Vom Fensterplatz zur Theaterloge

Zwei Kunstprojekte aus Thüringen und New York machen das Zugfahren zum Erlebnis: Um die Aufmerksamkeit der Passagiere nach Draußen zu lenken, wurden vorbeiziehenden Landschaften in Theaterbühnen und Kinoleinwände verwandelt.

„Bewegtes Land“ in Thüringen

An der Bahntrasse Jena – Naumburg entstand die Inszenierung „Bewegtes Land“, bei dem Zuginsassen der dort verkehrenden Saaletalbahn zum Publikum wechselnder Inszenierungen wurden.

Aufgrund der Fahrtgeschwindigkeit mussten die Aufführungen kurz und prägnant sein: So versuchte beispielsweise ein Läufer mit allerlei Tricks den fahrenden Zug einzuholen oder ein plötzlich auftauchender Hai ließ ein Kanu auf der Saale kentern.

An neun Zwischenhalten gaben Orchester, Bands und Chöre kurze Vorstellungen. Insgesamt wurden 30 Darbietungen an zwei Tagen im August aufgeführt. Eine Zugfahrerin berichtete: „Die Kulisse ist zauberhaft.“

Das Projekt entstand anlässlich des Kunstfestes in Weimar 2017 an der Bauhaus-Universität Weimar in Zusammenarbeit mit dem Künstlerduo Datenstrudel. Die Künstler haben hier bereits 2015 eine ähnliche Aktion gestartet – und die Umgebung in eine Modelleisenbahn-Landschaft verwandelt.

„Masstransiscope“ in New York

Das Pendant zu Thüringen ist eine dauerhafte Installation in New York. Der Streetart-Künstler Bill Brand installierte seine 90 Meter lange Leinwand „Masstransiscope“ bereits in den 1980ern.

hinter Sichtschlitzen befindet, ergibt sich mit der Bewegung des Zuges eine stroboskophafte Bilderabfolge, ähnlich einem Daumenkino. Zusammen mit einer reflektierenden Oberfläche und Beleuchtung verwandeln sich die Wände des U-Bahnschachts in einen abstrakten Kurzfilm.