Amsterdam: Wettbewerb für Fahrradsicherheit

Die Stadt Amsterdam hat einen Wettbewerb für innovative Fahrradsicherheit ausgelobt. Das zentrale Thema des Wettbewerbs aus Amsterdam lautet „Unterschiedliche Geschwindigkeiten auf Fahrradwegen“. Der Gewinner oder die Gewinnerin erhält nicht nur 2 000 Euro, sondern hat auch die Möglichkeit, seine oder ihre Idee mit einem Budget von maximal 45 000 Euro weiterzuentwickeln. Erfahren Sie hier mehr.

Die Stadt Amsterdam hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, um Lösungen für eine verbesserte Sicherheit mit dem Fahrrad in der niederländischen Hauptstadt zu finden. Der offene Wettbewerb richtet sich an Universitäten, Unternehmen und Mitglieder, die Ideen haben, wie man „unterschiedliche Geschwindigkeiten auf Fahrradwegen“, das zentrale Thema des Wettbewerbs, sicher umsetzen kann.

Bike City Bicycle Innovation Lab Amsterdam

Damit hofft die Stadt, das Verhalten von Fahrradfahrer*innen, Verkehrsteilnehmer*innen sowie Fahrradlieferdiensten positiv zu beeinflussen. Die Idee ist, mit unterschiedlichen Fahrradgeschwindigkeiten zu arbeiten, um dadurch die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

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Die zehn besten Ideen, die für das Amsterdam Bike City Bicycle Innovation Lab eingereicht wurden, werden ihre Lösungen einer Jury aus Fahrradexpert*innen vorstellen. Das Siegerprojekt erhält einen Preis in Höhe von 2 000 Euro sowie Mittel für die Weiterentwicklung des Projektes. Die Unterstützung bei der Umsetzung des Plans für Amsterdams Fahrräder ist ebenfalls Teil des Preises.

Amsterdam: Verschiedene Verkehrsträger und unterschiedliche Geschwindigkeiten

David Gelauff, Senior Project Manager bei der Amsterdamer Abteilung für Verkehr und öffentlichen Raum, erklärte gegenüber Cities Today: „Wir haben derzeit ein sehr reales Problem, nämlich die Nutzung unserer Radwege durch verschiedene Verkehrsmittel mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten – vor allem durch Elektrofahrräder. Landesweit sehen wir einen höheren Prozentsatz von Fahrradunfällen, an denen E-Bikes beteiligt sind, insbesondere bei älteren Fahrer*innen. Uns sind keine spezifischen Statistiken bekannt, die dies für Amsterdam belegen, aber wir erfahren dies aus Interviews mit Radfahrer*innen, die wir jedes Jahr durchführen. Das hält die Leute langsam davon ab, das Fahrrad zu benutzen, weil sie es einfach für gefährlicher halten.“

Im Jahr 2020 wurden in den Niederlanden insgesamt 229 Radfahrer*innen getötet. Das ist ein Anstieg von 24 Opfern im Vergleich zu 2019. 32 Prozent der Opfer waren mit einem E-Bike unterwegs und fast drei Viertel von ihnen waren älter als 60 Jahre.

Auf der Suche nach einer Verhaltensänderung

Die Einsendungen für den Amsterdamer Fahrradwettbewerb werden nach den Kriterien Relevanz, Innovation und Originalität, Anregung zum Handeln, Durchführbarkeit und Nachweis einer positiven Wirkung bewertet. Die Amsterdamer Fahrradplattform Bike City wurde vor circa einem Jahr, im März 2021, von der Stadt Amsterdam und den Verkehrsbetrieben Amsterdam gegründet. Sie dient seitdem als Gemeinschaft und als Raum für den Wissensaustausch.

Bike City hat angekündigt, dass das Gewinnerprojekt ein anerkanntes Problem im Amsterdamer Fahrradsektor mit einer innovativen, originellen Idee angehen sollte. Außerdem soll es die Menschen dazu anregen, ihr Verhalten zu ändern. Die Idee wird innerhalb eines Jahres in der Region Amsterdam erprobt und kann im Erfolgsfall ausgeweitet werden. Das maximale Entwicklungsbudget für das Siegerprojekt beträgt 45 000 Euro.

Bewerbungen waren bis zum 24. Februar möglich. Die Jury gibt voraussichtlich am 11. April bekannt, wer gewonnen hat.

Hier der Überblick im Video:

Das Auswahlverfahren

Die Beiträge für den Ideenwettbewerb können unterschiedlich groß sein. Amsterdam Bike City akzeptiert sowohl umfangreiche als auch kleine Pläne, solange sie zu einer sichereren Verkehrssituation für Radfahrer*innen in der Region beitragen.

Die Jury besteht aus fünf Radfahrerexpert*inneen aus Amsterdam, die aus dem akademischen Bereich, dem Bereich der Verkehrssicherheit, dem Bereich der Innovation sowie dem Bereich des Radfahrens kommen. Dies sind die Jurymitglieder:

  • Marco te Brömmelstroet – Professor für urbane Mobilitätszukunft an der Universität von Amsterdam
  • Ilona Kemps – Projektleiterin im Bereich Nachhaltigkeit und Mobilität bei Start up in Residence
  • Esther van Garderen – Geschäftsführerin des niederländischen Radsportverbands
  • Tim Coronel – Professioneller Rennfahrer und Verkehrssicherheitsbotschafter
  • Otto van Boggelen – Programmmanager bei CROW-Fietsberaad (niederländisches Wissenszentrum für Fahrradpolitik)

Die Jury wird zehn Projektvorschläge bewerten. Fünf davon werden durch eine öffentliche Abstimmung ausgewählt. Die Einsendungen werden über öffentliche und professionelle Kanäle wie beispielsweise die niederländische Radfahrerbotschaft, den Europäischen Radfahrerverband, den niederländischen Radfahrerverband und CROW-Fietsberaad bekannt gegeben. Die anderen fünf Vorschläge werden von einer offiziellen Abstimmungsleitgruppe ausgewählt, die sich aus Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung zusammensetzt.

Ideen für unterschiedliche Geschwindigkeiten auf Amsterdams Radwegen gesucht

Alle Einsendungen zum Wettbewerb werden auf der Website von Amsterdam Bike City veröffentlicht. Die Gewinner*innen werden auf der Website gefeatured. Alle Top 10-Projekte werden mitunter über soziale und andere Medien beworben, erhalten ein Präsentationsbudget und haben die Möglichkeit, ihre Idee vor einer Jury aus führenden Fachleuten zu präsentieren.

Das Siegerprojekt erhält nicht nur ein Preisgeld, sondern auch die Möglichkeit, seine Idee weiterzuentwickeln. Die Stadt Amsterdam und die Amsterdamer Verkehrsbetriebe werden mit dem Gewinner oder der Gewinnerin zusammenarbeiten, um einen Plan zu entwickeln. Dieser Plan soll die siegreiche Idee erweitern um sie in der Stadt anzuwenden.

Amsterdam ist in der ganzen Welt für seine sicheren, einfachen und angenehmen Radwege bekannt. Obwohl die Stadt oft als Inspiration dient, hat sie selbst auch mit Problemen wie Verkehrssicherheit und dem Verhalten gegenüber und unter Radfahrer*innen zu tun. Insbesondere die Zunahme von Fahrradlieferdiensten hat zu Überfüllung sowie Sicherheitsproblemen in den Fahrradnetzen der Stadt geführt. Außerdem ist der Verkauf von E-Bikes allein im Jahr 2020 um etwa ein Drittel gestiegen. Unterschiedliche Geschwindigkeiten auf Amsterdams Radwegen könnten daher eine Lösung für die Sicherheitsbedenken sein.

Mit diesem Wettbewerb unterstützt Amsterdam die europäische Vision „Zero serious road casualties in 2050“.
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