Am Bielersee plant die Projektgesellschaft AGGLOlac ein stark verdichtetes Quartier mit Wohnraum für bis zu 2 000 Bewohner. Die schönsten Parzellen direkt am Wasser sollen der Öffentlichkeit erhalten bleiben – als vielfältig gestalteter Park. Noch ist nicht klar, ob das Projekt umgesetzt wird. Denn so grotesk es auf ersten Blick wirken mag, befürchtet eine zunehmende Anzahl von Gegnern, durch das Projekt Freiraum zu verlieren.

„Diese Lage am See ist einmalig – ein solches Projekt plant man nicht alle Tage“, schwärmt Tino Buchs. Er ist Geschäftsführer von bbz Landschaftsarchitekten in Bern, die das Freiraumkonzept für das Großprojekt AGGLOlac entworfen haben. In der Tat gibt es in der dicht bebauten Schweiz nur wenige Areale mit einem Entwicklungspotenzial. Ausnahme ist das über 160 000 Quadratmeter umfassende ehemalige Industrie- und Ausstellungsgebiet mit Seeanstoß. Hier will die Projektgesellschaft AGGLOlac in den kommenden Jahren ein neues Stück Stadt bauen. Dadurch sollen Wohnungen für bis zu 2 000 Bewohnern entstehen.

Mit Seeblick

Ein zentrales Gestaltungselement ist die Sichtverbindung zum See: Die Gebäude sind so positioniert, dass der Blick durch das Quartier hindurch aufs Wasser und in die Weite von überall her immer wieder möglich ist. „Die Architekten haben bewusst auf eine Blockrandbebauung verzichtet: Es sollte kein Riegel zwischen Stadt und Seeufer geschoben werden“, erläutert Tino Buchs. Vielmehr will man auch über die Grünräume zwischen den Liegenschaften immer wieder Sichtverbindungen zwischen Stadt und See schaffen. Der vorgelagerte Uferpark wird entsprechend als möglichst offene Zone gestaltet. Bestehende Mauern und Zäune, wie auch ein Stück Wald, sollen verschwinden oder so gestaltet werden, dass sie die Sicht nicht behindern. Im Rahmen von AGGLOlac soll das Hafenbecken nun wieder bis zum Schlosspark gezogen und zu einer mediterran anmutenden Marina ausgebaut werden. Sie ist das Herzstück des neuen Quartiers und bildet den Übergang zwischen den künftigen Wohnüberbauungen und dem öffentlichen Park am See.

Die Gegnerschaft wächst

Die Gegner des Großprojekts monieren vor allem, dass mit der geplanten Überbauung wertvoller Freiraum verschwindet, der in der Vergangenheit für immer wieder Neues genutzt wurde. So diente die Bucht zwischen Nidau und Biel im Sommer 2012 etwa als Kulisse für das Freilichtspiel Cyclope, das Besucher aus der ganzen Schweiz nach Biel brachte. Das Gleiche gilt für das Lakelive-Musikfestival, das diesen Sommer erstmals durchgeführt wurde. Jährlich gäbe es über hundert Anfragen für temporäre Nutzungen der attraktiv gelegenen Brache am See. Das biete einmalige Möglichkeiten für Kreativität und Innovation, sagt AGGLOlac-Kritiker Manuel Schüpbach. Er fügt an: „Ein solch gestylter Park, wie ihn AGGLOlac plant, passt nicht zu Biel.“

Den kompletten Artikel lesen Sie in der G+L 12/18.

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Ich, Anja, bin der Meinung, dass das Leben eine Baustelle ist. Das ist ein wenig mein Lebensmotto, wenn ich genauer darüber nachdenke… Baustellen faszinieren mich tatsächlich. Sie zeugen von Veränderung, Aufbruch, strafen Stillstand Lügen. Vielleicht hat mich diese Faszination für Baustellen auch genau dahin geführt, wo ich heute bin. Denn urbane Räume, Freiräume, Landschaften sind immer under construction. Das müssen sie auch sein. Ich habe an der TU Dresden Kommunikationswissenschaft, Politik und Kunstgeschichte studiert – mit meiner journalistischen Arbeit möchte ich die Welt ein bisschen besser machen, die Garten + Landschaft ist die beste Plattform dafür, denn wie wir leben, wo wir wohnen, wie wir mit dem Freiraum, der uns umgibt, umgehen, das geht uns alle an.

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Eine Stadt muss mich fesseln, muss mich umarmen und in ihren Bann ziehen. Sie muss mich dazu verführen, unentwegt an sie zu denken und mit ihr zu interagieren. Dabei ist Schönheit nicht das Hauptkriterium. Es sind vor allem auch die schäbigen Ecken, die atmen, die ehrlich sind, die mich begeistern. Es sind die Ecken, an denen Menschen zusammenkommen und sich an der Stadt reiben, mit ihr Eins sein wollen.

Woher nimmst du Inspiration
Ins Weite blicken, aufs Meer oder ins Grüne, gute Bücher lesen, Ausstellungen besuchen, reisen. Vor allem inspirieren mich Begegnungen mit interessanten Menschen und das Leben in der Stadt…. Auch wenn München mir manchmal ein wenig zu eng und zu klein wird, die Stadt mit ihrem urbanen Versprechen hat mich noch nie enttäuscht.

Was liebst du was deine Kollegen hassen?
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Für was bist du in der Redaktion bekannt?
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Welche Themen begeistern dich?
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Stadt oder Land?
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Auf einem Gebäude liegt ein sonnenbeschienener Dachgarten mit einer Wegeführung und unterschiedlichen Pflanzbereichen. Es ist das BuGG Gründach des Jahres 2022 – der genutzte Dachgarten der Hauptfeuerwache Karlsruhe. Credit: Bauder
Das BuGG Gründach des Jahres 2022: Der genutzte Dachgarten der Hauptfeuerwache Karlsruhe. Credit: Bauder

Das Siegerprojekt des diesjährigen BUGG-Wettbewerbs Gebäudegrün steht fest. Das Gründach des Jahres 2022 ist auf der Hauptfeuerwache Karlsruhe zu finden. Die Feuerwehrleute sollen sich dort erholen, aber auch aktiv werden können.

Gründach des Jahres 2022 steht in Karlsruhe

Alljährlich zeichnet der Bundesverband GebäudeGrün e.V. – kurz BUGG – ein besonders herausragendes Projekt der Dach- und Fassadenbegrünung aus. Dabei können BUGG-Mitglider*innen selbst Projekte einreichen. Aus diesen wird anschließend das überzeugendste Projekt ausgewählt. In diesem Jahr ist die Wahl auf die Gestaltung der Hauptfeuerwache Karlsruhe gefallen. Die Auszeichnung prämiert jene als ökologisches Vorzeigeprojekt. Denn die Dachbegrünung dient als wertvoller Wasserspeicher. Sie saugt sich im einem Schwamm gleich bei Regenereignissen voll und hält die Feuchtigkeit. Neben dem Nachhaltigkeitsaspekt des Projektes wurde weiterhin auch dessen Nutzbarkeit hervorgehoben. Auf der Fahrzeughalle der Wache bietet sich auf über 4 000 Quadratmetern ein multifunktionaler Dachgarten.

Ein Vorzeigeprojekt der Paul Bauer GmbH & Co. KG

Dieses Konzept überzeugte die Mitglieder*innenversamlung mit großem Abstand. Es wurde von der Paul Bauer GmbH & Co. KG und erst im vergangenen Jahr eröffnet. Die Verantwortlichen sind mit der Auszeichnung zum Gründach des Jahres 2022 sehr zufrieden und betonen, dass die Feuerwache in Karlsruhe neue Maßstäbe setzen könnte. „Die Hauptfeuerwache Karlsruhe ist ein absolutes Vorzeigeobjekt, das uns allen anschaulich zeigt, was ein Dach heute so drauf haben sollte: nämlich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten von Sportplatz bis Photovoltaik, jede Menge Grün und selbstverständlich eine umfängliche Regenwassernutzung“, sagt etwa Tim Bauder, einer der drei Geschäftsführer der Paul Bauer GmbH & Co. KG.  Entscheidend für die gelungene Ausführung sei zum Beispiel ein sicherer Dachaufbau. Die Firma Bauder habe diesen mit ihrem BauderGREEN Dachbegrünungssystem garantieren können, führt Tim Bauder aus. Weiterhin sagte er, man als Unternehmen überaus glücklich, dass der BUGG das Projekt nun entsprechend gewürdigt habe.

Blick aus der Vogelperspektive auf das Siegerobjekt. Vielfältige Nutzung der Dachflächen. Credit: Bauder
Blick aus der Vogelperspektive auf das Siegerobjekt. Vielfältige Nutzung der Dachflächen. Credit: Bauder

Ästhetik und Funktion

Der Realisierung der Dachflächen war ein städtebaulicher Wettbewerb vorangegangen. Diesen konnte das Stuttgarter Architektenbüro H III S, harder stumpfl schramm in Zusammenarbeit mit Eurich Gula Landschaftsarchitektur für sich entscheiden. Indem sie ein besonders nachhaltiges Gesamtkonzept vorlegten. Dieses bestach nicht nur durch Funktionalität, sondern hatte auch einen hohen ästhetischen Wert. Und überzeugte darüberhinaus mit der gesteigerten Aufenthaltsqualität für die Einsatzkräfte. Denn von den rund 6 630 Quadratmetern Dachfläche sind über 4 000 Quadratmeter als nutzbarer Dachgarten gestaltet. Es wechseln sich extensive mit intensiven Begrünungen ab. Weiterhin leiten angelegte Wege durch die Flächen. Und diverse Sitzgelegenheiten laden zu kurzen Ruhepausen ein oder dienen als Treffpunkt. In einem Nutzgarten können die Einsatzbeamt*innen selbst gärtnerisch tätig werden. Weiterhin ergänzt eine Boulebahn das Aktivprogramm.

Gründach des Jahres 2022 für eine Grüne Stadt Karlsruhe

Um das Projekt in der heutigen Form entstehen zu lassen, war nach der Entwurfsphase eine ausgeklügelte Werkplanung und Ausführung notwendig. Für jede Fläche, ob  extensive Begrünung oder Wegebau bis zur intensiven Begrünung, wurden Aufbau und Schüttung genau geplant. Je nach Pflanzung variieren etwa die Substratstärken und bieten für die angelegten Gräser, Stauden und Großsträucher angemessene Bedingungen. Die individuelle und komplexe Begrünung des Dachgartens erfolgte durch den Freiburger Dachbegrünungs-Spezialist flor-design, welcher schon vergleichbare Projekte begleitete. So entstand am Ende ein gelungenes Zusammenspiel aus Ästhetik und Ökologie. Denn durch den Schichtaufbau des Dachsystems wird das ankommende Regenwasser gespeichert und verdunstet nach und nach. Die Feuerwache leistet somit einen wichtigen klimatischen Beitrag für die Umgebung. Und für die Stadt. Denn diese hat die Kampagne „Grüne Stadt Karlsruhe“ ausgerufen und das Gründach des Jahres 2022 ist dafür ein exemplarischer Bestandteil.

Hier finden Sie zum Vergleich das erstplatzierte Projekt des Vorjahres: Gründach des Jahres 2021.