Goldgrube Kunst?!

In Berlin-Kreuzberg baut die Kölner Firma Pandion das ambitionierte Gewerbeprojekt „The Shelf“. Vor Baubeginn durften Kreative die alten Räume des Autovermieters Robben&Wientjes zwischennutzen. Wer ist Gewinner und Verlierer solcher Projekte?

Die Kreativen sind weg, aber die Fragen sind geblieben. Was wird aus der Gegend um den Berliner Moritzplatz, wenn das Neubauprojekt „The Shelf“ fertiggestellt ist? Was aus den Künstlern, die zwei Monate lang Ateliers und Ausstellungsmöglichkeiten gefunden haben? Kehren sie an den Moritzplatz zurück? Und was ist geblieben von einer Berliner Ecke, die lange Zeit eine raue Kreuzberger Ecke gewesen ist – mit dem Lkw-Verleih Robben&Wientjes und einer Tankstelle statt schicken, teuren Büros?

Der Weg zur Kunst

Anfang 2018 hat Robben&Wientjes aufgegeben. Eine Kreuzberger Institution. Fast jeder in Berlin kannte die Firma, wer umzog, holte sich dort eine „Robbe“, die Leihgebühr war okay, das Prozedere unkompliziert. Dietmar Robben und Ulrich Wientjes verkauften ihre Autovermietung an die Firma Buchbinder, doch die wollte den Kreuzberger Standort nicht halten. Also schlug das Kölner Unternehmen Pandion AG zu. Seitdem heißt das Gebäude „The Shelf“. Wie Regale sollen sich die Büroräume künftig stapeln, für jeden was dabei, vorausgesetzt das nötige Geld ist da, denn für den kleinen Geldbeutel wird es eng am Moritzplatz.

Noch aber waren die Räume des Autovermieters da, die in den Sechzigerjahren für den Kaffeeröster Jacobs gebaut worden waren: der Empfangsraum, die Büros, die Werkstatt. Anstatt sofort mit dem Neubau zu beginnen, lud der Investor Künstler ein, um die leeren Räume zu bespielen. „Off Location“ nannte sich diese Zwischennutzung, an der auch die Fotografieschule Ostkreuz und die Kunsthochschule Weißensee beteiligt waren. Letztere stellte dort die Arbeiten der Abschlussklasse 2018 aus. Insgesamt waren 160 Künstler aus 17 Ländern an der Zwischennutzung beteiligt, und auch der Zuschauerzuspruch war enorm. An den 56 Tagen, in denen auf dem Robben&Wientjes-Gelände Kunst gemacht und gezeigt wurde, kamen fast 60 000 Besucher.

Mit kreativem Chaos zum Erfolg?!

Den Berliner Pandion-Vertreter Matthias Groß hat es gefreut: „Wir wollen hier im Kiez das soziale Engagement stärken, etwas für die Nachbarn und mit den Nachbarn machen, die Kulturlandschaft Berlins beleben und etwas für unser Image tun“, sagte er einer Onlineplattform zur Motivation seines Unternehmens, Räume für Kunst zur Verfügung zu stellen. Gerade die Gegend um den Moritzplatz sei ein besonderer Standort: „In Kreuzberg haben wir traditionelle Gewerbetreibende, Produktionen, die Kreativwirtschaft und die Kultur.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel in Ga+La 10/2019.