Besserer Schutz

Der Notunterkunft-Bausatz von IKEA unter dem Namen „Better Shelter“ wurde als „Architecture Design of the Year 2016“ des London Design Museum ausgezeichnet. 16.000 Bausätze wurden bereits an Flüchtlingslager in Europa, Afrika, Asien und in den nahen Osten geliefert.

Die modularen Notunterkünfte mit sozialem Design stellen ein innovatives Projekt im Bereich der humanitären Architektur dar. Sie wurden von einer Non-Profit-Organisation in Zusammenarbeit mit der IKEA Foundation und dem UNHCR entwickelt. Die „Better Shelter“ sollen zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen beitragen, die vor Umweltkatastrophen oder Krieg fliehen müssen. Erste Prototypen wurden vor sechs Jahren in Äthiopien und im Irak getestet. Die Serienproduktion lief im Juni 2015 an.

Better Shelter – humanitäre Architektur

Die „Better Shelter“ sind als kleine Häuschen mit 17 Quadratmetern Grundfläche konzipiert, eingeschossig, mit Satteldach, und einer abschliessbaren Eingangstür auf der Giebelseite. Das Tragwerk wird von leichten Stahlrahmen gebildet. Die Außenhülle besteht aus lichtundurchlässigen Paneelen aus Polypropylen, vertikal in den Tragwerksrahmen eingefügt. Sonderelemente verleihen dem Häuschen verschließbare Fenster. Solarpaneele geben Strom für elektrisches Licht im Inneren ebenso wie für eine USB-Ladestation.

Die Häuschen sind multifunktional und können sowohl als temporäre Unterkunft wie auch als Schule, Klinik oder zur Verteilung von Lebensmitteln genutzt werden. Nutzbar sind sie bis zu drei Jahre lang, danach treten bei den Wandpaneelen Auflösungserscheinungen auf. Ein Häuschen kostet $1250, zweimal soviel wie ein typisches Notfallzelt, das sich jedoch nur als unmittelbare Nothilfe eignet und in der Regel einen Lebenszyklus von lediglich sechs Monaten hat.

Schutz für Geflüchtete

Das Flat-Pack mit den Shelter-Bauteilen enthält die typische IKEA-Anleitung mit Bildern sowie alle notwendigen Werkzeuge. In zwei Kisten verpackt, kann das „Better Shelter“ von vier Personen in vier Stunden zusammengebaut werden. Per Heggenes, CEO der IKEA Foundation, hebt diesen Aspekt hervor: „Es ist fast so, als würde man mit Legosteinen spielen.“

„Die „Better Shelter“ reflektieren mit ihren Vorteilen gegenüber herkömmlichen Zelten auch das Dilemma der Flüchtlingscamps: der Aufenthalt kann länger dauern as erhofft, sich sogar über Generationen hinziehen. „Normalisieren“ die Bausätze daher das Flüchtlingsdasein? In jedem Fall bieten sie einen verbesserten Schutz vor Gewalt und Witterung und tragen damit zur Sicherheit ihrer Bewohner bei. Nur kochen darf man in ihnen nicht, und ihr Einsatz in der Schweiz scheiterte am Brandschutz. Hier deuten sich Unterschiede zwischen dem humanitären Bauen und den Sicherheitsstandards des europäischen Baualltags an.