Die Regenbogenfahne steht für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Seit den 1970er-Jahren ist das Regenbogenbanner mit sechs Farben Symbol für die LGBTIQ-Community und ist unter anderem oftmals auf den Paraden des Christopher Street Days zu sehen. Foto: Teddy Österblom/UNSPLASH
Die Regenbogenfahne steht für Aufbruch, Veränderung und Frieden. Seit den 1970er-Jahren ist das Regenbogenbanner mit sechs Farben Symbol für die LGBTIQ-Community und ist unter anderem oftmals auf den Paraden des Christopher Street Days zu sehen. Foto: Teddy Österblom/UNSPLASH

Seit 2019 haben rund 100 polnische Lokalregierungen ihre Regionen zu „LGBT-freien Zonen“ erklärt, weltweit droht laut dem Gay Travel Index Homosexuellen in 15 Ländern die Todesstrafe und auch in Deutschland finden im öffentlichen wie privaten Raum regelmäßig homo- oder transfeindliche Übergriffe statt. In der Juniausgabe 2021 der G+L setzen wir mit positiven Beispielen ein Zeichen für eine bunte Stadt. Wir stellen dabei den Ansatz des Queer Inclusive Planning vor und diskutieren mit Expert*innen der Stadtgesellschaft wie Planung Vielfalt und Toleranz in unseren Städten unterstützen und fördern kann. Im Editorial der G+L 06/21 stellt sich Chefredakteurin Theresa Ramisch die Frage, wie wir die gesonderten Bedürfnisse an den öffentlichen Raum, im Sinne einer bunten und vielfältigen Stadtplanung berücksichtigen können.

LGBTIQ-Community bleibt eine Minderheit trotz zunehmender Rechte

Juni ist sogenannter „Pride Month“. Weltweit erinnert die LGBTIQ-Community in diesem Monat an den Aufstand in der New Yorker Schwulenbar „Stonewall Inn“ im Jahr 1969. Infolge mehrerer Razzien widersetzten sich hier in einer Juninacht homosexuelle und transidente Personen den Festnahmen der New Yorker Polizei. Es folgten massive Proteste, die rund eine Woche anhielten und von Straßenschlachten begleitet wurden.

Heute definiert der Stonewall-Aufstand für viele den Beginn der Schwulen- und Lesbenbewegung sowie einen zentralen Wendepunkt in ihrem Kampf für Gleichbehandlung und gesellschaftliche Anerkennung. Denn: Bereits einen Monat nach den Unruhen fand 1969 der erste „Gay March“ vom Washington Square zum Stonewall Inn statt. Die ersten „Gay Pride“-Umzüge folgten ein Jahr später.

In Deutschland ist das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung im Grundgesetz verankert. Zudem trat im Oktober 2017 die „Ehe für alle“ in Kraft. Trotz zunehmender Rechte bleibt die LGBTIQ-Community eine Minderheit, die vielerorts weiterhin verfolgt oder sozial ausgegrenzt wird. In Polen führten beispielsweise rund 100 Woiwodschaft seit dem Jahr 2019 „LGBT-freie Zonen“ ein.

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Wandel der Lebenskonzepte

In den ersten beiden Ausgaben des diesjährigen Stadt Spezials diskutierten wir in der G+L den zunehmenden Flächendruck in unseren Metropolen sowie die Zukunft des ländlichen Raums. In dieser dritten und letzten Ausgabe geht es darum, dass wir nicht nur mehr Menschen in unseren Städten und weniger auf dem Land, sondern auch als Gesellschaft bunter werden. Der demografische Wandel lässt sich nicht nur auf Alter und Wanderung reduzieren, auch die Diversität der Lebensstile nimmt zu.

Wie wir mit diesem Wandel der Lebenskonzepte als Planer*innen umgehen, das diskutieren wir im vorliegenden Heft anhand der LGBTIQ-Community. Queere Lebenskonzepte stehen dabei stellvertretend für die zunehmende bunte Vielfalt in unseren Städten – auch wenn die LGBTIQ-Community als Minderheit nur einen Teil der Diversität ausmacht. Gleichzeitig ist planungstechnisch relativ wenig über sie bekannt.

Was ist zu beachten bei einer bunten und vielfältigen Stadtplanung?

LGBTIQ – allein die Bezeichnung ruft bei vielen Planer*Innen eine gewisse Verunsicherung hervor. Wie bezeichnet man Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder intersexuell definieren, am besten? Stellen Queers gesonderte Bedürfnisse an den öffentlichen Raum, die wir im Sinne einer bunten und vielfältigen Stadtplanung beachten müssen? Und sollten wir dies überhaupt tun, wenn es doch eigentlich unsere Aufgabe ist, Räume für alle zu gestalten? Alle diese Fragen stellen wir in der Juniausgabe 2021. Und werfen hierfür unter anderem einen Blick nach Freiburg, Mainz und Wien. In diesem Sinne: Happy Pride!

PS: Dieses Heft ist die letzte Ausgabe der diesjährigen Stadt-Spezial-Serie. Unter dem Motto „Städte für morgen“ diskutieren wir in drei aufeinanderfolgenden Heften drei Themen, an denen aktuell keine Planungs­abteilung vorbeikommt.

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Grünflächen und Gewächse steigern die Aufenthaltsqualität in Innenstädten – keine Frage. Im Rahmen einer Bachelorarbeit hat die niederländische Studentin Djemie Brands von der Universität Wageningen weitere positive Effekte ausmachen können, die städtisches Grün auf Passanten hat: Neben einer längeren Verweildauer beeinflusst Bepflanzung außerdem das Konsumverhalten. Potentielle Kunden verbringen insgesamt mehr Zeit vor und in den Geschäften und geben dort mehr Geld aus.

Ein ganzer Strauß positiver Effekte

Die Ergebnisse der Arbeit: Menschen fühlen sich in der Umgebung von gepflegten Gewächsen sicherer – eine niedrigere Kriminalitätsrate in begrünten urbanen Gegenden bestätigt das. Das blumige Umfeld stärkt die soziale Interaktion: Grüne Ecken sind bevorzugte Treffpunkte und beeinflussen Stimmung und Atmosphäre. Darüber hinaus finden eine längere Interaktion zwischen den Menschen und ein allgemein längerer Aufenthalt statt. Und das wirkt sich auf die Ökonomie aus: Das Konsumverhalten in den Geschäften vor Ort steigt.

Gezielte wirtschaftliche Stärkung

Werden nun alle Flächen vor unseren Konsumtempeln grün? Vielleicht! Denn, die Erkenntnisse, die Brands gewonnen hat, zeigen, dass die Begrünung unserer Umwelt eine relativ einfache Möglichkeit der wirtschaftlichen Stärkung unserer Städte darstellt. Mit Hilfe von Pflanzen können gezielt bestimmte Straßenzüge und Ladenzeilen hervorgehoben und revitalisiert werden, ohne hohe Summen zu investieren. Natürlich sind für eine wirtschaftlich erfolgreiche Innenstadt viele weitere Aspekte wichtig. Eine, dem Angebotsportfolio angepasste Begrünung könnte dabei jedoch wichtiger Baustein sein, ein Einzelhandelskonzept oder eine Öffentlich-private-Partnerschaft zu unterstützen.

Feministische Stadtplanung – Die G+L im Juli 2023

Coverbild: Coline Beulin via Unsplash
Coverbild: Coline Beulin via Unsplash

Frauen würden bis heute in der Stadtplanung benachteiligt – diese Aussage stützt nicht nur die Urbanistin Leslie Kern („Feminist City“), sondern auch neuste Berichte der Vereinten Nationen. Wir wollen wissen: Ist dem wirklich so? Was unterscheidet die feministische von der maskulistischen Stadt? Und wie müssen wir Planer*innen auf diese gesellschaftliche, zunehmend höchst emotional geführte Debatte reagieren? Im Juli finden wir Antworten.

Feminismus – ein negativ besetztes Wort

Als Feministin würde ich mich selbst nie bezeichnen. Dabei bin ich mit jeder Faser meines Seins für Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern – in persönlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Belangen. Ich denke auch, dass Frauen insbesondere im beruflichen Kontext weiterhin oftmals Nachteile haben und fehlende Aggressivität kein Grund für weniger Gehalt sein darf. Und ich stehe klar gegen jede Form des männlichen (aber auch weiblichen) Machtmissbrauchs auf jeder Ebene. Macht mich all das zur Feministin? Nein. Mich Feministin zu nennen, käme für mich gar einer Abwertung gleich. Das Wort ist negativ besetzt. Man assoziiert damit eine aggressive, unsachliche Form der weiblichen Pseudo-Behauptung. Vollkommen bescheuert. Natürlich kann Feminismus objektiv, ruhig und zielgerichtet sein.

Eine Stadt für alle

Aber: Ich kann nachvollziehen, dass Menschen, ohne viel über feministische Stadtplanung zu wissen, allein bei dem Begriff schon die Augen verdrehen. Sie würden es sicherlich nicht tun, machte die Bezeichnung direkt deutlich, dass es hierbei um weit mehr gehen kann als nur die Berücksichtigung weiblicher Bedürfnisse in der Stadtentwicklung; sondern eigentlich um eine Stadt für alle, eine Stadt der kurzen Wege, eine grundsätzlich sichere und inklusive Stadt. So verstehen zumindest wir in der Redaktion nach intensiven Recherchen und Expert*innen-Gesprächen feministische Stadtplanung. Und ich kann nachvollziehen, dass sich der Begriff der feministischen Stadtplanung eher verselbstständigt hat und nun gerne für mediale und politische Zwecke genutzt wird (was ja nicht unbedingt nur schlecht sein muss).

Feministische Stadtplanung – Was heist das überhaupt?

Umso wichtiger ist es für uns, dass wir das Thema im vorliegenden Heft aufs Tableau bringen und neben ausgewählten Expert*innen auch eine Stichprobe an Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen (konkret 564 Planer*innen) zu Wort kommen zu lassen. Hierfür haben wir eigens eine Online-Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine feministische Stadtplanung?“ durchgeführt. Das Ergebnis: Bei Weitem nicht alle Befragten können sagen, was feministische Stadtplanung genau ist – und die Meinungen dazu sind sehr geteilt. Wir in der Redaktion bezweifeln, dass eine Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine Stadt für alle?“ ein ähnlich geteiltes Meinungsbild zeichnen würde. Wir müssen uns also der Frage stellen: Wie zuträglich ist der Begriff der feministischen Stadtplanung ihren tatsächlichen Zielen? Schreiben Sie mir, was Sie aus der Ausgabe für sich mitnehmen. Ich freue mich, es zu lesen.

Das Juli-Heft „Feministische Stadtplanung“ gibt es hier im Shop.

Im Juni haben wir uns im Rahmen unserer Stadt-Spezial-Serie mit Hitze in der Stadt beschäftigt. Mehr dazu hier.