und Biodiversitätsziele zu einer neuen, leistungsfähigen Allianz verbinden lassen. Die Stadt beweist, dass innovative Technik nur dann wirklich smart ist, wenn sie die Bedürfnisse von Mensch und Natur gleichermaßen berücksichtigt. Adaptive Lichtsysteme, gezieltes Biodiversitätsmonitoring und die konsequente Beteiligung aller relevanten Akteure schaffen eine urbane Lichtlandschaft, die Energie spart, Arten schützt und Lebensqualität erhöht. Die Übertragbarkeit auf den deutschsprachigen Raum ist hoch – vorausgesetzt, Verwaltung und Politik sind bereit, gewohnte Routinen zu hinterfragen und neue Formen der Zusammenarbeit zu wagen. Smarte Lichtplanung wird so zum zentralen Baustein nachhaltiger, resilienter Städte. Wer heute Licht als Steuerungsinstrument für urbane Ökosysteme begreift, gestaltet nicht nur Sichtbarkeit, sondern Zukunft – für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen. Nur so werden Städte wirklich lebenswert, vielfältig und innovativ. Bukarest liefert dafür die beste Inspiration, die man sich wünschen kann.

Das neue Jahrbuch Landschaftsarchitektur 2026 ist da!

Jahrbuch Landschaftsarchitektur 2026, Foto: Callwey Verlag

Wie sieht die Zukunft unserer Städte und Freiräume aus? Das neue Jahrbuch Landschaftsarchitektur 2026 liefert darauf eindrucksvolle Antworten – mit einer kuratierten Auswahl der innovativsten Projekte aus aller Welt.

Landschaftsarchitektur ist weit mehr als Gestaltung: Sie formt urbane Räume, schafft Orte der Erholung und leistet einen entscheidenden Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Doch welche Projekte setzen heute neue Maßstäbe? Welche Ideen prägen die nachhaltigen Lebensräume von morgen?

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Internationale Projekte im Fokus

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Das Jahrbuch versteht sich nicht nur als Dokumentation herausragender Arbeiten, sondern auch als Inspirationsquelle und Impulsgeber. Es macht sichtbar, wie innovative Konzepte dazu beitragen können, unsere Umwelt nachhaltig und lebenswert zu gestalten – heute und in Zukunft.

Die Autor*innen

Der Band wurde von Martin Prominski und Laura Puttkamer herausgegeben.

Prominski ist Professor für Landschaftsarchitektur an der Leibniz Universität Hannover und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Stadtentwicklung, urbanen Landschaften und ökologischer Transformation. Mit seinen Arbeiten prägt er seit Jahren die fachliche Diskussion über die Zukunft unserer Städte.

Puttkamer ist Journalistin und freie Autorin mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel. Ihr Hintergrund in der Stadtentwicklung fließt dabei maßgeblich in ihre redaktionelle Arbeit ein.

Buchdetails auf einen Blick

  • Titel: Landschaftsarchitektur – Herausragende Projekte 2026
  • Umfang: 360 Seiten, ca. 300 Abbildungen
  • Format: 25 × 28 cm, gebunden
  • Preis: € 59,95 (D)
  • ISBN: 978-3-7667-2844-9
  • Verlag: Callwey

Weitere Informationen sind direkt hier, beim Verlag, verfügbar.