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ACO und BIRCO: beides Familienunternehmen

Im Juli 2021 kam die spannende Info aus der Entwässerungsbranche, die Entwässerungsspezialisten ACO und BIRCO würden sich bis Ende 2021 zusammenschließen wollen. Nun im Januar 2022 kam die Entscheidung vom Bundeskartellamt hierzu.

Im Juli 2021 flatterten die Pressemitteilungen von ACO und BIRCO in der G+L Redaktion ein und informierten über das Zusammenschlussvorhaben des Entwässerungsspezialisten BIRCO (unter anderem Förderer des Bayerischen Landschaftsarchitekturpreis) mit der ACO Gruppe.

Neben ihrem inhaltlichen Schwerpunkt auf das Thema „Entwässerung“ sind beide Firmen Familienunternehmen – inzwischen bereits in der dritten Generation. Seit mehr als 90 Jahren gestaltet BIRCO innovative Entwässerungsprodukte für die Baustoffbranche. Nun wolle die ACO Gruppe BIRCO kaufen, so die Info im Juli 2021.

Fortführung der Geschäftsaktivitäten beider Marken

Als Gemeinsamkeit definierten die Unternehmen in ihrer offiziellen Mitteilung zum Zusammenschluss die Treue zum „Baustoff-Fachhandel als bewährtes Element des Geschäftserfolges“. Diese sollte auch nach dem Zusammenschluss weiterhin Bestand haben. Die Geschäftsaktivitäten sollten unter den beiden Marken weitergeführt werden, die somit die wesentlichen unternehmerischen Werte teilen würden. Der Unternehmenserfolg BIRCOs würde mit dem Zusammenschluss mit der ACO Gruppe in die Verantwortung eines erfahrenen, verlässlichen Nachfolgeunternehmens gelegt, hieß es in der offiziellen Pressemitteilung.

Breites Produktportfolio für ACO und BIRCO Kund*innen

Thomas Bendixen, Geschäftsführer der ACO Severin Ahlmann GmbH & Co. KG und Francesco Vitale, Geschäftsführer der ACO Tiefbau Vertrieb GmbH sagten hierzu, dass durch die Know-How-Zusammenführung Kund*innen beider Unternehmen mit einem noch breiterem Produktportfolio und individuellere Systemlösungen rechnen könnten. Dies wäre gerade im Bereich des Regenwassermanagements besonders interessant.

BIRCO Standorte

Frank Wagner, Geschäftsführende Gesellschafter der BIRCO GmbH, ergänzte, dass er sich freue mit der ACO Gruppe einen Partner gewonnen zu haben, der die Werte und Traditionen des Familienunternehmens teilen und fortführen würde. Nach über 34 Jahren bei BIRCO wäre es ihm bei der Sondierung der Partnerschaft ein besonderes Anliegen gewesen, dass die Marke BIRCO und der Produktionsstandort in Baden-Baden sowie unser Logistikzentrum in Sinzheim erhalten bleiben. Insgesamt würden sich durch den Zusammenschluss großartige Möglichkeiten für beide Partner ergeben, so Wagner. Über die Fusion hinaus sollte Frank Wagner den beiden Unternehmen beratend zur Verfügung stehen. BIRCO Geschäftsführer Christian Merkel sollte weiterhin in der Geschäftsführung der BIRCO GmbH in Baden-Baden tätig sein.

Update: Das Bundeskartellamt hat inzwischen entschieden

Inzwischen hat das Bundeskartellamt im Rahmen eines Hauptprüfverfahrens das Vorhaben analysiert und bewertet. Das Bundeskartellamt gab am 14. Januar 2022 die Entscheidung bekannt, dass es den geplanten Zusammenschluss zwischen BIRCO und ACO nicht genehmigt. „Ich bedauere die Entscheidung des Bundeskartellamts sehr, es ändert aber nichts an der bedeutenden Marktstellung von BIRCO. Auch wenn ACO nicht der gewünschte strategische Partner wird, blicken wir nach einem erneut sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2021 auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft und bleiben der gewohnt zuverlässige Partner am Markt“, so Frank Wagner, der geschäftsführende Gesellschafter der BIRCO GmbH. Und Thomas Bendixen, Geschäftsführer der ACO Ahlmann SE & Co. KG: „Auch wir nehmen die Entscheidung der zuständigen Wettbewerbsbehörde mit Bedauern zur Kenntnis. Wir hatten uns ebenfalls auf den Zusammenschluss gefreut. Wir werden die Beschlussfassung in den kommenden Wochen sorgfältig prüfen und danach über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Mehr zum Thema Entwässerung gibt es in der G+L 11/16 „Planen mit Regenwasser“.

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Barrierefreie Navigation per Echtzeitdaten im öffentlichen Raum

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Ein selbstfahrendes Auto fährt durch eine moderne Straßenschlucht in San Francisco, fotografiert von Timo Wielink.

Barrierefreiheit ist mehr als ein Wort – sie ist der Schlüssel zu einer Stadt, die niemanden ausschließt. Doch wie gelingt echte barrierefreie Navigation im öffentlichen Raum? Die Antwort liegt in Echtzeitdaten, digitalen Innovationen und einem mutigen Verständnis von Stadtplanung. Wer hier weiterliest, erfährt, warum die Städte von morgen für alle funktionieren – und wie Profis schon heute den Wandel gestalten.

  • Definition und Bedeutung barrierefreier Navigation im Kontext moderner Stadtplanung
  • Technologische Grundlagen: Wie Echtzeitdaten urbane Mobilität revolutionieren
  • Best Practices aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Was läuft, was stockt?
  • Chancen und Herausforderungen: Datenschutz, Governance und Inklusion
  • Die Rolle von Urban Digital Twins, Sensorik und offenen Plattformen
  • Partizipation und Nutzerzentrierung bei der Entwicklung barrierefreier Systeme
  • Zukunftsblick: Visionen, Standards und die nächsten Schritte zur inklusiven Stadt
  • Fazit: Warum Barrierefreiheit und Echtzeitdaten zusammengehören – und wie Profis daraus echten Mehrwert schaffen

Barrierefreie Navigation: Anspruch, Alltag, Aufbruch

Barrierefreiheit ist im öffentlichen Raum längst keine reine Sozialromantik mehr, sondern ein verfassungsrechtlich verankerter Anspruch – und ein Prüfstein für die Qualität moderner Stadtlandschaften. Was auf dem Papier als technisches Regelwerk für Rampen, Aufzüge und taktile Leitsysteme beginnt, entwickelt sich im urbanen Alltag zur Gretchenfrage: Wie bewegen sich Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten durch die Stadt? Wie zuverlässig, wie spontan, wie sicher? Der demografische Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen und die Vielfalt städtischer Nutzer machen Barrierefreiheit zur Planungsaufgabe par excellence. Doch mit klassischen Mitteln – normierten Gehwegen, Standardbeschilderungen, statischen Plänen – kommt man heute nicht mehr weit.

Moderne Städte sind in Bewegung. Baustellen, temporäre Sperrungen, defekte Aufzüge, mobile Hindernisse: Der öffentliche Raum ist eine Bühne voller Überraschungen. Wer barrierefrei unterwegs sein will, braucht deshalb nicht bloß Information, sondern Information in Echtzeit. Hier kommt die digitale Transformation ins Spiel. Sensoren, Open Data, Crowd-Feedback und künstliche Intelligenz machen es möglich, aktuelle Zustände sekundenschnell zu erfassen und weiterzugeben. Navigations-Apps, digitale Stadtmodelle und smarte Infrastruktur verwandeln die Vision von Inklusion in konkrete, nutzbare Angebote – von barrierefreien Routenempfehlungen bis zu Live-Warnungen vor plötzlich auftretenden Hindernissen.

Doch damit nicht genug. Die Frage ist nicht allein, wie Technik Barrieren abbaut, sondern auch, wie sie neue Barrieren schafft oder verstärkt. Digitale Lösungen müssen zugänglich, verständlich, datenschutzkonform und zuverlässig sein – für alle. Das verlangt nach einem neuen Selbstverständnis bei Planern: Barrierefreiheit ist kein statisches Ziel, sondern ein dynamischer Prozess, der technisches Know-how, soziale Kompetenz und stadtplanerische Weitsicht vereint.

Dieser Perspektivwechsel ist längst überfällig. Denn während die einen noch über DIN-Normen diskutieren und sich an Mindestbreiten abarbeiten, entwickeln andere schon urbane Digital Twins und offene Plattformen, die Barrierefreiheit als Echtzeitservice denken. Wer das als Planer oder Verwaltung verschläft, wird von der Realität der Nutzer überholt – und von Städten, die Barrierefreiheit als Innovationstreiber begreifen.

Barrierefreie Navigation ist damit viel mehr als eine Pflichtaufgabe. Sie ist ein Gradmesser für den Mut, die Kreativität und die Zukunftsfähigkeit urbaner Systeme. Wer heute barrierefrei plant, plant für alle – und für die Stadt von morgen.

Echtzeitdaten als Gamechanger: Technik, Transparenz, Teilhabe

Die eigentliche Revolution in der barrierefreien Navigation sind Echtzeitdaten. Was früher mit statischen Plänen und punktuellen Hinweisen notdürftig gelöst wurde, kann heute als lebendiges, lernendes System gestaltet werden. Echtzeitdaten sind dabei keine Zauberei, sondern das Ergebnis kluger Infrastruktur, digitaler Sensorik und intelligenter Datenverarbeitung. Sie liefern aktuelle Informationen über die Zugänglichkeit von Wegen, Aufzügen, Übergängen und Serviceeinrichtungen – und machen diese für Nutzer unmittelbar nutzbar.

Wie funktioniert das im Detail? Sensoren an Aufzügen und Rolltreppen melden Ausfälle automatisch an zentrale Plattformen. Kameras und IoT-Geräte erfassen Baustellen, temporäre Sperrungen oder falsch parkende Fahrzeuge, die Gehwege blockieren. Apps wie Wheelmap, NUNAV oder die DB Barrierefrei App sammeln zudem Crowd-Daten: Nutzer können Hindernisse melden, Veränderungen eintragen oder positive Erfahrungen teilen. All diese Daten fließen in digitale Plattformen, die sie in Echtzeit analysieren, aufbereiten und für verschiedene Endgeräte bereitstellen – vom Smartphone bis zum Stadtinformationssystem.

Doch Technik allein reicht nicht. Entscheidend ist die Qualität der Daten, ihre Verlässlichkeit und die Offenheit der Schnittstellen. Nur wenn alle Akteure – Verkehrsbetriebe, Kommunen, Softwareanbieter und Nutzer – kooperieren, entstehen wirklich inklusive Systeme. Offene Standards wie GTFS, OGC oder OpenStreetMap sind hier ebenso wichtig wie die Bereitschaft, Daten zu teilen und laufend zu aktualisieren. Besonders spannend: Die Integration von Urban Digital Twins, die als umfassende digitale Abbilder der Stadt nicht nur räumliche, sondern auch temporale und funktionale Barrieren erfassen können. Ein digitaler Zwilling kann zum Beispiel simulieren, wie eine temporäre Baustelle die Barrierefreiheit eines ganzen Viertels beeinflusst – und Alternativrouten in Echtzeit vorschlagen.

Die technologische Entwicklung ist rasant, doch sie wirft auch neue Fragen auf. Was passiert mit den Daten? Wem gehören sie? Wie lassen sich Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit in Einklang bringen? Und wie verhindert man, dass digitale Barrierefreiheit zur neuen Exklusion wird – für jene, die keinen Zugang zu Smartphones oder digitalen Services haben? Antworten darauf gibt es noch nicht immer, aber sie sind der Lackmustest für verantwortungsvolle Stadtentwicklung.

Eines steht fest: Echtzeitdaten sind der Schlüssel zu einer Stadt, die sich dynamisch an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anpasst. Sie machen Barrierefreiheit planbar, überprüfbar und erlebbar – und eröffnen neue Horizonte für alle, die Stadt als offenen, lernenden Raum verstehen.

Best Practices und Baustellen: Wie DACH-Städte Barrierefreiheit neu denken

Ein Blick in die Praxis zeigt: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft noch immer eine Lücke. Doch es gibt Leuchtturmprojekte, die beweisen, wie barrierefreie Navigation mit Echtzeitdaten gelingen kann – und wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt. In Berlin etwa arbeitet die Senatsverwaltung an einer stadtweiten Plattform, die Echtzeitdaten zu Baustellen, Aufzügen und Wegen bündelt und in verschiedene Apps einspeist. Die Kooperation mit der Deutschen Bahn, den Verkehrsbetrieben und zivilgesellschaftlichen Initiativen wie Sozialhelden e.V. sorgt dafür, dass die Daten kontinuierlich verbessert und erweitert werden. Das Ziel: Jeder Nutzer soll jederzeit wissen, wie er barrierefrei von A nach B kommt – und welche Hindernisse unterwegs lauern.

In Zürich wiederum setzen Verkehrsbetriebe auf offene Schnittstellen und eine enge Verzahnung mit städtischen Datenplattformen. Hier werden nicht nur aktuelle Störungen gemeldet, sondern auch Prognosen zur Barrierefreiheit entwickelt: Welche Aufzüge sind voraussichtlich wann wieder in Betrieb? Wo drohen Engpässe durch Großveranstaltungen oder temporäre Baumaßnahmen? Die Informationen stehen nicht nur den eigenen Apps zur Verfügung, sondern können auch von Drittanbietern genutzt werden – ein Musterbeispiel für Open Urban Data.

Auch in Wien wird Barrierefreiheit als Prozess verstanden. Die Stadt nutzt einen Urban Digital Twin, um die Auswirkungen von Baustellen, Wetterereignissen oder Veranstaltungen auf die Zugänglichkeit öffentlicher Räume zu simulieren. Die Ergebnisse fließen in die Verkehrsplanung, aber auch in Echtzeitservices für Nutzer. Besonders innovativ: Die Plattform ist für externe Entwickler offen, die auf Basis der Daten eigene Anwendungen für verschiedene Zielgruppen – etwa Blinde, Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen – realisieren können.

Doch es gibt auch Herausforderungen. Viele Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kämpfen mit fragmentierten Zuständigkeiten, datenschutzrechtlichen Unsicherheiten und fehlenden Ressourcen. Nicht selten fehlt es an politischem Willen oder technischer Kompetenz, um bestehende Datenquellen zu vernetzen und offen zugänglich zu machen. Die Folge: Insellösungen, unvollständige Informationen und Frust bei den Nutzern. Besonders problematisch ist, dass Barrierefreiheit häufig als Zusatzaufgabe betrachtet wird – und nicht als integraler Bestandteil urbaner Infrastruktur.

Dennoch zeigen die genannten Beispiele: Wo Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen, entstehen Lösungen, die echte Inklusion ermöglichen. Der Schlüssel liegt in der konsequenten Nutzerorientierung, der Offenheit für Kooperationen und dem Mut, Barrierefreiheit als Innovationstreiber zu begreifen – nicht als Kostenfaktor.

Governance, Datenschutz und Partizipation: Auf dem Weg zur inklusiven Smart City

Barrierefreie Navigation im öffentlichen Raum ist keine rein technische Herausforderung. Sie ist eine Frage der Governance – also der Art und Weise, wie Entscheidungsprozesse, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten organisiert werden. Wer steuert die Datensammlung? Wer garantiert die Qualität? Wer entscheidet, wie und wo die Informationen zur Verfügung stehen? Nur wenn diese Fragen klar beantwortet sind, können digitale Lösungen ihr volles Potenzial entfalten.

Zentrale Voraussetzung ist Transparenz. Nutzer müssen nachvollziehen können, woher die Daten stammen, wie sie verarbeitet werden und wie sie zur persönlichen Navigation beitragen. Offene Schnittstellen und verständliche Datenschutzerklärungen sind dabei ebenso wichtig wie die Möglichkeit, eigene Hinweise und Korrekturen einzubringen. Denn Barrierefreiheit lebt von der Partizipation: Niemand kennt die täglichen Herausforderungen besser als die Betroffenen selbst. Erfolgreiche Systeme setzen daher auf Crowd-Sourcing, kontinuierliches Feedback und eine enge Zusammenarbeit mit Nutzerorganisationen.

Datenschutz ist ein weiteres zentrales Thema. Je feingranularer die Informationen, desto größer das Risiko, sensible Daten preiszugeben. Hier braucht es klare Regeln, technische Lösungen wie Pseudonymisierung und eine offene Kommunikation, die Vertrauen schafft. Gleichzeitig dürfen Datenschutzbedenken nicht als Vorwand dienen, um Innovationen zu blockieren. Es geht darum, Schutz und Nutzen in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen – und dabei die Rechte der Nutzer zu wahren.

Governance bedeutet auch, Barrierefreiheit als Querschnittsaufgabe zu verstehen. Sie betrifft nicht nur Verkehrs- oder Sozialdezernate, sondern alle Bereiche der Stadtverwaltung – von der IT über die Stadtplanung bis zur Bürgerbeteiligung. Interdisziplinäre Teams, verbindliche Standards und eine klare politische Priorisierung sind unabdingbar. Besonders wichtig: Die Einbindung von Betroffenen in alle Phasen der Entwicklung – von der Konzeption über die Testphase bis zum laufenden Betrieb.

Schließlich geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz. Digitale Barrierefreiheit kann nur funktionieren, wenn sie von allen mitgetragen wird – von den Verantwortlichen in den Verwaltungen ebenso wie von den Nutzern auf der Straße. Hier sind Offenheit, Lernbereitschaft und ein langer Atem gefragt. Wer bereit ist, Fehler zuzulassen, Feedback zu nutzen und Prozesse laufend weiterzuentwickeln, wird am Ende mit einer Stadt belohnt, die wirklich für alle funktioniert.

Neue Horizonte: Visionen und nächste Schritte für barrierefreie Navigation

Die Zukunft barrierefreier Navigation im öffentlichen Raum ist offen – und voller Möglichkeiten. Mit der fortschreitenden Integration von Urban Digital Twins, Künstlicher Intelligenz und offenen Datenplattformen werden Städte zunehmend in der Lage sein, Barrierefreiheit nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten. Die nächste Generation von Navigationssystemen wird nicht nur aktuelle Zustände abbilden, sondern künftige Veränderungen antizipieren und personalisierte Empfehlungen aussprechen. Wer etwa als Rollstuhlfahrer unterwegs ist, kann künftig schon zuhause prüfen, wie sich Wetter, Baustellen und Veranstaltungen auf die eigene Route auswirken – und Alternativen in Echtzeit erhalten.

Doch Visionen allein reichen nicht. Es braucht verbindliche Standards, nachhaltige Finanzierungsmodelle und eine konsequente Öffnung der Dateninfrastrukturen. Städte müssen bereit sein, in Kompetenzaufbau, technische Infrastruktur und partizipative Prozesse zu investieren. Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind gefordert, gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln und in die Fläche zu bringen. Besonders gefragt sind dabei Pilotprojekte, die als Blaupausen für andere Kommunen dienen und den Mut zum Experiment fördern.

Ein wichtiger Trend ist die zunehmende Personalisierung der Services. Unterschiedliche Nutzergruppen haben unterschiedliche Anforderungen – Blinde benötigen andere Informationen als Menschen mit Hörbehinderung, Eltern mit Kinderwagen wiederum andere als Senioren. Künftige Systeme müssen in der Lage sein, diese Vielfalt abzubilden und individuelle Routenvorschläge zu generieren. Hier spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle: Sie kann Nutzerprofile analysieren, Präferenzen erkennen und die Navigation kontinuierlich optimieren.

Doch so viel Technik, Daten und Innovation – am Ende steht und fällt alles mit der Haltung. Barrierefreiheit muss als Grundprinzip urbaner Entwicklung verstanden werden, nicht als nachträgliche Korrektur. Wer Städte so plant, dass sie für die Schwächsten funktionieren, schafft Lebensqualität für alle. Das ist keine Utopie, sondern eine Frage von Mut, Intelligenz und Professionalität. Und es ist die beste Antwort auf die Herausforderungen einer zunehmend komplexen, diversen und digitalen Stadtgesellschaft.

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Wer jetzt investiert, experimentiert und kooperiert, wird die Standards von morgen setzen. Und wer sich traut, Barrierefreiheit als Chance zu begreifen, wird erleben, wie aus Pflicht Begeisterung wird – und aus Innovation echte Inklusion.

Fazit: Echtzeitdaten und Barrierefreiheit – Aufbruch in die inklusive Stadt

Barrierefreie Navigation im öffentlichen Raum ist weit mehr als eine technische Spielerei – sie ist ein Prüfstein für den Anspruch moderner Stadtentwicklung. Die Kombination aus Echtzeitdaten, digitalen Zwillingen und partizipativen Prozessen macht es erstmals möglich, Barrierefreiheit dynamisch, flexibel und individuell zu gestalten. Städte im deutschsprachigen Raum stehen noch am Anfang, doch die Vorbilder aus Berlin, Zürich oder Wien zeigen, was möglich ist, wenn Technik, Governance und Nutzerorientierung zusammenspielen. Herausforderungen bleiben – von Datenschutz bis Finanzierung, von Standards bis zur Akzeptanz. Doch wer heute die richtigen Weichen stellt, investiert in eine Stadt, die niemanden zurücklässt. Barrierefreiheit und Echtzeitdaten gehören zusammen wie Stadt und Leben. Für Planer, Architekten und Kommunen ist das nicht weniger als ein Paradigmenwechsel – und eine Einladung, mutig, kreativ und inklusiv zu denken. Denn die Stadt von morgen ist für alle da. Punkt.

Versickerungsmulde Garten: Grundlagen, Nutzen und Praxis

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Versickerungsmulde Garten
Wasserkreise breiten sich sanft auf einer ruhigen Oberfläche aus. Foto: bielmorro / Unsplash

Eine Versickerungsmulde im Garten ist weit mehr als eine schlichte Geländesenke. Sie ist ein funktionales Entwässerungselement, das Regenwasser am Ort seines Anfalls zurückhält, der Verdunstung zuführt und dem Grundwasser wieder zugibt, anstatt es in überlastete Kanalnetze abzuleiten. Wer das Prinzip der Versickerungsmulde versteht, versteht zugleich, wie dezentrale Regenwasserbewirtschaftung auf der Grundstücksebene funktioniert und warum sie für Stadtklima, Wasserhaushalt und Bodenökologie von erheblicher Bedeutung ist.

  • Was eine Versickerungsmulde ist und wie sie sich von anderen Versickerungsanlagen unterscheidet
  • Welche hydrologischen und ökologischen Funktionen sie erfüllt und warum das für Stadtklima und Grundwasser relevant ist
  • Welche Standort- und Bodenverhältnisse für eine Versickerungsmulde im Garten geeignet sind
  • Wie Dimensionierung, Planung und Ausführung fachgerecht erfolgen
  • Welche Pflanzengesellschaften und Vegetationskonzepte für Mulden geeignet sind
  • Was bei Pflege und Betrieb zu beachten ist, damit die Versickerungsleistung dauerhaft erhalten bleibt
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen und Normen relevant sind
  • Welche Fehler in der Praxis häufig gemacht werden und wie man sie vermeidet

Definition und Einordnung: Was ist eine Versickerungsmulde?

Eine Versickerungsmulde, in der Fachliteratur auch als Muldenversickerung oder Sickermulde bezeichnet, ist eine flache, bepflanzte oder unbepflanzte Geländesenke, die Niederschlagswasser von befestigten Flächen aufnimmt, zwischenspeichert und über die belebte Bodenzone in den Untergrund versickern lässt. Sie gehört zur Gruppe der dezentralen Regenwasserbewirtschaftungsanlagen und ist das einfachste und in der Praxis am häufigsten eingesetzte Versickerungselement auf privaten Grundstücken. Im Unterschied zu technischen Versickerungsanlagen wie Rigolen (unterirdische Kiespackungen), Sickerschächten oder Versickerungsbecken arbeitet die Mulde vollständig oberflächennah und nutzt die natürliche Filterleistung des Oberbodens.

Die Abgrenzung zu verwandten Elementen ist für die Planung wichtig. Eine Retentionsmulde dient vorrangig der Rückhaltung und Verzögerung des Abflusses, ohne zwingend auf Versickerung ausgelegt zu sein. Eine Mulde-Rigole-Kombination verbindet die oberflächliche Mulde mit einem unterirdischen Kiesrigolenkörper, um bei geringer Bodendurchlässigkeit dennoch ausreichend Speichervolumen bereitzustellen. Die klassische Versickerungsmulde im Garten hingegen setzt auf die Durchlässigkeit des anstehenden Bodens und die Filterwirkung der Vegetationsschicht. Genau diese Einfachheit macht sie für private Grundstücke attraktiv und planerisch zugänglich.

Im Kontext der Freiraumplanung ist die Versickerungsmulde ein Element der blaugrünen Infrastruktur, also jener Vernetzung von Wasserhaushaltselementen und Grünstrukturen, die in der zeitgenössischen Stadtplanung als Antwort auf Hitzeinseln, Starkregenereignisse und Grundwasserabsenkung diskutiert wird. Was auf der Maßstabsebene des Stadtquartiers als Retentionsfläche oder Mulden-Rigolen-System erscheint, beginnt auf dem privaten Grundstück mit der einfachen Versickerungsmulde im Garten. Die Summe vieler kleiner Anlagen entfaltet auf Einzugsgebietsebene eine beachtliche Wirkung auf den Wasserhaushalt.

Hydrologische und ökologische Funktion: Warum Versickerung so wichtig ist

Der natürliche Wasserkreislauf in urbanen Räumen ist durch Versiegelung tiefgreifend gestört. Asphalt, Beton und Pflasterbeläge verhindern, dass Regenwasser in den Boden eindringt. Stattdessen fließt es oberflächlich ab, gelangt in die Kanalisation und wird aus dem lokalen Wasserkreislauf ausgeschleust. Die Folgen sind bekannt: Grundwasserspiegel sinken, Böden trocknen aus, Stadtbäume leiden unter Wassermangel, und bei Starkregenereignissen überlastet der konzentrierte Abfluss Kanäle und Gewässer. Die Versickerungsmulde im Garten setzt an genau diesem Punkt an, indem sie Regenwasser am Ort seines Anfalls hält.

Versickerung bedeutet dabei nicht nur Grundwasserneubildung. Ein erheblicher Anteil des in einer Mulde gespeicherten Wassers verdunstet wieder, entweder direkt von der Bodenoberfläche oder über die Transpiration der Bepflanzung. Diese Evapotranspiration kühlt die unmittelbare Umgebung und trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei, was in dicht bebauten Gebieten ein eigenständiger Planungsgrund für die Anlage von Versickerungsmulden sein kann. Gleichzeitig filtert die belebte Bodenzone Schadstoffe aus dem Regenwasser, bevor es den Grundwasserleiter erreicht. Schwermetalle, Reifenabrieb und Kohlenwasserstoffe aus Dachabläufen und Hofflächen werden im Oberboden gebunden und teilweise mikrobiell abgebaut.

Ökologisch bieten bepflanzte Versickerungsmulden einen zusätzlichen Nutzen: Sie schaffen Lebensraum für spezialisierte Pflanzengesellschaften wechselfeuchter Standorte, die in der Normallandschaft des Gartens kaum Platz finden. Feuchtwiesenarten, Seggen, Binsen und Wechselfeuchtezeiger können hier gedeihen und Insekten, Amphibien sowie Bodenorganismen Nahrung und Rückzugsraum bieten. Eine gut gestaltete Versickerungsmulde ist damit kein technisches Bauwerk, das man versteckt, sondern ein Gestaltungselement mit ökologischem Mehrwert.

Standorteignung und Bodenuntersuchung: Voraussetzungen für die Versickerungsmulde im Garten

Nicht jeder Standort eignet sich für eine Versickerungsmulde. Die wichtigste Voraussetzung ist eine ausreichende Bodendurchlässigkeit, ausgedrückt durch den Durchlässigkeitsbeiwert kf (auch als gesättigte hydraulische Leitfähigkeit bezeichnet). Für Versickerungsanlagen gilt nach den einschlägigen Regelwerken, insbesondere dem DWA-Arbeitsblatt A 138 (Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser), ein kf-Wert zwischen etwa 1 x 10 hoch minus 3 und 1 x 10 hoch minus 6 Meter pro Sekunde als geeignet. Lehmige Böden mit sehr niedrigen kf-Werten versickern zu langsam und können das Wasser nicht rechtzeitig aufnehmen; sehr sandige oder kiesige Böden mit hohen kf-Werten versickern zwar schnell, bieten aber kaum Filterleistung und können bei belasteten Einzugsflächen problematisch sein.

Die Bodenuntersuchung sollte vor jeder Planung stehen. Für eine erste Einschätzung genügt ein einfacher Feldversuch: Man gräbt eine Grube auf die geplante Muldentiefe, füllt sie mit Wasser und beobachtet, wie schnell das Wasser versickert. Laboranalysen des Bodens liefern präzisere kf-Werte und geben Auskunft über Bodenart, Humusgehalt und eventuelle Schadstoffbelastungen. Letzteres ist relevant, wenn die Mulde auf ehemals gewerblich genutzten Flächen oder in der Nähe von Altlasten angelegt werden soll.

Ebenso wichtig ist der Abstand zum Grundwasser. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 empfiehlt einen Mindestabstand von einem Meter zwischen der Muldensohle und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand, um die Filterwirkung der ungesättigten Bodenzone zu gewährleisten und Vernässungsschäden zu vermeiden. In Gebieten mit hohem Grundwasserstand ist die Muldenversickerung daher nicht oder nur in Kombination mit anderen Maßnahmen geeignet. Auch Hangsituationen mit starkem Gefälle, Bereiche in der Nähe von Gebäudefundamenten und Flächen mit Staunässehorizonten erfordern besondere Prüfung oder schließen eine Versickerungsmulde aus.

Der Mindestabstand zu Gebäuden ist nicht nur aus statischen Gründen relevant. Versickerndes Wasser kann Fundamente durchfeuchten, wenn der Abstand zu gering ist. Als Richtwert gilt ein Abstand von mindestens fünf Metern zur Bebauung, wobei die genaue Anforderung von der Bodendurchlässigkeit, dem Gefälle und der Fundamenttiefe abhängt. Kommunale Satzungen können abweichende Mindestabstände vorschreiben, weshalb die Abstimmung mit der zuständigen Behörde vor der Ausführung obligatorisch ist.

Planung und Dimensionierung: Wie eine Versickerungsmulde richtig bemessen wird

Die Dimensionierung einer Versickerungsmulde im Garten richtet sich nach der Größe der angeschlossenen Einzugsfläche, dem Bemessungsregen und der Bodendurchlässigkeit. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 stellt hierfür ein vereinfachtes Bemessungsverfahren bereit, das für kleinere Anlagen auf privaten Grundstücken geeignet ist. Ausgangspunkt ist die Berechnung des Speichervolumens, das die Mulde bereitstellen muss, um ein definiertes Regenereignis (in der Regel ein Regen mit einer Wiederkehrzeit von zwei Jahren) aufnehmen zu können, ohne überzulaufen.

Die Mulde sollte eine maximale Einstautiefe von etwa 30 Zentimetern nicht überschreiten, damit das Wasser innerhalb von 24 bis 72 Stunden vollständig versickert. Längere Einstauzeiten beeinträchtigen die Vegetation, begünstigen Mückenbrut und können auf Sauerstoffmangel im Boden hinweisen. Die Böschungsneigungen der Mulde sollten flach gehalten werden, in der Regel nicht steiler als 1:3 (Höhe zu Breite), um Erosion zu vermeiden, die Bepflanzung zu erleichtern und die Zugänglichkeit für die Pflege zu gewährleisten. Die Muldensohle wird eben oder mit minimalem Längsneigung ausgeführt, damit das Wasser gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt wird und nicht an einem Ende konzentriert versickert.

Für die Anbindung der Einzugsfläche an die Mulde sind Zulaufbauwerke notwendig. Dachabläufe können über offene Rinnen oder unterirdische Leitungen zur Mulde geführt werden. An der Einleitstelle ist eine Energieumwandlung vorzusehen, etwa durch eine Steinschüttung oder ein Prallbauwerk, das den Aufprall des einströmenden Wassers bremst und Erosion der Muldensohle verhindert. Ein Überlauf, der bei Überschreitung der Speicherkapazität das Wasser geordnet ableitet, ist bei größeren Einzugsflächen unverzichtbar. Er kann als Rasenmulde in ein tieferliegendes Geländeniveau oder in einen Regenwasserkanal führen.

Folgende Planungsschritte sollten in dieser Reihenfolge durchgeführt werden:

  1. Bestimmung der angeschlossenen Einzugsfläche und ihrer Abflussbeiwerte (Dachfläche, Terrasse, Weg)
  2. Ermittlung des maßgebenden Bemessungsregens für den Standort (Starkregenstatistik, KOSTRA-DWD)
  3. Bodenuntersuchung zur Bestimmung des kf-Werts und des Grundwasserstands
  4. Berechnung des erforderlichen Speichervolumens nach DWA-A 138
  5. Festlegung von Muldengrundfläche, Tiefe und Böschungsneigung
  6. Planung von Zulauf, Energieumwandlung und Überlauf
  7. Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und Prüfung kommunaler Satzungen

Vegetation und Gestaltung: Welche Pflanzen für Versickerungsmulden geeignet sind

Die Bepflanzung einer Versickerungsmulde muss den besonderen Standortbedingungen gerecht werden: periodischer Einstau nach Regenereignissen, gefolgt von Trockenphasen, verdichtungsgefährdete Sohle, und je nach Exposition auch Sonneneinstrahlung oder Beschattung. Geeignet sind Pflanzengesellschaften wechselfeuchter Standorte, die sowohl Nässe als auch Trockenheit tolerieren. In der Vegetationstechnik spricht man von Wechselfeuchtezeigern oder amphibischen Arten.

Für die Muldensohle und den unteren Böschungsbereich eignen sich Seggen (Carex-Arten wie Carex acutiformis, Carex riparia oder Carex nigra), Binsen (Juncus effusus, Juncus inflexus), Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) sowie krautige Arten wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) und Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Diese Arten sind heimisch, ökologisch wertvoll und robust gegenüber den wechselnden Wasserverhältnissen. Im oberen Böschungsbereich, der seltener eingestaut wird, können trockenheitsverträglichere Stauden und Gräser eingesetzt werden, etwa Wiesen-Salbei, Schafgarbe oder Blauschwingelgras.

Gehölze sind in Versickerungsmulden mit Bedacht einzusetzen. Tiefwurzelnde Bäume können die Muldensohle mit der Zeit verdichten und die Versickerungsleistung mindern. Flach wurzelnde, nässetolerante Gehölze wie Schwarzerle (Alnus glutinosa), Weidenarten (Salix caprea, Salix purpurea) oder Roter Hartriegel (Cornus sericea) sind für größere Mulden geeignet, sollten aber nicht die gesamte Sohle beschatten, da Licht für die Bodenbiologie und die krautige Vegetation wichtig ist. Rasen als Bepflanzung der Muldensohle ist möglich, erfordert aber eine regelmäßige Belüftung des Bodens, da Rasengräser bei häufigem Einstau zur Verdichtung neigen.

Gestalterisch lässt sich eine Versickerungsmulde im Garten als naturnah bepflanztes Element in die Gesamtkomposition einbinden. Eine sanfte Geländemodellierung, die die Mulde als selbstverständlichen Teil der Topographie erscheinen lässt, ist wirkungsvoller als ein abrupter Einschnitt. Findlinge oder Natursteinelemente an der Einleitstelle verbinden Funktion und Ästhetik. Wer die Mulde als Gestaltungselement begreift, statt sie zu verstecken, schafft einen Gartenteil mit eigener Identität und hohem ökologischem Wert.

Pflege und Betrieb: Wie die Versickerungsleistung dauerhaft erhalten bleibt

Eine Versickerungsmulde ist keine wartungsfreie Anlage. Die häufigste Ursache für nachlassende Versickerungsleistung ist die Kolmation, also die Verstopfung der Bodenoberfläche durch Feinsedimente, Algen und organisches Material, das mit dem Zulaufwasser eingetragen wird. Kolmation ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre entwickelt und sich durch zunehmend lange Einstauzeiten nach Regenereignissen bemerkbar macht. Regelmäßige Sichtkontrolle nach stärkeren Regenfällen gibt Aufschluss darüber, ob das Wasser noch innerhalb von 24 bis 48 Stunden versickert.

Zur Pflege gehören folgende Maßnahmen:

  • Jährliche Entfernung von Laub, Sedimenten und organischem Grobmaterial aus der Muldensohle, vorzugsweise im Frühjahr
  • Regelmäßiges Auflockern der Muldensohle durch Belüftung (Einstechen mit einer Grabgabel), um Verdichtung entgegenzuwirken
  • Kontrolle und Reinigung des Zulaufbauwerks und der Energieumwandlung nach jedem größeren Regenereignis
  • Überprüfung des Überlaufs auf Funktionsfähigkeit und Freihaltung von Bewuchs
  • Nachpflanzung abgestorbener Pflanzen und Bekämpfung invasiver Arten, die die Mulde besiedeln können
  • Bei starker Kolmation: mechanische Auflockerung oder partieller Bodenaustausch der obersten Schicht

Besonderes Augenmerk gilt dem Zulaufbereich. Wenn das einströmende Wasser Feinpartikel aus Dachbeschichtungen, Reifenabrieb oder Bodenbelägen mitführt, setzt sich die Muldensohle schneller zu. Ein vorgeschalteter Sedimentationsbereich, etwa eine mit Kies gefüllte Mulde oder ein einfaches Sandfangbauwerk, kann die Hauptmulde erheblich entlasten. Dachflächen mit Zinkbeschichtungen, Kupferblechen oder Bitumenbahnen sollten nicht direkt an eine Versickerungsmulde angeschlossen werden, da die ausgewaschenen Schwermetalle die Bodenbiologie schädigen und das Grundwasser belasten können. Hier ist eine Vorbehandlung oder ein Anschluss an die Kanalisation vorzuziehen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Normen

Die Versickerung von Niederschlagswasser ist in Deutschland wasserrechtlich geregelt. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) erlaubt die Versickerung von Niederschlagswasser, das nicht nachteilig verändert ist, grundsätzlich ohne wasserrechtliche Erlaubnis, wenn sie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erfolgt. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik für die Planung und den Bau von Versickerungsanlagen sind im DWA-Arbeitsblatt A 138 niedergelegt, das von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall herausgegeben wird. Dieses Regelwerk ist das zentrale Planungsdokument für Fachleute.

Auf Landesebene können abweichende oder ergänzende Regelungen gelten. Viele Bundesländer haben Niederschlagswasserfreistellungsverordnungen erlassen, die die Versickerung von Dachflächenwasser unter bestimmten Bedingungen von der Erlaubnispflicht freistellen. Kommunale Entwässerungssatzungen können die Versickerung auf dem Grundstück sogar vorschreiben, wenn die örtliche Kanalisation entlastet werden soll. In manchen Kommunen wird die Anlage von Versickerungsmulden durch Förderprogramme unterstützt oder durch eine reduzierte Niederschlagswassergebühr honoriert. Die Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und dem kommunalen Entwässerungsträger ist daher vor der Ausführung obligatorisch und schützt vor nachträglichen Auflagen.

Für die Einleitung von Wasser von stark befahrenen Hofflächen, Parkplätzen oder Werkstattbereichen gelten strengere Anforderungen. Solches Wasser gilt als nachteilig verändert und darf in der Regel nicht ohne Vorbehandlung versickert werden. Hier sind Leichtflüssigkeitsabscheider oder andere Vorbehandlungsanlagen vorgeschrieben. Für private Gartenflächen mit normaler Nutzung ist diese Einschränkung in der Regel nicht relevant, wohl aber für Einfahrten und Stellplätze, die an eine Versickerungsmulde angeschlossen werden sollen.

Häufige Fehler und Missverständnisse in der Praxis

Ein verbreiteter Fehler ist die Anlage einer Versickerungsmulde ohne vorherige Bodenuntersuchung. Wer eine Mulde in einen lehmigen Boden mit sehr geringer Durchlässigkeit gräbt, schafft kein Versickerungselement, sondern ein dauerhaftes Wasserloch. Das Wasser verdunstet zwar teilweise, versickert aber kaum, und die Mulde bleibt nach jedem Regen über Tage hinweg gefüllt. Das fördert Mückenbrut, schädigt die Vegetation und erfüllt die ursprüngliche Funktion nicht. Die Bodenuntersuchung ist kein optionaler Schritt, sondern die Grundlage jeder seriösen Planung.

Ein weiterer Fehler ist die Überdimensionierung der angeschlossenen Einzugsfläche im Verhältnis zur Muldengröße. Wer eine zu kleine Mulde an eine große Dachfläche anschließt, überfordert das System bei jedem mittleren Regenereignis. Das Wasser läuft über, bevor es versickern kann, und der Überlauf muss das Wasser aufnehmen, das eigentlich versickern sollte. Die Dimensionierung nach DWA-A 138 verhindert diesen Fehler, wenn sie konsequent angewendet wird.

Auch die Unterschätzung der Pflege ist ein häufiges Problem. Viele Eigentümer legen eine Versickerungsmulde an und erwarten, dass sie dauerhaft ohne Eingriff funktioniert. Tatsächlich nimmt die Versickerungsleistung ohne regelmäßige Pflege innerhalb weniger Jahre merklich ab. Wer die Mulde als wartungsfreies Naturereignis betrachtet, wird nach einigen Jahren feststellen, dass sie kaum noch versickert. Die Pflege ist kein Aufwand, der gegen die Anlage spricht, sondern ein integraler Bestandteil des Konzepts.

Schließlich wird die Lage der Mulde in Bezug auf Gebäude und Grundstücksgrenzen oft unterschätzt. Eine Mulde, die zu nah an einem Fundament liegt, kann dieses durch seitlich versickerndes Wasser gefährden. Eine Mulde, die zu nah an der Grundstücksgrenze liegt, kann Nachbargrundstücke vernässen. Beide Fehler sind nach der Ausführung schwer zu korrigieren und können zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen.

Versickerungsmulde im Garten als Teil einer nachhaltigen Freiraumplanung

Die Versickerungsmulde im Garten ist ein kleines, aber wirkungsvolles Element einer größeren Strategie: der Rückgewinnung des natürlichen Wasserhaushalts in der bebauten Landschaft. Auf der Ebene des einzelnen Grundstücks mag ihr Beitrag bescheiden erscheinen. Auf der Ebene eines Stadtquartiers oder eines Einzugsgebiets summieren sich viele einzelne Mulden zu einer messbaren Entlastung der Kanalisation, einer Stabilisierung des Grundwasserspiegels und einer Verbesserung des Stadtklimas. Genau deshalb fördern viele Kommunen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung aktiv und verankern sie in Bebauungsplänen und Entwässerungssatzungen.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist die Versickerungsmulde ein Standardelement, das sie in Wohnquartieren, Gewerbegebieten, Schulhöfen und öffentlichen Grünanlagen einsetzen. Die Grundprinzipien sind überall dieselben: Wasser zurückhalten, versickern lassen, filtern, verdunsten. Was sich unterscheidet, sind Maßstab, Gestaltungsanspruch und technische Komplexität. Auf dem privaten Grundstück beginnt diese Logik mit einer einfachen Geländesenke, die Regenwasser vom Dach aufnimmt. Wer diese Senke mit Sachkenntnis anlegt, pflegt und gestaltet, leistet einen konkreten Beitrag zu einem Wasserhaushalt, der unter dem Druck der Versiegelung und des Klimawandels zunehmend unter Druck gerät. Das ist keine romantische Geste, sondern eine technisch fundierte und ökologisch wirksame Entscheidung.