Der Amazonas-Regenwald steht vor Bedrohungen wie Abholzung und Biodiversitätsverlust. Aber es gibt auch Ansätze, um ihn zu schützen. Bildquelle: Unsplash
Der Amazonas-Regenwald steht vor Bedrohungen wie Abholzung und Biodiversitätsverlust. Aber es gibt auch Ansätze, um ihn zu schützen. Bildquelle: Unsplash

Der Amazonas Regenwald ist eines der wertvollsten natürlichen Systeme der Welt. Er macht mehr als die Hälfte des gesamten Regenwaldvolumens der Welt aus, ist aber gleichzeitig von Abholzung bedroht. Lesen Sie mehr über die Bedeutung dieses Regenwaldes und Lösungen zu seinem Schutz.

Der größte Regenwald der Welt

Der Amazonas Regenwald bedeckt einen Großteil Brasiliens und Perus sowie Teile von Guyana, Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Surinam, Französisch-Guayana und Venezuela. Sein Flusseinzugsgebiet ist das größte Entwässerungssystem der Welt und beherbergt den größten Regenwald der Welt. Das üppige Blätterdach des Amazonas beherbergt eine unglaubliche Artenvielfalt. Er hat auch eine wichtige kühlende Wirkung auf den Planeten, da die Bäume die Wärme hoch in die Atmosphäre leiten. Darüber hinaus absorbiert und speichert der Wald auch CO2 aus der Atmosphäre.

Die Abholzung des Amazonas Regenwaldes hat jedoch seit mehreren Jahrzehnten alarmierende Ausmaße angenommen. Sowohl zwischen August 2021 und Juli 2022 wurde eine Fläche von rund 11 000 Quadratkilometern abgeholzt. Der größte Teil der Entwaldung ist auf die Viehzucht für die Rindfleisch- und Lederproduktion zurückzuführen. Wenn Bäume gefällt und verbrannt werden, wird CO2 wieder in die Atmosphäre freigesetzt, ganz zu schweigen vom Verlust von Lebensraum und Artenvielfalt.

Das Ausmaß von Abholzung und Trockenheit

Wenn die Abholzung des Amazonas Regenwaldes im derzeitigen Umfang anhält, könnte die Welt auf eine Katastrophe zusteuern. Die Region würde immer trockener werden und ihre Fähigkeit verlieren, etwa ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes zu absorbieren. Schon jetzt absorbiert der Wald aufgrund der Abholzung 30 Prozent weniger als in den 1990er Jahren. Trockene Wälder sind anfällig für Brände und andere Naturkatastrophen wie das Aussterben von Arten.

Der Amazonas Regenwald nimmt etwa 25% der weltweiten CO2-Emissionen auf. Bildquelle: Unsplash
Der Amazonas Regenwald nimmt etwa 25% der weltweiten CO2-Emissionen auf. Bildquelle: Unsplash

Bedrohungen für den Amazonas Regenwald

Bodenspekulation und landwirtschaftliche Expansion sind die größten Bedrohungen für den Amazonas Regenwald. Der Wald und seine Süßwassersysteme sind empfindlich und bereits gefährdet, was durch die Abholzung noch verschlimmert wird. Auch Landpreise sind ein großes Problem: Sie können sich verzehnfachen, sobald der Wald gerodet ist, was zu legaler und illegaler Abholzung führt.

Die weltweite Nachfrage nach Rindfleisch und Soja steigt, was ebenfalls zur Abholzung von Wäldern führt, um Platz für Viehweiden und Ackerland zu schaffen. Diese großen Industrien verdrängen oft Kleinbauern und zwingen sie, Wälder zu roden, um sich selbst zu erhalten. Im brasilianischen Amazonasgebiet nehmen Rinderweiden rund 80 Prozent der abgeholzten Flächen ein. In Kolumbien und Bolivien ist die Viehzucht ebenfalls ein Hauptgrund für die Entwaldung.

Schlechte Planung mit schlimmen Folgen

Neben dem Verlust von Wald führt die Viehzucht auch zu Abschwemmungen von Weideflächen, die die Flüsse verschmutzen. Und das Feuer, das zur Bewirtschaftung der Felder eingesetzt wird, breitet sich oft auf die verbleibenden Waldgebiete aus. Insgesamt trägt die Entwaldung durch den Verlust von Bäumen mit ihrer kühlenden und filternden Wirkung sowie durch die Freisetzung von CO2, das im Wald gespeichert ist, direkt zum Klimawandel bei. Gleichzeitig sind der Goldabbau und die Ölbohrungen weitere Gründe für Umweltschäden im Amazonas Regenwald.

Eine weitere Bedrohung für den Regenwald ist schlecht geplante Infrastruktur. So können beispielsweise neue Straßen bisher unzugängliche Waldgebiete der illegalen und nicht nachhaltigen Abholzung preisgeben. Ungeplante Siedlungen und die Ausweitung der Landwirtschaft könnten ebenfalls Folgen schlecht geplanter Straßen sein. Eine weitere Bedrohung für den Wald stellen Staudämme dar, die die Region mit Energie aus Wasserkraft versorgen. Sie unterbrechen Flüsse, blockieren Wasserlebewesen und beeinträchtigen die Subsistenz- und kommerzielle Fischerei.

Millionen Menschen leben vom Amazonas Regenwald. Bildquelle: Antonio Campoy, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
Millionen Menschen leben vom Amazonas Regenwald. Bildquelle: Antonio Campoy, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

Gesunder Regenwald, gesunder Planet

Es gibt jedoch viele Länder, die sich bemühen, die Abholzung zu stoppen. Vor allem Brasilien ist für einen Großteil der Abholzung im Amazonasgebiet verantwortlich, unternimmt aber inzwischen große Anstrengungen, um diese Praxis zu reduzieren. Die Zerstörung des Waldes ist von rund 20 000 Quadratkilometern pro Jahr in den späten 1990er Jahren auf rund 5 200 Quadratkilometer pro Jahr in den letzten Jahren zurückgegangen. Die Bekämpfung der illegalen Abholzung ist eine der größten Herausforderungen.

Insgesamt umfasst der Amazonas Regenwald rund 7 000 000 Quadratkilometer und erstreckt sich über neun Nationen und 3 344 offizielle indigene Gebiete. Mit 60 Prozent befindet sich der größte Teil des Waldes in Brasilien, gefolgt von Peru mit 13 Prozent und Kolumbien mit 10 Prozent. Die Bemühungen um den Schutz der schätzungsweise 390 Milliarden einzelnen Bäume und 16 000 Arten haben auch Auswirkungen auf die 30 Millionen Angehörigen von 350 verschiedenen ethnischen Gruppen, die im Amazonasgebiet leben. Sie sind auf die Natur angewiesen, um sich zu ernähren, zu schützen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Wasserwege sind wichtige Transportwege.

Wenn man bedenkt, dass das Amazonasgebiet etwa eine von zehn bekannten Arten auf der Erde, die Hälfte der verbleibenden Tropenwälder des Planeten und 20 Prozent des flüssigen Süßwassers der Welt beherbergt, besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Gesundheit des Regenwaldes und der Gesundheit des Planeten.

Der Amazonas Regenwald in Kolumbien © Luis Barreto / WWF-UK
Der Amazonas Regenwald in Kolumbien © Luis Barreto / WWF-UK

Den Regenwald schützen

Es gibt viele Ideen, wie man den Amazonas Regenwald schützen kann. Zum Beispiel können Schutzgebiete ähnlich wie Nationalparks den Wald unterstützen, Arten schützen und den Lebensunterhalt der Bevölkerung sichern. In Kolumbien werden 79 Millionen Hektar Meer und Wald durch die Initiative „Heritage Colombia“ geschützt. Dies wird dem Land helfen, sein Ziel des Waldschutzes und des Schutzes von 30 % seiner Meeresfläche bis 2030 zu erreichen.

Die peruanische Regierung ist führend in den Bemühungen, rund 41 Millionen Hektar des peruanischen Amazonasgebiets dauerhaft zu schützen und damit 7,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff zu sichern. Diese Initiative wird 1,4 Millionen Menschen zugutekommen, die auf den Regenwald angewiesen sind, um Nahrungsmittel, Medikamente und saubere Energie zu erhalten. Sie wird auch die Widerstandsfähigkeit des Landes gegenüber dem Klimawandel erhöhen.

Planung und Organisationen im Amazonas Regenwald

Organisationen wie der WWF sind ebenfalls im Amazonas Regenwald aktiv. Ihre Initiativen wie der Soja-Rundtisch zielen darauf ab, die Nachhaltigkeit der Anbaumethoden zu verbessern und die Umwandlung von Amazonaswäldern in Soja zu verbieten. In ähnlicher Weise gibt es Bestrebungen, Standards für die Rindfleischindustrie und die Holzindustrie zu schaffen, um die Effizienz zu steigern, Abfälle zu reduzieren und die Abholzung zu stoppen.

Die Planung von Energieszenarien ist im Amazonas Regenwald ebenfalls wichtig, da Wasserkraftwerke bei schlechter Planung drastische Auswirkungen haben können. Kohlenstoffarme, kostengünstige und konfliktarme Energiequellen können dazu beitragen, die Auswirkungen auf Mensch und Natur zu minimieren. Wichtig ist, dass die Standorte für die Energieinfrastruktur gut ausgewählt werden.

Lösungen für den Schutz des Regenwaldes sind etwa der Entwaldungsstopp und ein verbessertes Nationalparksystem. Bildquelle: Pixabay
Lösungen für den Schutz des Regenwaldes sind etwa der Entwaldungsstopp und ein verbessertes Nationalparksystem. Bildquelle: Pixabay

30 % Schutz bis 2030

Im Jahr 2022 einigte sich die Welt auf das Ziel „30 Prozent bis 30 Prozent“, d. h. die Erhaltung von 30 Prozent des Lebensraums auf dem Land und im Meer bis zum Jahr 2030. Um die Abholzung des Amazonas Regenwaldes zu stoppen und eine nachhaltige Zukunft für diese wichtige natürliche Ressource zu gewährleisten, sind weitere Anstrengungen erforderlich, um zumindest das 30×30-Ziel zu erreichen. Unter dem wiedergewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva hat sich Brasilien verpflichtet, die Entwaldung bis 2030 zu beenden. Der Amazonas-Fonds soll diese Bemühungen unterstützen. Zumal hat kürzlich Bidens Regierung versprochen, in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen USD zur Unterstützung des brasilianischen Ziels bereitzustellen.

Waldrodung auf Borneo © Simon Rawles
Waldrodung auf Borneo © Simon Rawles

Grüne Lunge mit viel Potenzial

Auch wenn viele politische und wirtschaftliche Interessen im Spiel sind, so sollte dennoch die Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes für die Eindämmung des Klimawandels unbedingt im Vordergrund stehen. Denn nur durch den Schutz des bestehenden Waldes und durch die Wiederaufforstung der ihn umgebenden Gebiete kann diese grüne Lunge nachhaltig wieder ihr volles Potenzial entfalten. Darüber hinaus könnten auch andere Regenwälder auf der ganzen Welt von seinem Vorbild lernen.

Weiterlesen: Die EU ist der zweitgrößte Importeur tropischer Entwaldung. Was nun laut WWF passieren muss, erfahren Sie hier.

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Nachteile Dachbegrünung: Prinzip, Planung und Beispiele

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Nachteile Dachbegrünung
Luftaufnahme einer städtischen Bebauung – ein Blick von oben auf gewachsene Stadtstrukturen. Foto: chuttersnap/Unsplash

Dachbegrünungen gelten als Musterbeispiel nachhaltiger Stadtentwicklung: Sie kühlen, speichern Regenwasser, fördern Biodiversität und verbessern das Stadtklima. Doch wer Gründächer plant, baut oder betreibt, stößt unweigerlich auf eine Reihe von Einschränkungen, technischen Risiken und wirtschaftlichen Realitäten, die in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt werden. Die Nachteile der Dachbegrünung sind kein Argument gegen das Instrument, aber sie sind eine Planungsgrundlage, die jeder kennen muss, der Gründächer ernsthaft und dauerhaft einsetzen will.

  • Was Dachbegrünung technisch bedeutet und welche Typen unterschieden werden
  • Welche statischen Anforderungen und Lastprobleme Gründächer mit sich bringen
  • Warum Abdichtung und Wurzelschutz zu den kritischsten Schwachstellen zählen
  • Welche Kosten bei Planung, Bau und Unterhalt tatsächlich entstehen
  • Wie Staunässe, Trockenheit und Substratversagen die Vegetation gefährden
  • Welche Einschränkungen für Dachneigung, Gebäudetyp und Nutzung gelten
  • Warum Pflege und Wartung häufig unterschätzt werden und welche Fehler entstehen
  • Wie die Nachteile der Dachbegrünung in der Planung beherrschbar bleiben

Dachbegrünung: Definition, Typen und Planungsrahmen

Unter Dachbegrünung, auch Gründach oder begrüntes Dach genannt, versteht man die planmäßige Bepflanzung von Flachdächern, Schrägdächern oder Dachterrassen mit einem mehrschichtigen Aufbau aus Vegetationstragschicht (Substrat), Filtervlies, Drainageebene, Schutzlage und Wurzelschutzfolie über einer Dachabdichtung. Die Fachregel für Dachbegrünungen, herausgegeben von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), ist das maßgebliche Regelwerk im deutschsprachigen Raum und unterscheidet zwei grundlegende Typen: die Extensivbegrünung und die Intensivbegrünung.

Die Extensivbegrünung arbeitet mit geringen Substratdicken von in der Regel drei bis zwölf Zentimetern, einem niedrigen Gewicht von etwa fünfzig bis maximal hundertfünfzig Kilogramm pro Quadratmeter im wassergesättigten Zustand und pflegearmen Pflanzengesellschaften aus Sedum-Arten, Moosen, Kräutern und Gräsern. Sie ist die am häufigsten eingesetzte Form und gilt als wartungsarm, wenngleich nicht wartungsfrei. Die Intensivbegrünung hingegen entspricht einem Dachgarten mit Substratdicken von zwanzig Zentimetern bis über einem Meter, ermöglicht Gehölze, Rasenflächen und Stauden, erfordert aber entsprechend hohe Traglasten, eine aufwendige Bewässerungsinfrastruktur und regelmäßige Pflege wie ein bodengebundener Garten. Zwischen beiden Typen existiert die sogenannte einfache Intensivbegrünung als Zwischenstufe.

Die Nachteile der Dachbegrünung verteilen sich über beide Typen, sind aber je nach Ausführungsform unterschiedlich ausgeprägt. Wer die Schwächen des Systems kennt, kann sie in der Planung adressieren. Wer sie ignoriert, riskiert Bauschäden, Vegetationsausfälle und wirtschaftliche Verluste, die den ökologischen Nutzen des Gründachs dauerhaft in Frage stellen.

Statik und Gewicht: Die unterschätzte Grundvoraussetzung

Der gewichtigste Nachteil der Dachbegrünung im wörtlichen Sinne ist die zusätzliche Last, die jede Begrünung auf die Tragkonstruktion des Gebäudes aufbringt. Schon eine einfache Extensivbegrünung mit zehn Zentimetern Substrat bringt im wassergesättigten Zustand eine Flächenlast von rund hundert bis hundertfünfzig Kilogramm pro Quadratmeter mit sich. Eine Intensivbegrünung mit fünfzig Zentimetern Substrat, Bäumen und befestigten Wegen kann leicht auf fünfhundert bis über tausend Kilogramm pro Quadratmeter kommen. Diese Lasten müssen von der Dachkonstruktion, den Decken, den Wänden und dem Fundament sicher aufgenommen werden.

Bei Neubauten lässt sich die Tragkonstruktion von Anfang an auf das geplante Gründach ausrichten, was zwar Mehrkosten verursacht, aber technisch unproblematisch ist. Das eigentliche Problem entsteht bei der Nachrüstung bestehender Gebäude. Viele Flachdächer älterer Gebäude, insbesondere aus der Nachkriegszeit, wurden für deutlich geringere Verkehrslasten bemessen. Eine statische Überprüfung durch einen Tragwerksplaner ist in solchen Fällen zwingend erforderlich, bevor auch nur ein Quadratmeter Substrat aufgebracht wird. Nicht selten ergibt diese Prüfung, dass eine Intensivbegrünung ausscheidet und selbst eine Extensivbegrünung nur mit konstruktiven Verstärkungen möglich ist, was die Wirtschaftlichkeit des Projekts erheblich beeinträchtigen kann.

Hinzu kommt, dass die Lastverteilung auf dem Dach ungleichmäßig sein kann: Substrat, das sich durch Bewässerung oder Starkregen vollsaugt, Schneelasten auf der Begrünung sowie punktuelle Lasten durch Bäume oder Aufbauten müssen in der Berechnung berücksichtigt werden. Eine unzureichende statische Planung ist eine der häufigsten Ursachen für Schäden an begrünten Dächern und zählt zu den ernsthaftesten Nachteilen der Dachbegrünung, weil sie im schlimmsten Fall die Gebäudesicherheit gefährdet.

Abdichtung und Wurzelschutz: Wo Gründächer am häufigsten versagen

Das technisch sensibelste Element jedes Gründachs ist die Dachabdichtung. Sie muss dauerhaft wasserdicht und gleichzeitig wurzelfest sein, denn Pflanzenwurzeln sind in der Lage, kleinste Risse und Nähte in Abdichtungsbahnen zu durchdringen und aufzuweiten. Die FLL-Fachregel schreibt vor, dass entweder eine wurzelfeste Abdichtung eingesetzt oder eine separate Wurzelschutzfolie verlegt wird. Trotzdem gehören Abdichtungsschäden durch Wurzeldurchdringung zu den häufigsten und kostspieligsten Schadensbildern bei Gründächern, besonders wenn Gehölze oder aggressive Rhizompflanzen eingesetzt werden.

Das Problem liegt nicht nur in der Wurzelkraft der Pflanzen, sondern auch in der Qualitätssicherung bei der Ausführung. Nähte, Anschlüsse an Dachdurchdringungen, Attiken und Entwässerungseinläufe sind Schwachstellen, die bei der Verlegung sorgfältig ausgeführt und geprüft werden müssen. In der Praxis kommt es jedoch immer wieder vor, dass Abdichtungsarbeiten und Begrünungsarbeiten von verschiedenen Gewerken ausgeführt werden, ohne ausreichende Koordination. Wenn eine Leckage auftritt, ist die Schadenssuche unter einem begrünten Dach aufwendig und teuer: Das Substrat muss zumindest bereichsweise abgetragen werden, um die Abdichtung zu inspizieren und zu reparieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass Leckagen in begrünten Dächern oft erst mit erheblicher Verzögerung bemerkt werden. Das Substrat und die Drainageebene können Wasser zwischenspeichern und verzögert ableiten, sodass Feuchte in die Dachkonstruktion eindrückt, lange bevor Schäden an der Innendecke sichtbar werden. Regelmäßige Kontrollen der Dachabdichtung, insbesondere an Anschlüssen und Durchdringungen, sind deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil der Gründachpflege. Wer diese Kontrollen vernachlässigt, riskiert verdeckte Bauschäden, die den gesamten wirtschaftlichen Vorteil des Gründachs aufzehren können.

Entwässerung und Staunässerisiko

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Entwässerung. Gründächer sind darauf ausgelegt, Regenwasser zu puffern und verzögert abzugeben, was als Retentionsleistung erwünscht ist. Gleichzeitig darf das Substrat nicht dauerhaft wassergesättigt bleiben, weil Staunässe die meisten Gründachpflanzen schädigt und die Wurzeln zum Absterben bringt. Die Drainageebene muss deshalb so dimensioniert sein, dass überschüssiges Wasser zuverlässig abgeleitet wird, ohne dass die Retentionswirkung vollständig verloren geht. Dieses Gleichgewicht ist in der Planung anspruchsvoll und in der Ausführung fehleranfällig.

Verstopfte Dachabläufe sind ein häufiges Problem, das bei begrünten Dächern besonders gravierende Folgen hat. Laub, Substratpartikel und Pflanzenmaterial können Einläufe blockieren, sodass Wasser auf dem Dach aufstaut. Übermäßiger Wasserdruck belastet die Abdichtung und kann bei unzureichender Konstruktion zu Überläufen oder Durchfeuchtungen führen. Die FLL-Fachregel empfiehlt deshalb Schutzstreifen aus Kies oder anderen mineralischen Materialien um Dachabläufe herum, die regelmäßig freigehalten werden müssen.

Kosten in Planung, Bau und Betrieb

Die Nachteile der Dachbegrünung schlagen sich unmittelbar in der Kostenbilanz nieder. Die Herstellungskosten eines Extensivgründachs liegen je nach Aufbau, Substratdicke und Pflanzenauswahl deutlich über denen eines konventionellen Kiesflachdachs. Für eine einfache Extensivbegrünung sind Mehrkosten gegenüber einer unbegrünten Dachabdichtung von dreißig bis sechzig Euro pro Quadratmeter realistisch, bei Intensivbegrünungen können die Mehrkosten ein Vielfaches betragen. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für statische Verstärkungen, Bewässerungsanlagen, Substratlieferung und Kranarbeiten für den Materialtransport.

Die Betriebskosten werden in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt. Selbst eine Extensivbegrünung erfordert mindestens eine bis zwei Pflegebegehungen pro Jahr, bei denen Unkraut entfernt, Abläufe kontrolliert, Fehlstellen in der Vegetation nachgepflanzt und der Zustand der Abdichtungsanschlüsse geprüft wird. Bei Intensivbegrünungen ist der Pflegeaufwand mit dem eines bodengebundenen Gartens vergleichbar, inklusive Schnitt, Düngung, Bewässerung und Schädlingsbekämpfung. Wer diese laufenden Kosten nicht in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbezieht, wird vom tatsächlichen Aufwand überrascht.

Auf der anderen Seite verlängert eine fachgerecht ausgeführte Gründachabdichtung ihre Lebensdauer gegenüber einer ungeschützten Dachabdichtung erheblich, weil sie vor UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und mechanischer Beanspruchung geschützt ist. Dieser Vorteil relativiert die Mehrkosten langfristig, setzt aber voraus, dass die Begrünung tatsächlich dauerhaft funktioniert und die Abdichtung nicht durch Wurzeln oder Pflegefehler beschädigt wird. Die Wirtschaftlichkeit eines Gründachs hängt also in hohem Maß von der Qualität der Ausführung und der Konsequenz der Pflege ab.

Vegetation, Substrat und Standortgrenzen

Gründächer sind extreme Standorte. Die Pflanzen sind auf einem flachen oder geneigten Untergrund exponiert gegenüber Sonneneinstrahlung, Wind, Frost und Trockenheit, ohne den puffernden Einfluss eines tiefen Bodens. Substratschichten von wenigen Zentimetern speichern nur begrenzte Wassermengen und erwärmen sich im Sommer auf Temperaturen, die weit über fünfzig Grad Celsius liegen können. Diese Bedingungen schränken die Pflanzenauswahl erheblich ein und machen Vegetationsausfälle zu einem realen Risiko, besonders in Trockenperioden ohne Bewässerung.

Für Extensivbegrünungen sind Sedum-Arten (Fetthenne) die am häufigsten eingesetzten Pflanzen, weil sie Trockenheit, Hitze und Nährstoffarmut tolerieren. Doch auch Sedum ist nicht unverwundbar: Anhaltende Trockenheit ohne jede Niederschlagsergänzung kann selbst diese robusten Pflanzen schädigen, besonders in Regionen mit kontinentalem Klima und langen Sommern. Substratversagen durch Erosion, Verdichtung oder Auswaschung von Feinpartikeln kann die Vegetationsdecke langfristig destabilisieren. Auf stark geneigten Dächern besteht die Gefahr, dass Substrat und Pflanzen abrutschen, wenn keine ausreichenden Haltekonstruktionen vorgesehen sind.

Die Dachneigung ist eine der wichtigsten Einschränkungen für die Anwendbarkeit von Gründächern. Flachdächer und schwach geneigte Dächer bis etwa fünf Grad sind für Extensivbegrünungen gut geeignet. Bei steileren Neigungen sind spezielle Haltesysteme, Querriegel oder Kassettenkonstruktionen erforderlich, die den Aufbau komplizieren und verteuern. Ab einer Neigung von etwa fünfundzwanzig bis dreißig Grad sind konventionelle Gründachaufbauten kaum noch wirtschaftlich realisierbar. Schrägdachbegrünungen existieren zwar, sind aber technisch anspruchsvoll und in der Praxis selten.

Biodiversität: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Gründächer werden häufig als Beitrag zur urbanen Biodiversität kommuniziert, und dieser Beitrag ist real, aber begrenzt. Extensivbegrünungen mit Sedum-Monostrukturen bieten zwar Lebensraum für einige spezialisierte Insekten und Spinnen, sind aber artenärmer als bodengebundene Ruderalflächen oder naturnahe Freiflächen. Der ökologische Wert steigt erheblich, wenn Substrate mit unterschiedlichen Korngrößen, Totholzelemente, Sandlinsen und eine vielfältige Pflanzenauswahl aus heimischen Arten eingesetzt werden. Diese anspruchsvolleren Aufbauten erfordern aber mehr Pflege und sind teurer. Wer Gründächer pauschal als Biodiversitätsmaßnahme verbucht, ohne die Ausführungsqualität zu sichern, unterschätzt die Nachteile der Dachbegrünung in diesem Bereich.

Planerische Einschränkungen und häufige Fehler in der Praxis

Neben den technischen und wirtschaftlichen Nachteilen der Dachbegrünung gibt es planerische Einschränkungen, die das Instrument in bestimmten Kontexten erschweren oder ausschließen. Gebäude mit komplexen Dachgeometrien, vielen Durchdringungen für Lüftungsanlagen, Lichtkuppeln oder Dachaufbauten erschweren die Verlegung einer lückenlosen Abdichtung und erhöhen das Risiko von Leckagen. Technische Dachflächen, die für Wartungsarbeiten an haustechnischen Anlagen regelmäßig begangen werden müssen, vertragen sich schlecht mit einer flächigen Begrünung, die durch häufiges Betreten beschädigt wird.

Ein verbreiteter Planungsfehler ist die unzureichende Abstimmung zwischen Dachabdichtung, Begrünung und Entwässerung. Wenn Dachabdichter, Landschaftsarchitekten und Haustechniker ihre Gewerke nicht koordinieren, entstehen Schnittstellenprobleme, die sich später als Schäden manifestieren. Die FLL-Fachregel empfiehlt eine frühzeitige, gewerkeübergreifende Planung, die alle Schichten des Gründachaufbaus als System begreift. In der Praxis wird diese Empfehlung nicht immer eingehalten, besonders bei kleinen Projekten mit knappen Budgets.

Fehler bei der Substratauswahl sind ein weiteres häufiges Problem. Gründachsubstrate müssen leicht, wasserspeichernd, nährstoffarm und dauerhaft strukturstabil sein. Normale Gartenerde ist als Gründachsubstrat ungeeignet, weil sie zu schwer ist, sich verdichtet, Nährstoffe auswäscht und die Drainagefähigkeit verliert. Trotzdem wird in der Praxis immer wieder versucht, mit kostengünstigeren Erdmischungen zu arbeiten, was langfristig zu Vegetationsausfällen, Substratversagen und erhöhten Lasten führt. Normgerechte Substrate nach den Anforderungen der FLL sind teurer, aber technisch notwendig.

Schließlich wird die Zugänglichkeit für Wartung und Pflege oft zu wenig in die Planung einbezogen. Ein Gründach, das nur über eine schmale Dachausstiegsluke erreichbar ist, lässt sich kaum sinnvoll pflegen. Fehlende Laufroste, unzureichende Absturzsicherungen und mangelnde Zugänge für Pflegegeräte sind Planungsmängel, die den Pflegeaufwand erhöhen und die Sicherheit der Pflegekräfte gefährden. Gerade bei Intensivbegrünungen, die einen regelmäßigen Einsatz von Maschinen und Personal erfordern, muss die Zugänglichkeit von Anfang an mitgedacht werden.

Nachteile der Dachbegrünung im Kontext: Abwägung statt Ablehnung

Die Nachteile der Dachbegrünung sind real, technisch beschreibbar und planerisch beherrschbar. Sie rechtfertigen keine pauschale Ablehnung des Instruments, aber sie verlangen eine ehrliche, fachkundige Auseinandersetzung, die in der politisch und kommunikativ aufgeladenen Debatte um grüne Infrastruktur manchmal zu kurz kommt. Gründächer sind kein Selbstläufer, der nach der Fertigstellung wartungsfrei funktioniert. Sie sind ein technisches Bauwerk, das dauerhafter Aufmerksamkeit, kompetenter Pflege und einer soliden Grundlage aus Statik, Abdichtung und Substrat bedarf.

Für Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Gebäudeeigentümer bedeutet das: Die Entscheidung für ein Gründach sollte auf einer vollständigen Kosten-Nutzen-Betrachtung beruhen, die Herstellungskosten, Betriebskosten, statische Anforderungen, Abdichtungsrisiken und Pflegeaufwand ebenso einschließt wie die ökologischen und klimatischen Vorteile. Wo diese Abwägung positiv ausfällt, ist das Gründach ein wertvolles Instrument der blauen und grünen Infrastruktur in der Stadt. Wo sie negativ ausfällt, gibt es oft sinnvollere Alternativen, etwa bodengebundene Begrünungen, Fassadenbegrünungen oder entsiegelte Freiflächen, die denselben ökologischen Nutzen mit geringerem technischen Risiko erbringen.

Die Qualität eines Gründachs entscheidet sich nicht im Moment der Fertigstellung, sondern über Jahrzehnte des Betriebs. Ein fachgerecht geplantes, ausgeführtes und gepflegtes Gründach kann seine Lebensdauer von vierzig Jahren und mehr erreichen und dabei einen echten Beitrag zur Regenwasserbewirtschaftung, zur Kühlung des Stadtklimas und zur Biodiversität leisten. Ein schlecht geplantes oder vernachlässigtes Gründach hingegen wird zum Schadensfall, der das Vertrauen in das Instrument insgesamt beschädigt. Der Umgang mit den Nachteilen der Dachbegrünung ist deshalb keine Nebensache, sondern die Grundlage dafür, dass Gründächer das halten, was von ihnen erwartet wird.

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