10.08.2023

Projekt

Baumschule Kulturforum Berlin

Im Hintergrund sieht man die Kirche St. Matthäus. Im Vordergrund ein steinerner Platz auf dem rechts und links Pflanzkübel mit Bäumen stehen.
Baumschule Kulturforum, ein Projekt der Stiftung St. Matthäus unter der künstlerischen Leitung von Klaus Biesenbach und atelier le balto, Berlin, Juli 2023© atelier le balto / Foto: Sebastian Grapentin

Im Juni wurde die Baumschule Kulturforum eingeweiht. Die temporäre Installation des Alteriers le balto wandelt die steinernen Freiflächen des Kulturforums Berlin zu grünen Oasen um. Zahlreiche Veranstaltungen begleiten die Intervention. Mehr dazu hier.


Baumschule statt Steinpiazzetta 

„Spätabends sitzen die Vögel auf den neuen Bäumchen, halten Versammlung und geben Konzerte.“, beschreibt Marc Pouzol vom Atelier le balto die Szenerie in der Baumschule auf der Piazetta des Kulturforums. Es ist eine Atmosphäre, die dem Ort noch vor kurzem nicht eindeutig zuzusprechen war. Das Areal im Berliner Bezirk Mitte zwischen Landwehrkanal, Großem Tiergarten und Potsdamer Platz beheimatet namhafte Museen und Veranstaltungsorte. Darunter die Neue Nationalgalerie, das Kunstgewerbemuseum oder die Gemäldegalerie, aber auch die Berliner Philharmonie nebst der St. Matthäus-Kirche. Trotz dieser bedeutsamen Institutionen gilt das Kulturforum als Negativbeispiel modernistischen Städtebaus. Unter anderem verhindern die Zerschneidung des Areals durch die Straßenführung sowie die imposanten, aber monofunktionellen Bauten ein stimmiges räumliches Ganzes. Eine Stadtlandschaft, wie sie einst dem Architekten Hans Scharoun als Leitbild vorschwebte, ist nur ansatzweise spürbar. 

Darüberhinaus bieten teils großflächige, versiegelte Flächen wie die Piazzetta im Angesicht der Klimakrise Grund zur Sorge. Die steinerne Gestaltung ohne schattenspendende Bäume oder andere stadtklimaregulierende Vegetation ist alles andere als zeitgemäß. Zwar werden bauliche Maßnahmen im Freiraum und der Entwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts dafür in der Zukunft Abhilfe schaffen. Doch bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. Grund genug im Hier und Jetzt ein Projekt zur Begrünung des Areals zu initiieren. 

Pflanzkübel mit Jungbäumen spenden Schatten unter der Sommersonne. Im Hintergrund die Philharmonie.
200 Bäume spenden in der Baumschule Kulturforum künftig Schatten., © atelier le balto / Foto: Sebastian Grapentin; ein Projekt der Stiftung St. Matthäus unter der künstlerischen Leitung von Klaus Biesenbach und atelier le balto, Berlin, Juli 2023

200 hitzeresistente Arten für das Kulturforum

Seit Juli 2023 entsteht unter künstlerischer Leitung von Nationalgalerie-Direktor Klaus Biesenbach und atelier le balto die künstlerisch-gärtnerische Rauminstallation Baumschule Kulturforum. Das Projekt wurde mithilfe der Stiftung St. Matthäus und in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Neuen Nationalgalerie realisiert. Als Grundidee fungieren grüne Inseln aus jungen Baumhainen, die den steinernen Freiraum aufwerten sollen. Dazu installierte das Atelier le balto mobile Pflanzkübel mit 21 hitzeresistenten Arten. Unter dem Blätterdach von Blaseneschen, Schnurbäumen, Gleditschien und weiteren entstehen so neue Aufenthaltsmöglichkeiten. Das kleine Wäldchen wird durch Sitzmöbel aus Holz ergänzt. So wird der einst unattraktive Ort neu erfahrbar.

Den Auftakt für die Baumschule Kulturforum machen zunächst circa 80 Bäume und eine Pergola auf circa 250 Quadratmetern vor dem Café Estrade auf der Piazzetta. Über den Sommer wächst das Projekt weiter. Insgesamt sollen in den kommenden Wochen 200 Bäume aufgestellt werden. Dann nicht nur auf der Piazzetta, sondern auch auf dem Rasenrondell vor der St. Matthäus-Kirche und schließlich auf dem Scharounplatz. Die drei Bauminseln werden dann bis Ende 2024 auf dem Kulturforum belassen. Dabei wird die temporäre Umgestaltung durch ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm begleitet. Denn die Baumschule Kulturforum soll nicht nur die Aufenthaltsqualität der Flächen verbessern. Vielmehr wollen die Initiator*innen insgesamt zum Nachdenken über die Transformation von Stadträumen in Zeiten des Klimawandels anregen. „Diese temporäre Aktion soll nun den Beginn einer dauerhaften Begrünung und aktiven Standortentwicklung markieren.“, sagt etwa Andrea Zietzschmann, Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker.

Mit dem Atelier le balto scheint das richtige Büro für diese Aufgabe gefunden zu sein. Denn die Arbeiten von Véronique Fauceur und Marc Pouzol von le balto zeichnen sich durch das Erkennen, Sichtbarmachen und Transformieren von unbeachteten urbanen Räumen aus. Durch temporäre oder permanente Interventionen konnten sie bereits in der Vergangenheit vernachlässigte Orte zu Plätzen oder Gärten der Zusammenkunft und des Verweilens umgestalten. Es bleibt spannend, wie die Baumschule Kulturforum das bedeutsame Areal in Berlin Mitte zu wandeln vermag.

Keine Begrünung, aber eine Bewässerung: Eine Nebelwolke über dem Züricher Turbinenplatz kühlt den Stadtraum – als Sofortmaßnahme. Wie der Platz mittelfristig abgekühlt werden soll und wie das Pilotprojekt „Alto Zürrus“ funktioniert, lesen Sie hier.

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