Es wird nie wieder wie es war

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2021 wird “Das Jahr der Entscheidungen”: Im neuen Jahrbuch des Zukunftsinstituts, dem Zukunftsreport 2021, ergründen Trendforscher*innen und Autor*innen künftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen, die von den Folgen der Coronavirus-Pandemie geprägt sind.

Zukunftsreport greift Fragen auf

 

Eine der großen Fragen in Corona-Zeiten wie diesen ist: Wie wird die Welt danach aussehen? Gelegentlich hört man von einer erhofften Läuterung, davon, dass die Entschleunigung des Alltags, zu der uns das Coronavirus zwingt, zu mehr Resilienz führen würde. 2020 war ein komatöses Jahr des Stillstands; 2021 wird ein zaghaftes Antasten an einen Zustand, der sich am prä-viralen Alltag orientiert – aber können wir diesen je wieder erreichen?

Zukunftsforscher Matthias Horx glaubt nicht an die Rückkehr zur alten Normalität. Diese alte Normalität sei bereits unnormal geworden, das Virus sei eine Zäsur in der Gesellschaft, die klarmache: So konnte es nicht weitergehen. Das schreibt Horx im aktuellen Jahrbuch des Zukunftsinstituts, das seit seiner Gründung im Jahr 1998 die Trend- und Zukunftsforschung prägt. Heute gilt es als international führender Ansprechpartner bei Fragen zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Jährlich publiziert das Institut einen Report. In der aktuellen Ausgabe bestimmt vor allem die Pandemie die Prognosen für künftige Trends.

Nun sollte man vorsichtig sein, ein Virus als Trendsetter zu verstehen oder als Chance, die Welt zu verändern. Doch das weltweite Krisenmanagement hat in der Tat Missstände entlarvt, die lange vor der Krise präsent waren und gegen die längst Maßnahmen hätten entschieden werden können: von unterbezahlten Pflegeberufen über unzureichend digitalisierte Schulen bis hin zu miserablen Hygienebedingungen in Massenproduktionsstätten wie Schlachtbetrieben.

Generation Corona

Die Autor*innen des Reports nehmen die neu aufgeworfenen Fragen und Informationen und richten ihren Blick in die Zukunft. So zum Beispiel Trendforscher Tristan Horx, der sich in einem kurzen Exkurs der „Gen C“ widmet. Derjenigen Generation, die während oder nach der Coronakrise zur Welt kam oder kommt. Und die somit in einer Welt aufwachsen wird, in der sich, so der Autor, ziemlich viel von dem unterscheiden wird, was alle vorherigen Generationen kannten.

Es gehe ab jetzt um Qualität statt Quantität, um mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit, weniger Wachstumswahn und Umweltblindheit. Die Gen C wird in Schulen gehen, in denen Online-Unterricht kein Synonym für überforderte Pädagog*innen, Schüler*innen und Eltern sein wird. Die Gen C wird in einer Berufswelt arbeiten, in der Homeoffice ganz selbstverständlich ist.

Alltags-Revolten

Der Journalist Niels Boeing stellt eine andere These auf: Die Basis erfolgreicher Revolten sei das Alltagsleben. Lockdown und Massendemonstrationen vertragen sich nicht, also bleiben für Aktivismus nur das Internet und die sozialen Netzwerke. Aber welchen Aussagewert haben Gesten wie der Post eines schwarzen Quadrats, von dem man sich erhofft, ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus?

Diesseits von Utopia

 

Der Effekt – ein Aufhorchen, ein Wahrnehmen – bleibt kurzweilig, er versiegt letztlich auf dem Bildschirm, wird weggescrollt oder gar übersehen, ein müder Swipe über das Handy-Display. Die Revolte der Zukunft muss unterschiedliche Milieus adressieren und untereinander vernetzen, und zwar analog. Protestierende müssten Netzwerke das Vertrauens bilden, diese ermöglichten eine unmittelbarere Verlässlichkeit von Information und ließen Loyalitäten entstehen, die durch Fake News schwer angreifbar sind.

Die gegenwärtige Pandemie, schreibt Boeing, könnte dieser Dynamik einen entscheidenden Schub geben, denn viele Menschen haben sich zu Beginn des Shutdowns selbst organisiert, um Älteren und anderen Risikogruppen bei der Bewältigung des Ausnahmezustands zu helfen.

Der Autor Till Briegleb identifiziert im Zukunftsreport ein Glaubwürdigkeitsproblem der Profession der Planer*innen, die hoffnungsfrohe Modelle vom glücklichen urbanen Leben der Zukunft entwirft. Oft seien Pläne für Supermetropolen und verheißungsvolle Smart Cities Utopien und unbezahlbare, überdimensionierte „grüne Märchenträume“, die die die echten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte außen vor ließen.

Selbst Stadtflucht, die durch die Corona-Pandemie Aufschwung erhielt, sei trügerisch und bringe langfristig nicht das erhoffte Leben im Grün – weil das Grün bald nicht mehr existieren wird, wenn die Nachfrage nach Immobilien schnell und stetig wächst. Briegleb plädiert dafür, städtisches Wohnen lebenswerter zu machen: Das Stadtgebiet „durchgrünen“ und flexible Grundrisse mitdenken. Das Bekenntnis zum „Weniger“ ist der neue Optimismus, „mehr, immer mehr“ hingegen veraltet, wenn nicht sogar verheerend. (Zum Thema: Garten+Landschaft-Chefredakteurin Theresa Ramisch wirft im Editorial der G+L 1/21 die Frage auf: “Wo bleibt eigentlich die Planung bei den ganzen Krisen?”)

Grenzenlose Provinz

In seinem Beitrag wirbt der Soziologe Dr. Jakob Kibala für den Begriff und das Verständnis des „glokalen“ Lebensstils: Menschen mit globalem Mindset, die aber lokal verankert sind; großstadterprobte und weltgewandte Menschen, die sich der Vorstellung vom Dorfleben als abgehängte Antagonist*innen der Stadt widersetzen.„Urbane Chronist*innen“ wie die Autorin Charlotte Roche zum Beispiel oder Berliner Hipster, die auf einen Brandenburger Bauernhof umsiedeln und Tomaten ziehen und Provinzfestivals organisieren.

 

In sogenannten Ko-Dörfern experimentieren Menschen mit Co-Living und individueller Privatsphäre, Earthship-Siedlungen versammeln Neo-Nomad*innen um autarke Energietempel aus 100 Prozent Recyclingmaterial, Ökodörfer perfektionieren eine kollektive Existenzweise. Die Opposition „ländliche Engstirnigkeit und Rückständigkeit versus städtische Weltoffenheit und Zukunftsorientierung“ würde zunehmend obsolet, so Kibala. Statt Gegensätze zu vertiefen, offenbare eine progressive Provinz vielmehr die Synergiepotenziale zwischen Stadt und Land.

Den vollständigen Artikel “Grenzenlose Provinz” von Dr. Jakob Kibala können Sie in der  G+L 05/21 zum Thema “Planung zwischen Stadt und Region” lesen.

Der Zukunftsreport 2021 hat Ihr Interesse geweckt? Hier können sie den Report erwerben.

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Am 8. Oktober wird an der Universität EPFL in Lausanne im Rolex Education Centre der diesjährige Topos Landscape Award verliehen. Dies geschieht im Rahmen einer von Archizoom veranstalteten Konferenz zum Thema „The Narrative of Landscape“. Der Schwerpunkt wird auf der Bedeutung des Bodens für die Landschaft liegen, die Betrachtung wird interdisziplinär sein. Zu den eingeladenen Referenten zählen Richard Sennett, Saskia Sassen, Adriaan Geuze und David R. Montgomery. Näheres zum Programm und zur Anmeldung unter http://archizoom-nls.epfl.ch.

Der Topos Landscape Award 2014 geht an die Landschaftsarchitekten von LOLA aus Rotterdam/Niederlande. Das 2006 gegründete Büro beschäftigt sich konzeptionell mit großmaßstäblichen Ökosystemen und entwickelt Ideen zu Raum und Natur, realisiert aber auch Projekte im urbanen und ländlichen Kontext. LOLA begibt sich, nach eigener Darstellung, auf die Suche nach innovativen und sublimen Landschaften (www.lolaweb.nl).
Der Topos Landscape Award wird seit 2002 von der Redaktion der Zeitschrift Topos verliehen. Geehrt wird mit dieser Auszeichnung ein Landschaftsarchitekturbüro, das mit seinen Projekten wesentlich zur qualitätvollen zeitgemäßen Gestaltung von Stadt und Landschaft beiträgt und durch innovative Ideen die Landschaftsarchitektur-Szene bereichert und dessen Werk stellvertretend für die Arbeit zeitgenössischer Landschaftsarchitekten steht. Der Topos Landscape Award will auf die Lebendigkeit und Dynamik sowie auf die Vielschichtigkeit der landschaftsarchitektonischen Aufgaben hinweisen.
Bisher ging die Auszeichnung an Stig L. Anderssons Tegnestue (Kopenhagen), Karres en Brands (Hilversum), Gross.Max. (Edinburgh), McGregor and Coxall (Sydney), Stoss LU (Boston), Antje Stokman (Hamburg), Taktyk (Brüssel/Paris).

2013 wurde, abweichend von den Kriterien, kein junges Büro geehrt, sondern ein erfolgreicher Landschaftsarchitekt mit internationaler Bedeutung: Peter Latz aus Kranzberg bei Freising in Bayern, Deutschland.
Konferenz und Würdigung von LOLA stehen im Kontext zu Lausanne Jardins, deren temporäre Landschaftsinterventionen noch bis 14. Oktober zu besichtigen sind.
http://lausannejardins.ch

Mit freundlicher Unterstützung der Baumschule Lorberg

„Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat“

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Seit 1985 plant das Büro TB MARKERT Stadtplaner * Landschaftsarchitekt haupt­sächlich für kommunale und private Auftraggeber*innen. Von Nürnberg aus arbeiten Teams aus Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen überwiegend an Projekten in Bayern. New Monday sprach mit Teamleiter und Büropartner Rainer Brahm über Herausforderungen im Homeoffice und die Arbeitskultur bei TB MARKERT.

Ecken und Kanten

Was ist für Sie wichtiger – Anschreiben, Lebenslauf oder Portfolio?

Es ist schwierig, da eine Abstufung zu finden. Das Portfolio ist jedoch gerade
bei Absolvent*innen weniger aussagekräftig, da diese häufig noch nicht so viel vorzuweisen haben. Der Lebenslauf ist wichtig, um zu sehen, wie die Bewerber*innen an dem Punkt angelangt sind, sich bei uns zu bewerben und was sie bisher gemacht haben. 

Gibt es beim Lebenslauf besondere Erfahrungen oder Kriterien, die den Bewerbenden für Sie besonders interessant machen?

Tatsächlich ist es häufig so, dass es die Brüche im Lebenslauf sind, die uns interessieren. Bewerber*innen, die eine glatte Laufbahn haben und zwischen Schule, Universität und ersten Berufserfahrungen nahtlos übergegangen sind, sind häufig weniger spannend. Wir möchten sehen, ob und wie jemand seine Persönlichkeit im Laufe seiner Vita entwickelt hat. Und dazu gehören häufig unkonven­tionellere Lebenswege. 

Was ist für Sie beim Bewerbungsgespräch wichtig?

Hauptsächlich geht es darum, dass sich Bewerber*innen authentisch darstellen. Diejenigen, die ehrlich und offen herüberkommen, bleiben am meisten im Gedächtnis und interessieren uns dadurch besonders. Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat – und diese auch zeigt. 

TB MARKERT hat eine ausgeprägte Gesprächskultur

Thema Homeoffice: War das schon vor Corona üblich bei Ihnen?

Homeoffice war bei uns eher ein Randthema. Es gab natürlich Mitarbeiter*innen, die auch schon vor dem Lockdown im Homeoffice gearbeitet haben. Aber die meisten wollten das gar nicht. Und das merken wir auch jetzt: Fast alle unserer Mit­arbeiter*innen bedauern es, dass sie derzeit nicht ins Büro kommen können. Mich schließe ich da ein. 

Was macht Ihre Arbeitskultur aus?

Wir haben eine wertebasierte Unternehmenskultur. Bevor ich zu TB|MARKERT kam, habe ich selbst etliche Büros durchlaufen. Was mir hier gefällt, sind die flachen Hierarchien: Wir sind in drei Teams organisiert, die jeweils von einem Teamleiter betreut werden, und das Büro wird von vier Partnern geleitet. Aber das spielt in der täglichen Praxis eigentlich gar keine Rolle, da wir innerhalb der Teams sehr eng zusammenarbeiten. Außerdem gefällt mir die ausgeprägte Gesprächskultur unter den Kolleg*innen. Auch teamübergreifend sprechen wir sehr viel miteinander und tauschen uns aus. Deshalb fällt uns wahrscheinlich das Homeoffice auch so schwer. Wir vermissen einfach den Austausch untereinander.

Assessment Center für Landschaftsarchitekt*innen? Yes please, sagen Gaus Architekten.

Hier finden Sie das Gespräch mit Eik Kammerl von kammerl + kammerl zum Thema Lebenslauf.

Mehr Einblicke in Planungsbüros finden Sie auf www.new-monday.de.