5 Fragen zur BUGA 2021

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Die Landesgartenschauen hatten es 2020 nicht leicht: Die Schauen in Ingolstadt und Überlingen wurden auf 2021 verschoben. Nur die Landesgartenschau Kamp-Lintfort öffnete ihre Tore. Trotz allem: 2021 ist das Jahr der BUGA Erfurt. Sie öffnete am 23. April 2021. Was die BUGA Erfurt 2021 auszeichnet, das verrät uns BUGA-Chefin Kathrin Weiß im Interview.

BUGA Erfurt 2021 zeigt Gartenbau-Vielfalt

Kathrin Weiß, wird die BUGA 2021 in Erfurt planmäßig Mitte April eröffnet?

Die BUGA findet im nächsten Jahr statt. Nach einer so langen Phase der Einschränkungen wollen die Menschen positive Erlebnisse genießen. Wir arbeiten selbstverständlich auch an einer Variante, die unter aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln funktionieren muss. Unser großes Plus ist, dass die BUGA im Freien stattfindet.

Was zeichnet die BUGA 2021 aus?

Freuen dürfen sich die Besucher*innen auf die Pflanzenvielfalt. Die Besonderheit in Erfurt ist sicher, dass wir keine Konversionsflächen entwickelt haben, sondern uns vor allem in den eintrittspflichtigen Ausstellungsflächen vorrangig in historischen und denkmalgeschützten Arealen bewegen. Das ist mit Blick auf die nachhaltige Entwicklung von Bestandsflächen ein spannendes Konzept. Unter den denkmalpflegerischen Rahmenbedingungen galt es, Angebote zu schaffen, die zu den heutigen Ansprüchen an die Nutzung von grünen Erholungs- und Freizeitflächen passen.

Wir bringen eine barocke Zitadelle auf dem Petersberg zum Erblühen, laden zur Zeitreise durch die Thüringer Gartenepochen ein und schaffen gleichzeitig eine dauerhafte grüne Infrastruktur. Ein besonderer temporärer Höhepunkt wird der Festungsgraben. Auf über 3 400 Quadratmetern erleben die Besucher*innen die Vielfalt des Gartenbaus. Mit bekannten historischen Gemüsesorten, Arznei- und Heilkräutern oder Färbepflanzen, die ihren züchterischen Ursprung in Erfurt haben, nehmen wir Bezug auf die Erfurter Geschichte als Stadt des Erwerbsgartenbaus und als Blumenstadt.

In dieser Dimension ist das einmalig in der Geschichte von Bundesgartenschauen. Der egapark feiert zur BUGA Erfurt 2021 sein 60-jähriges Jubiläum und wird zum Garten der unendlichen Erlebnisse. Wir zeigen, wie ein Gartendenkmal mit Angeboten wie dem Wissenswald, dem Danakil, dem Deutschen Gartenbaumuseum oder vielfältigen Themengärten nachhaltig seinen attraktiven Platz als Naherholungs- und Bildungsort sowie im touristischen Angebot Thüringens behauptet. Pflanzenverwendung in Zeiten des Klimawandels wird ebenso thematisiert wie Artenvielfalt und Nachhaltigkeit.

Mehr Lebensqualität und Bekanntheit

Mit der BUGA Erfurt 2021 kehrt das Format zurück zu seinen Wurzeln. Die erste inter­ nationale Gartenschau fand 1865 im Erfur­ter egapark statt. Wie greifen Sie das auf?

Das Deutsche Gartenbaumuseum widmet sich einem wesentlichen Punkt der Erfurter Gartenbaugeschichte mit einer neuen Dauerausstellung. Es befindet sich auf dem historischen Parkgelände, dort, wo die ersten Schauen stattfanden. In Erlebnisräumen werden die Themen rund um den Gartenbau spielerisch und unterhaltsam inszeniert. Das Museum ist einzigartig für eine BUGA, und darauf sind wir schon ein wenig stolz.

Die Erfurter Altstadt liegt zwischen den beiden Ausstellungsflächen egapark und Petersberg. Wie beziehen Sie diese ein?

Es lohnt sich auch, den Blick von den Ausstellungsflächen in die Stadt zu richten. Erfurt wird wieder zur Blumenstadt. Schon zum BUGA-Start werden 300 000 Frühblüher dem Namen Blumenstadt alle Ehre machen, noch mehr Grünflächen folgen. Die bunten Blumenfelder an den Stadteinfahrten begrüßen die Gäste mit Farben- und Blumenpracht.

Inwiefern nutzen Sie die BUGA Erfurt 2021 als Entwick­lungsmotor für das städtische Umfeld?

Wir sind mit drei Zielen gestartet: die Zukunftssicherung des egaparks mit neuen touristischen Angeboten und der Sanierung des Flächendenkmals, die Entwicklung des Petersberges als Erholungsort und touristisches Ziel sowie die Ausgestaltung von Nordpark und Geraaue zum großen Landschaftspark. Das haben wir geschafft, wenn die BUGA Erfurt 2021 eröffnet wird, und das ist eine Riesenleistung von allen Beteiligten. Erfurt gewinnt dadurch mehr Lebensqualität für die Erfurter*innen und wird überregional noch bekannter. Der Tourismus in ganz Thüringen profitiert durch die BUGA.

Am 23.4.21 eröffnete Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die BUGA Erfurt. Ärger gab es um fehlende Teststationen und sieben Kohlrabi-futternde Hasen. Alles dazu lesen Sie hier.

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Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay
Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay

Geschlossene Kaufhäuser prägen zunehmend das Bild vieler Innenstädte. Dennoch bieten gerade diese Immobilien mit den richtigen Konzepten eine seltene Gelegenheit, um Nachhaltigkeit und innovative Stadtplanung miteinander zu verbinden.

Kaufhäuser, einst die Magneten des innerstädtischen Einzelhandels, verlieren durch den Boom des Onlinehandels und verändertes Einkaufsverhalten zunehmend ihre Bedeutung. Doch anstatt diese Gebäude ihrem Schicksal zu überlassen, könnten sie mit kreativen Lösungen zu zentralen Orten der Stadtentwicklung werden. So eröffnen sie Perspektiven, die sowohl ökologische als auch soziale Vorteile bieten.

Wandel und Leerstand

Die Schließung von Kaufhäusern ist keine plötzliche Erscheinung, sondern eine direkte Folge des Strukturwandels im Einzelhandel. Schon seit den 1990er-Jahren wurden hunderte Standorte geschlossen, während sich gleichzeitig der Fokus immer stärker auf den Onlinehandel verlagerte. Besonders betroffen sind Mittelstädte, aber auch in Großstädten nimmt der Leerstand spürbar zu. Diese Entwicklung belastet nicht nur das Stadtbild, sondern wirkt sich auch negativ auf die Attraktivität und Funktionalität der Innenstädte aus.

Chancen der Kaufhaus-Umnutzung

Statt Abriss und Neubau, die erhebliche Ressourcen verschlingen, bietet die Umnutzung von Kaufhäusern eine umweltfreundliche Alternative. Diese Gebäude binden durch ihren soliden Bestand graue Energie und integrieren gleichzeitig neue Nutzungsformen. Dadurch profitieren Umwelt, Baukultur und die Städte, da multifunktionale Konzepte verschiedene Zielgruppen anziehen und die Lebendigkeit fördern.

Erfolgreiche Beispiele

Es gibt zahlreiche gelungene Beispiele, die zeigen, wie Kaufhäuser kreativ und sinnvoll umgenutzt werden können:

  • Kultur und Kreativität: So wurden etwa ehemalige Kaufhäuser wie das „Soho House“ in Berlin in Hotels oder Kreativzentren umgewandelt.
  • Bildung und Soziales: In Lübeck wird ein Karstadt-Gebäude zum „Haus der Bildung“ umgestaltet, das vielfältige Bildungsangebote vereint.
  • Mixed-Use-Konzepte: Noch vielseitiger sind Konzepte, die Wohnen, Gastronomie und Büroflächen kombinieren. Diese schaffen nicht nur Synergien, sondern sie sprechen auch unterschiedliche Zielgruppen an und verlängern die Nutzungszeiten.

Herausforderungen

Trotz aller Chancen sind Umnutzungen keine leichte Aufgabe. Oft stehen strenge baurechtliche Vorgaben, hohe Umbaukosten oder komplexe Eigentumsverhältnisse einer schnellen Umsetzung im Weg. Zudem erfordert die Transformation nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Investoren und Architekten. Nur wenn diese Akteure gut kooperieren, lassen sich tragfähige und langfristige Lösungen finden.

Perspektiven für die Stadtentwicklung

Die Kaufhaus-Umnutzung definiert Innenstädte völlig neu. Multifunktionale Konzepte, die Handel, Kultur, Wohnen und Freizeitangebote kombinieren, beseitigen Leerstände und sorgen langfristig für ein lebendiges und vielfältiges Stadtbild. Solche Ansätze fördern soziale Begegnungen und gewinnen Innenstädte als attraktive Lebensräume zurück.

Kaufhäuser als urbane Impulsgeber

Leerstehende Kaufhäuser sind mehr als nur ein Symbol für den Wandel im Einzelhandel – sie sind eine Chance. Denn mit der richtigen Planung und kreativen Ansätzen können diese Immobilien zu lebendigen Ankerpunkten in Innenstädten werden. Statt Verfall und Abriss können nachhaltige Lösungen geschaffen werden, die bestehende Ressourcen nutzen und das Stadtbild aufwerten.

Die Umsetzung solcher Projekte erfordert jedoch Engagement und Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Planern, Investoren und der Bevölkerung. Wenn es gelingt, die vielfältigen Herausforderungen zu meistern, können multifunktionale Zentren entstehen, die Handel, Kultur, Wohnen und Begegnung verbinden. Auf diese Weise tragen sie nicht nur zur Belebung der Innenstädte bei, sondern schaffen auch Orte mit neuer Identität und Strahlkraft.

 

 

Erfahren Sie mehr über die Studie „Obsolete Stadt“ und das Potenzial leerstehender Flächen für Wohnbebauung in unserem Artikel hier.

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

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Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.