Die vermarktende Erzeugergenossenschaft “Langard“ und die Initiative „Blumen – 1000 gute Gründe“ brachten etwas Sommerfrische in den Berliner Winter. Was sonst eine unspektakuläre Messehalle ist, verwandelte sich im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) im Januar 2019 in eine „Blooming City“: Auf über 7 500 Quadratmetern entstand eine blühende urbane Szenerie. Neben zahlreichen Workshops und einem Unterhaltungsprogramm lohnte sich ein Blick auf das Raumkonzept. Im Mittelpunkt standen: die “begrünte Stadt” und die zentrale Frage: “Wie wollen wir in Zukunft im urbanen Raum leben?“.

Europaletten als Stadtbausteine

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Landschaftsarchitekturbüro ST raum a entstand das Konzept der „Blooming City“. Mehr als 26.000 Europaletten fungierten als Stadtbausteine und transformierten die Blumenhalle in ein Stück Großstadt der Zukunft. Dazu wurden die Paletten zu verschieden hohen Blöcken gestapelt, die urbane Szenarien entstehen ließen. Der Besucher wandelte durch typische Merkmale einer europäischen Stadt. Mal schlängelt sich der Laufweg durch enge Gassen, mal durch eine Allee mit fast neun Meter hohen Bäumen um dann dann Markt- und Stadtplätze zu erreichen. Und auch Merkmale, die für die Gastgeberstadt Berlin spezifisch sind, waren vertreten. Bekannte Wahrzeichen, wie die Berliner Mauer, das Brandenburger Tor oder die Berliner U-Bahn, waren floristisch inszeniert.

Stadt vs. Land

Die Stadtbausteine erschaffen eine abstrahierte Stadt, in der Urbanität und Landschaft zusammenkommen. Dazu wurde rund ein Drittel der Hallenfläche mit Frühlingsblühern, Zwiebelpflanzen und blühenden Sträuchern ausgestattet.

Bei der Realisierung der „Blooming City“ standen Innovation und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Die Landschaftsarchitekten entschieden sich für ein ressourcenschonendes und wiederverwertbares Material. Nach dem Ende der Grünen Woche kehrten die Europaletten wieder in ihren ursprünglichen Kreislauf zurück.

„Blooming City“ veranschaulichte, dass Deutschlands Hauptstadt eine Inspirationsquelle für Künstler und Gestalter darstellt. Der Entwurf spiegelt die vielen Facetten aus Berlins buntem Alltag wieder: lebendiges Treiben auf den Wochenmärkten oder genussvolle Momente in Cafés. Vor allem aber erinnert uns „Blooming City“ daran, dass die grüne Landschaft ein unverzichtbarer Teil unserer betonlastigen Stadtlandschaft ist.

Alle Bilder: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

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TU Wien feiert 50 Jahre Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung und Gartenkunst

Die Aula im Hauptgebäude der TU Wien.
Die Aula im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien

An der TU Wien besteht eine lange Tradition im Gebiet Landschaftsarchitektur. Der „Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Bis heute ist die Einrichtung eine Brücke zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung.

Im Jahr 1972 wurde mit dem Aufbau der Studienrichtung Raumplanung an der Technischen Hochschule in Wien (ab 1975: TU Wien) das Institut für Landschaftspflege, Landschaftsgestaltung und Gartenkunst gegründet. Heute trägt die Einrichtung den Namen Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung.

„Brückeninstitut“ zwischen Architektur und Raumplanung

Zum Aufbau dieses Instituts wurde Ralph Gälzer (1931-2007) als Professor berufen. Der aus Wien stammende Landschaftsarchitekt war von 1966 bis 1972 in Hannover im Stadtplanungsamt sowie in der städtischen Grünverwaltung tätig. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 konnte er das Institut für Landschaftspflege, Landschaftsgestaltung und Gartenkunst zu einer wichtigen Einrichtung in Lehre sowie Forschung an der Fakultät für Architektur und Raumplanung ausbauen.

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung bildet die „Brücke“ zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung. Das Studium Landschaftsarchitektur wird an der TU Wien nicht angeboten. Foto: TU Wien
Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung bildet die „Brücke“ zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung. Das Studium Landschaftsarchitektur wird an der TU Wien nicht angeboten. Foto: TU Wien

In der Schriftenreihe des Instituts erschienen die Ergebnisse innovativer Projekte und internationaler Tagungen zur Landschaftsplanung und zur Gartenkunst. Seit 1981 trug das Institut den geänderten Titel „Institut für Landschaftsplanung und Gartenkunst“. Es diente aber weiterhin als „Brückeninstitut“ der Ausbildung von Studierenden der Architektur und der Raumplanung sowie als vielseitige Forschungseinrichtung.

Von der Lehrkanzel für Blumen- und Ornamentzeichnen zum Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung hatte bereits Vorläufer an der Fakultät für Architektur. Ab 1935 wurden an der Lehrkanzel für Ornamentik und Raumkunst, gegründet 1843 als Lehrkanzel für Blumen- und Ornamentzeichnen des seit 1815 bestehenden Polytechnischen Instituts, Vorlesungen von Hans Pfann (1890-1973) zur Gartenkunst und Gartentechnik gehalten. Nach der Emeritierung von Pfann im Jahr 1961 hatte Josef Oskar Wladar (1900-2002) bis 1975 Lehraufträge für Landschafts- und Gartengestaltung und Grünlandplanung inne. Er unterrichtete ab 1972 bis 1975 am neu gegründeten Institut.

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung befindet sich im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien
Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung befindet sich im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien

Nach der Emeritierung von Ralph Gälzer leitete Johannes Schaffer bis zur Nachbesetzung der Professur durch Richard Stiles im Jahr 1994 das Institut, das seit 2004 im Rahmen der Umstrukturierung der Fakultät „Forschungsbereich Landschaftsplanung und Gartenkunst“ und ab 2022 „Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ benannt ist.

Seit der 2020 erfolgten Emeritierung von Richard Stiles führte Annalisa Mauri den Forschungsbereich. 2021 wurde die Professur nachbesetzt, es teilen sich Susann Ahn und Thomas Hauck die Professorenstelle zur Hälfte.

Wir wünschen dem Forschungsbereich an der TU Wien …

In Österreich ist der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung einer der wenigen Institutionen dieser Aufgabengebiete. Dort wurde und wird seit vielen Jahrzehnten kontinuierlich und intensiv zu den zahlreichen Themen der Landschaftsplanung, der Landschaftsarchitektur, der Gartengeschichte, der Gartenkultur sowie der Gartendenkmalpflege gelehrt und geforscht.

Diese Kernkompetenzen sind gerade in den herausfordernden Zeiten des Klimawandels gesucht und gefragt. Dem Forschungsbereich ist daher für die Zukunft zu wünschen, dass die Ergebnisse in Lehre und Forschung in der Öffentlichkeit sowie von Seiten der Politik und Verwaltung Berücksichtigung finden.

Ebenfalls interessant: Die Landschaftsarchitektur-Profession in Österreich beleuchten wir in unserer Februarausgabe 2022.

Garten Leben in der Alten Gärtnerei

 

„GartenLeben“, unter diesem Titel haben die Autoren Gesa Klaffke-Lobsien und Kaspar Klaffke ein sehr bemerkenswertes Buch geschrieben. Es unterscheidet sich von vielen Gartenbüchern, mit schönen Bildern, die aber oft die „gärtnerische Seele“, die enge Verbindung zwischen Mensch und Pflanze vermissen lassen. Davon, vom gemeinschaftlichen Zusammenleben mit der Pflanzenwelt, berichtet das Ehepaar Klaffke in vielfältiger, sehr unterhaltsamer Form.

Das Gartenexperiment begann vor 15 Jahren, ein im Anfang nicht überschaubares Experiment. Die Autoren beschreiben den Start, die Planungsschritte und schließlich das Resultat. Im Jahr 1999 kauften sie eine seit 1994 stillgelegte Stadtgärtnerei in Hannover-Oberricklingen, bestehend aus verfallenen Gewächshäusern, einem Arbeits-Verbindungshaus und diversen Frühbeet- Kästen, insgesamt eine Fläche von 900 qm. Hier sollte nun ihr Alterssitz entstehen, in möglichst enger Verzahnung von Wohnen und Garten, denn sie wollten vor allem gärtnern. Normale Bauherren hätten den Glasschrott abgerissen, dann ein Haus mit üblichem Hausgarten angelegt. Doch das war nicht ihr Ding, sie ersannen ungewöhnliches, sie wollten, dies auch im Sinne erhaltender Denkmalpflege, möglichst viel der vorhandenen Strukturen erhalten. Eine verrückte Idee, so dachten viele Zeitgenossen.

In langer mühsamer Arbeit, den Abriss führte die Familie weitgehend in Eigenleistung durch und einfühlsamer Planungsleistung des Architekten Peter Hübotter, der, an Eigenwilligkeit von Gärtnern gewöhnt, die Bauherren zum Durchhalten ermutigte. So entstand eine Kombination von altem und neuen, eine Integration von Wohnen und Garten. Das einzige steinerne Bauwerk, der 20 m lange Verbinder, wurde zum Wohnraum ausgebaut, mit Bibliothek, Küche und Essplatz, der vorhandene Dachraum zum Gästezimmer. Ein altes Gewächshaus blieb erhalten, es verbindet nun den Wohnraum mit einem daran gebauten Schlaftrakt. Und der Garten ? – es ist kein Garten im üblichen Sinne, er besteht aus parallel verlaufenden „Gartenbändern“, entsprechend der vorgegebenen Strukturen der einstigen Frühbeet-Kästen, deren hochgemauerte Wände erhalten blieben. So entstanden Bankbeete, die mit Stauden, Sommerblumen, Sträuchern und Rankpflanzen bepflanzt wurden. Ergänzt wurde der Blumengarten mit einem an das Grundstück grenzenden 400 qm großen Stück gepachteten Grabeland für Obst- und Gemüsekulturen.

Gärtnern ist für Klaffkes mehr als nur ein Hobby, sie empfinden ihr Gartensein, ihr tägliches Gartenerleben als ein Lebensmodell, das hilft, die kulturellen und auch sozialen Beziehungen zur natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt zu klären. Der Garten als Modell der Nachhaltigkeit, auch das Prinzip des Kleingartenwesens, den Garten als zusätzliche Ernährungsquelle zu nutzen, spielte eine Rolle. So ist ein Teil ihrer Gartenphilosophie, in den Sommermonaten, so weit wie möglich, aus dem Garten zu leben, mit angebauten Kartoffeln, Gemüsen, Obst in Form von Beeren, Äpfeln, Aprikosen, Pfirsichen bis zu Feigen.

Gegliedert in zwölf Monatsberichten, wird der Leser mit auf eine Gartenreise durch das Jahr genommen. Jeder Monatsbericht bereichert durch eine besondere Facette eigenen Gartenerlebens. Der Text ist reich bebildert. Die sehr schönen und ausdrucksstarken ca. 300 Fotos von Jutta Alms sind als Ergänzung des Textes eine schöne Ergänzung. Man ist erstaunt über die Vielzahl der abwechslungsreichen Fotomotive und glaubt gar nicht, dass sie alle aus dem relativ kleinen Garten stammen.

In den Wintermonaten beginnt das Gärtnern im „Gartenhaus“, im Gewächshaus. Hier wird ausgesät, pikiert, ein- und umgetopft, das kommende Gartenjahr gedanklich vorbereitet. Es ist noch eng im Gewächshaus, viele Kübelpflanzen überwintern hier, zusätzlich zu den ständigen Dauergäste, wie eine prächtige nicht ganz winterharte Strauchrose, eine Maréchal Niel, die jedes Jahre mit hundertfacher Blüte überrascht, eine Buddleia asiatica, eine Bougainvillee, ein Eibisch, Kamelien, Passionsblume, eine Winde, Zierspargel, Farne, exotische Salvien und manches mehr und als Fruchtspender Tafeltrauben, Feigen, Salatgurken, Tomaten und Melonen.

Mit Interesse und Gewinn liest man die lyrischen, gartenphilosophischen Texte, sie spiegeln das intensive Gartendenken und Gartenhandeln der Autoren wider, ein Text, mit viel Seele und Gartenverstehen geschrieben. Beschrieben wird die ästhetische Wirkung einzelner Pflanzen, ihr Blühverhalten, ihr Zusammenleben mit anderen Pflanzengesellschaften, ihre Wirkung auf den Betrachter. Es ist eine erstaunlich reichhaltige Flora von Nutz- und Zierpflanzen in dem relativ kleinen Garten zu finden, von Zwiebelgewächsen über Stauden und Sommerblumen bis zu Zier- und Obstgehölze. Vielerlei Hinweise, Ratschläge und Standortbeschreibungen regen den Leser zu eigenen Gartenschöpfungen an.

Schließlich der Klaffke-Garten als sozialer Ort, als beliebter Treffpunkt. Mehrfach im Jahr besucht ein benachbarter Kinderhort den Garten, die Kinder erleben das Wachsen und Blühen. Freunde sind oft zu Gast, vor allem dann, wenn im September die „Offene Gartenpforte“ in Hannover Saison hat. Gesa und Kaspar Klaffke waren es, die gemeinsam mit anderen Gartenfreunden im Jahr 1991 die aus England eingeführte „Garten-Nachbarschaftsidee“ in die Region Hannover einführten, eine Idee, die sich sehr bald auch in anderen Bundesländern ausbreitete. Der Garten Klaffke war von Anfang an dabei, ein Ort des Gedankenaustausches, angereichert mit Lesungen und Konzerten.

„Gartenpflege belohnt den Besitzer“, so hat es der Gartenfreund Goethe einmal ausgedrückt. Hinzufügen möchte man, gleichermaßen den Besucher, der Sinn für Gartenkultur hat. Bleibt dem Ehepaar nur zu wünschen, dass sie noch möglichst lange ihr Paradies sich und anderen erhalten mögen. Und, auch dies sei angemerkt, dass zur gegebenen Zeit ein Nachfolger gefunden wird, dieses in dieser Art wohl einmalige Kulturwerk fortzusetzen.