Wirkmächtigkeit von Kunst

wie wir mit unserer Umwelt umgehen. (Foto: Olaf Otto Becker)

Nachhaltigere Wirkung als Text

Die Ausstellung “Der Blaue Planet” im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Augsburger Glaspalast läuft noch bis Ende des Jahres. Sie macht auf die Probleme des Klimawandels aufmerksam – mal ganz anders. Statt Katastrophenmodellen zeigt die Ausstellung Kunst, die eindrücklich und provokativ zugleich ist.


Ilulissat 13, 07/.2015, 69° 12' 12'' N, 51°14' 30''
Die Aufnahme eines Eisbergs in Grönland (Sculptures of Change) des Münchner Künstlers Olaf Otto Becker ist eine der beeindruckenden Fotografien der Ausstellung "Der Blaue Planet". Sie macht uns darauf aufmerksam, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. (Foto: Olaf Otto Becker)

 

Gleichmäßiges, beruhigendes Meeres­rauschen und großformatige ästhetische Landschaftsfotografien empfangen die Besucher der empfehlenswerten Ausstellung „Der Blaue Planet“, die noch bis Ende des Jahres in den Räumen des H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Augsburger Glaspalast zu sehen ist.

Erstaunen macht sich breit, soll es in der Ausstellung doch darum gehen, so der Einführungstext im Eingangsbereich, wie wir Menschen unseren Lebensraum Erde zunehmend mutwilligen Zerstörungen aussetzen. „Die Verschmutzung von Luft und Gewässern, eine überbordende Abfall­produktion, CO2-Ausstoß und die damit verbundene Klimaerwärmung stellen uns, zusammen mit den großen sozialen Umwälzungen der Gegenwart, vor ein grundsätzliches, alle angehendes und globales Existenzproblem“. Da erwartet man eigentlich andere Bilder und Töne. 

„Täglich werden wir von den Medien mit diesen Problemen konfrontiert“, so Thomas Elsen, Kurator der Ausstellung. „Irgendwann stumpft das leider ab“. Daher ist es Elsens Anliegen auf andere Weise auf das dringliche Thema aufmerksam zu machen: über die Kunst. Und in der Tat, die Foto­grafien, Video- und Rauminstallationen der Ausstellung haben eine weitaus nachhaltigere Wirkung als jeder noch so gut geschriebene Zeitungsartikel.

Nicht abstumpfen, handeln

Nimmt man sich die Zeit und taucht tiefer ein zum Beispiel in die auf den ersten Blick so ästhetisch daherkommenden Gletscher-Fotos des Münchner Fotografen Olaf Otto Becker, sieht man plötzlich die Risse im schmelzenden Eisberg oder das dunkle Grau des verschmutzten Meerwassers. Die tschechische Künstlerin Jetlová macht direkter aufmerksam auf das, was da schiefgeht auf unserem Planeten. Indem sie mit Worten wie „Why“ oder „Essential is visible“ auf die in schwarz-weiß Ästhetik dargestellten Gletscher projiziert, die durch Hängung in Leuchtkästen besonders ins Auge stechen, regt sie zum Nachdenken an: Über das Verhalten und die Verantwortung eines jeden von uns. 

Man wünscht sich, dass die Ausstellung weiterwandert. Am besten an noch viel öffentlichere Orte als Museen. Damit sie möglichst viele Menschen erreicht und wir nicht weiter abstumpfen, sondern handeln. Denn am Ende schaden wir nur uns selbst.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren
luftaufnahmen-von-gebauden-unter-strahlend-blauem-himmel-TK5I5L5JGxY
KI erkennt Nutzungskonflikte auf Grünflächen
Ausstellung „Ephemeral Urbanism“
ein-mann-geht-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlang-o5pInmP3PKk
Connected Urban Furniture – smarte Stadtmöbel als Datenknoten
ein-blauer-bus-fahrt-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-hinunter-p_Gg3dlEzwg
Open Mobility Data – Chancen und Risiken für die Stadtplanung
Gedenkstätte Steilneset in Vardø
Musik für die Augen
Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Bebauungsplanverfahren
Bebauungsplanverfahren: Prinzip und Bedeutung einfach erklärt
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Was ist Pretraining? – wie KI allgemeines Wissen für Städte lernt
Blühende Stadt
Preisträgerin des Oberlander-Preises 2021
Julie Bargmann gewinnt Cornelia-Hahn-Oberlander-Preis
Foto: Iris auf Pixabay
Foto: Iris auf Pixabay

Das Centre Pompidou wird Ende 2023 im Zuge von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen für mindestens drei Jahre schließen. Anstatt sieben Jahre bei Teilbetrieb den Renzo Piano Bau zu renovieren, beschloss man in Paris, den ikonischen Röhrenbau komplett dicht zu machen.

Schließung destabilisiert vielleicht das Centre Pompidou

„Nous n’avons plus le choix, le bâtiment est en souffrance (zu Deutsch: Wir haben keine Wahl mehr, das Gebäude ist in Not.)“, sagte Serge Lasvignes vergangene Woche Montag. Er verkündete damit, dass das Pariser Wahrzeichen Centre Georges Pompidou im Zuge zwingend notwendiger Sanierungsmaßnahmen für mindestens drei Jahre schließt.

Der Präsident des Museums räumte damit den maroden Zustand des markanten Pariser Baus ein. Das staatliche Kunst- und Kulturzentrum nennen die Pariser*innen liebevoll „La Raffinierie“. Es soll Ende 2023 schließen um mit einer Investition von 200 Millionen Euro spätestens zum 50-jährigen Jubiläum 2027 wieder fit zu sein.

Gemeinsam mit der französischen Kulturministerin Roselyne Bachelot stand Serge Lasvignes vor der Wahl, den markanten Röhrenbau von Renzo Piano und Richard Rogers für sieben Jahre bei geöffnetem Zustand zu sanieren oder ihn für drei Jahre komplett dicht zu machen. Man entschied für sich letzteres.

Interessant dabei: Das „Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou“, benannt nach dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou, war bereits vor zwanzig Jahren für zwei Jahre zu – aufgrund von Renovierungsarbeiten. Wie Le Figaro berichtete, machte die Ministerkommission für Immobilien bereits 2016 auf den maroden Zustand des Centre Pompidou aufmerksam. Wirklich passiert ist den vergangenen vier Jahren jedoch nichts. Niemand wollte, so Le Figaro, der Überbringer der schlechten Nachricht sein, die das Pariser Kunst- und Kulturzentrum als Ganzes destabilisieren könnte.

120 000 zeitgenössische Kunstwerke im Centre Pompidou

Mit dem Ziel Personen aller Gesellschaftsschichten in Paris freien Zugang zu Wissen zu ermöglichen, wurde das Centre Pompidou am 31. Januar 1977 eröffnet. Heute beherbergt der ikonische Röhrenbau das Musée National d’Art Moderne und insgesamt mehr als 120 000 Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Zudem ist es Zuhause eines Industriedesignzentrums, einer Bibliothek, einem Musikforschungszentrum, einer Kinderwerkstatt, Kino-, Theater- und Vortragssäle, einer Buchhandlung sowie einem Restaurant und einem Café.

Lasvignes: Sanierungszeitplan fußt auf Treibsand

Fest steht: Der Bau im 4. Arrondissement in Paris hat in den letzten Jahren neue „Falten“ entwickelt. Das Museum kämpft mit Rost an Stahlträgern, Klimatisierungsproblemen in den Rolltreppenröhren, veralteten Aufzügen und Asbest. Um zum 50-jährigen Jubiläum wieder strahlen zu können, muss man jetzt ran. Zugleich haben die Folgen der Corona-Pandemie das Centre Pompidou – wie auch allen andere Kultureinrichtungen – schwer getroffen. Während Frankreich aufgrund der hohen Infektionszahlen und der Virusmutation am Sonntag seine Grenzen zu Nicht-EU-Ländern dicht machte, bleiben auch die Tore des Centre Pompidou geschlossen.

Auf die Interviewfrage von den Le Figaro Kolleg*innen Valérie Duponchelle und Bertrand de Saint Vincent, wie Serge Lasvignes in diesen chaotischen Zeiten einen Zeitplan für die Sanierung aufstellt, antwortet dieser mit „Des sables mouvants, voilà le contexte“. Er verdeutlicht damit, dass er sich im Zuge der Sanierungsarbeiten wie auf Treibsand bewegt. Das zentrale Merkmal dieser Zeit, so der Chef des Centre Pompidous, das sei die Unsicherheit.

Christo-Ausstellung im Centre Pompidou

Welchen Verlust die aktuelle und geplante Schließung des Centre Georges Pompidou darstellt, das bestätigt die Erinnerung an die Ausstellung „Christo und Jeanne-Claude, Paris!“ Diese fand vergangenen Sommer im Centre Pompidou statt. Vermutlich hat sie aber im Zuge eigener moralischer Reisebeschränkungen kaum jemand von uns gesehen. Jedenfalls defintiv niemand aus der G+L-Redaktion. Die Ausstellung im Centre Pompidou nahm die Anfänge des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude in den Blick. Sie dokumentierte, wie die zwei Künstler*innen mehrere Jahre dafür kämpften im Jahr 1985 die Pont Neuf in Paris zu verhüllen. Die Ausstellung eröffnete drei Monate später als geplant am 1. Juli.

Christo selber erlebte die Hommage an ihn und seine Frau bedauerlicherweise nicht mehr. Er verstarb am 31. Mai 2020 (lesen Sie hier einen Nachruf). Jeanne-Claude verstarb bereits im November 2009 an einer Hirnblutung. Das letzte Projekt, an dem Christo vor seinem Tod gearbeitet hat, die Verhüllung des Pariser Triumphbogens, soll jedoch trotzdem realisiert werden. Die Kunstaktion ist für Herbst 2021 geplant. Und bis dahin ist ja vielleicht, vielleicht auch das Centre Pompidou wieder eröffnet … bis es dann wieder zumacht.

Der Pablo-Neruda-Garten in Berlin

Ein Gartenidyll und ein kleiner Sportplatz erwarten seit Herbst diesen Jahres Besucher der Frankfurter Allee 14 im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Der neu gestaltete Schul- und Sporthof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums und der angrenzende Pablo-Neruda-Garten hinter der Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda liegen etwas versteckt und zugleich in unmittelbarer Nähe des verkehrsreichen Frankfurter Tors. Beide Projekte sind Teil der umfassenden Neugestaltung des Kultur- und Bildungsstandorts an der Frankfurter Allee, die vom Berliner Büro LA.BAR Landschaftsarchitekten seit 2012 geplant und durch das Programm Stadtumbau Ost gefördert wird.

Um eine möglichst hochwertige und einheitlich Gestaltung sicherzustellen, führte der Fachbereich Stadtplanung in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg ein Gutachterverfahren unter Beteiligung mehrerer Landschaftsplanungsbüros durch. LA.BAR entwarfen einen Verbund aus Freiflächen mit unterschiedlichen Funktionen. Dazu gehören, neben dem noch zu bauenden repräsentativen Bibliotheksvorplatz und dem ruhigen Vorplatz der Schule, die nun fertiggestellten neue Schulsportanlagen sowie der südlich gelegene Bibliotheksgarten als Ruhezonen.

Pablo-Neruda-Garten soll 2017 fertig werden

Der Umbau der ehemaligen Franz-Fühmann-Schule zur Bezirkszentralbibliothek “Pablo Neruda” brachte nicht zuletzt wegen ihrer hervorstechenden Architektur eine deutliche Aufwertung für das Umfeld des Frankfurter Tors. Nun erhielt das 2010 eröffnete Bibliotheksgebäude ein angemessenes Umfeld in Form einer kleinen, idyllischen Parkanlage. Der 2.200 Quadratmeter große, öffentliche „Pablo-Neruda-Garten“ ist ein Ort zum Entdecken – einziger Hinweis auf seine Existenz ist die große Glasfassade in der Bibliothek, die den Blick auf den Garten freigibt. Die prägenden Elemente sind eine große Rasenfläche mit Sonnenliegen aus Holz, ein Himalaya-Birkenhain und eine lange Gartenbank mit Tischen aus Holz. Der Zaun zum Sportplatz ist hinter hohen Gräsern getarnt. Eine platzartige Aufweitung im Rundweg steht für Lesungen und Veranstaltungen der Bibliothek zur Verfügung. Die versteckte Ruheoase im großstädtischen Umfeld hat 210.000 Euro gekostet.

An das Bibliotheksgebäude grenzen die im Mai 2014 fertiggestellten Sportanlagen und der Schulhof des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums. Die 3.800 Quadratmeter große Freifläche der Schule verfügen nun über eine 100-Meter-Laufbahn, eine Weitsprunganlage mit Kunststoffbelag sowie einen abwechslungsreichen Kletter-Parcours, eine Motorik-Strecke und eine Tischtennisplatte. Zudem gibt es Bänken und Podesten zum klettern und pausieren. Die gelblichen und grauen Farbtönen und auch die  Materialität orientieren sich an der Umgebung und fügen sich harmonisch in den Bestand ein. In die Erweiterung des Sportbereiches wurden 530.000 Euro investiert.

In den nächsten Bauabschnitten werden die Vorplätze der Bibliothek und der Schule, das Umfeld einer neuen Aula und eine Kita gebaut. Durch eine übergreifende Gestaltung der Freiflächen soll der städtebauliche Zusammenhang der Einrichtungen gestärkt werden. Der Vorplatz der Bibliothek als Ruhezone mit Sitzgelegenheiten soll dabei ein wichtiger Treffpunkt und Identifikationsort für Friedrichshain werden und adäquate Erholungsflächen für die Bibliotheksnutzer und die Schüler bieten. Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme ist für 2017 vorgesehen.

 

Pablo-Neruda-Garten, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen, FB Hochbau
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 2.200 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 210.000 Euro

 

Außenanlagen Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, Berlin-Friedrichshain

Bauherr: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Grünflächen
Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten, Berlin
Rüdiger Amend, Eike Richter
Fläche: 3.800 Quadratmeter
Projektzeitraum: 2012 bis 2014
Baukosten: 530.000 Euro

Standort: Google Maps

Auch interessant: Der jüdische Garten für die Gärten der Welt in Berlin. Eine Ausstellung zeigte 2019 den Siegerentwurf vom Atelier le balto.