BUGA Mannheim

Blick auf das Spinelli-Gelände (© Foto: BUGA 23 / Daniel Lukac)

In etwas mehr als eineinhalb Jahren startet die Bundesgartenschau BUGA Mannheim. Vom 14. April 2023 bis zum 08. Oktober 2023 läuft die BUGA 23 unter dem Motto „Beste Aussichten“. Der Anspruch: Die anderen reden über Nachhaltigkeit, Mannheim setzt sie um. Lesen Sie in diesem Beitrag, was die BUGA Mannheim unter Nachhaltigkeit versteht und welche Innovationen geplant sind.

 

BUGA Mannheim: Kurze Wege und weite Blicke

 

Bereits im Jahr 1975 fand in Mannheim eine Bundesgartenschau statt. Die moderne Ausgabe der BUGA Mannheim zeigt ein anderes Gesicht, als noch die von vor 45 Jahren. Damals standen die Leistungsschauen des Gartenbaus im Mittelpunkt. Bundesgartenschauen wurden als Gartenkulturevents inszeniert. Diese Ausrichtung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Heutzutage erfüllen die Bundesgartenschauen andere Zwecke. Die Herausforderungen des urbanen Lebensraums gehen weit über Garten- und Parkgrenzen hinaus. Eine BUGA der Moderne steht für nachhaltige und integrierte Stadt- und Regionalentwicklung.

Dementsprechend liegt auch der Fokus der BUGA 23 auf nachhaltiger und moderner Stadtentwicklung. Das Ziel der BUGA in Mannheim formulierte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bereits vor fünf Jahren: Man wolle für die Stadt einen qualitativ hochwertigen Grünzug gestalten und damit ein nachhaltiges Generationenprojekt entwerfen.

Auf dem ehemaligen Militärgelände Spinelli, welches lange Zeit von den US-Streitkräften genutzt wurde, entsteht in diesem Zusammenhang ein neues Wohnquartier. Für die Stadt Mannheim stellt es ein wichtiges Stadtentwicklungsprojekt dar. Künftig sollen dort rund 4 500 Bewohner*innen leben. Das einstige Militärgelände – und damit die BUGA 23 – ist Teil des ‚Grünzugs Nordost‘. Dieser erstreckt sich vom Luisenpark über den Neckar hinweg bis zu den Vogelstangseen. Das Gebiet umfasst etwa 200 Hektar.

 

 

Den Zuschlag im VOF-Verfahren „Grünzug Nordost und Bundesgartenschau 2023“ im Bereich Landschaft/Freiraumplanung erhielt 2015 das Landschaftsarchitekturbüro RMP Stephan Lenzen. Auf der Website des Büros heißt es zu den Hintergründen der Planung dazu: „Der Entwurf interpretiert den Freiraum als Grüne Infrastruktur und entwickelt diesen für die zukünftigen Bedürfnisse der Mannheimer weiter. Die Geschichte des Ortes bleibt weiterhin ablesbar, wobei eine flexible und robuste Ausgestaltung im Vordergrund steht.  Eine große Qualität besteht in dem Freihalten der Mitte und dem Konzentrieren an den Rändern. Kurze Wege – Weite Blicke.“

 

Klarer Fokus auf Nachhaltigkeit

 

Das Thema Nachhaltigkeit hat sich die BUGA 23 ganz groß auf ihre Fahnen geschrieben. Michael Schnellbach, Geschäftsführer der Bundesgartenschau Mannheim 2023 gGmbH sagt dazu: „Gemeinsam mit Partnern der Stadtgesellschaft und Wirtschaft wollen wir die nachhaltigste BUGA aller Zeiten realisieren und Mannheim zum Vorbild urbaner Nachhaltigkeit machen.“ Schnellbach ist von den guten Ideen aller Beteiligten überzeugt: „Wir zeigen, dass es geht und wie es geht.“

Aus diesem Grund tauchen nachhaltige Ideen bei der BUGA 23 in Mannheim an vielen Stellen in unterschiedlicher Ausprägung auf. So sollen rund 60 Hektar des 200 großen Hektars des ‚Grünzugs Nordost‘ entsiegelt werden. Dort befanden sich während der Zeit, als das US-Militär das Gebiet genutzt haben, zahlreiche Hallen für Fahrzeuge und Panzer. Das Gebiet ist über weite Strecken versiegelt.

Die Entsiegelung des großflächigen Bereichs hat verschiedene Ziele. Demnach soll eine Frischluftschneise die Innenstadt von Mannheim durchlüften. In den Sommermonaten soll so insbesondere Nachts für Abkühlung gesorgt werden. Außerdem sollen die Menschen sich in dem neu gestalteten Naturraum frei bewegen können. Der neue Grünzug wertet so den Mannheimer Stadtraum ökologisch auf.

Zusätzlich soll eine Radschnellweg entstehen. Er soll die Innenstadt mit den Stadtteilen Feudenheim, Käfertal und Vogelstang verbinden. Die BUGA selbst hat das Ziel, CO2-neutral zu werden – als erste BUGA überhaupt.

 

Umbau statt Abriss: die U-Halle bekommt ein neues Innenleben

 

Nachhaltigkeit spiegelt sich auch an anderen Orten der BUGA 23 wider. Die U-Halle ist ein gutes Beispiel dafür. Sie ist ebenfalls auf dem ehemaligen Militärgelände gelegen und diente den US-amerikanischen Streitkräften als Lagerhalle. Die Halle umfasst rund 20 000 Quadratmeter und soll umgebaut und langfristig genutzt werden. Das Thema ‚recycle und reuse‘ steht hier im Vordergrund. Existierendes soll weiter genutzt und zweitverwertet werden, so Michael Schnellbach, Geschäftsführer der BUGA 23. Das Ziel sei es, „bestehende Strukturen und Gebäude auf innovative Art und Weise anders [zu] nutzen.“

Die U-Halle wird nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros „Hütten und Paläste“ umgebaut. Die Fläche wird zuerst um etwa die Hälfte reduziert werden. Übrig bleiben sollen am Schluss letztlich rund 5 600 Quadratmeter Fläche. Das Gebäude soll ein architektonisches Highlight der BUGA Mannheim darstellen. Als „Ikone der Transformation“ bezeichnen die Architektinnen und Architekten von ‚Hütten und Paläste‘ sie.

 

Innovationen aus dem Reallabor

 

Die BUGA 23 möchte Treiberin für neue Ideen für ressourcenschonendes und klimafreundliches Wachstum werden. Deswegen sollen baubotanische Interventionen umgesetzt werden. Das heißt, dass Pflanzen und Gebäude eine Symbiose eingehen und über die Jahre untrennbar zusammenwachsen.

Die Besucher*innen sollen außerdem ungewöhnliche Materialien kennenlernen. So werden sie beispielsweise Sonnensegel aus Photovoltaikfolie oder einen Pavillon aus Karbon kennenlernen.

Neben all den innovativen Ideen sollen die guten alten Pflanzen natürlich nicht zu kurz kommen. Das sinnliche Erlebnis purer Blumenfreude wird deshalb durch Rosen, Dahlien, Stauden oder Rhododendren spürbar. Und auch hier ist das übergreifende Thema der BUGA erneut spürbar. Denn die 2023 Bäume, die für die BUGA Mannheim gepflanzt werden sollen, sollen danach in der Stadt neue Standorte finden. Außerdem werden Pflanzen vorgestellt, die in extremem Klima gute Überlebenschancen haben. Ganz im Sinne der BUGA Mannheim, die auf Nachhaltigkeit und Klimaanpassung setzt.

Bundesgartenschauen finden alle zwei Jahre in verschiedenen deutschen Städten statt. Dieses Jahr eröffnete Erfurt die Ausstellung. Die BUGA 2025 konnte Rostock für sich gewinnen.

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Beim Ideenwettbewerb um die Bahnhofsvorplätze in Heidelberg konntem sich Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten aus Mainz durchsetzen. Die Jury: „Die Verfasser reagieren sensibel auf die Architektur des Hauptbahnhofs. Es entsteht ein ruhig gestalteter, vielfältig nutzbarer Bahnhofsvorplatz, der in überzeugender Weise die für ein funktionierendes Bahnhofsumfeld erforderlichen Infrastrukturen integriert.

Der Entwurf teilt sich in den Bahnhofsvorplatz und den Willy-Brandt-Platz Nord und Süd. Der zentrale Bahnhofsvorplatz ist als große Freifläche mit hochwertiger Pflasterung geplant. Er stellt die Verbindung zwischen Empfangshalle und Kurfürstenanlage her. Der Willy-Brandt-Platz am nördlichen Ausgang ist ein neuer kleiner Vorplatz mit Sitzinsel, der von Individual- und Lieferverkehr freigehalten wird. Der südliche Teil des Platzes bietet Taxivorfahrt, Behinderten- und Kurzzeit-Stellplätze sowie Platz für die Außengastronomie des Ibis Hotels.

Die bestehenden Platanen des Planungsgebiets werden weitestgehend erhalten und durch neue Baumarten ergänzt, für den schattigeren nördlichen Platz sehen Bierbaum Aichele langfristig Stauden vorgesehen.

Im nächsten Schritt wird der Entwurf den Ausschüssen und Räten der Stadt vorgelegt werden. Für die Umsetzung sind derzeit noch keine Mittel frei, sie sollen zum nächsten Doppelhaushalt 2017/2018 diskutiert werden.

Dopo Expo – Was danach?

Für viele gilt die Expo 2015 als voller Erfolg. Jedenfalls hatten die Mailänder es damals rechtzeitig geschafft, ihre Metropole auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Nachnutzung verhält es sich nicht so rosig. Es gibt zwar Ansätze, aber keine finale Idee. Andreas Kipar, Landschaftsarchitekt und Gründer und Inhaber des Büros LAND mit Sitz in Mailand, krempelte die graue Industriestadt in den letzten Jahrzehnten um. Wir sprachen mit ihm über die grüne Entwicklung der italienischen Metropole.

Garten + Landschaft: Wie sind Sie damals nach Mailand gekommen?
Andreas Kipar: Ein alter Professor riet mir damals, nachdem ich mein Studium beendet hatte und nicht wirklich etwas mit mir anzufangen wusste, ich solle mal raus. Ich sollte mein Horizont erweitern und meine unruhige Seele entspannen. Mich reizte schon immer Italien. Italien war schon immer, was die Landschaft, die Freiräume in der Stadt betraf, unter bemittelt. Es gab, außer den historischen Gärten, wenig Grün zwischen dem Grau. Es gab dort kein gesundes Mittelmaß zwischen Masse und Freiraum, wie wir es aus Deutschland kennen. Das weckte damals meine Neugierde und trieb mich nach Italien.

G + L: Was hat sich seither geändert?
A K: Man kann heute sagen, dass aus der grauen Industriestadt Mailand ist mittlerweile eine grüne Metropole geworden. Die großen Industriebrachflächen aus den 1980er Jahren haben sich in neue Stadtviertel entwickelt. Dort sind neue Parks und Grünanlagen entstanden, die heute sehr gut funktionieren. Mein Büro war von Anfang an an dem Wandel dieser großräumigen Entwicklungsgebiete beteiligt. Ein wirklicher Glücksfall für mich. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle und haben deshalb eine wichtige Rolle in der grünen Entwicklung Mailands gespielt. Die Expo hat Mailand, die dreckige Stadt Norditaliens, in ein neues, positives Licht gerückt. Mailand fungiert als Scharnier von Nord und Süd und vermittelt zwischen den Regionen. Die Expo hat Mailand die Kirsche aufgesetzt und für ein neues Bewusstsein gesorgt.

G + L: Die Expo war demnach Entwicklungsmotor?
A K: Ja genau, die Expo war die Kirsche des Ganzen. Die vorbereitenden Maßnahmen waren aus den 1980ern und 1990ern Jahren, das systematische Arbeiten an den Industriebrachen und die Expo hat das alles noch einmal zusammen gefasst und hat dadurch die Kirsche auf die Torte gesetzt. Die positive Grundstimmung heute in Mailand nehmen wir als Planer mit und denken weiter. Die Stadt feiert ihre Langsamkeit, ihre Entschleunigung, was vor ein paar Jahren noch verpönt war. Es hat ein Paradigmenwechsel in der Stadtgesellschaft stattgefunden.

G + L: Also würden Sie sagen, dass die Expo ein Segen für die Stadt war?
A K: Ein großer Segen. Auch für das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation und ein Selbstbewusstsein der Mailänder, die sich nicht mehr wegducken müssen, sondern die heute auch sagen, dass sie auch am Wochenende gerne mal in meiner Stadt. Der Erfolg einer Stadt misst sich daran, ob die eignen Bürger ihre Stadt schätzen und lieben. Man ist neuerdings auf einer gewissen Art und Weise stolz auf seine Stadt – Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde.

G + L: Müssen heutzutage Räume immer bespielt werden? Braucht es immer ein Event?
A K: Um einen großen Koloss, eine graue Industriemetropole nachhaltig zu verändern, braucht es manchmal einen Paukenschlag. Ein Event, der allgemein anerkannt wird und für Aufmerksamkeit sorgt. Es braucht ein Signal: Hier, wie positionieren uns auf der globalen Weltkarte. Das Konzept der Expo war schlüssig, die Mailänder wurden rechtzeitig fertig und die Stadt war aufgeräumt für die vielen Millionen internationalen Besucher. Aber trotz dessen bin ich der Meinung, dass der öffentliche Raum rustikal sein sollte. Mailand ist eine rustikale Stadt, so elegant und modisch sie auch ist. Sie ist im Zentrum eines Landes errichtet worden und ihre Einwohner bodenständig. Jede Art von Spielerei und Ornament ist deshalb meiner Meinung nach hier zum Scheitern verurteilt.

G + L: Lieber zurückhaltende Entwürfe anstatt überbordende?
A K: Unsere Entwürfe der letzten Jahre wie beispielsweise das Gelände um die Porta Nuova, sind sehr rustikal, auf das Wesentliche beschränkt. Sie sind teilweise auch steinern. Weil sie bieten einfach Raum, öffentlichen Freiraum. Sie füllen den Raum nicht, sondern sie bieten Raum, damit er sich natürlich füllen kann. Die Stadt Mailand hat Raum nötig. Mailand ist eine sehr dicht besiedelte Stadt. Nordeuropäische Städte sind luftig gestaltete, während die südlichen sehr eng und kompakt gebaut sind. Im Norden Europas, wo genügend Raum vorhanden ist, kann man mit dem vielen Raum auch spielerisch umgehen. Jede Spielerei oder Designschnörkel sind in Mailand fehl am Platz. Mailand braucht horizontale Grundflächen, damit die Bewohner sich ihn aneignen können.

Mehr zum Expogelände in Mailand lesen Sie in Garten+Landschaft 06/16 – Stadt und Spektakel.