Neuer IPCC Bericht 2022

Am 28. Februar 2022 veröffentlichte der IPCC-Weltklimarat seinen neuen Bericht. Die Botschaft: Uns läuft die Zeit davon. Hier haben wir Ihnen die Inhalte zusammengefasst und erste Reaktionen gesammelt.

Am 28. Februar 2022 hat der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) seinen neuen Bericht mit dem Titel „Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability“ veröffentlicht. Der Bericht beschreibt detailliert, wie der vom Menschen verursachte Klimawandel „gefährliche und weit verbreitete Störungen in der Natur verursacht und das Leben von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt beeinträchtigt, trotz der Bemühungen, die Risiken zu verringern“. Die Wissenschaftler*innen betonen auch, dass die Menschen und Ökosysteme, die am wenigsten mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtkommen, am stärksten betroffen sind.

 

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Der IPCC-Klimabericht 2022

Hoesung Lee, Vorsitzender des IPCC, sagte: „Dieser Bericht ist eine eindringliche Warnung vor den Folgen der Untätigkeit. Er zeigt, dass der Klimawandel eine ernste und wachsende Bedrohung für unser Wohlergehen und einen gesunden Planeten darstellt. Unser heutiges Handeln wird bestimmen, wie sich die Menschen anpassen und wie die Natur auf die zunehmenden Klimarisiken reagiert“.

Selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann, wird es in den nächsten zwei Jahrzehnten und darüber hinaus überall auf der Welt zu vielfältigen Gefahren kommen. Bei Überschreitung dieser Temperaturgrenze wird es zu schwerwiegenden und in vielen Fällen unumkehrbaren Auswirkungen kommen.

195 Mitgliedsregierungen des IPCC genehmigten den IPCC Bericht 2022 während einer virtuellen Sitzung, die vom 14. bis 28. Februar 2022 stattfand.

 

Die Welt muss jetzt dringend handeln

Katastrophen wie Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und sintflutartige Regenfälle stellen schon jetzt eine enorme Belastung für Pflanzen, Tiere und Menschen dar. Viele dieser Wetterextreme treten gleichzeitig auf und führen zu kaskadenartigen Auswirkungen wie Nahrungsmittel- und Wasserunsicherheit, dem Verlust von Menschenleben, biologischer Vielfalt und Infrastruktur.

Dies sind die Hauptaussagen des IPCC-Klimaberichts 2022:

  • Mit einem derzeitigen Temperaturanstieg von 1,1 Grad Celsius im Vergleich zu den vorindustriellen Temperaturen ist der Klimawandel bereits weiterverbreitet. Zudem verursacht er schwerwiegendere Störungen als erwartet. Dies führt zum Beispiel zu Millionen von Klimaflüchtlingen und zu einem Rückgang der Ernteerträge, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent.
  • Bis mindestens 2040 wird die Welt weiterhin ähnliche und schlimmere Katastrophen erleben. Selbst wenn noch heute eine rasche Dekarbonisierung stattfinden würde. Millionen von Menschen werden in extreme Armut getrieben werden, und erhöhte Überschwemmungsrisiken werden dazu führen, dass Zehntausende von Kindern an Durchfallerkrankungen aufgrund von verunreinigtem Wasser sterben.
  • Schon ein Temperaturanstieg von 0,1 Grad Celsius führt zu eskalierenden Auswirkungen auf das Artensterben, die Wasserverfügbarkeit und das Wetter. Daher muss es eine Priorität sein, sogar unter der im Pariser Klimaabkommen festgelegten Grenze von 1,5 Grad Celsius zu bleiben.
  • Bis zu 3,6 Milliarden Menschen leben in Ländern, die für die Auswirkungen des Klimawandels besonders anfällig sind. Herausforderungen wie Ungleichheit, Konflikte und Entwicklung verstärken diese Anfälligkeit für den Klimawandel noch.
  • Anpassung ist eine Schlüsselstrategie zur Verringerung der Klimarisiken. Der IPCC Bericht 2022 stellt fest, dass es viele funktionierende Anpassungslösungen gibt. Von Sozialprogrammen über die Wiederherstellung von Ökosystemen bis hin zu Hochwasserschutzkanälen. Sie sind jedoch oft zu klein, zu langsam oder werden nicht ausreichend finanziert.
  • Es sind bereits irreversible Schäden entstanden, wie der Verlust von Korallenriff-Ökosystemen und niedrig gelegenen Siedlungen. Um den Verlusten und Schäden zu begegnen, muss die Welt jetzt dringend handeln.

 

Städte als Hotspots, aber auch als Teil der Lösung

Der IPCC Bericht 2022 enthält eine detaillierte Bewertung der Auswirkungen, Risiken und Anpassungsstrategien in Städten. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in städtischen Zentren. Ihre Lebensgrundlagen sowie kritische Infrastrukturen befinden sich in Städten, die in vielen Fällen unter den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben.

Die Kombination aus zunehmender Verstädterung, insbesondere in Ländern, die für den Klimawandel anfälliger sind, und dem Klimawandel führt zu komplexen Risiken. Dies gilt vor allem für Städte, die ein schlecht geplantes Stadtwachstum, ein hohes Armutsniveau und einen Mangel an grundlegenden Dienstleistungen zu verzeichnen haben.

Gleichzeitig weist der IPCC-Klimabericht 2022 darauf hin, dass Städte viele Möglichkeiten für Klimamaßnahmen bieten, wie in Ziel 13 für nachhaltige Entwicklung beschrieben. Erneuerbare Energien, grüne Gebäude und nachhaltige Verkehrssysteme sind Schlüsselelemente auf dem Weg in eine grünere Zukunft. Indem man alle Menschen in die Planung einbezieht und ein besonderes Augenmerk auf Gleichberechtigung und Gerechtigkeit legt sowie auf lokales Wissen zurückgreift, ist es möglich, Anpassungsstrategien in Städten zu entwickeln, die unbeabsichtigte Folgen wie die Zerstörung der Natur durch steigende Treibhausgasemissionen vermeiden.

 

Ein enges Zeitfenster zum Handeln

Im IPCC-Klimabericht 2022 wird betont, dass das Zeitfenster für Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels immer kleiner wird. Die nächsten Jahre sind ein enges Zeitfenster für einen Kurswechsel. Dies erfordert sofortige, ehrgeizige und konzertierte Anstrengungen zur drastischen Verringerung der Emissionen. Zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit, zur Erhaltung der Ökosysteme und zur Aufstockung der Finanzmittel für Anpassungs- und Schadensbekämpfungsmaßnahmen.

Hier wird die COP27-Konferenz in Ägypten Ende 2022 eine entscheidende Gelegenheit für die Regierungen bieten, Fortschritte zu erzielen. Die Länder des globalen Nordens und die vom Klimawandel weniger betroffenen Länder werden aufgerufen sein, ihre Solidarität mit den anfälligeren Nationen zu zeigen.

Wirksame Maßnahmen erfordern, dass die Regierungen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor jeden Tag aktiv werden. Auch wenn die COP27 ein wichtiges Ereignis ist, gibt es keine andere Möglichkeit, als die derzeitige Enge für Maßnahmen zu nutzen, wann und wo immer dies möglich ist. Der IPCC Bericht 2022 liefert reichlich Beweise und viele Beispiele für lokale Maßnahmen, die zu Veränderungen anregen.

 

Reaktionen auf den IPCC-Klimabericht 2022

Normalerweise veröffentlicht der IPCC alle sechs bis sieben Jahre einen umfassenden wissenschaftlichen Bewertungsbericht. Der IPCC-Klimabericht 2022 ist der zweite Teil des Sechsten Assessment Reports. Im August 2021 veröffentlichte der Weltklimarat den ersten Teil. Die Arbeitsgruppe II stützte sich auf 34 000 Studien an denen 270 Autor*innen aus 67 Ländern mitwirkten, um eine umfassende Untersuchung der sich verschärfenden Auswirkungen des Klimawandels und der damit verbundenen Risiken zu erstellen.

Die Reaktionen auf den IPCC Report 2022, der nur wenige Tage nach den verheerenden Überschwemmungen in Australien und den Nachrichten über den Ausbruch eines bewaffneten Konflikts in der Ukraine erschien, fielen schwer. Der Guardian spricht von düsteren, nüchternen und brutalen Ergebnissen. António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, sagte: „Ich habe in meiner Zeit viele wissenschaftliche Berichte gesehen, aber keinen wie diesen. Der heutige IPCC-Bericht ist ein Atlas des menschlichen Leids und eine vernichtende Anklage gegen die verfehlte Klimapolitik.“

Es wird erwartet, dass zwei weitere IPCC-Klimaberichte den vierteiligen Sechsten Assessment Report bilden werden. Auch wenn der Krieg in der Ukraine im Moment alle anderen Nachrichten überschattet, muss die Welt etwas unternehmen.

Ebenfalls dramatisch und höchst aktuell: Die europäische Architekturszene stellt sich in kürzester Zeit öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg. Auch die G+L steht in Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung und Regierung.