indem sie eins von drei Bannern wählten. Foto: Department für öffentliche Erscheinungen

Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet – dem ehemaligen Sudetenland – sind die Wunden, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts vom Nationalsozialismus über den Zweiten Weltkrieg bis zum Kalten Krieg geschlagen hat, spürbar geblieben wie in kaum einer anderen Region Mitteleuropas. Ganze Landschaften mit einer jahrhundertelangen Siedlungs- und Kulturgeschichte sind aus den unterschiedlichsten Gründen bis heute verlassen. Die einst sehr vielfältigen und kleinteiligen Verknüpfungen über die Grenzen hinweg entstehen nur sehr langsam wieder. Das ist nicht nur den geschichtlichen Vorbelastungen geschuldet, ländliche und periphere Regionen kämpfen heute überall mit Bevölkerungsschwund und Bedeutungsverlust.

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kulturhauptstadt 2015 Pilsen Initiativen gestartet, die Ideen, neue Konzepte, Aktivitäten und Projekte zu einer nachhaltigen Entwicklung der Kulturlandschaft beiderseits der Grenze beitragen sollen. Eines dieser Projekte ist „Recovering Landscape – Výškovice“. Für den verlassenen tschechischen Ort Výškovice sollten Konzepte für eine zukünftige Entwicklung formuliert und eine Land-Art Installation im Rahmen der Kulturhauptstadt 2015 entwickelt werden. Vyskovice, ehemals Wischkowitz war ein kleiner Weiler in der Hochlage des Kaiserwalds nahe Marienbad. Heute stehen nur noch ein Haus, eine kleine, vom Verfall bedrohte Kapelle sowie ein Goethestein, der an den Besuch des Dichters erinnert. Von der einstigen Ausdehnung des Ortes zeugen noch Fundamente, Teiche, Feldwege, Obstbäume, Alleen und eine Dorflinde. Die umgebende Landschaft ist heute vollständig an einen internationalen Rinderzuchtbetrieb verpachtet. Wo einst eine kleinteilige Kulturlandschaft war, befinden sich heute riesige Weiden mit halbwild lebenden Rinderherden. Es sind – zumindest aus hiesiger Sicht –  durchaus attraktive, extensive Weide- und Waldlandschaften von mitunter hohem naturschutzfachlichem Wert entstanden. Bei den Menschen der Region allerdings besteht eine große Sehnsucht die verlorenen, geordneten Kulturlandschaften zurückzugewinnen. Diese wichtige Erkenntnis und dass diese Gebiete auch für die tschechische Bevölkerung bis heute vor allem für Verlust, Verwahrlosung und Trauer stehen, war nicht unbedingt zu erwarten.

In einem international ausgeschriebenen Wettbewerb wurden während eines Workshop-Verfahrens vor Ort zwei Entwürfe für die Realisierung ausgewählt. Eva Wagnerova und Vit Rypar aus Brno und Prag schlagen vor einen großen Tisch als Installation am Ort der Wohnstube eines heute verschwundenen Hofs aufzustellen, die Obstbaumbestände zu erneuern und die heute meist für die Öffentlichkeit gesperrten Feldwege zu den Nachbarorten zu öffnen.

Während dieser Entwurf die geschichtlichen Spuren vor Ort thematisiert, leitet unsere Kooperation der Künstlergruppe Department für öffentliche Erscheinungen (Peter Boerboom, Gabriele Obermeier, Carola Vogt, Silke Witzsch) und Irene Burkhardt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner (mit Oliver Engelmayer und Edgar Kaare), alle München, die Frage an die Öffentlichkeit in den umgebenden Orten und Städten weiter: „Was soll mit Výškovice in Zukunft geschehen?“ Im Rahmen von partizipativen Kunstaktionen wurden Passanten in Pilsen, Tachov und Plana gefragt, was sie mit einem verlassenen Dorf wie Wischkowitz / Výškovice machen würden. Zur Verfügung standen Banner in drei verschiedenen Farben mit den Slogans „nechat byt / let go / lassen“, „zachovat / retain / behalten“ und „obnovt / recover / beleben“. Etwa 400 Passanten wählten ein Banner aus und ließen mit ihren persönlichen Kommentaren oder differenzierten Begründungen ein sichtbares Stimmungsbild entstehen. Überwiegend positive und konstruktive Kommentare zeigten, wie wichtig viele Teilnehmer fanden, dass dieses heikle, lange tabuisierte Thema auf diese Art offen angesprochen und diskutiert wird.

Die gesammelten Banner werden in Vyskovice als Landschaftsinstallation ausgestellt. Besucher werden eingeladen, den Ort zu erforschen und die eigenen Impressionen mit ihren Kommentaren zu spiegeln. Die ursprünglichen Entwürfe sahen eine Banner-Line vor, die von der Dorflinde hinaus in die Landschaft zu einem Treff- und Informationspunkt auf einen Aussichtshügel mit weiten Blicken über das Grenzland führen sollte. Da die benötigten Wege und Flächen, um die Banner aufzuhängen und einen Besuchertreff einzurichten, nicht zur Verfügung standen, werden die Banner nun zu Büchern zusammengefasst. Die Sammlung der Meinungsträger wird am Samstag, den 16. Mai im Rahmen der Konferenz „Menschen – Emotionen – Landschaften – Lösungen“ im verlassenen Výškovice präsentiert (siehe Flyer).

„Landscape banners – personal opinion made public“ startet so einen Impuls zum Nachdenken über Výškovice – stellvertretend für die vielen anderen heute verlassenen Orte im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Landschaft muss durch die Bewohner und Nutzer immer wieder neu entstehen und belebt werden. Nur dann kann – so die Vision –  aus dem „Grünen Vorhang“ des heutigen Grenzlandes wieder eine reichhaltige, belebte Landschaft werden, um Austausch und Begegnung Raum zu geben.

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Gartentier des Jahres 2021 gesucht

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Gartentier des Jahres 2021: Die Kanditat*innen

Sechs tierische Kandidat*innen stehen dieses Jahr zur Wahl für das Gartentier des Jahres 2021. Wer es wird, können Sie bis zum 13. Juni 2021 in einer Onlineabstimmung mitentscheiden. Alle zur Wahl stehenden Tiere stellen wir im Artikel kurz vor.

Seit 2010 vergibt die Heinz Sielmann Stiftung den Titel „Gartentier des Jahres“ an ein einheimisches Tier – so auch 2021. Mit der jährlichen Wahl des Gartentiers will die vom bekannten Tierfilmer und seiner Frau Inge Sielmann gegründete Stiftung auf die Wichtigkeit naturnaher Gärten für die Tierwelt aufmerksam machen. Wer mitwählt, hat dieses Jahr zudem die Chance auf eines von 60 Naturbüchern aus dem Kosmos Verlag.

Die 2021 zur Wahl stehenden Gartentiere sind, bis auf lokale Ausnahmen, noch keine ausgesprochen seltenen Besucher*innen in unseren Gärten geworden. Ihre Lebensräume werden jedoch immer kleiner und einige von ihnen haben bereits den Weg auf die Rote Liste gefährdeter Arten gefunden.

Hier sind die sechs zur Wahl stehenden Arten zum Gartentier des Jahres 2021 kurz für Sie vorgestellt:

Maulwurf (Talpa europaea)

Alfred Brehm beschrieb ihm in „Brehms Tierleben“ als „wahrhaft furchtbares Raubtier“ und sein Ruf konnte sich bis heute, trotz der lange ausgestrahlten Kinderserie „Der kleine Maulwurf“, nicht erholen. Seine Grabetätigkeit und die sich daraus ergebenden Erdhügel sorgen vielfach für Unmut bei Gartenbesitzer*innen und Nutzer*innen von Park- und Sportanlagen. Da er Fleischfresser und praktisch immer hungrig ist, begünstigt die Bekämpfung des Maulwurfs jedoch die Population von Schnecken und Engerlingen.

 

Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum)

Sie ist auch als Große Wollbiene bekannt und legt als Solitärbiene in geeigneten Hohlräumen in Holz, Mauern oder der Erde Brutzellen an. Ihren Namen verdankt sie ihrer Eigenschaft, diese Brutzellen mit Pflanzenwolle zu tapezieren, die sie von flaumigen Blättern und Stängeln absammelt. Anschließend werden die Brutzellen durch Material wie Blättchen und Steinchen getarnt. Wie alle weiblichen Bienen trägt auch die Garten-Wollbiene einen Wehrstachel, der allerdings zu schwach ist, um menschliche Haut zu durchdringen.

 

Stieglitz (Carduelis carduelis)

Auch bekannt als Distelfink, fällt der Stieglitz durch seine markante rote Gesichtsmaske auf. Er nutzt eine große Vielfalt an Sämereien für seine Ernährung und macht zeitweise auch nicht vor Blattläusen halt. In seiner Spezialisierung aufs Samenfressen hat er ein breites Repertoire an Techniken entwickelt, mit denen er geschickt an die Samenstände der verschiedensten Pflanzen gelangt. Bereits am Boden liegende Samen verschmäht er. Seine Nahrungspflanzen gelten als „Unkraut“, die Brachen, auf denen sie wachsen, als „unordentlich“.

 

Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)

Der vielleicht bekannteste Käfer überhaupt, jedenfalls aber die bekannteste Art des Marienkäfers. Der Siebenpunkt gilt mit seinen sieben schwarzen Punkten auf den Deckflügeln als Glücksbringer und wird seit Aufkommen des invasiven Asiatischen Marienkäfers seit den 80ern immer mehr aus seinen Lebensräumen verdrängt. Wegen seines großen Hungers auf Blattläuse sind er und seine Larven vor allem bei Gärtner*innen gern gesehene Gäste. Entgegen der weit verbreiteten Legende hat die Anzahl der Punkte eines Marienkäfers mit seinem Alter nichts zu tun.

 

Schwalbenschwanz (Papillo machaon)

Mit bis zu acht Zentimetern Flügelspannweite ist der Schwalbenschwanz einer der größten und auffälligsten Schmetterlinge Deutschlands. Bis zu drei Generationen kann er pro Jahr hervorbringen. Er meidet monotone Ackerflächen und bevorzugt Magerwiesen und Trockenrasen mit vereinzelt stehenden Futterpflanzen. Auch im Garten lässt er sich an Dill und Fenchel sehen. Seine prächtigen Raupen sind weniger populär, als der adulte Falter, zeichnen sie sich doch durch ihren großen Appetit auf Blattgrün aus. Werden sie bekämpft, leiden darunter aber Vögel und Kleinsäuger, die sie zur Ernährung ihrer Jungtiere benötigen.

 

Teilnahme an der Wahl zum Gartentier des Jahres 2021:

Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens)

Lassen Sie sich vom Namen der Gartenspitzmaus nicht in die Irre führen, denn sie gehört nicht wie die Maus zur Ordnung der Nagetiere, sondern zur Ordnung der Insektenfresser und ist so eher mit dem Maulwurf verwandt. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 8 Zentimetern und einem Gewicht von 7,5 Gramm ist sie allerdings wesentlich kleiner und leichter. Sie lässt gerne sich in offenem Gelände wie an Feldrändern, Brachflächen und Gärten nieder. In dichten Wäldern und Feuchtflächen ist sie nicht anzutreffen. Auf ihrem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen und Schnecken. Ihre Lebensräume sind durch zunehmend extensive Landwirtschaft gefährdet.

Die Teilnahme ist kostenlos und kann durch jede natürliche Person in mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz über ein Online-Formular erfolgen.

Mehr Informationen zur Wahl des Gartentier des Jahres 2021 und das Abstimmungsformular gibt es hier.

 

Totholz im Garten Anlegen: Bedeutung, Maßnahmen und Praxis

Naturnahe, artenreiche Stadtnatur zum Thema Totholz im Garten Anlegen
Treibholz am Strand – ein natürliches Relikt der Küstenlandschaft. Foto: scarlettweiss / Unsplash

Totholz im Garten anlegen ist weit mehr als das Aufschichten alter Äste in einer Ecke des Grundstücks. Es ist eine planerisch fundierte Maßnahme zur Förderung von Biodiversität, zur Schaffung ökologischer Nischen und zur Einbindung natürlicher Zerfallsprozesse in gestaltete Freiräume. Wer versteht, wie Totholz als Lebensraum funktioniert, welche Strukturen welche Arten ansprechen und wie diese Elemente in unterschiedliche Freiraumtypen integriert werden können, erschließt sich ein Instrument, das in der naturnahen Freiraumplanung zunehmend an Gewicht gewinnt.

  • Was Totholz ökologisch bedeutet und welche Funktionen es im Freiraumsystem übernimmt
  • Welche Totholztypen und -strukturen für welche Tiergruppen und Pilzgesellschaften relevant sind
  • Wie Totholzelemente in Privatgärten, öffentlichen Grünanlagen und naturnahen Freiräumen geplant und angelegt werden
  • Welche Holzarten, Dimensionen und Zerfallsstadien die größte ökologische Wirkung entfalten
  • Wie Totholz mit anderen Habitatstrukturen kombiniert wird und welche Synergien entstehen
  • Was bei Pflege, Verkehrssicherung und rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten ist
  • Welche häufigen Fehler beim Anlegen von Totholzstrukturen die ökologische Wirkung mindern
  • Wie Totholz in die Gesamtstrategie einer naturnahen Freiraumgestaltung eingebettet wird

Was Totholz ist: Definition, Ökologie und Bedeutung im Freiraumkontext

Als Totholz bezeichnet man abgestorbenes oder sterbendes Holzgewebe von Bäumen und Sträuchern, das sich in unterschiedlichen Stadien des biologischen Abbaus befindet. Der Begriff umfasst stehendes Totholz (abgestorbene Bäume, die noch aufrecht stehen, sogenannte Stehenden Totholzbäume oder Biotopbäume), liegendes Totholz (gefällte Stämme, Äste und Wurzelstöcke auf dem Boden), Stubben (Baumstümpfe nach Fällung oder natürlichem Bruch) sowie feineres Reisig- und Astmaterial. In der Forstwirtschaft und Naturschutzfachplanung wird Totholz nach Zerfallsgrad, Dimension und Position differenziert, weil diese Parameter unmittelbar bestimmen, welche Artengruppen den Lebensraum besiedeln können.

Die ökologische Bedeutung von Totholz ist in der Wissenschaft gut belegt. Schätzungen aus der Waldökologie gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil aller waldgebundenen Tierarten direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen ist. Xylobionte Insekten, also Arten, die ihren Lebenszyklus ganz oder teilweise im Holz verbringen, stellen allein in Mitteleuropa mehrere tausend Spezies. Hinzu kommen holzabbauende Pilze (Saproxylophyten), Moose, Flechten, Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien und zahlreiche Vogelarten, die Totholz als Nahrungsquelle, Brutplatz oder Überwinterungsquartier nutzen. In der Kulturlandschaft, in der natürliche Waldentwicklung weitgehend unterbrochen ist, kommt dem gezielten Totholz im Garten anlegen und in öffentlichen Grünanlagen eine Kompensationsfunktion zu, die weit über ästhetische Überlegungen hinausgeht.

Für die Freiraumplanung ist entscheidend, dass Totholz kein passives Element ist, das man einmalig platziert und dann vergisst. Es ist ein dynamisches System, das sich über Jahrzehnte verändert, unterschiedliche Sukzessionsstadien durchläuft und dabei zu verschiedenen Zeitpunkten verschiedene ökologische Nischen anbietet. Frisch gefälltes Hartholz spricht andere Besiedler an als ein seit zwanzig Jahren zersetzter Buchenstamm. Diese zeitliche Dimension muss bei der Planung berücksichtigt werden, wenn Totholzstrukturen dauerhaft wirksam sein sollen.

Totholztypen und ihre ökologische Funktion: Welche Struktur welche Arten fördert

Die Unterscheidung nach Totholztypen ist für eine zielgerichtete Planung unerlässlich. Stehendes Totholz, also Bäume, die nach dem Absterben aufrecht verbleiben, bietet Spechten optimale Bedingungen für die Anlage von Bruthöhlen. Diese Höhlen werden nach dem Verlassen durch die Spechte von Sekundärhöhlenbrütern wie Meisen, Kleibern, Staren und verschiedenen Fledermausarten genutzt. Stehendes Totholz entsteht in bewirtschafteten Grünanlagen nicht von selbst; es muss durch bewusstes Belassen abgestorbener Bäume oder durch das Ringeln und Töten einzelner Bäume an geeigneten Standorten aktiv geschaffen werden. Die Verkehrssicherungspflicht setzt dabei klare Grenzen, auf die später eingegangen wird.

Liegendes Totholz in Form dicker Stämme (ab etwa 20 bis 30 Zentimeter Durchmesser) ist der artenreichste Totholztyp überhaupt. Hier entwickeln sich über Jahrzehnte hinweg komplexe Gemeinschaften aus Pilzen, Käfern, Asseln, Tausendfüßern, Regenwürmern, Spinnen und Schnecken. Besonders wertvolle Käferarten wie der Hirschkäfer (Lucanus cervus), der in Deutschland auf der Roten Liste steht, sind auf mächtige Eichenstubben und liegende Eichenstämme mit vermorschtem Kernholz angewiesen. Feineres Astmaterial und Reisig hingegen bietet Kleintieren wie Igeln, Blindschleichen und Erdkröten Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten, ist aber weniger geeignet für xylobionte Spezialisten.

Stubben, also Baumstümpfe, nehmen eine Mittelstellung ein. Sie sind sowohl Lebensraum für holzabbauende Pilze als auch Nahrungsquelle für Spechte, die nach Larven graben. Gleichzeitig können Stubben, wenn sie aus Laubholz bestehen und nicht chemisch behandelt wurden, als Ausgangspunkt für natürliche Stockausschläge dienen, was die strukturelle Vielfalt des Standorts erhöht. Für die Planung gilt: Je größer der Durchmesser des Stubbens, desto höher sein ökologischer Wert. Ein Stubbe mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern ist einem solchen mit 15 Zentimetern ökologisch bei weitem überlegen.

Holzart und Zerfallsstadium als Planungsparameter

Nicht jedes Holz ist gleich wertvoll. Laubhölzer, insbesondere Eiche, Buche, Weide, Erle und Obstgehölze, weisen eine deutlich höhere Artenvielfalt an assoziierten Organismen auf als Nadelhölzer. Das liegt an der chemischen Zusammensetzung des Holzes, an der Rindenstruktur und an der Entwicklungsgeschichte der heimischen Fauna, die sich über Jahrtausende an einheimische Baumarten angepasst hat. Wer Totholz im Garten anlegen möchte und dabei auf heimische Laubholzarten zurückgreift, schafft deutlich wirksamere Habitate als mit Kiefernstämmen oder exotischen Hölzern.

Das Zerfallsstadium bestimmt, welche Artengruppen zu welchem Zeitpunkt profitieren. Frisch abgestorbenes Holz mit noch fester Rinde wird von rindenbrütenden Käfern und Prachtkäfern besiedelt. Im mittleren Zerfallsstadium, wenn das Holz weich und feucht wird, dominieren Pilze und pilzfressende Insekten. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn das Holz zu Mulm zerfällt, bietet es Lebensraum für spezialisierte Mulmbewohner wie den Eremiten (Osmoderma eremita), eine europaweit streng geschützte Käferart. Eine durchdachte Totholzplanung berücksichtigt alle Stadien gleichzeitig, indem sie Strukturen unterschiedlichen Alters und Zerfallsgrades nebeneinander anlegt.

Totholz im Garten anlegen: Planung, Dimensionierung und Umsetzung

Beim Totholz im Garten anlegen beginnt die Planung mit einer Standortanalyse. Feuchte, schattige Lagen eignen sich besonders für liegendes Totholz, weil die Feuchtigkeit den Zersetzungsprozess beschleunigt und die Artenvielfalt der Pilze und Wirbellosenfauna erhöht. Sonnige, trockene Standorte hingegen sind für xylobionte Käfer interessant, die wärmeliebend sind und offene, besonnte Holzoberflächen bevorzugen. Die Kombination beider Standorttypen auf einem Grundstück maximiert die ökologische Wirkung.

Für die Dimensionierung gilt: Größe zählt. Ein einzelner dicker Stamm von einem Meter Durchmesser und drei Metern Länge hat einen höheren ökologischen Wert als zehn dünne Äste zusammen. Wo es der Platz erlaubt, sollten Stämme mit mindestens 30 Zentimetern Durchmesser bevorzugt werden. Das Material muss nicht aus dem eigenen Garten stammen; Kooperationen mit kommunalen Bauhöfen, Forstbetrieben oder Obstbauern, die Altbäume entnehmen, sind eine sinnvolle Quelle für hochwertiges Totholzmaterial. Wichtig ist, dass das Holz unbehandelt ist, also frei von Lacken, Imprägnierungen oder Holzschutzmitteln, die die Besiedlung hemmen oder Organismen schädigen würden.

Die räumliche Anordnung sollte Vernetzung berücksichtigen. Totholzelemente, die isoliert auf einer Rasenfläche liegen, werden langsamer besiedelt als solche, die an bestehende Gehölzstrukturen, Hecken oder Staudenbeete angrenzen. Die Verbindung zu anderen Habitatstrukturen erleichtert die Einwanderung von Organismen und erhöht die Besiedlungsgeschwindigkeit. In größeren Grünanlagen empfiehlt sich eine Verteilung von Totholzelementen über verschiedene Bereiche, um ein Netz von Trittsteinbiotopen zu schaffen.

  • Laubholzarten bevorzugen: Eiche, Buche, Weide, Obstgehölze, Erle
  • Mindestdurchmesser für liegende Stämme: 20 bis 30 Zentimeter, besser mehr
  • Unbehandeltes, chemiefreies Holz verwenden
  • Feuchte und trockene Standorte kombinieren
  • Anschluss an bestehende Gehölz- und Staudenstrukturen herstellen
  • Verschiedene Zerfallsstadien gleichzeitig anlegen
  • Stehende Elemente (Stubben, Stehendtotholz) ergänzend einplanen

Totholz in öffentlichen Grünanlagen und naturnahen Freiräumen

In öffentlich zugänglichen Freiräumen stellt das Anlegen von Totholz besondere Anforderungen an Planung und Kommunikation. Die Verkehrssicherungspflicht, die Träger öffentlicher Grünanlagen gegenüber Nutzern haben, begrenzt die Möglichkeiten für stehendes Totholz erheblich. Abgestorbene Bäume, die im Bereich von Wegen, Spielflächen oder Aufenthaltsbereichen stehen, müssen regelmäßig auf ihre Standsicherheit überprüft werden. In der Praxis bedeutet das, dass stehendes Totholz in öffentlichen Grünanlagen entweder auf abgelegene, nicht zugängliche Bereiche beschränkt wird oder durch konstruktive Maßnahmen gesichert werden muss, etwa durch das Kürzen auf eine sichere Höhe oder durch Absperrungen.

Liegendes Totholz in öffentlichen Parks und Grünanlagen ist dagegen gut umsetzbar, wenn es kommunikativ begleitet wird. Informationstafeln, die erklären, warum Holz bewusst liegen gelassen wird, welche Tiere davon profitieren und wie der Zersetzungsprozess abläuft, erhöhen die Akzeptanz bei Parkbesuchern erheblich. Erfahrungen aus kommunalen Grünflächenämtern zeigen, dass Totholzelemente, die als Gestaltungselement erkennbar und mit Erklärungen versehen sind, kaum zu Beschwerden führen, während unkommentiertes Totholz häufig als Verwahrlosung wahrgenommen wird. Die Gestaltungsqualität des Umfelds spielt dabei eine wichtige Rolle: Totholz, das in eine gepflegte, strukturreiche Bepflanzung eingebettet ist, wird anders wahrgenommen als ein Stamm auf einer vernachlässigten Rasenfläche.

In naturnahen Freiräumen wie Waldrändern, Biotopflächen, extensiv gepflegten Parkbereichen oder Ausgleichsflächen im Rahmen der Eingriffsregelung ist die Anlage von Totholz ein anerkanntes Instrument der Biotopgestaltung. Die Eingriffsregelung nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) verlangt bei Eingriffen in Natur und Landschaft Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen; die Anlage von Totholzstrukturen kann als Aufwertungsmaßnahme anerkannt werden, wenn sie fachgerecht geplant und dokumentiert ist. Für die Bewertung solcher Maßnahmen haben verschiedene Bundesländer eigene Biotopwertverfahren entwickelt, in denen Totholz als Habitatstruktur explizit berücksichtigt wird.

Pflege, Verkehrssicherung und rechtliche Rahmenbedingungen

Totholz im Garten anlegen bedeutet nicht, dass keinerlei Pflege mehr erforderlich ist. Die Pflege beschränkt sich jedoch auf das Notwendige und folgt anderen Zielen als die konventionelle Gehölzpflege. Stehendes Totholz muss, sofern es im Gefahrenbereich steht, regelmäßig auf Standsicherheit kontrolliert werden. Für private Grundstückseigentümer gilt die allgemeine Verkehrssicherungspflicht, die verlangt, dass von Bäumen und Baumteilen keine vermeidbaren Gefahren für Dritte ausgehen. Im privaten Garten, der nicht öffentlich zugänglich ist, sind die Anforderungen deutlich geringer als im öffentlichen Raum; dennoch sollte stehendes Totholz, das in den Bereich von Nachbargrundstücken oder öffentlichen Wegen fallen könnte, regelmäßig beurteilt werden.

Liegendes Totholz benötigt in der Regel keine aktive Pflege. Es sollte nicht bewegt, umgeschichtet oder gereinigt werden, da jede Störung die Besiedlung unterbricht und Organismen schädigt. Pilzfruchtkörper, die auf dem Holz erscheinen, sind Zeichen einer erfolgreichen Besiedlung und sollten keinesfalls entfernt werden. Einzige Ausnahme: Wenn ein Holzpilz auf lebendes Gehölz überzugreifen droht, das erhalten werden soll, ist eine fachkundige Beurteilung sinnvoll. In der Praxis ist dieses Risiko jedoch gering, da die meisten holzabbauenden Pilze auf totes Holz spezialisiert sind.

Aus naturschutzrechtlicher Sicht ist zu beachten, dass bestimmte Tierarten, die Totholz besiedeln, streng geschützt sind. Wer auf seinem Grundstück Totholz vorfindet, das von geschützten Arten wie dem Hirschkäfer oder dem Eremiten besiedelt wird, darf dieses nicht ohne weiteres entfernen. Das Bundesnaturschutzgesetz und die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) schützen nicht nur die Tiere selbst, sondern auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde, bevor Totholzelemente entfernt oder verändert werden.

Häufige Fehler beim Totholz im Garten anlegen und wie man sie vermeidet

Der verbreitetste Fehler ist die Verwendung von behandeltem oder imprägniertem Holz. Gartenholz, das mit Holzschutzfarben, Lasuren oder chemischen Imprägnierungen behandelt wurde, ist für die Besiedlung durch Pilze und Insekten weitgehend ungeeignet und kann toxische Substanzen in den Boden einbringen. Auch Holz aus Paletten oder Baustellenabfällen ist häufig mit Schutzmitteln behandelt und deshalb ungeeignet. Nur unbehandeltes, naturbelassenes Holz heimischer Laubgehölze erfüllt die Anforderungen an ein ökologisch wirksames Totholzelement.

Ein weiterer Fehler ist die Anlage von Totholz in vollständiger Isolation. Ein einzelner Stamm auf einer großen Rasenfläche ohne Verbindung zu anderen Strukturen wird langsam und unvollständig besiedelt. Die Einbettung in ein Netz aus Hecken, Staudenbeeten, Wildblumenwiesen und anderen Habitatstrukturen ist entscheidend für die Besiedlungsgeschwindigkeit und Artenvielfalt. Totholz ist kein Einzelelement, sondern Teil eines Habitatmosaiks.

Häufig wird auch der Wert kleiner Dimensionen überschätzt. Dünne Äste und Reisighaufen haben zwar eine gewisse Funktion als Unterschlupf für Kleintiere, ersetzen aber nicht das ökologisch weit wertvollere dicke Stammholz. Wer ausschließlich Schnittgut aus der Gehölzpflege aufschichtet, schafft einen Reisighaufen, keinen Totholzlebensraum im eigentlichen Sinne. Beide Strukturtypen haben ihren Platz, sollten aber nicht verwechselt werden.

Schließlich wird Totholz gelegentlich an Standorten angelegt, die für die anvisierten Zielarten ungeeignet sind. Wärmeliebende xylobionte Käfer benötigen besonnte Holzoberflächen; wer das Totholz unter einem dichten Gehölzdach platziert, fördert primär feuchtigkeitsliebende Pilze und Wirbellose, nicht aber die lichtbedürftigen Insektenarten. Eine kurze Auseinandersetzung mit den Habitatansprüchen der Zielarten vor der Planung vermeidet solche Fehler.

Totholz als Baustein naturnaher Freiraumgestaltung

Totholz im Garten anlegen ist keine isolierte Einzelmaßnahme, sondern entfaltet seine volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit anderen Elementen naturnaher Freiraumgestaltung. Blühende Staudenbeete und Wildblumenwiesen liefern Nahrung für die Insekten, die Totholz als Bruthabitat nutzen. Hecken aus heimischen Sträuchern verbinden Totholzelemente mit anderen Habitatstrukturen und ermöglichen die Ausbreitung von Tieren über das Grundstück hinaus. Wasserflächen, auch kleine Teiche oder Mulden, ergänzen das Habitatmosaik um eine weitere ökologische Dimension. Wer alle diese Elemente zusammendenkt, schafft einen Freiraum, der nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern als funktionaler Lebensraum wirkt.

In der professionellen Freiraumplanung gewinnt dieser ganzheitliche Ansatz unter dem Begriff der naturbasierten Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) zunehmend an Bedeutung. Totholzstrukturen sind dabei ein anerkannter Bestandteil von Biodiversitätskonzepten für Siedlungsräume, die in Bebauungsplänen, Grünordnungsplänen und Pflegekonzepten verankert werden können. Die Dokumentation von Totholzelementen in Bestandsplänen und Pflegehandbüchern sichert ihre langfristige Erhaltung über Eigentümer- und Nutzerwechsel hinaus.

Die gesellschaftliche Relevanz dieser Maßnahmen ist nicht zu unterschätzen. Der Rückgang von Insekten, Vögeln und anderen Tiergruppen in der Kulturlandschaft ist gut dokumentiert; der Verlust von Habitatstrukturen wie Totholz gilt als einer der wesentlichen Treiber dieses Rückgangs. Freiräume, die konsequent auf naturnahe Gestaltung setzen, leisten einen messbaren Beitrag zur Biodiversität im Siedlungsraum. Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bedeutet das: Totholz im Garten anlegen ist kein Randthema für Naturenthusiasten, sondern ein fachlich fundiertes Instrument, das in den Werkzeugkasten zeitgemäßer Freiraumplanung gehört.