Nach architects4future nun Bürger*innen4future?

Unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler nahm der „Bürgerrat Klima“ diesen Montag seine Arbeit auf. Wie die insgesamt 160 ausgelosten Bürger*innen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommen retten könnten, lesen Sie hier.

Aus den verschiedensten Lebensverhältnissen stammen die Bürger*innen des kürzlich gegründeten „Bürgerrat Klima“. Sie sollen so einen guten Querschnitt der Bevölkerung darstellen, eine Art „Mini-Deutschland“ nennen es die Initiator*innen. Auf wen die Wahl in den verschiedenen Bevölkerungsschichten letztendlich fiel, entschied das Los. Die Initiator*innen schließen dadurch aus, dass die Arbeit des Klima-Bürgerrats von Wiederwahlinteressen beeinflusst wird. Zwölf Mal wird sich der „Bürgerrat Klima“ zwischen April und Juni 2021 treffen. Dabei diskutiert der Bürgerrat Themen, deren inhaltlicher Rahmen von einem Kuratorium aus ca. 25 Wissenschaftler*innen festgelegt wird.

 

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Neuer Schwung für die Klimapolitik erhofft

Neuen Schwung, so erhoffen sich seine Organisator*innen, sollen die Ideen des Bürgerrats Klima in die Politik bringen. Dabei diskutieren die Mitglieder des Rats über vier Handlungsfelder. Die Leitfrage ist, wie Deutschland die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Gesichtspunkte erreichen kann.

Handlungsfeld Mobilität
Die Teilnehmenden stellen sich hier die Frage, wie der Umstieg auf alternative und klimafreundliche Transportkonzepte in der Stadt und auf dem Land gelingen kann. Ihr Ziel ist es, Treibhausgasemissionen aus dem Straßenverkehr zu verringern, gleichzeitig überall in Deutschland Mobilität zu gewährleisten.

Handlungsfeld Energie
In diesem Handlungsfeld diskutieren die Teilnehmer*innen Wege, durch die der Umbau der deutschen Energieversorgung schneller und sozial verträglich gestaltet werden kann. Der Anteil von ca. 80 Prozent der Energie, der hierzulande aus Kohle, Öl und Gas stammt, soll verringert werden, der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben.

Handlungsfeld Gebäude und Wärme
Hier diskutieren die Teilnehmenden das Thema Gebäudesanierung, wie man die Kosten dafür sozial gerecht verteilen könnte und wie eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien möglich wäre. Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, steht die Isolation von Gebäuden gegenüber Hitze und Kälte in diesem Handlungsfeld im Vordergrund.

Handlungsfeld Ernährung
Mit der Frage, wie die Produktion und der Konsum von Nahrungsmitteln klimaschonender und nachhaltig gestaltet werden kann, beschäftigen sich hier die Teilnehmer*innen. Den größten Anteil am Ausstoß von Treibhausgasen im Bereich der Ernährung hat die Haltung von Tieren. Wegen seiner Zusammenhänge mit Ernährungsgewohnheiten ist dieser Punkt einer der sensibelsten in der gesamten Klimadebatte.

Corona hilft Deutschland, Klimaschutzziele einzuhalten

Bemerkenswert ist: Der Bürgerrat Klima wurde von der Initiative „Scientists for Future“ und dem „BürgerBegehren Klimaschutz e.V.“ über eine online-Petition ins Leben gerufen, in deren Anschluss der Petitionsausschuss des Bundestags dazu verpflichtet war, sich des Themas anzunehmen. Die Bundesregierung musste als sozusagen dazu gezwungen werden, einen Bürger*innenrat zum Thema Klimaschutz anzuhören. Dabei hinkt die deutsche Klimapolitik ihren selbst gesteckten Zielen noch hinterher. Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Zwar wurden in den letzten Jahren die Treibhausgasemissionen stetig weniger und im Jahr 2020 das Zwischenziel von 40 Prozent sogar knapp übererfüllt, aber an einer besonders gelungenen Klimapolitik scheint das nicht zu liegen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes zeigen die Daten nämlich, dass etwa ein Drittel der Reduzierung im Jahr 2020 auf das Konto des pandemiebedingten Lockdowns geht. Höchste Zeit also für neue Ideen und vor allem Taten.

Dass die Empfehlungen des Bürgerrats Klima tatsächlich dazu beitragen können, dass Deutschland das Pariser Klimaschutzziel erreicht, dürfte nicht unwahrscheinlich sein. Schließlich können die Teilnehmer*innen des Bürger*innenrats ihre vielfältigen Alltagserfahrungen mit einbringen und sind in der Lage auch die kleinen Details ihrer Lebensrealitäten in den Fragestellungen zu berücksichtigen. Dass sie aber tatsächlich umgesetzt werden, ist aber fragwürdig, denn letztendlich gibt der Bürgerrat Klima auch nur das: Empfehlungen. Und ob die tatsächlich zur Anwendung kommen, wird sich zeigen müssen. „Hallo Deutschland – wir müssen reden“, so beginnt ein Video des Bürgerrats Klima. Hoffen wir, dass es beim lediglichen Reden nicht bleibt.

 

Mehr Informationen zum Bürgerrat Klima können Sie hier finden.

Hier geht es zum Youtube-Kanal, auf dem Sie die Sitzungen des Bürgerrats Klima im Livestream verfolgen und Aufzeichnungen vergangener Sitzungen ansehen können.

Die Sitzungstermine von „Bürgerrat Klima“

26.04.2021: Einführung in das Thema Klimawandel und Kennenlernen (zur Aufzeichnung)
28.04.2021: Handlungsoptionen und Zukunftsbilder (zur Aufzeichnung)
05.05.2021: Austausch zu Zukunftsbildern und Erarbeitung von Leitsätzen
08.05.2021: Thematische Einführung zu den Handlungsfeldern
12.05.2021: Austausch zwischen den Handlungsfeldern
19.05.2021: Erste Empfehlungen
29.05.2021: Rückmeldung aus Wissenschaft und Politik
05.06.2021: Diskussionen
09.06.2021: Austausch zwischen den Handlungsfeldern
16.06.2021: Überarbeitung von Empfehlungen
19.06.2021: Erstellung der finalen Empfehlungen
23.06.2021: Abstimmung und Feier

 

Wie sich Andere mit Klimaschutz auseinander setzen, zeigt zum Beispiel Nord Stream 2. Erfahren Sie hier mehr über den deutschen Klimaschutzverein Nord Stream 2.