27.10.2020

Gesellschaft

Studie über Europäische Stadtplätze

von Anne Fischer

Eine städtebauliche Studie, die europäische Stadtplätze des 21. Jahrhunderts unter die Lupe nimmt: Rezension zur Publikation „Die neue Öffentlichkeit – Europäische Stadtplätze des 21. Jahrhunderts“ von Hilde Barz-Malfatti und Stefan Signer.

Das Buch bespricht unter anderem den Sechseläutenplatz in Zürich (Entwurf von vetschpartner Landschaftsarchitekten) ...
... und den Israels Plads in Kopenhagen (Entwurf von COBE).

Versiegelte Plätze dominieren

Fotos: Manuela Bauer, Agentur Focus; Rasmus Hjorthsoj, COAST

Die Architekten Hilde Barz-Malfatti und Stefan Signer analysieren in ihrer jüngsten Publikation „Die neue Öffentlichkeit – Europäische Stadtplätze des 21. Jahrhunderts“ insgesamt 32 Platzgestaltungen aus sechzehn europäischen Ländern. 

Repräsentativität und historisches Erbe in allen Ehren, doch der moderne urbane Raum, schreiben Barz-Malfatti und Signer, hat wichtigere Funktionen zu erfüllen – und das bitte möglichst parallel. Ihre Auswahl zeigt allerdings, dass das allumfassende Ziel „schöner, umweltfreundlicher, autofreier, vielfältig nutzbarer Platz“ in der Realität bisher kaum zu finden ist: Beim Versuch, hohe Aufenthaltsqualität, verschiedene Nutzergruppen, unterschiedliche Mobilitätsformen und klimagerechte Gestaltung unter einen Hut zu bringen, leidet meist zuerst das gestalterische Gesamtbild.

Dem Autorenteam gelingt dennoch eine motivierende städtebauliche Studie, und das ist ihrem Ansatz zu verdanken, sich in acht Kategorien auf jeweils vorbildliche Aspekte zu konzentrieren: Bei den „Verteilern“ stellen sie etwa Plätze vor, die Funktionalität bei den Verkehrsströmen und Aufenthaltsqualität vereinen. „Die Impulsgeber“ sind Plätze, die den Auftakt zu Neuem geben, zum Beispiel bei der Aufbereitung von Brachflächen und der Planung neuer Quartiere. Besonders spannend sind „Die Resilienten“: zukunftsweisende Plätze, die auf die Klimakrise „reagieren“, Störungen wie Starkregen trotzen und spannende Grünflächen vorweisen. Abseits dieser Kategorie fallen die Beispiele für naturnahe, vegetationsreiche Raumkonzepte spärlich aus – es scheint, als dominierten bislang versiegelte Flächen Europas Plätze.

Studie als Impulsgeber

Insgesamt eignet sich das Buch als Impulsgeber: In ihren zeichnerischen Analysen greifen die Autoren zahlreiche Details auf, etwa zu Fragen der Zonierung, Raumbildung und Lichtgestaltung. Ihre Auswahl zeigt, dass attraktiver Freiraum überall entstehen kann, wo Städte und Planer mutig und innovativ denken – mag das „Ausgangsmaterial“ zunächst auch wirken wie eine unliebsame Restfläche.

„Die neue Öffentlichkeit – Europäische Stadtplätze des 21. Jahrhunderts“
Hilde Barz-Malfatti, Stefan Signer
M Books, Weimar 2020
384 Seiten, 58 Euro

 

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