Corona-News für die Branche

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“, sagte Angela Merkel in einer Ansprache an die gesamte Nation. Die Maßnahmen, die die Regierung im Zuge der Corona-Krise beschlossen hat, sind einschneidend: für unser Privatleben, aber auch für unsere Profession. Die Redaktion der Garten + Landschaft sammelt und aktualisiert in diesem Artikel wichtige Informationen, die die Branche betreffen – für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Selbstständige. (letztes Update: 02.04.2020)

+++ 02.04.2020 +++

Probleme bei der wirtschaftlichen Hilfe für das Bundesland Berlin

Schlechte Nachrichten für Kleinunternehmer, Freiberufler und Solo-Selbstständige in Berlin, die noch keinen Antrag auf Unterstützung gestellt haben: Laut aktuellen Spiegel-Informationenhat sich das Land Berlin mit seinem Förderprogramm übernommen, sein Soforthilfen-Etat sei bereits erschöpft.

Die Antragstellung pausiert zunächst bis zum 6. April 2020, dann soll es für die Berliner und Berlinerinnen die Möglichkeit geben, sich für ein niedriger dotiertes Programm mit Bundesmitteln einzutragen (9000 Euro mit bis zu fünf Beschäftigten, 15.000 mit bis zu zehn). Gewerbetreibende, die sich bis Stichdatum gestern, 1. April (ganz ohne Witz) 2020 schon in der Warteschlange befanden, um ihren Antrag abzusenden, sollen laut IBB (Investitionsbank Berlin) ihre Position in der virtuellen Warteschlange behalten und ab kommenden Montag, 6. April 2020 ab 10 Uhr vormittags Hilfen aus dem einheitlichen Bundesprogramm beantragen können.

+++ 30.03.2020 +++

Aktuelle wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen für Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, das Saarland & Sachsen

Baden-Württemberg hat ein eigenes Soforthilfe-Programm ergänzend zu den Bundesmitteln gestartet. Es richtet sich an Gewerbebetriebe, Sozialunternehmen, Soloselbstständige und Angehörige der Freien Berufe. Soloselbständige und Kleinstunternehmen müssen mit ihrer Tätigkeit das Haupteinkommen oder ein Drittel des Nettoeinkommens eines Haushalts bestreiten. Zentrale Anlaufstelle ist die IHK, dort gibt es auch den Antrag.

Berlin bietet zusätzlich zu den Bundes-Hilfen eigene Soforthilfe für Soloselbstständige und Kleinunternehmen bis zu fünf Mitarbeitern an. Sie kann für betrieblichen Sach- und Finanzaufwand oder die Kompensation von Unternehmenseinkünften eingesetzt werden. Die Investitionsbank Berlin koordiniert die Anträge.

Brandenburg fasst die Bundesmittel für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen mit dem eigenen Hilfsprogramm zusammen, sodass nur ein Antrag nötig ist. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg koordiniert, der Antrag ist hier abzurufen.

Mecklenburg-Vorpommern handhabt es wie Brandenburg und fasst die Bundesmittel für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen mit dem eigenen Hilfsprogramm zusammen. Das Land bietet außerdem rückzahlbare Liquiditätshilfen und Bürgschaften für Unternehmen an. Zuständig ist das Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern. Der Antrag für die Soforthilfe ist hier abzurufen.

Niedersachsen hilft Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmen mit einer Soforthilfe, auf die eines der folgenden drei Kriterien zutrifft: 1.) In dem Monat, in dem der Antrag gestellt wird, liegt ein Umsatz- bzw. Honorarrückgang von mindestens 50 Prozent vor. 2.) Der Betrieb wurde auf behördliche Anordnung wegen der Corona-Krise geschlossen. 3.) Die vorhandenen liquiden Mittel reichen nicht aus, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu zahlen. Die Nbank ist zuständig für die Koordination, der Antrag ist auf ihrer Seite abzurufen(Registrierung nötig).

Das Saarland zahlt 3.000 bis 10.000 Euro Soforthilfe zusätzlich zu den Bundesmitteln. Der entsprechende Antrag ist auf der Seite des Bundeslands zu finden.

Sachsen gibt bislang keine eigenen Zuschüsse aus, sondern setzt auf das zinslose Darlehensprogramm „Sachsen hilft sofort“. Einzelunternehmer, Kleinstunternehmen und Freiberufler mit einem Jahresumsatz oder Jahresbilanz bis zu einer Million Euro können damit ein zinsloses Darlehen zwischen 5.000 und 50.000 Euro beantragen. Zu finden auf sab.sachsen.de.

Sonderfall in Sachsen ist Dresden: Die Landeshauptstadt hat ein Soforthilfe-Programm für Kleinstunternehmen, Selbstständige und Freiberufler gestartet. Sie bekommen 1.000 Euro Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss. Der Antrag ist auf der Seite der Stadt zu finden.

+++ 27.03.2020 +++

Der US-Amerikanische Architekt, Theoretiker und Autor Michael Sorkin ist im Alter von 71 Jahren den Folgen einer Corona-Virus-Infektion erlegen.

Das bestätigte das City College of New York, an dem er als Direktor das Graduiertenprogramm in Urban Design führte.

Sorkin lehrte an verschiedenen Universitäten wie Harvard und Yale und schrieb zahlreiche Bücher.

+++ 29.03.2020 +++

Mitgliedern des bdla steht online das bdla-Bauleiterforum als zentrale Informations- und Austauschplattform für aktuelle Fragestellungen zur Verfügung.

+++ 26.03.2020 +++

Die Soforthilfen von NRW können ab dem 27. März 2020 beantragt werden.

Das Soforthilfeprogramm Corona des Bundes unterstützt Kleinunternehmen mit direkten Zuschüssen in Höhe von 9.000 bzw. 15.000 Euro. Die Landesregierung Nordrhein Westfalen stockt das Programm noch einmal auf: Die NRW-Soforthilfe 2020 unterstützt Unternehmen mit zehn bis 50 Beschäftigten mit 25.000 Euro.

Betroffene können die elektronischen Anträge ab dem 27. März 2020 ausfüllen. Zu finden unter anderem auf www.wirtschaft.nrw/corona. Die Mitarbeiter der Bezirksregierung bearbeiten die Anträge auch am Wochenende.

+++ 25.03.2020 +++

Update Blitzumfrage des Verbands Beratender Ingenieure (siehe Meldung vom 24.03.2020)

In einer gemeinsamen Pressemitteillung prangerten der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Verband Beratender Ingenieure (VBI) das Verhalten der Öffentlichen Hand an, die offene Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen nicht fristgerecht oder gar nicht begleicht. Mit Erfolg. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) tätigte gestern einen Erlass, der den Institutionen vorschreibt, ihre offenen Rechnungen zu begleichen. Das Dokument im Sinne der ausführenden Betriebe finden Sie hier: Erlass Aktenzeichen 70406/21#1.

Unsere Kollegen vom Stein Magazin haben mit dem Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), Dieter Babiel, darüber gesprochen.

+++ 24.03.2020 +++

Der Freistaat Bayern erhöht seine Corona-Hilfe von zehn auf 20 Milliarden Euro. Das Geld soll an Selbständige und Unternehmen in Bayern gehen. Laut Markus Söder seien bereits 120 000 Anträge eingegangen.

Weitere Informationen finden Sie hier. 

+++ 24.03.2020 +++

Der Verband Beratender Ingenieure (VBI) hat in einer Blitzumfrage bei Ingenieur- und Architekturbüros herausgefunden, dass öffentliche Auftraggeber vermehrt ihre Zahlungsfristen nicht einhalten.

25 Prozent der Befragten gaben an, dass Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen nicht fristgerecht beglichen werden, sieben Prozent der Rechnungen bleiben gänzlich unbezahlt. Begründungen dafür sind beispielsweise Einschränkungen durch Home Office oder die staatlichen Hilfsprogramme.

Zudem melden 45 Prozent der Büros einen Auftragsrückgang.

VBI-Präsident Jörg Thiele kommentiert die Ergebnisse der Umfrage: “Es kann nicht sein, dass Unternehmen in Schieflagen gebracht werden, weil einige Mitarbeiter in den Behörden nicht verantwortungsvoll handeln. Hier fordere ich im Namen aller Ingenieurbüros eine klare Ansage der politisch Verantwortlichen, dass Rechnungen rasch zu begleichen sind und Projekte unter Einhaltung der angeordneten Schutzmaßnamen weiter geführt werden.“

Weitere Informationen zur Blitzumfrage finden Sie hier.

+++ 23.03.2020 +++

Heute stellt das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft ein Corona-Soforthilfeprogramm bereit.

Das Antragsformular “Corona-Soforthilfeprogramm für die Thüringer Wirtschaft“ und sämtliche Informationen dazu sind auf der zentralen Internetseite des Landes bei der Thüringer Aufbaubank (TAB) abrufbar.

Gewerbliche Unternehmen bis 50 Beschäftigte, Einzelunternehmen und wirtschaftsnahe freie Berufe und Kreativwirtschaft (inkl. Soloselbständige) können sich für die Förderung bewerben.

Weitere Informationen finden Sie hier.

+++ 23.03.2020 +++

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie informiert über das Soforthilfe-Programm „Corona-Soforthilfe für Kleinstunternehmen und Soloselbständige“.

Möglich ist eine Einmalzahlung von bis zu 9 000 Euro für 3 Monate bei bis zu 5 Beschäftigten und eine Einmalzahlung von bis zum 15 000 Euro für 3 Monate bei bis zu 10 Beschäftigten.

Damit will das BMWi Kleinstunternehmen und Soloselbständige dabei helfen, akute Liquiditätsengpässe zu überbrücken, die beispielsweise durch laufende Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingwagen etc. entstehen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

+++ 20.03.2020 +++

Die Agentur „RaphaelBrinkert Social Campaigning & Sports“ aus Hamburg und NRW stellt eine andere Art von Soforthilfe zu Verfügung. Vereine, Institutionen und Unternehmen des Mittelstands können Hilfe aus dem Kreativ-Fonds in Höhe von 150 000 Euro beantragen.

Ab sofort und zunächst bis zum 31.05. können Corona-Geschädigte unter contact@raphaelbrinkert.comKreativ-, Digital- und Strategieleistungen sowie Unterstützung bei PR-und Krisenkommunikation anfragen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

+++ 20.03.2020 +++

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat eine Soforthilfe in Höhe von zunächst fünf Millionen Euro für Kultur- und Weiterbildungseinrichtungen beschlossen. Es ist möglich, eine Existenzsichernde Einmalzahlung in Höhe von bis zu 2 000 Euro zu erhalten.

Weitere Informationen und das Antragsformular gibt es hier.

+++ 19.03.2020 +++

New Monday, die Job-Plattform für Architekten, Bauingenieure und Freiraumplaner, hat zusammengefasst, welche Maßnahmen und Fördermöglichkeiten der Baubranche zu Verfügung stehen.

Den Beitrag finden Sie hier.

+++ 19.03.2020 +++

Kreative Sachsen hat eine Zusammenfassung mit wichtigen Informationen für Kultur- und Kreativwirtschaftsunternehmen (zu denen (Landschafts-)Architekten zählen) erstellt.
Sie bietet einen Überblick über verfügbare Hilfestellungen, wie Aussetzung und Herabsetzung von Steuerzahlungen, Entschädigung bei Verdienstausfall durch Quarantäne, Kurzarbeitergeld, Zinssubventionierte Liquiditätshilfedarlehen, Kontokorrentkredite, Soforthilfen, Zahlung von Beiträgen zu Sozialversicherung, Ausfallhonorare und Fördermittel für laufende Projekte.

Den Beitrag finden Sie hier. 

+++ 19.03.2020 +++

Die Bayerische Staatsregierung hat ein Soforthilfeprogramm eingerichtet, das sich an Betriebe und Freiberufler richtet, die durch die Corona-Krise in eine existenzbedrohliche wirtschaftliche Schieflage und in Liquiditätsengpässe geraten sind. Die Soforthilfe wird nach Betriebsgröße gestaffelt und beträgt bis zu 30 000 Euro.

Hier finden Sie die nötigen Informationen und das Antragsformular.

+++ 19.03.2020 +++

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten stellte bereits vor einigen Tagen allgemeine und rechtliche Informationen für Planungsbüros in Zeiten des Corona-Virus bereit:

Sonder-Newsletter “Corona und Bauprojekte” (Kanzlei GGSC)

Rechtliche Auswirkungen der COVID-19-Epidemie auf Bauprojekte (Kanzlei Kapellmann und Partner)

Deutscher Industrie- und Handelskammertag – Fragen und Antworten rund um das Coronavirus 

+++ 19.03.2020 +++

Das Bundeswirtschaftsministerium hat wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung für Freie Berufe, also auch für Planerbüros, in Aussicht gestellt.

Die Bundesarchitektenkammer steht im Austausch mit dem Bundesverband Freier Berufe (BFB), um die speziellen Anliegen der Planerinnen und Planer anzubringen.

Wichtige Links:

Bundesagentur der Arbeit – Aktuelle Informationen 

Bundesagentur für Arbeit – Informationen für Unternehmen zum Kurzarbeitergeld 

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz – Aufschub für Insolvenzanträge 

Bundesministerium für Arbeit und Soziales – Arbeitsrechtliche Auswirkungen

Fragen- und Antworten-Katalog zum Thema „Kurzarbeit und Qualifizierung“

Bürgschaftsbanken – Information der für Finanzhilfen, gerade auch für Freiberufler

Darüber hinaus will der BFB mit einer Umfrage unter seinen Mitgliedern erfahren, erstens welcher Art die Folgen sind und zweitens welche Maßnahmen zur Milderung der Folgen die verschiedenen Berufsgruppen der Freiberufler priorisieren. Der Fragebogen wurde an alle Mitgliedsorganisationen versendet.

+++ 18.03.2020 (13.48) +++

In einer Rundmail teilt der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie (vero) mit, dass er vom Wirtschaftsministerium NRW gebeten wurde, eine Ersteinschätzung zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die ihn betreffenden Branchen zu geben und diese fortlaufend zu aktualisieren.

Dementsprechend bittet vero Bau- und Rohstoffhersteller und -lieferanten, ihm Einschätzungen und Anregungen mitzuteilen, sofern eine Betroffenheit erkennbar ist. Dies könnte zum Beispiel Lieferengpässe, aber auch Absatzprobleme oder grundsätzliche unternehmensspezifische Beeinträchtigungen betreffen.

+++ 18.03.2020 (09.09 Uhr) +++

Laut einer aktuellen gemeinsamen Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie(HDB) und des Verbands Beratender Ingenieure(VBI) beschweren sich Ingenieurbüros und Bauunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet, dass Kommunen Rechnungen für bereits geleistete Aufträge nicht begleichen wollen und dies zum Teil sogar schriftlich mit Hinweis auf laufende Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft begründen.

Dazu erklären Jörg Thiele, Präsident des Verbands Beratender Ingenieure, und Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie: „Es kann nicht sein, dass Unternehmen von öffentlichen Auftraggebern bewusst in die Insolvenz befördert werden. Kreditprogramme sollen schwerste Härten von Betrieben abfedern, die keine Aufträge mehr erhalten, sie sind aber kein genereller Ersatz für vertraglich vereinbarte Honorare. Wir fordern insbesondere die öffentliche Hand auf, eingehende Rechnungen umgehend zu begleichen, damit die Liquidität der Unternehmen nicht fahrlässig in Gefahr gebracht wird. Es gibt keinen Grund, Rechnungen nicht zu begleichen, im Zweifelsfall auch unter Vorbehalt. Nur so können wir als Unternehmer auch unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter gerecht werden und Massenentlassungen vermeiden.“

Hier finden Sie die gesamte Pressemeldung auf der Homepage des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. 

+++ 17.03.2020 +++

Hier geht es zur Sonderseite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hinsichtlich der finanziellen Unterstützung von Unternehmen während der Corona-Krise: www.kfw.de. Dort finden Sie die verschiedenen Hilfsprogramme aufgelistet sowie eine Service-Hotline (aktiv von montags bis freitags 8.00–18.00 Uhr) und können einen Corona-Newsletter der KfW abonnieren.

Hier verlinkt auch die aktuellen Dossiers des BMF (Bundesministerium für Finanzen)und des BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft)zur Unterstützung für Unternehmen aller Größen:

www.bmwi.de.

www.bundesfinanzministerium.de

+++ 17.03.2020 +++

Was passiert, wenn wegen Corona Aufträge nicht erfüllt oder storniert werden? Derzeit gibt es keine einheitlichen Antworten, die Deutsche Handwerks Zeitung hat allerdings einige Szenarien skizziert und zeigt, welche Paragrafen greifen könnten: www.deutsche-handwerks-zeitung.de

+++ 17.03.2020 +++

In einem Online-Artikel (erschienen um 10.15 Uhr) zeigt das Wirtschaftsressort des Spiegelsauf, wie der finanzielle Schutzschirm der Bundesregierung sowohl für kleine Unternehmen und Ein-Personen-Betriebe wie Selbstständige und Freiberufler über alle Facetten des Mittelstands bis hin zu Großunternehmen funktioniert – von der Ausweitung des Kurzarbeitergelds über Steuerstundungen bis hin zu Bundesfinanzminister Olaf Schloz‘ „Bazooka“: Kredite und Bürgschaften der KfW in grundsätzlich unbegrenzter Höhe. Was möglich ist und wo dennoch Untiefen lauern könnten: www.spiegel.de

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Im Vordergrund erstreckt sich die Plaza des Siegerentwurf von Helsinkis Bahnhof. KLYYGA wurde von Snohetta entwickelt. Der offene Platz wird von mehreren Gebäuden eingerahmt. Mittig sind die verglasten Volumina des neuen Bahnhofs zu sehen. © Elielinaukion kehitys Oy
Hauptbahnhof Helsinki

Der Stadtraum am historischen Bahnhof der finnischen Hauptstadt bekommt einen neuen Anstrich. Das Architekturbüro Snøhetta überzeugte die Jury mit seinem Entwurf „Klyyga“. Lesen Sie hier alles über das Projekt in der Nähe des Bahnhofs in Helsinki.

Das norwegische Architekturbüro Snøhetta hat einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Bereichs westlich von Helsinkis Bahnhof gewonnen. Der Siegerentwurf heißt Klyyga, was so viel wie „Kreuzung“ bedeutet. Snøhetta strebt ein nachhaltiges Konzept an, das die umgebende Architektur mit modernem Design verbindet.

Im Mittelpunkt von Klyyga steht der Eliel- und Asema-Platz in Helsinki, ein öffentlicher Platz in der Nähe des historischen Bahnhofs der Stadt. Derzeit ist der Platz etwas vernachlässigt und wird von Betonstrukturen und Verkehr dominiert. Gemeinsam mit den finnischen Büros Davisson Tarkela Oy und WSP will Snøhetta den Platz zu einem lebendigen, zentralen Knotenpunkt umgestalten.

Der neue Platz soll einen Beitrag zur Strategie der grünen Mobilität in der Stadt leisten. Er wird das umgebende Stadtgefüge wieder mit dem Bahnhof verbinden, indem er einen durchlässigen, neuen Stadtblock bildet, der ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten im Innen- und Außenbereich fördert.

Klyyga: Die Kreuzung am Bahnhof von Helsinki

 

Klyyga ist ein finnisches Wort, das in der Umgangssprache von Helsinki „Kreuzung“ bedeutet. Am Eliel- und Asema-Platz treffen zwei Stadtblöcke aufeinander. Allerdings sind sie derzeit nicht sehr gut miteinander verbunden. Daher strebt Snøhetta ein System von Kreuzungen an, die Stadt, Landschaft und Menschen wieder miteinander verbinden. Das Ergebnis ist ein dynamischer, lebenswerter Platzentwurf neben Helsinkis Bahnhof, welcher zu mehr sozialer Interaktion, Offenheit und Kreativität einlädt.

Neben der Neugestaltung des Platzes schlugen die Architekt*innen auch ein gemischt genutztes Gebäude vor, das dem historischen Vltava-Gebäude, in dem derzeit ein Restaurant untergebracht ist, gegenüberliegt. Es wird eine hybride Holzkonstruktion sowie eine Granitfassade aufweisen, die die Materialien des Bahnhofs widerspiegelt.

Als zukunftsweisender Stadtbaustein wird sich Klyyga an seine Umgebung anpassen und gleichzeitig das Gebiet westlich des Bahnhofs von Helsinki durchlässiger machen. Der neue Platz und das Mehrzweckgebäude werden zu zahlreichen neuen Aktivitäten im Innen- und Außenbereich einladen, sodass ein lebendiger, beliebter Platz entsteht.

Das Design von Snøhetta beinhaltet Pläne für erneuerbare Energien, umweltfreundliche Materialien und grüne Mobilität. Der Platz wird für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen attraktiver werden. Passives Fassadendesign wird dazu beitragen, die Temperatur im Inneren des Gebäudes zu regulieren, das als flexibler Raum für verschiedene Zwecke gedacht ist.

Helsinki Bahnhof: Alt trifft auf Neu

 

Der Vorschlag von Snøhetta ist sowohl zeitgemäß als auch respektvoll gegenüber seiner historischen Umgebung. Die hybride Holzstruktur des Gebäudes wird einen warmen Innenraum mit viel Tageslicht schaffen und zudem gleichzeitig das direkte Sonnenlicht abhalten, um eine Überhitzung zu vermeiden. Vertikale Elemente aus Granit und Klarglas unterstützen die passive Temperaturregulierung und kommunizieren mit der Fassade des Bahnhofs.

Nach dem Vorschlag von Snøhetta wird das neue Gebäude Büros, ein Hotel, kulturelle Einrichtungen, Geschäfte sowie Begegnungsstätten beherbergen. Die Architekt*innen haben für den neuen Platz Grünflächen vorgesehen, um ihn für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen attraktiver zu machen. Ihre Vision für ein attraktives Stadtbild umfasst Möglichkeiten für soziale Interaktion, Sicherheit, Offenheit und Gleichberechtigung. Damit wird sichergestellt, dass der neue Klyyga-Platz auch mit der künftigen städtischen Dynamik gut funktioniert.

Verkehrsrevolution in Helsinki

Die Stadtstrategie von Helsinki wird in jeder Legislaturperiode aktualisiert. Derzeit gilt die Vision 2021 – 2025. Sie konzentriert sich darauf, Wachstum und umweltfreundliche Mobilität für die mehr als 630 000 Einwohner*innen der finnischen Hauptstadt zu ermöglichen.

Helsinki ist bereits als eine der intelligentesten und grünsten Städte der Welt bekannt. Sie konzentriert sich auf die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Gleichzeitig will sie die anhaltenden Ungleichheiten sowie die Gefahren sozialer Isolation bekämpfen.

In Helsinki ist eine Verkehrsrevolution im Gange. Die Hauptstadt möchte eine 15-Minuten-Stadt werden, in der die wichtigsten Dienstleistungen nur einen kurzen Spaziergang, eine Radtour oder eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt sind. Klyyga trägt zu dieser Vision bei, indem es das Gebiet um den Bahnhof von Helsinki attraktiver und leichter zugänglich macht. Dies wird mehr Menschen dazu veranlassen, umweltfreundliche Mobilitätsoptionen zu nutzen, anstatt das Auto zu nehmen.

Eine lebendige, spannende Destination – der neue Bahnhof von Helsinki

 

Snøhetta hat eine Revitalisierung des öffentlichen Raums vorgeschlagen, die im Einklang mit der städtischen Strategie Helsinkis steht und von Ideen wie „Städte für Menschen“ aus nahegelegenen skandinavischen Ländern wie Dänemark inspiriert ist. Dies in Kombination mit einem Schwerpunkt auf grüner Mobilität und innovativen architektonischen Ideen hat die Jury veranlasst, Snøhetta den Zuschlag für das Projekt zu erteilen.

„Mit Klyyga wird der Eliel- und Asema-Platz einen klaren Beitrag zur städtischen Strategie der Stadt Helsinki leisten. Die Revitalisierung des Gebietes durch neue Bebauung, die Erweiterung der Fußgänger*innenzonen mit grüner Mobilität und städtischen Programmen wird den Eliel- und Asema-Platz zu einem lebendigen, aufregenden Ort machen, an dem man sich gerne aufhält, arbeitet oder spielt. Jetzt freuen wir uns auf die nächsten Schritte bei der Detaillierung des Projekts, um sicherzustellen, dass dieser urbane Raum zu dem Zentrum wird, das wir uns alle für die lebendige Stadt Helsinki wünschen.“ – Jenny B. Osuldsen, Partnerin und leitende Architektin von Snøhetta

Sie möchten mehr über Snøhetta erfahren? Das norwegische Architekturbüro meistert nicht nur Aufgaben im urbanen Kontext, sondern überzeugt auch mit seiner Baukunst in der Natur. Hierfür wurde das Büro mit dem LILA Honour Award 2021 ausgezeichnet. Übrigens: Snøhetta gastkuratierte 2021 eine Ausgabe bei unseren Kolleg*innen von BAUMEISTER. Erfahren Sie mehr auf snohetta.baumeister.de.

Sensorbasierte Versiegelungskarten – Echtzeitindikatoren für Flächenverbrauch

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Atemberaubende Vogelperspektive einer Schweizer Stadt, fotografiert von Ivan Louis.

Sensorbasierte Versiegelungskarten sind die neuen Stars der urbanen Datenszene: Täglich, stündlich, manchmal sogar minütlich verraten sie, wo unsere Städte ihren Boden versiegeln – und was das für Klima, Stadtplanung und Lebensqualität bedeutet. Wer Flächenverbrauch in Echtzeit messen und steuern will, braucht mehr als bunte Luftbilder: Er braucht Sensoren, Daten, Algorithmen – und den Mut, Stadtentwicklung neu zu denken.

  • Definition und Grundlagen sensorbasierter Versiegelungskarten
  • Technologien: Sensorik, Fernerkundung und Datenintegration
  • Praktische Anwendungsfelder: Klimaresilienz, Stadtplanung, Wassermanagement
  • Echtzeitindikatoren und ihre Bedeutung für den nachhaltigen Flächenverbrauch
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Rechtliche, technische und kulturelle Herausforderungen
  • Zukunftsperspektiven: Von der Analyse zur Steuerung urbaner Flächennutzung
  • Chancen und Risiken digitaler Versiegelungsüberwachung
  • Fazit: Sensorbasierte Versiegelungskarten als Schlüssel zu resilienten Städten

Sensorbasierte Versiegelungskarten: Was sie sind und warum sie jetzt wichtig werden

Wer sich heute mit Stadtentwicklung, Klimaanpassung oder nachhaltigem Bauen beschäftigt, stößt unweigerlich auf einen Begriff, der vor ein paar Jahren noch nach trockener Statistik klang: Flächenversiegelung. Gemeint ist damit das Bedecken von natürlichem oder landwirtschaftlichem Boden durch Gebäude, Straßen oder andere Infrastruktur – mit oft gravierenden Folgen für Wasserhaushalt, Mikroklima und Biodiversität. Doch während in der Vergangenheit der Flächenverbrauch meist rückblickend und mit grobem Raster erfasst wurde, steht die Branche jetzt vor einer Revolution: Sensorbasierte Versiegelungskarten liefern tagesaktuelle, teils sogar stündliche Informationen darüber, wo und wie Flächen versiegelt werden. Möglich machen das Sensoren, Drohnen, Satelliten und smarte Algorithmen, die aus einer Flut an Geodaten hochauflösende, dynamische Karten der Versiegelung erzeugen. Was bislang als nachträgliche Bilanzierung galt, wird so zum Echtzeitindikator für urbane Prozesse.

Die Bedeutung dieser Entwicklung kann kaum überschätzt werden. Für Städteplaner, Landschaftsarchitekten und Umweltbehörden eröffnet sich damit ein völlig neues Steuerungsinstrument: Anstatt mit veralteten Zahlen oder lückenhaften Katasterdaten zu hantieren, können sie den Flächenverbrauch laufend überwachen und auf Entwicklungen schnell reagieren. Das ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Verantwortung – schließlich sind die Folgen der Versiegelung längst kein Nischenthema mehr, sondern betreffen zentrale Zukunftsfragen wie Hitzevorsorge, Wassermanagement und Artenvielfalt. Die Dynamik urbaner Flächennutzung wird so erstmals transparent und steuerbar.

Sensorbasierte Versiegelungskarten sind dabei viel mehr als ein hübsches digitales Gimmick. Sie sind der Versuch, die Komplexität urbaner Räume in Echtzeit zu erfassen und so Planungsprozesse zu modernisieren. Während klassische Karten oft Jahre hinter der Entwicklung hinterherhinken, liefern Sensoren und Algorithmen kontinuierlich aktualisierte Daten. Das macht die Karten nicht nur präziser, sondern auch handlungsrelevant: Wer weiß, wo die Hitzeinseln wachsen oder das Regenwasser nicht mehr versickern kann, kann gezielt gegensteuern – sei es durch Begrünung, Entsiegelung oder smartere Bebauung.

Doch so faszinierend die Technik auch ist: Sie wirft auch neue Fragen auf. Wie genau sind die Messungen wirklich? Wer hat Zugriff auf die Daten? Und was passiert, wenn Sensorik und Algorithmen Fehler machen? Die Antwort auf diese Fragen wird darüber entscheiden, ob sensorbasierte Versiegelungskarten zum Durchbruch verhelfen – oder in der Schublade der guten Ideen verschwinden. Fakt ist: Der Trend zur Digitalisierung der Stadt macht vor dem Boden nicht halt. Wer die Zukunft der Stadtentwicklung gestalten will, kommt an Echtzeitdaten zum Flächenverbrauch nicht mehr vorbei.

Die Debatte um Flächenverbrauch ist längst kein akademischer Diskurs mehr, sondern hochpolitisch. Mit den Klimazielen der Bundesregierung, den Vorgaben der EU und dem wachsenden Druck aus der Zivilgesellschaft wird die Kontrolle über die Versiegelung zur zentralen Aufgabe moderner Stadtentwicklung. Sensorbasierte Karten sind dabei nicht nur Werkzeug, sondern auch Symbol: Sie stehen für einen Paradigmenwechsel von der reaktiven zur proaktiven Planung. Und sie fordern die Akteure heraus, Verantwortung zu übernehmen, wo bisher die Datenlage als Ausrede diente.

Technologien hinter den Echtzeitkarten: Sensorik, Fernerkundung und Datenfusion

Wer glaubt, sensorbasierte Versiegelungskarten seien bloß bunte Bilder aus dem Luftbildarchiv, verkennt die technologische Tiefe dieses Instruments. Im Zentrum stehen heute hochentwickelte Sensoren, die auf unterschiedlichste Weise Daten über den Zustand der Oberfläche sammeln. Dazu gehören klassische Satellitensysteme wie Sentinel oder Landsat, die regelmäßig multispektrale Aufnahmen der Erdoberfläche liefern. Diese werden durch Drohnenflüge ergänzt, die mit LIDAR-Technik oder Infrarotsensoren punktgenaue Höhen- und Strukturinformationen erfassen. Hinzu kommen stationäre Sensoren, die etwa Bodenfeuchte, Temperatur oder Versickerungsraten direkt vor Ort messen. Das Resultat: Ein Datenschwarm, der das Bild der Stadtoberfläche in nie gekannter Schärfe und Aktualität abbildet.

Doch Technik allein macht noch keine Karte. Die Herausforderung liegt in der Integration und Auswertung der Daten. Hier kommen Geoinformationssysteme (GIS), Machine Learning und komplexe Algorithmen ins Spiel. Sie sind in der Lage, die Rohdaten aus verschiedenen Quellen miteinander zu verschneiden, Störungen herauszufiltern und echte Versiegelung von temporären Veränderungen – etwa durch Baustellen oder saisonale Effekte – zu unterscheiden. Moderne Systeme erkennen dabei nicht nur, ob eine Fläche versiegelt ist, sondern auch, wie stark: Gibt es Durchlässigkeit? Ist die Oberfläche beschattet? Welche Materialien wurden verwendet? Je genauer die Analyse, desto besser die Planungsgrundlage.

Ein weiteres technisches Highlight ist die Entwicklung sogenannter Digitaler Zwillinge. Dabei wird die reale Stadt als dynamisches 3D-Modell nachgebaut, in das die Sensordaten laufend eingespeist werden. So entsteht ein lebendiges Abbild der Stadt, in dem die Versiegelung nicht nur kartiert, sondern auch simuliert und prognostiziert werden kann. Was passiert, wenn ein neues Gewerbegebiet entsteht? Wie verändert sich die Versickerungsfähigkeit bei Starkregen? Wie wirkt sich Dachbegrünung auf die Oberflächentemperatur aus? Sensorbasierte Versiegelungskarten ermöglichen, solche Fragen nicht mehr nur theoretisch zu diskutieren, sondern konkret zu berechnen.

Mit der technischen Raffinesse wächst jedoch auch die Komplexität – und damit der Bedarf an Fachwissen. Die Interpretation der Daten erfordert nicht nur Know-how im Umgang mit GIS und Fernerkundung, sondern auch ein tiefes Verständnis für städtische Prozesse und Umweltwirkungen. Wer sensorbasierte Karten in der Planung einsetzen will, muss lernen, mit Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten, anstatt sich auf scheinbar objektive Zahlen zu verlassen. Die Karten liefern keine endgültigen Wahrheiten, sondern Entscheidungsgrundlagen – und fordern damit eine neue Kultur des Planens.

Schließlich stellt sich die Frage der Datenhoheit. Wer betreibt die Sensorik? Wer wertet die Daten aus? Und wie werden Datenschutz und Transparenz gewährleistet? Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind rechtliche und ethische Fragen zentral. Die Technik mag noch so fortschrittlich sein – ohne klare Governance und offene Standards bleibt die Hoffnung auf flächendeckende Echtzeitkarten unerfüllt. Es braucht Kooperationen zwischen Verwaltungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um das volle Potenzial der Technologie zu heben.

Anwendungsfelder: Wie Echtzeitdaten den Flächenverbrauch steuern

Der wahre Wert sensorbasierter Versiegelungskarten zeigt sich in ihrer Anwendung. In der Stadtplanung ermöglichen sie erstmals, den Flächenverbrauch nicht nur zu dokumentieren, sondern aktiv zu steuern. Ein Beispiel: Im Rahmen der Klimaanpassung können Planer gezielt ermitteln, wo Entsiegelungsmaßnahmen am dringendsten benötigt werden, um Hitzeinseln zu entschärfen oder die Versickerung von Regenwasser zu verbessern. Mit Echtzeitdaten lassen sich Effekte von Maßnahmen direkt überwachen und nachjustieren. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern verbessert auch die Wirksamkeit der Planung.

Auch im Katastrophenschutz sind die Karten Gold wert. Bei Starkregen oder Hochwasser liefern sie präzise Informationen darüber, wo das Wasser nicht mehr abfließen kann und welche Quartiere besonders gefährdet sind. Maßnahmen zur Vorsorge – von Sickerbecken bis zum mobilen Hochwasserschutz – können so gezielter geplant und kommuniziert werden. In Städten wie Basel oder Hamburg werden solche Systeme bereits erfolgreich eingesetzt, um den Bevölkerungsschutz zu verbessern und Schäden zu minimieren.

Ein weiteres Feld ist das Wassermanagement. Sensorbasierte Karten helfen, das Potenzial für nachhaltige Regenwassernutzung zu erkennen und zu priorisieren. Wo lohnt sich die Installation von Zisternen? Welche Dächer eignen sich für Begrünung? Und wie kann die Kanalisation entlastet werden? Durch die Verknüpfung mit Wetterdaten und hydrologischen Modellen entstehen intelligente Steuerungssysteme, die städtisches Wasser als Ressource begreifen – ein entscheidender Schritt für resiliente Städte im Klimawandel.

Auch für die Bürgerbeteiligung bieten Echtzeitkarten neue Möglichkeiten. Komplexe Planungsprozesse werden durch anschauliche Karten und Simulationen transparent und verständlich. Bürger können sehen, wie sich Maßnahmen auf ihr Quartier auswirken, und so fundierter mitdiskutieren. In Wien und Zürich werden solche Beteiligungsformate bereits getestet – mit durchweg positiver Resonanz. Die Karten werden so zum Bindeglied zwischen Fachebene und Öffentlichkeit.

Nicht zuletzt eröffnen sensorbasierte Versiegelungskarten neue Perspektiven für die Forschung. Sie ermöglichen Langzeitstudien über die Auswirkungen der Versiegelung auf Klima, Biodiversität und Lebensqualität. Durch die hohe Auflösung und Aktualität lassen sich Trends frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen rechtzeitig einleiten. Das macht die Karten zu einem unverzichtbaren Instrument für die nachhaltige Stadtentwicklung und ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Smart City.

Herausforderungen und Zukunft – von der Technik zur neuen Planungskultur

So vielversprechend sensorbasierte Versiegelungskarten auch sind, der Weg zur flächendeckenden Nutzung ist noch steinig. Die erste Hürde ist technischer Natur: Nicht alle Städte und Gemeinden verfügen über die notwendige Infrastruktur, um Sensoren, Drohnen und Datenplattformen zu betreiben. Gerade kleinere Kommunen stehen vor der Frage, wie sie die Technologie finanzieren und betreiben können. Hier sind Kooperationen, Förderprogramme und gemeinsame Standards gefragt, um eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Stadtentwicklung zu verhindern.

Doch auch die Datenqualität bleibt eine Herausforderung. Sensoren können ausfallen, Algorithmen Fehler machen, und nicht jede Versiegelung ist auf den ersten Blick erkennbar. Temporäre Strukturen, Verschattung durch Bäume oder saisonale Veränderungen können die Auswertung erschweren. Es braucht daher regelmäßige Kalibrierung, Validierung und die Bereitschaft, mit Unsicherheiten umzugehen. Die Karten liefern keine absolute Wahrheit, sondern eine möglichst präzise Annäherung – ein Fakt, der in der Planungskultur erst noch verankert werden muss.

Rechtliche und ethische Fragen sind ein weiterer Stolperstein. Wem gehören die gesammelten Daten? Wie wird die Privatsphäre geschützt? Und wie offen müssen die Karten für die Öffentlichkeit sein? Gerade in Deutschland ist das Misstrauen gegenüber zentralen Datensammlungen groß – nicht ganz zu Unrecht, angesichts der Risiken von Missbrauch, Kommerzialisierung oder algorithmischer Verzerrung. Es braucht klare Regeln, transparente Prozesse und eine breite Debatte über die gesellschaftlichen Folgen der neuen Technik.

Schließlich steht die Planungskultur selbst auf dem Prüfstand. Sensorbasierte Versiegelungskarten fordern von Planern und Verwaltungen, sich von der Illusion statischer Planung zu verabschieden und dynamische Prozesse zu akzeptieren. Planung wird zum kontinuierlichen Dialog zwischen Daten, Entwurf und Steuerung. Das erfordert Mut zur Offenheit, Bereitschaft zur Fehlerkultur und die Fähigkeit, mit Unsicherheiten produktiv umzugehen. Wer sich darauf einlässt, kann von einer nie dagewesenen Präzision und Flexibilität profitieren.

Die Zukunft der sensorbasierten Versiegelungskarten liegt in der Integration mit anderen urbanen Systemen. Digitale Zwillinge, smarte Infrastrukturen, Beteiligungsplattformen und KI-gestützte Steuerungssysteme werden zunehmend verschmelzen. Städte werden so nicht nur beobachtet, sondern aktiv gesteuert – eine Entwicklung, die enorme Chancen, aber auch neue Risiken birgt. Wer die Technik klug einsetzt, kann Flächenverbrauch nachhaltig begrenzen, Klimaresilienz stärken und die Lebensqualität in unseren Städten sichern. Doch der Weg dorthin ist kein Selbstläufer.

Fazit: Echtzeitkarten als Schlüssel für die nachhaltige Stadtplanung von morgen

Sensorbasierte Versiegelungskarten markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Stadtplanung. Sie machen sichtbar, was bisher verborgen blieb: den tagesaktuellen Zustand unserer Böden, die Dynamik der Versiegelung und die Auswirkungen auf Klima, Wasser und Lebensqualität. Für Planer, Architekten und Verwaltung werden sie zum unverzichtbaren Werkzeug, um Flächenverbrauch nicht nur zu erfassen, sondern aktiv zu steuern und zu minimieren. Die Technik dahinter ist komplex, die Herausforderungen groß – doch die Chancen überwiegen bei weitem.

Wer heute auf Echtzeitdaten setzt, kann Städte resilienter, lebenswerter und nachhaltiger gestalten. Die Karten sind dabei mehr als nur ein neues Tool: Sie stehen für eine Kultur des proaktiven, datenbasierten Planens, in der Fehler nicht vertuscht, sondern erkannt und behoben werden können. Sie laden ein zum Dialog zwischen Fachebene und Öffentlichkeit, zwischen Technik und Gesellschaft. Und sie zwingen dazu, Verantwortung zu übernehmen – für den Boden, das Klima und die nächste Generation.

Natürlich sind noch viele Fragen offen. Technik, Recht und Ethik müssen sich weiterentwickeln, die Planungskultur braucht einen Wandel. Aber der Zug ist abgefahren: Wer an der Zukunft der Stadt beteiligt sein will, kommt an sensorbasierten Versiegelungskarten nicht mehr vorbei. Sie sind der Schlüssel zu einer neuen, intelligenten Stadtentwicklung – und ein Beweis dafür, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig beflügeln. Die Stadt von morgen wird nicht am Reißbrett, sondern im Echtzeitdialog zwischen Mensch, Sensor und Planung geboren. Willkommen im Zeitalter der transparenten, lernenden und nachhaltigen Stadt.