de Windwheel: Neue Ikone der Niederlande

Das ringförmige Bauwerk als Ikone der Nachhaltigkeit (Visualisierung: DoepelStrijkers)

Niederländische Tradition

Die Niederländer*innen wagen wieder Großes. Im Hafen von Rotterdam bauen sie eine neue architektonische Ikone: de Windwheel. Das Gebäude knüpft an die Tradition niederländischer Windmühlen an. Gleichzeitig weist es den Weg in eine neue Gebäudezukunft.

Das geplante Gebäude de Windwheel soll nicht nur eine Ikone für Nachhaltigkeit werden. Das etwa 175 Meter hohe, ringförmige Bauwerk hat das Potenzial zu einem neuen Wahrzeichen und Anziehungspunkt in Rotterdam zu werden. Seine außergewöhnliche Form und Fähigkeiten versprechen zudem weltweite Aufmerksamkeit. Das hilft einerseits dem Tourismus in Rotterdam. Andererseits läuten die verantwortlichen Architekt*innen mit de Windwheel gleichermaßen den Übergang zu einer sauberen Tech-Ökonomie ein.

Windmühlen stehen seit Jahrhunderten sinnbildlich für die Niederlande. Die Nutzung von Wind als Antriebskraft war für das Land lange lebensnotwendig. Nun steht die Typologie niederländischer Windmühlen vor einem Neuanfang in Rotterdam. Das Projekt de Windwheel greift ihre Form auf. Es stattet sie jedoch mit neuster Technologie aus, die Wind und Sonne zur Gewinnung von Energie nutzt. Gleichzeitig setzt das Gebäude die natürlichen Elemente zur passiven Kühlung und natürlichen Durchlüftung ein. De Windwheel verspricht zu einem Anziehungspunkt in Rotterdam und einem Denkmal für die Architekt*innen Duzan Doepel und Eline Strijkers zu werden.

 

Das Büro DoepelStrijkers

 

Das niederländische Büro DoepelStrijkers ist bisher primär für ein Projekt bekannt, das noch nicht gebaut ist. Bereits 2015 fand de Windwheel seinen Weg in die Öffentlichkeit. Dennoch ist das Projekt nicht das einzige Werk des Teams. 2007 fanden Duzan Doepel und Eline Strijkers in Rotterdam zusammen. Sie wollten gemeinsam, der Nachhaltigkeit verpflichtete, Innenarchitektur und Architektur schaffen. Während Eline Strijkers Erfahrung in Innenarchitektur mitbrachte, hatte Duzan Doepel andere Kompetenzen. Er war bis dato bestrebt, architektonische Forschung urbane Lösungen zu übersetzen. In Bürogemeinschaft sahen sie die Chance, Forschung und Praxis in inhaltsstarke Projekte zu überführen. Dabei waren sie überzeugt, dass Gestaltung als Agent für soziale Erneuerung wirken kann. Dementsprechend verfolgten sie gemeinsam Strategien und Projekte, die auf zirkulärer und inklusiver Ökonomie basieren.

Geballte Expertise in Rotterdam

Die neue Windmühle in Rotterdam besteht aus zwei miteinander verbundenen Ringen. Im äußeren rotieren 36 öffentlich zugängliche Kabinen. Ähnlich wie im London Eye bilden sie eine Touristenattraktion. Im inneren Ring hingegen liegen zudem Wohnungen, Wintergärten, ein Hotel, Restaurants und funktionsoffene Räume. De Windwheel ist dadurch also nicht nur ein rundes, nachhaltiges und gesundes Gebäudes. Es ist zudem mit einer höchst möglichen Kapazität zur Energiegewinnung ausgestattet. Neuste technische Lösungen kommen dabei zum Einsatz. Deren Entwicklung und Realisierung geht auf ein Konsortium innovativer Expert*innen zurück. Dazu gehören Arup, Royal BAM Group, Deltares, Dura Vermeer, ECN, Eneco, Evides, Siemens, SPIE und TNO. Sie sind alle bestrebt, durch den Einsatz von Klimaarchitektur und hochentwickelter Technologie die Qualität und Nachhaltigkeit von Gebäuden zu erhöhen.

 

Nachhaltige Mega-Entwicklung

 

De Windwheel in Rotterdam ist schon jetzt eine Ikone der Nachhaltigkeit. Es ist erstens gestalterisch und im übertragenen Sinne ein Vehikel für technische und technologische Innovationen; zweitens ein dynamischer Energieerzeuger und damit drittens Symbol für Aufbruch in eine neue Zukunft. In den vergangenen Jahrzehnten bekam Stadtentwicklung viele Impulse von bottom-up-Initiativen. Sie alle nahmen, jeder für sich, großen direkten und indirekten Einfluss auf die soziale, ökologische und ökonomische  Leistungsfähigkeit unserer Städte. Das Projekt de Windwheel in Rotterdam hingegen zielt in dieselbe Richtung, jedoch als Mega-Projekt. Als solches verfolgt es einen bisher ungekannten, radikal anderen Zugang und Entwicklungsprozess. Das Projekt sucht nach Lösungen dafür, wie Tourismus und nachhaltige Architektur zusammen kommen und einen positiven Beitrag zur Entwicklung ihrer urbanen Umgebung kreieren können.

Nachhaltige Ikone – Ikone der Nachhaltigkeit

Die neue niederländische Riesen-Windmühle wird also eine Attraktion und bereichert damit die Architekturszene in Rotterdam. Sie wird Besucher*innen vermutlich aus der ganzen Welt anlocken. Die können aus den im Gebäude rotierenden Kabinen über Rotterdam und Umgebung blicken. Aus großer Höhe wird nicht nur die Architektur zu Füßen erlebbar. Bei gutem Wetter erscheinen am Horizont auch Delft, Den Haag und Dordrecht. Ein innovatives Lichtkonzept und digitale Informationen in den Kabinen machen die Tour zu einem besonderen Erlebnis. Letztere informieren die Rotierenden darüber, was sie in der Ferne sehen. Aber auch alle Arten von nachhaltigen und innovativen Technologien stellen demnach eine Attraktion dar. Darin liegt die Kraft des Konzepts: Nachhaltigkeit trägt einerseits zum Erlebnis von de Windwheel bei. Andererseits illustriert es die Geschichte der Niederlande und schreibt sie neu. Eine nachhaltige Ikone, die zugleich also Ikone der Nachhaltigkeit ist.

 

Wind für die Ökonomie

 

Das ökonomische Potenzial der neuen Windmühle ist groß. Der Entwicklungsprozess und auch die zusätzlichen Besucher*innen bringen neuen Schwung nach Rotterdam. Davon profitiert die lokale Ökonomie und der Arbeitsmarkt. De Windwheel ist aber auch globales Symbol für Nachhaltigkeit und Schaufenster für Kreislaufwirtschaft. Die im Gebäude zum Einsatz kommenden Innovationen sind marktreif. Damit wird das Gebäude zu einer Plattform und zum internationalen Schaufenster. Firmen können hier zudem ihr Wissen und ihre Innovationen der Welt präsentieren. Die Ideen dieses Projekts gehen auf die Windwheel Corporation zurück; ein Konsortium aus Firmen aus Rotterdam. Sie arbeiten mit führenden Unternehmen und Forschungsinstituten zusammen, um das innovative Programm und Projekt Windwheel zu meistern. Sie alle sehen in einer sauberen, digitalen Ökonomie die Zukunft. Vielleicht ist die 2025 bereits zu erleben.

Die Niederlande ist bekannt für ihre zukunftsweisende Projekte in der Stadtplanung. Weitere Beiträge zu innovative Impulse aus der Architekturszene in Rotterdam finden Sie hier.

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Vergabe- und Wettbewerbskriterien: Die Architektenkammer Berlin übt Kritik

Blick auf Berlin: In den letzten Monaten rührte sich anlässlich der neuen Regierung viel. Mit vielem zeigte sich die Architektenkammer unzufrieden

Blick auf Berlin: In den letzten Monaten rührte sich anlässlich der neuen Regierung viel. Mit der ein oder anderen Entscheidung zeigte sich die Architektenkammer unzufrieden (Foto: Ana Paula Hirama via flickr).

Architektenkammer Berlin kritisiert Vergabeverfahren

Anlässlich des neuen Berliner Koalitionsvertrages rührte sich kürzlich viel in Berlin. In gleich mehreren Pressemitteilungen machte die Architektenkammer Berlin auf unterschiedliche Missstände aufmerksam. Wir fassen hier die unterschiedlichen Forderungen der Berliner Architekt*innenwelt zusammen.

Seit Jahren blickt die Architektenkammer Berlin mit Sorge auf die öffentlichen Vergabeverfahren für Planungsleistungen in Berlin. Kleine und Mittelständische Architekturbüros, so vermutete man schon länger, würden in Berlin systematisch benachteiligt, wenn es um die Bewerbung um öffentliche Aufträge geht. Vor kurzem präsentierte die Architektenkammer Berlin nun den ersten Jahresbericht zu ihrem Vergabe-Monitoring und der scheint die Befürchtungen zu bestätigen.

Insgesamt wurden 161 Vergabeverfahren, die zwischen November 2020 und Oktober 2021 in Berlin stattfanden, analysiert. 98 dieser Verfahren, also über 60 Prozent waren Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Planungswettbewerbe hingegen, wie die Gesetzgeber*in sie eigentlich als Regelfall vorsieht, kamen mit nur 18 Verfahren viel zu kurz. Im untersuchten Zeitraum hätten sich laut der Architektenkammer Berlin bis zu 51 Verfahren für einen Planungswettbewerb geeignet. Damit wurde bei nur etwas mehr einem Drittel der in Frage kommenden Verfahren tatsächlich ein solcher Wettbewerb durchgeführt.

Zu hohe Hürden für kleine Büros

Heftige Kritik übte die Architektenkammer Berlin auch am häufigen Verzicht auf eine fachlosweise Vergabe von Planungsaufträgen in der Hauptstadt. Auftragspakete seien mitunter so umfangreich und komplex, dass kleine und mittlere Büros diese mangels Personals gar nicht erst bearbeiten könnten. Stattdessen würden Aufträge häufig an Generalplaner*innen vergeben, der dann schlüsselfertig abliefern soll. Drei Viertel der Vergabeverfahren für Planungsleistungen im Hochbau würden mit zusätzlichen Fachleistungen verknüpft und wichen so vom Gebot der mittelstandsfreundlichen Vergabe ab.

Weiterhin gebe es laut der Architektenkammer Berlin häufig Wettbewerbskriterien, die es kleineren Büros unmöglich machen, teilzunehmen. Als Beispiele würden etwa eine unüblich hohe Mindestanzahl von Mitarbeiter*innen oder ungewöhnlich hohe Jahresumsätze gefordert. So beschränke sich der Wettbewerb von vornherein auf wenige und große Büros.

Auch ein heißes Thema in Berlin, war die Frage: Wer leitet künftig die Baugeschicke der Stadt? Nach 14 Jahren im Amt ging Senatsbaudirektorin Regula Lüscher letzten Juli schließlich in den Ruhestand. Ihre Position hielt Bausenator Sebastian Scheel bis nach den Bundestagswahlen frei. In einem offenen Brief forderten zahlreiche renommierte Architekt*innen, Wissenschafter*innen und Initiativen daraufhin ein transparentes und offenes Verfahren zur Neubesetzung der Stelle. Seit dem 21. Dezember 2021 ist die Stelle neu vergeben setzt: Andreas Geisel (SPD) ist künftig Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen in Berlin. Unterstützt wird er von Ülker Radziwill (Staatssekretärin für Mieterschutz), Petra Kahlfeldt (Senatsbaudirektorin) und Christian Gaebler (Staatssekretär für Bauen und Wohnen). Ein transparentes Verfahren hierzu gar es allerdings nicht. Das und die Besetzung von Petra Kahlfeldt lösten einen Sturm der Entrüstung bei einzelnen Architekt*innen aus. Worum es dabei konkret geht, haben wir Ihnen hier zusammengefasst: Petra Kahlfeldt.

Neues aus Berlin? Der Berliner Senat möchte Großraumsiedlungen in Berlin stärken und rief ein Förderprogramm mit insgesamt zwei Millionen Euro ins Leben.

The Smile-Installation

Cheeeeese! Bitte Lächeln!

Der dichte, öffentliche Raum Londons konnte für einen Monat lang wieder lächeln: Während des Londoner Design Festivals bestaunten Passanten nahe der Tate Modern den gigantischen Pavillon „The Smile“ der kanadischen Architektin Alison Brooks.

Die zu einem lächelnden Mund geformte temporäre Installation mit perforierter Fassade maß 34 Meter Länge, die Enden der gebogenen Struktur befanden sich 3 Meter über der Platzoberfläche. Die Röhre bestand aus überkreuz verklebtem Rosenholz. Mit dem „Live-Experiment“ reizten die Ingenieure von Arup das Material bis an seine Grenzen aus.

Seht selbst her! Hier das Entstehungsvideo von „The Smile“: