Wettbewerbsübersicht September 2018 (2/2)

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse der letzten zwei Wochen und was man über sie wissen muss.

Domplatz in Frankfurt am Main– 1. Preis capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin

Ein autofreies und schickes Entree zur Neuen Frankfurter Altstadt – so das Wettbewerbsziel für die Neugestaltung des Domplatzes in Frankfurt am Main. Capattistaubach Landschaftsarchitekten aus Berlin siegten mit einer zukunftsfähigen Neuordnung, die in einer Balance zwischen Einheitlichkeit und Differenzierung die wesentlichen stadträumlichen Defizite beseitigt, so die Jury. Die Planer arbeiten dabei die Bedeutung und Blickbezüge zum Dom heraus. Um diesem genügend Antrittsraum zu geben, verschieben sie den Baumbestand im Norden und erweitern ihn zu einem großen Baumdach. Den Platzbereich nach Osten hin prägt und definiert ein neuer großer Rundbrunnen. Die Platzfolge von Domplatz, Hühnermarkt und Römerberg verstehen die Planer als stadträumliches Kontinuum. Mit gesägtem Basaltpflaster greifen sie das vorhandene Motiv auf und schaffen mit einer ungerichteten polygonalen Verlegung einen ruhigen Stadtboden rund um den Dom. Den Weckmarkt im Süden stärken sie mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten und Pflanzungen als ruhigen Rückzugsraum.

 

Friedrich-Wilhelm-Platz in Berlin– 1. Preis METTLER Landschaftsarchitektur, Gossau

„Eine einfache und prägnante Gestaltung“ attestiert die Jury dem Siegerentwurf von METTLER Landschaftsarchitektur. Mit wenigen Mitteln interpretieren die Planer den Berliner Friedrich-Wilhelm-Platz neu und lassen dennoch Raum, flexibel auf weitere Entwicklungen im Planungsprozess zu reagieren – sowie zu einem späteren Zeitpunkt die Flächen östlich der Bundesallee einzubinden. Das Strukturprinzip sieht eine Stärkung des umfassenden Platzraumes durch ergänzende Bäume vor. Der äußere Baumrahmen zeichnet die ursprüngliche Platzform nach und stärkt die stadträumliche Orientierung. Im Inneren bildet die asymmetrische Platzform die Basis des Entwurfs, der damit bewusst von der historischen Symmetrie abweicht. Die Planer definieren die von Straßen umgebene Fläche als grüne Oase. Sie greifen häufig genutzte Wegeverbindungen auf und stärken den Freiraum durch modellierte Rasenflächen und einen übergreifenden Baumhain. Dadurch entstehe ein erlebbarer, räumlich abwechslungsreicher Grünraum, so die Jury. Die minimalistische aber hochwertige Materialauswahl unterstützt zusätzlich die prägnante räumliche Struktur.

 

Weißquartierplatz in Landau in der Pfalz– 1. Preis faktorgruen, Freiburg

Obwohl historisch bedeutsam, ist der Weißquartierplatz im Zentrum von Landau aktuell nur eine begrünte Parkfläche. Faktorgruen überzeugten im Ideenwettbewerb mit ihrer Idee eines urbanen Platzes ohne Stellplätze für den Verkehr. Eine unterirdische Parkgarage löst das Parkplatzproblem und hält die Platzmitte frei für andere Nutzungen. Ein Saum von Bäumen nimmt die historische Flucht des Straßenraums auf und rahmt den innen liegenden Platzraum. Damit schaffen die Planer eine gut proportionierte Platzmitte mit Wasserfeld, aber frei von Einbauten. Alle notwendigen Nutzungen wie Tiefgaragenabgang, Bushaltestelle und Fahrradstellplätze aber auch die langgezogenen Sitzbänke nehmen die Ränder auf. Ein eingeschossiger Cafépavillon bildet den Auftakt an der Südseite des Platzes, ohne diesen zu verstellen. Die Straßen ringsum gehen barrierefrei in die eigentliche Platzfläche über, die sich als großzügiger großformatiger Belagsteppich präsentiert – nur unterbrochen durch einige wenige Solitärbäume, die den Platz zusätzlich beschatten.

 

Heike Vossen ist freie Landschaftsarchitektin und hat einen Abschluss der Freien Journalistenschule. Als Fachjournalistin schreibt sie über Themen für die Bau- und Planungsbranche. Ihr Fachbuch „Gärten am Hang“ erschien beim Verlag Eugen Ulmer. Kontakt: info@gruentext.de