Zwischen Stadt und Region – die G+L im Mai

Rund 60 Prozent der deutschen Kreise und kreisfreien Städte werden bis 2035 an Bevölkerung verlieren. Zeitgleich müssen viele Regionen das Wachstum der Metropolen auffangen. In der Maiausgabe 2021 der G+L richten wir den Blick auf den ländlichen Raum und fragen, wie Stadt und Land sich im Sinne einer gesunden Entwicklung gegenseitig unterstützen können. Wie der demografischen Wandel im ländlichen Raum zu begegnen ist, erklärt Chefredakteurin Theresa Ramisch im Editorial.

Raus aus der Tür und ab in den Wald / aufs Feld / in den See – oder am besten alles auf einmal. Der Traum vom eigenen Bullerbü, die Überlegung von der Stadt aufs Land zu ziehen, das gefällt vielen. Beim Landleben denken Stadtmenschen ganz verkitscht an frische Luft, weite Wiesen und Kuhglocken in der Ferne. Das damit verbundene Lebensgefühl ist beschaulich, ruhig, ursprünglich – zu Neudeutsch: entschleunigt.

Stadt und Region müssen zusammenarbeiten

Gerne vergisst man dabei, dass die Realität oftmals anders aussieht: Wellblech-Fassaden statt Backstein-Bauerhöfe, Doppelhaushälften in ulkigsten Farben statt idyllischer Landschaftsbilder, leere Busfahrpläne statt Ponyhof etc. pp. Alles hat seine zwei Seiten – ebenso die Zukunft des ländlichen Raums. Denn auch wenn Pandemiebedingt immer mehr Menschen aufs Land ziehen (wollen), lautet die zentrale Herausforderung hier weiterhin: demografischer Wandel. Stadtflucht hin oder her – der ländliche Raum schrumpft. Besonders die ländlichen Regionen mit einem höheren Durchschnittsalter werden laut BBSR-Prognosen weiterhin an Bevölkerung verlieren. Die Folgen: Leerstände und zunehmende Versorgungsprobleme in jederlei Hinsicht.

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Die erste Ausgabe der diesjährigen Stadt-Spezial-Reihe, die Aprilausgabe der G+L, konzentrierte sich auf die Metropolen. In dieser zweiten Ausgabe wenden wir unseren Blick in Richtung Region und ländlichen Raum. Wir suchen nach Strategien und Maßnahmen, dem demografischen Wandel im ländlichen Raum zu begegnen. Unsere Hypothese dabei: Weder die wachsende Metropole noch das schrumpfende Dorf können sich alleine retten, vielmehr müssen Ober-, Mittel- und Unterzentren zusammenarbeiten, um ihren jeweiligen Herausforderungen Herr zu werden.

Mehr Visionen für den ländlichen Raum

Diesen Ansatz fahren bereits zahlreiche Regionen, aber auch Die Mehrzahl der Aktuellen internationalen Bauausstellungen hat sich dem Thema der Region verschrieben – darunter die IBA Basel, die IBA StadtRegion Stuttgart und die IBA Thüringen. Eine weitere IBA, die IBA Metropolregion München, ist in Überlegung. Kann das Zufall sein? Wir denken nein. Und es kommt auch nicht von ungefähr, dass der vielleicht mitunter größte Wettbewerb des vergangenen Jahres, der Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070, die Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem Umland in den Fokus stellte. Die Lösung unserer aktuellen raumplanerischen Fragen kann nur in der kommunalen Kooperation liegen.

Was wir aus unserer Arbeit an diesem Heft lernen, ist, dass der ländliche Raum mehr Visionen braucht. Die Stadt der Zukunft im Kopf zu zeichnen, das fällt vielen leicht. Aber woran denken Sie, wenn Sie an das Land der Zukunft denken? An den ländlichen Raum im Jahr 2050? Diese Frage sollten wir uns öfter stellen. Wir hoffen, dass dieses Heft eine erste Inspiration bietet, den Weg dorthin zu beschreiten.

PS: Dieses Heft ist die zweite Ausgabe der diesjährigen Stadt-Spezial-Serie. Unter dem Motto „Städte für morgen“ diskutieren wir in drei aufeinanderfolgenden Heften drei Themen, an denen aktuell keine Planungs­abteilung vorbeikommt.