Bow-Wow in München

Die Isar in München zieht seit Kurzem ein Objekt vom Atelier Bow-Wow aus Tokyo: Ein Brückenstück, das von der Widenmayer Straße auf die Isar führt. Eine urbane „Folly“, die Ruhe und Achtsamkeit propagiert – aber zugleich höchst instagrammable ist.

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Mit der temporären Installation „Bridge Sprout“ aus Fichtenstämmen ermöglicht das Atelier Bow-Wow neue Perspektiven auf die Isar in München. Foto: Christoph Knoch

 

Brückenstück, Aussichtsplattform, experimenteller Holzbau, Kunstobjekt: Mit ihrer Installation „Bridge Sprout“ beleben die Architekten vom Atelier Bow-Wow aus Tokyo das Münchner Isarufer an einer Stelle, an der man sonst eher achtlos vorbeirauscht.

Referenz zur Flößerei

An der stark befahrenen Widenmayer Straße kragt die schmale Brückenkonstruktion aus gekreuzten Fichtenstämmen weit über die Ufermauer aus – ein halbfertiger Steg, als „Spross“ im Wachsen begriffen, stellt den ideellen Brückenschlag zur kleinen Schwindinsel her, die verwunschen in der Isar liegt. Das urbane „Folly“ bietet neue Perspektiven auf den Fluss und ist ein höchst „instagrammable place“, lädt zugleich aber auch zum Innehalten ein, zu Gedanken über Stadtlärm, Stille, den Fluss als Natur- und Freizeitraum … 

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Vom Ufer führt der Brückenspross auf die Isar.

 

Wie bei vielen ihrer Projekte arbeiten Momoyo Kaijima und Yoshiharu Tsukamoto auch hier mit dem Bezug auf Tradition und Kontext und schaffen hier eine vielschichtige, narrative Architektur-Miniatur. Material und Konstruktion verweisen auf die einstige Flößerei auf der Isar. Ähnlich wie früher die Holzstämme zu Flößen verbunden wurden, sind auch hier Rundhölzer nicht überblattet oder ineinandergesteckt; ausgeklügelte, kaum sichtbare Stahlverbindungen sorgen für Standfestigkeit.

Neues Kunstformat „Carte Blanche“

Doch auch Grundideen der Zen-Gärten Japans und die Ruinenarchitektur der Romantik schwingen mit, ebenso wie Assoziationen an Holzbrücken in den Alpen. Im „Bridge Sprout“ interpretieren die Architekten vertraute Motive auf neue Weise, um sie für die Menschen der Stadt neu erlebbar zu machen – bis Ende 2021 hat man dazu Gelegenheit. Das Projekt ist der Auftakt der Reihe „Carte Blanche“, ein neues Format der Kunst im öffentlichen Raum des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.