24.07.2021

Wettbewerb

Deutscher Architekturpreis 2021 verliehen

von Juliane von Hagen
Deutscher Architekturpreis 2021 geht an SMAQ und lad+ für das Wohnbauprojekt "Zusammen wohnen" in Hannover. Foto: Schnepp Renou

Deutscher Architekturpreis 2021

Das Wohnbauprojekt „Zusammen wohnen“ von SMAQ Architektur und Stadt wird mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 ausgezeichnet. Dabei bilden vier kubische Klinkerbaukörper ein Ensemble. Komplettiert wird das Projekt von der gelungenen Freiraumgestaltung von lad+ landschaftsarchitektur diekmann. Dieses Ineinandergreifen von Raum und Freiraum hat die Jury des Deutschen Architekturpreises 2021 überzeugt.

Im Süden Hannovers ist die Stadt dichter geworden. Denn auf dem ehemaligen Gelände einer Gärtnerei schafft das Büro SMAQ aus Berlin zusammen mit lad+ Landschaftsarchitektur diekmann einen neuen Ort zum Wohnen. Dort setzt das neue Gebäudeensemble ein Zeichen. Es bildet ein eine starke eigene Adresse in heterogener Umgebung. Dabei hilft die einfache Formensprache und monochrome Farbigkeit der Architektur. Beides wird durch das Grün der umgebenen Freiräume komplettiert. Die Verschränkung von Raum und Freiraum, von Ort und Kontinuum wird bei der Auszeichnung mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 geehrt.

Deutscher Architekturpreis 2021 geht an SMAQ und lad+ für das Wohnbauprojekt "Zusammen wohnen" in Hannover. Foto: Schnepp Renou
Jeder der vier Kuben hat einen Innenhof. Foto: Schnepp Renou
Drei der Kuben sind miteinander verbunden, der vierte steht etwas abseits und erlaubt so eine Wegeverbindung der umliegenden Freiräume. Foto: Schnepp Renou
Alle Wohneinheiten haben große Fenster, die sich zu den Balkonen, Austritten oder Terrassen öffnen. Foto: Schnepp Renou
Deutscher Architekturpreis 2021 geht an SMAQ und lad+ für das Wohnbauprojekt "Zusammen wohnen" in Hannover. Foto: Schnepp Renou
Die auffälligen Klinker fügen sich in den Bestand ein. Foto: Schnepp Renou

Deutscher Architekturpreis 2021 schätzt Nachverdichtung mit Wohnen

Unweit vom Stadtzentrum Hannover gab es Potenzial für Nachverdichtung. Dort, auf dem Gelände zwischen Südstadt, Gilde Brauerei, Friedhof Engesohde und Maschsee versammeln sich unterschiedliche Baukörper. Sie reichen beispielsweise von den Resten einer Gärtnerei, über Schulgebäude bis hin zu Ein- und Zweifamilienhäusern. Am Rande dieser Strukturen fand das Wohnungsbauunternehmen Theo Gerlach Platz für ein neues Wohnprojekt. In vier neuen Kuben brachten sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen unter. Darüber hinaus ist ein inklusives Wohnprojekt integriert. Jeder der vier Baukörper hat 13 bis 18 Wohneinheiten. Deren Bewohner*innen können nun stolz auf die Auszeichnung mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 sein.

Drei plus eins

Vier kubische Baukörper reihen sich spielerisch aneinander. Drei davon kommen sich nahe und verschmelzen. Das vierte Gebäude rückt hingegen etwas weiter weg. Damit lässt es einen Weg frei zur Querung des Ensembles. Denn trotz hoher städtebaulicher Dichte schafft die Anordnung der Gebäude spannungsvolle Räume; sowohl innen als auch aussen. Zudem profitiert die Architektur von den Freiräumen, die die vier Klinkerbauten umgeben. Die Grünräume hingegen gewinnen durch die Anordnung der Gebäude. Beide ergänzen sich somit auf eine ideale Weise. Deshalb gilt der Deutsche Architekturpreis auch beiden. Er zeichnet die Architektur vom Büro SMAQ aus Berlin und ihr Zusammenspiel mit der Freiraumgestaltung von lad+ Landschaftsarchitektur diekmann aus.

Die roten Klinker referieren auf die umliegenden Klinkergebäude. Foto: Schnepp Renou
Die Klinkerfassaden schaffen ein auffälliges Äußeres. Foto: Schnepp Renou
Die Struktur der Fassaden ist unverwechselbar. Foto: Schnepp Renou
Die Treppenhäuser sind im Gegensatz zur Fassade klinisch weiss gehalten. Foto: Schnepp Renou
Die Klinkerfassade endet kurz über dem Boden; die Gebäude scheinen zu schweben. Foto: Schnepp Renou

Deutscher Architekturpreis 2021 zeichnet das Quartett roter Kuben aus

In den vier Baukörpern ist zentral eine Erschließung angeordnet. Um den Erschließungskern gruppieren sich dann die Nebenräume der Wohnungen. Der Ring um diesen Kern ist freitragend überspannt. Das ermöglicht flexible Grundrisse. Alle Wohneinheiten haben große Fenster, die sich zu den Balkonen, Austritten oder Terrassen öffnen. Eine homogene rote Klinkerhaut umhüllt die Baukörper. Sie lehnt sich an die Ziegelbauten der Umgebung an. Darüber hinaus schafft sie eine starke Eigenständigkeit. Was den Look besonders macht: Die Klinker hören kurz über dem Boden auf. Dadurch scheint das mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 ausgezeichnete Ensemble zu schweben.

Zeichnung: SMAQ
Zeichnung: SMAQ
Zeichnung: SMAQ

Entréeplatz und Kolonnade

Um die scheinbar schwebenden roten Kuben gruppieren sich verschiedene Freiräume. Sie sind thematisch differenziert gestalte und unterscheiden sich je nach Anmutung und Anforderung an die Nutzung. Das schätzt auch die Jury vom Deutschen Architekturpreis. Im Südosten hat das Areal schließlich seine urbane Seite. Dort grenzt es an den Agnes-Hundoegger-Weg. Dieser Stichweg, der von der Alten Döhrener Straße ins Blockinnere führt, leitet auch zum Entréeplatz. Dieser prägt demzufolge den Eingang in die Wohnanlage. Hier liegt der Auftakt, von da verteilen sich die Wege. Der Platz lädt aber auch zum Verweilen ein: In seiner Mitte liegt ein erhöhtes Pflanzbeet. Hier wachsen ein Solitärgehölz und Gräser. Außerdem eigenen sich die Ränder des Beetes bestens als Sitzgelegenheiten.

Zeichnung: SMAQ
Plan: SMAQ

Grüne Gemeinschaftsflächen

Am nördlichen Rand des Entréeplatzes beginnt dann die Kolonnade. Sie verbindet die nördlichen drei Baukörper des mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 gekürten Projekts im Erdgeschoss miteinander. Darüberhinaus stellt sie eine wichtige Wegeverbindung durch die Wohnanlage dar. Die Kolonnade liegt etwa 60 Zentimeter über den Gartenflächen. Dieser Versprung manifestiert eine feine Abstufung: zwischen den öffentlich zugänglichen in der Kolonnade und den der Wohngemeinschaft vorbehaltenen Gartenflächen. Auch die gestaffelten Bepflanzungen im Garten haben eine Funktion. Sie schaffen einerseits Distanz zu den angrenzenden Wohnräumen im Erdgeschoss. Andererseits laden sie zu Aufenthalt und Kinderspiel ein. Neben extensiv gepflanzten Gräsern prägen hainartig gesetzte Hochstämme die Grünflächen.

Zeichnung: SMAQ
Zeichnung: SMAQ

Polygonale Betonplatten

Durch die gemeinschaftlichen Gartenflächen mäandrieren Wege aus polygonalen Betonschollen. Sie erschließen die verschiedenen Teilräume des Grundstücks. Zugleich bieten sie die notwendigen Fahr- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr. Polygonale Formen und Farben prägen darüber hinaus den Spielplatz. Er liegt am nordwestlichen Rand der Anlage. Dort liegt er entfernt von Verkehr und Gefahr. Dennoch ist er über den angrenzenden Erich-Wegner-Weg auch für Kinder aus der Nachbarschaft erreichbar.

Der Freiraum und die Gebäude ergänzen sich ideal. Foto: Schnepp Renou

Deutscher Architekturpreis 2021: Juryurteil

Die Jury für den Deutschen Architekturpreis 2021 kürt mit dem Projekt „Zusammen wohnen“ ein attraktives Wohnquartier. Es überzeugt durch die spielerische Anordnung von vier kubischen und kompakten Baukörpern. Diese bauen eine Brücke zum heterogenen Umfeld. Zudem ist das Ensemble stark genug, um eine eigene Adresse zu bilden. Auch das Material fügt sich hervorragend in den Bestand ein. Seine einfache, ruhige und zurückhaltende Architektur lebt von der fein gestalteten Klinkerfassade. Gleichermaßen wichtig ist der Jury vom Deutschen Architekturpreis 2021 das abgestufte System von Freiräumen. Insgesamt sorgen Freiraumgestaltung und Architektur für eine sinnliche Anmutung und hohe Nutzungsqualität. Hier sind die Belange von Gemeinschaft und Individuen beispielhaft miteinander in Einklang gebracht.

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