Was verdienen Architekt*innen? Lohnt sich die Arbeit als Architekt*in aus finanzieller Sicht? Alles zum Einkommen dieser Berufung lesen Sie hier. (Foto: Christian Dubovan, Unsplash)
Was verdienen Architekt*innen? Lohnt sich die Arbeit als Architekt*in aus finanzieller Sicht? Alles zum Einkommen dieser Berufung lesen Sie hier. (Foto: Christian Dubovan, Unsplash)

Befragung der Architektenkammern

Die Frage nach dem Einkommen ist für viele Menschen bei ihrer Berufswahl wichtig. Im Bereich der Architektur wird deshalb auch oft von Berufung gesprochen. Wieviel brauchen Architekt*innen und welches Einkommen haben sie im Schnitt? Eine Befragung der Bundesarchitektenkammer gibt Aufschluss über das Architektur Gehalt.

In den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur ist Leidenschaft und Berufung wichtig, denn in diesen Disziplinen wird oftmals viel gearbeitet. Darüber hinaus ist großes Engagement gefragt. Nicht immer spiegelt sich das jedoch im Einkommen wider, ganz im Gegenteil. Im Vergleich zu anderen Berufen sind die Verdienstmöglichkeiten in der Architektur-Branche eher schlecht.

Was heißt das genau und wie sieht das Einkommen von Architekt*innen im Konkreten aus? Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, lohnt im Folgenden der Blick auf Befragungen der Architektenkammern. Im Jahr 2020 haben die Kammern der Länder insgesamt 85 567 Mitglieder nach ihrem Architektur Gehalt gefragt. Über 16 000 Mitglieder antworteten, wozu auch 8 618 Architekt*innen zählen.  

An der Befragung zum Einkommen von Architekt*innen haben sich Mitglieder aller Kammern beteiligt. Im Rahmen der Erhebung im Jahr 2020 sind diejenigen befragt worden, die selbstständig tätig sind. Aber auch die Architekt*innen, die angestellt arbeiten, haben Informationen zu ihrem Architektur Gehalt gegeben. Dabei waren die Architekt*innen im Durchschnitt 45 Jahre alt. Etwa 33 Prozent von ihnen stammen aus der Altersklasse von 41 bis 50 Jahren. Aber mit 32 Prozent waren auch die über 50-jährigen gut vertreten.

Bei der Verteilung der Geschlechter waren Männer mit 52 Prozent häufiger vertreten als Frauen mit 48 Prozent. Aufgrund des relativ hohen Alters vieler Kammermitglieder verwundert es nicht, dass über 82 Prozent von ihnen über ein Diplom von einer Hochschule oder einer Fachhochschule verfügen, denn diese Abschlüsse waren bis Mitte der 1990er Jahre üblich. 

Architektur Gehalt von befragten Architekt*innen 

Bei der Frage nach dem Einkommen von Architekt*innen unterscheidet die Kammer in Vollzeit- und Teilzeit arbeitende Mitglieder. Unter den Architekt*innen, die die volle Stundenzahl arbeiten, verdient die größte Gruppe, nämlich 28 Prozent der Befragten, mehr als 70 000 Euro im Jahr. Die zweit größte Gruppe mit 23 Prozent bilden die Architekt*innen, die zwischen 50 001 und 60 000 Euro verdienen. Auch die Gruppe derjenigen, die zwischen 60 001 Euro und 70 000 Euro im Jahr bekommen, macht 17 Prozent der Mitglieder aus. Und 22 Prozent der Befragten verdienen im Jahr zwischen 30 001 und 40 000 Euro.

Im Mittel ergibt sich daraus ein Gehalt von 65 636 Euro pro Jahr für Architekt*innen. Die genaue Mitte zwischen höchstem und niedrigstem Architektur Gehalt, also der Median, liegt bei 59 000 Euro pro Jahr. Bei diesen Angaben sind allerdings keine zusätzlichen finanziellen Leistungen oder Vergütungen für Überstunden eingerechnet.

Engagement ist gefragt

Wie allgemein bekannt, arbeiten Menschen im Berufsfeld der Architektur oft sehr viel. Das bestätigt auch die Befragung der Architektenkammern. Denn in dieser geben 78 Prozent der Interviewten an, dass sie regelmäßig Überstunden leisten. Im Durchschnitt sind das fünf Stunden pro Woche. Etwa 36 Prozent der Befragten machen fünf bis zehn Überstunden in der Woche.

Dieses Bild unterscheidet sich je nach Ort, an dem die Architekt*innen arbeiten. Der Erhebung der Architektenkammer zufolge kommen Angestellte in einem Architektur- oder Planungsbüro durchschnittlich auf 4,8 Überstunden pro Woche. Ihre Kolleg*innen im öffentlichen Dienst müssen im Durchschnitt 4,3 Überstunden leisten. Etwas mehr Überstunden fallen hingegen in der gewerblichen Wirtschaft an. Dort kommen die befragten Kammermitglieder auf 6,1 Überstunden pro Woche.

Mehr Stunden als vereinbart zu arbeiten ist eine Sache. Aber welche Auswirkungen hat das Einkommen von Architekt*innen? Interessanterweise gaben 44 Prozent der Befragten an, dass ihre Überstunden per Freizeitausgleich abgegolten werden. Nur etwa vier Prozent der Kammermitglieder bekommen die zusätzlich geleisteten Stunden finanziell honoriert.

Architektur Einkommen: Lohnt die Arbeit in der Branche finanziell?

Der Blick auf das Gehalt von Architekt*innen zeigt, dass die Architektur kein Berufsfeld ist, in dem schnell viel Geld zu verdienen ist. Es gibt viele andere Branchen, in denen die Gehälter höher sind. Darüber hinaus zeigen die Angaben zu den Überstunden, dass Architekt*innen oftmals einen großen zeitlichen Einsatz erbringen müssen. Mit der normalen, im Vertrag vereinbarten Arbeitszeit ist es meistens nicht getan. Viele Architekt*innen leisten immer wieder zusätzliche Stunden, die nicht finanziell honoriert werden.

Im Vergleich zu den Berufsfeldern Landschaftsarchitektur sowie Stadtplanung liegt das Einkommen von Architekt*innen im Mittelfeld. Das mittlere Einkommen der befragten Landschaftsarchitekt*innen liegt bei 58 919 Euro. Im Bereich der Stadtplanung liegt es bei 75 226 Euro pro Jahr. Im Vergleich dazu verdienen Architekt*innen im mittleren Einkommen 65 636 Euro pro Jahr.

Allein aus finanzieller Sicht betrachtet gehört keine der in den Architektenkammern vertretenen Berufsgruppen zu denjenigen Tätigkeiten, in denen hohe Gehälter üblich sind. Aber würde man eine Befragung zur Freude am Beruf und zur Zufriedenheit von Architekt*innen machen, käme es sicherlich zu einem guten Ergebnis. Wer Lust hat, sich einer großen und breiten, gesellschaftlich relevanten Herausforderung zu stellen, der kann in der Architektur in jedem Fall berufliche Erfüllung finden.

Apropos Architektur Gehalt: Haben Sie schon den Brutto-Netto-Rechner für Architekten bei New Monday entdeckt?

Der Equal Pay Day macht jährlich auf geschlechterspezifische Gehaltsunterschiede in Deutschland aufmerksam – denn Frauen verdienen hierzulande deutlich weniger als Männer. Die neue Sonderauswertung der Bundesarchitektenkammer zeigt wie groß die Gender Pay Gap in den planenden Disziplinen ist.

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Öffentlicher Raum: Symposium “RAUMaufZEIT”

In den vergangenen zehn Jahren ist in Praxis, Forschung und Lehre eine Konjunktur des Vorübergehenden zu verzeichnen. Temporäre Zwischennutzungen im Stadtraum, ephemere Stadtentwicklung, das scheinbar Ungeplante, das Experimentelle, Formen des Informellen, Provisorischen, performativer Urbanismus, selfmade city, urban gardening, Mikroplanung, hands-on- und handmade urbanism sind nur einige Stichworte, die diesen Trend beschreiben. Gelegentlich sind daher gewisse Ermüdungserscheinungen zu vernehmen, verbunden mit der Frage, ob sich das Thema nicht langsam abgearbeitet habe, da es zum allgemeinen fachlichen Wissens- und Planungskanon geworden ist. Dass dies nicht so ist, hat das Symposium RAUMaufZEIT bewiesen, das am 19. September an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter stattfand. Initiiert wurde diese Tagung von Ulrich Berding, Florian Kluge und Willem-Jan Beeren, die sich seit langem mit öffentlichen Räumen beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes Arbeitsprinzip war dabei die temporäre Intervention. Projekte und Denkweise haben sie in dem Buch „RAUMaufZEIT. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum“ in den Bänden 1 und 2 dokumentiert.

Mehr Information zum Projekt “kistenweise”: www.raumaufzeit.eu/kistenweise

 

Das Symposium RAUMaufZEIT sollte nun einen Schritt weitergehen. Gemeinsam wollten sie ihre Arbeit in einem Expertenkreis reflektieren und weiterentwickeln. Mittel- und langfristig soll über mehrere Schritte ein Expertennetzwerk aufgebaut werden, das sich in losem Verbund interdisziplinär austauscht, Projekte initiiert und weitere gemeinsame Symposien veranstaltet.

Eingeladen waren Experten aus diversen Disziplinen: Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Kulturtheoretiker, Kuratoren, Bildungs- und Kunstwissenschaftler waren ebenso vertreten wie eine Reihe von (Aktions-) Künstlern, Filmemachern und Aktivisten partizipativer Kunst. Der Begriff RAUMaufZEIT spielt mit dem Moment des Augenblicks nicht nur als Beschreibung einer kurzen Zeitspanne, sondern immer in ihrer Wechselbeziehung mit Räumen. Insofern ist er klar umrissen, lässt zugleich aber genügend Spielraum für unterschiedliche Anwendungen und Erklärungsmuster. Genau dies spiegelte auch die Bandbreite der Zugänge wider, theoretisch-wissenschaftlich und praktisch-künstlerisch. Um dieses heterogene Spektrum unter einen Hut zu bekommen, wählten die Initiatoren probate Kommunikationsmittel: Zunächst stellten sich die beteiligten Experten mit einem Kurzvortrag im Pecha-Kucha-Modus (5 Minuten, 10 Folien im 30-Sekunden-Rhythmus) vor. Diese Methode stellte sich als sehr fruchtbar heraus, um die Polyphonie des Themas, seiner Methoden, Praktiken, Ziele und Fachsprachen zu verdeutlichen. Am Nachmittag stand dann die gemeinsame Arbeit im Vordergrund. In drei Gesprächsrunden im World-Café-Modus mit den Schwerpunkten „Projekte“, „Formate“ und „Forschung“ wurden gemeinsame Ansätze, Themen und Fragen identifiziert, diskutiert und weiterentwickelt.

Mehr Information zum Projekt “Spacemaker”: www.raumaufzeit.eu/spacemaker

 

Das Symposium zeigte, dass das Thema nicht aus der Mode kommt, sondern einer weiteren Beschäftigung bedarf: Anstehende Aufgaben sind die Qualifizierung, Differenzierung und Auseinandersetzung mit Interventionen als methodisches Handwerkszeug in Forschung und Planung (jenseits einer Festivalisierung öffentlicher Räume) sowie eine weitere theoretische Durchdringung. Der dritte Band der RAUMaufZEIT-Reihe wird die Expertenbeiträge unter dem Titel „Reflektionen – Positionen  – Haltungen“ publizieren. Ein guter Anfang, um weitere Prozesse anzuschieben. Weitere Informationen: www.raumaufzeit.eu

Weitere Wettbewerbsergebnisse im November 2020

Stadtpark auf ehemaliger Deponie, Rostock; 1. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Köln

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die Wettbewerbsergebnisse im November 2020 – Teil 2.

Neugestaltung Brüder-Grimm-Platz, Kassel; 1. Preis club L94, Köln, mit Röver Ingenieurgesellschaft mbH, Gütersloh

Rostock wandelt eine ehemalige Deponie zum Stadtpark um und schafft damit eine multifunktionale Grün- und Veranstaltungsfläche für die BUGA 2025. Der Siegerentwurf von RMP Stephan Lenzen sieht ein zentrales Freizeitplateau vor, mit sportlichen und spielerischen Aktivangeboten. Richtung Warnowufer fällt das Gelände in Terrassen und gibt den Blick frei zur gegenüberliegenden Altstadt. Die nutzungsintensive Mitte bettet sich in einen extensiv gestalteten Landschaftspark, der sogenannten Parkschale.

Radiale Wege führen von der Mitte nach außen und schließen an mehrere Rundwege an, die sich schneiden und teils deckungsgleich verlaufen: Sport- und Panoramaloop grenzen direkt ans Freizeitplateau, nach außen folgen Deponieloop und Warnowrundweg. Letzterer weitet sich entlang des Ufers zu einem Freizeitband und erhält am Ufer ein besonderes Raumerlebnis durch eine Steganlage, die über Wasser und Schilfgürtel leitet. Der Deponieloop zeichnet die alten Raumkanten der früheren Deponie nach. Ein Hochpunkt und Merkzeichen des zentralen Freizeitplateaus bildet der Klimaleuchtturm, eine Spiel- und Aussichtsskulptur, die sich in ihrer zusätzlichen Funktion als Informationsterminal in das Umweltkonzept des Parks eingliedert.

Weitere Wettbewerbsergebnisse im November finden Sie hier.

Lebensader LUX in Hürth; 1. Preis RSP Freiraum GmbH, mit Bonk + Herrmann, beide Dresden

Der Brüder-Grimm-Platz hatte im Laufe seiner Geschichte bereits viele Namen, bislang erinnert nur ein Denkmal an das märchenerzählende Brüderpaar, das hier mal gelebt haben soll. Mit „Grimms Wald“ knüpft der Siegerentwurf des Teams aus Landschaftsarchitekten club L94 und Verkehrsplanern Röver direkt an die Epik an, schafft aber dennoch einen zeitgenössischen Kontext. Mit einer kompakten Pflanzmitte aus Waldstauden, Farnen und Waldbäumen vermittelt der Entwurf spielerisch aber dennoch klar die starke Assoziation eines Märchenwaldes. Zusätzlich überrascht er mit der bepflanzten Kreisform – ein Rückgriff auf die frühere Platzgestalt vor über 100 Jahren, ein mit Bäumen gesäumtes Rondell. Gemeinsam mit der pentagonförmigen Platzkante entsteht so eine spannungsvolle Platzdynamik mit großzügigen Vorbereichen für die historischen Randbauten. Der Verkehrsraum zerschneidet zwar das Rund, wird in seiner Dimensionierung aber von den Planern stark reduziert.

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Im Wettbewerb zur Neugliederung der zentralen Luxemburger Straße in Hürth überzeugte der Siegerentwurf mit einer sehr eigenständigen Haltung, so die Jury. Die Straßenachse verschiebt sich nach Westen und ermöglicht dadurch entlang der Ostseite einen breiten baumbestandenen und partiell entsiegelten Boulevard. Eine Abfolge kleiner Gartenkabinette bietet abwechslungsreiche Aufenthaltsräume, die Entsiegelung und Bepflanzung stärkt die stadtklimatischen Zielsetzungen zur Hitzereduzierung. Zwei größere Platzräume und zahlreiche Querungen rhythmisieren und durchbrechen den streng linearen Straßenraum. An der Ostseite reduziert sich der eigentliche Verkehrsraum auf den erforderlichen Regelquerschnitt, mit zwei Meter schmalen Parkstreifen und zwei Fahrspuren von je 2,50 Metern Breite. Die Verfasser empfehlen die Ausweisung als Fahrradstraße, nur im Begegnungsfall von Stadtbussen wird der Querschnitt von 6,50 Meter ermöglicht. Die Leitungstrasse konzentriert sich auf den Fahrbereich des Straßenraums und den Querungen; Boulevard und Gartenkabinette bleiben dagegen trassenfrei.

Mehr zum Lenné-Preis 2020 erfahren Sie hier.

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