Deutscher Architekturpreis 2021 geht an SMAQ und lad+ für das Wohnbauprojekt "Zusammen wohnen" in Hannover. Foto: Schnepp Renou

Deutscher Architekturpreis 2021

Das Wohnbauprojekt „Zusammen wohnen“ von SMAQ Architektur und Stadt wird mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 ausgezeichnet. Dabei bilden vier kubische Klinkerbaukörper ein Ensemble. Komplettiert wird das Projekt von der gelungenen Freiraumgestaltung von lad+ landschaftsarchitektur diekmann. Dieses Ineinandergreifen von Raum und Freiraum hat die Jury des Deutschen Architekturpreises 2021 überzeugt.

Im Süden Hannovers ist die Stadt dichter geworden. Denn auf dem ehemaligen Gelände einer Gärtnerei schafft das Büro SMAQ aus Berlin zusammen mit lad+ Landschaftsarchitektur diekmann einen neuen Ort zum Wohnen. Dort setzt das neue Gebäudeensemble ein Zeichen. Es bildet ein eine starke eigene Adresse in heterogener Umgebung. Dabei hilft die einfache Formensprache und monochrome Farbigkeit der Architektur. Beides wird durch das Grün der umgebenen Freiräume komplettiert. Die Verschränkung von Raum und Freiraum, von Ort und Kontinuum wird bei der Auszeichnung mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 geehrt.

Deutscher Architekturpreis 2021 schätzt Nachverdichtung mit Wohnen

Unweit vom Stadtzentrum Hannover gab es Potenzial für Nachverdichtung. Dort, auf dem Gelände zwischen Südstadt, Gilde Brauerei, Friedhof Engesohde und Maschsee versammeln sich unterschiedliche Baukörper. Sie reichen beispielsweise von den Resten einer Gärtnerei, über Schulgebäude bis hin zu Ein- und Zweifamilienhäusern. Am Rande dieser Strukturen fand das Wohnungsbauunternehmen Theo Gerlach Platz für ein neues Wohnprojekt. In vier neuen Kuben brachten sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen unter. Darüber hinaus ist ein inklusives Wohnprojekt integriert. Jeder der vier Baukörper hat 13 bis 18 Wohneinheiten. Deren Bewohner*innen können nun stolz auf die Auszeichnung mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 sein.

Drei plus eins

Vier kubische Baukörper reihen sich spielerisch aneinander. Drei davon kommen sich nahe und verschmelzen. Das vierte Gebäude rückt hingegen etwas weiter weg. Damit lässt es einen Weg frei zur Querung des Ensembles. Denn trotz hoher städtebaulicher Dichte schafft die Anordnung der Gebäude spannungsvolle Räume; sowohl innen als auch aussen. Zudem profitiert die Architektur von den Freiräumen, die die vier Klinkerbauten umgeben. Die Grünräume hingegen gewinnen durch die Anordnung der Gebäude. Beide ergänzen sich somit auf eine ideale Weise. Deshalb gilt der Deutsche Architekturpreis auch beiden. Er zeichnet die Architektur vom Büro SMAQ aus Berlin und ihr Zusammenspiel mit der Freiraumgestaltung von lad+ Landschaftsarchitektur diekmann aus.

Deutscher Architekturpreis 2021 zeichnet das Quartett roter Kuben aus

In den vier Baukörpern ist zentral eine Erschließung angeordnet. Um den Erschließungskern gruppieren sich dann die Nebenräume der Wohnungen. Der Ring um diesen Kern ist freitragend überspannt. Das ermöglicht flexible Grundrisse. Alle Wohneinheiten haben große Fenster, die sich zu den Balkonen, Austritten oder Terrassen öffnen. Eine homogene rote Klinkerhaut umhüllt die Baukörper. Sie lehnt sich an die Ziegelbauten der Umgebung an. Darüber hinaus schafft sie eine starke Eigenständigkeit. Was den Look besonders macht: Die Klinker hören kurz über dem Boden auf. Dadurch scheint das mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 ausgezeichnete Ensemble zu schweben.

Entréeplatz und Kolonnade

Um die scheinbar schwebenden roten Kuben gruppieren sich verschiedene Freiräume. Sie sind thematisch differenziert gestalte und unterscheiden sich je nach Anmutung und Anforderung an die Nutzung. Das schätzt auch die Jury vom Deutschen Architekturpreis. Im Südosten hat das Areal schließlich seine urbane Seite. Dort grenzt es an den Agnes-Hundoegger-Weg. Dieser Stichweg, der von der Alten Döhrener Straße ins Blockinnere führt, leitet auch zum Entréeplatz. Dieser prägt demzufolge den Eingang in die Wohnanlage. Hier liegt der Auftakt, von da verteilen sich die Wege. Der Platz lädt aber auch zum Verweilen ein: In seiner Mitte liegt ein erhöhtes Pflanzbeet. Hier wachsen ein Solitärgehölz und Gräser. Außerdem eigenen sich die Ränder des Beetes bestens als Sitzgelegenheiten.

Grüne Gemeinschaftsflächen

Am nördlichen Rand des Entréeplatzes beginnt dann die Kolonnade. Sie verbindet die nördlichen drei Baukörper des mit dem Deutschen Architekturpreis 2021 gekürten Projekts im Erdgeschoss miteinander. Darüberhinaus stellt sie eine wichtige Wegeverbindung durch die Wohnanlage dar. Die Kolonnade liegt etwa 60 Zentimeter über den Gartenflächen. Dieser Versprung manifestiert eine feine Abstufung: zwischen den öffentlich zugänglichen in der Kolonnade und den der Wohngemeinschaft vorbehaltenen Gartenflächen. Auch die gestaffelten Bepflanzungen im Garten haben eine Funktion. Sie schaffen einerseits Distanz zu den angrenzenden Wohnräumen im Erdgeschoss. Andererseits laden sie zu Aufenthalt und Kinderspiel ein. Neben extensiv gepflanzten Gräsern prägen hainartig gesetzte Hochstämme die Grünflächen.

Polygonale Betonplatten

Durch die gemeinschaftlichen Gartenflächen mäandrieren Wege aus polygonalen Betonschollen. Sie erschließen die verschiedenen Teilräume des Grundstücks. Zugleich bieten sie die notwendigen Fahr- und Bewegungsflächen für die Feuerwehr. Polygonale Formen und Farben prägen darüber hinaus den Spielplatz. Er liegt am nordwestlichen Rand der Anlage. Dort liegt er entfernt von Verkehr und Gefahr. Dennoch ist er über den angrenzenden Erich-Wegner-Weg auch für Kinder aus der Nachbarschaft erreichbar.

Deutscher Architekturpreis 2021: Juryurteil

Die Jury für den Deutschen Architekturpreis 2021 kürt mit dem Projekt „Zusammen wohnen“ ein attraktives Wohnquartier. Es überzeugt durch die spielerische Anordnung von vier kubischen und kompakten Baukörpern. Diese bauen eine Brücke zum heterogenen Umfeld. Zudem ist das Ensemble stark genug, um eine eigene Adresse zu bilden. Auch das Material fügt sich hervorragend in den Bestand ein. Seine einfache, ruhige und zurückhaltende Architektur lebt von der fein gestalteten Klinkerfassade. Gleichermaßen wichtig ist der Jury vom Deutschen Architekturpreis 2021 das abgestufte System von Freiräumen. Insgesamt sorgen Freiraumgestaltung und Architektur für eine sinnliche Anmutung und hohe Nutzungsqualität. Hier sind die Belange von Gemeinschaft und Individuen beispielhaft miteinander in Einklang gebracht.

Interesse an weiteren Projekten aus Hannover? Hier mehr zum Trammplatz Hannover.

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Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf entwarfen ein kommunikatives und nachhaltiges Quartier für das von Flächendruck geplagte Freising.
Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl von der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf entwarfen ein kommunikatives und nachhaltiges Quartier für das von Flächendruck geplagte Freising.

Im bayerischen Freising herrscht Flächendruck. Die Anzahl vorhandener Bauflächen ist überschaubar, der Wohnungsmarkt ist ausgeschöpft. Das stellt die Stadt, die als eine von acht Musterkommunen für das Pilotprojekt „Klimagerechter Städtebau“ ausgewählt wurde, vor Herausforderungen. Wo, mit welcher Dichte und unter welchen klimarelevanten Aspekten sollen neue Stadtquartiere entstehen? Für die Studierenden der Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wurde die erste Frage beantwortet – die anderen Lösungen mussten sie selbst finden. Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl stellen ihren Entwurf für ein klimagerechte Quartier im Lerchenfeld, Freising, vor.

Lerchenfeld, Freising: Projektgebiet und Analyse

Es ist das vierte Semester des Studiengangs Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan. Im Rahmen des Kurses „Planen und Entwerfen“ hat es sich die Projektgruppe, bestehend aus vier Studierenden (Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli, Laura Michanickl), zur Projektaufgabe gemacht, den freien Bereich Stadtteil Lerchenfeld in Freising, in unmittelbarer Nähe zum neuen Freibad „fresch“ sowie dem nicht weit entfernten Lerchenfelder Zentrum, in einen kommunikativen Wohnkomplex zu verwandeln. Wichtiger Eckpfeiler ist dabei die Berücksichtigung des klimagerechten Städtebaus. Ebenfalls von immenser Bedeutung für dieses Projekt sind Nachhaltigkeit und die modernen städtebaulichen Prinzipien.

Ein zeitgemäßer Wohnkomplex beinhaltet eine differenzierte Zielgruppe. Für ein gemeinschaftliches Zusammenleben empfindet es die Projektgruppe als essenziell, dass auch sogenannte „Kombinationsmöglichkeiten“ wie zum Beispiel Lebensmittelläden und gemeinschaftliche Einrichtungen in den Wohnkomplex integriert sind. Genauso wichtig ist der Projektgruppe auch ein bewusster Umgang mit der Zonierung der Öffentlichkeit sowie der Funktionalität bis hin zur Multifunktionalität. Bei der Erschließung der Räume zwischen den Häusern sollte auf ein Zusammenspiel mit dem kommunikativen Wohnkonzept geachtet werden.

Das Projektgebiet befindet sich in der Stadt Freising in Bayern und hat eine Fläche von rund 18 500 Quadratmetern. Zu den Anwohner*innen gehören Familien, Ehepaare und Rentner*innen. Südlich des Planungsgrundstücks sieht man die räumlich nächste Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Lantpert. Nach Nord-Westen hat man einen außergewöhnlichen Blick auf die Domtürme von St. Maria und St. Korbinian und das Freisinger Erlebnis Schwimmbad gleich um die Ecke. Zwar gibt es nur wenige kleine Grün- oder Parkflächen in der näheren Umgebung, dafür aber größere Freianlagen in guter Fahrraddistanz.

Der erste Schritt vor der Planungsphase ist die Analyse des Gebietes. Dies geschieht in verschiedenen Gruppen nach bestimmten Themen. Ziel dieser Analyse ist es, sich mit dem Gebiet vertraut zu machen, um vor der Planung wichtige Grundlagen zu sammeln.

Städtebauliches Konzept für Lerchenfeld, Freising

Um den städtebaulichen Prinzipen zu entsprechen, hat die Projektgruppe den modernen Wohnkomplex aus einer seitlichen Parallelen des Angerbachs entwickelt. Entstanden sind dabei zwölf Gebäude, die sich in ihren Nutzungen, Höhen sowie Formen unterscheiden. Die unterschiedlichen Gebäudeformen ergeben eine abwechslungsreiche und moderne Struktur des Wohngebietes. Durch die sorgfältige Analyse der Umgebung ergeben sich verschiedene Gebäudehöhen, durch die sich das Projekt wie eine Hügelkette in das Gebiet einpasst.

Zur wohnlichen Nutzung bestehen acht Gebäude, die zum Teil auch wirtschaftlich genutzt werden können, etwa für einen Unverpackt- oder Fahrradladen. Die Dächer sind alle multifunktional geplant, beispielsweise als Dachgarten, Ruhezone oder zur grünen Energiegewinnung.

Lerchenfeld, Freising: Projektgebiet und Analyse

 

Es ist das vierte Semester des Studiengangs Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan. Im Rahmen des Kurses „Planen und Entwerfen“ hat es sich die Projektgruppe, bestehend aus vier Studierenden (Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli, Laura Michanickl), zur Projektaufgabe gemacht, den freien Bereich Stadtteil Lerchenfeld in Freising, in unmittelbarer Nähe zum neuen Freibad „fresch“ sowie dem nicht weit entfernten Lerchenfelder Zentrum, in einen kommunikativen Wohnkomplex zu verwandeln. Wichtiger Eckpfeiler ist dabei die Berücksichtigung des klimagerechten Städtebaus. Ebenfalls von immenser Bedeutung für dieses Projekt sind Nachhaltigkeit und die modernen städtebaulichen Prinzipien.

Ein zeitgemäßer Wohnkomplex beinhaltet eine differenzierte Zielgruppe. Für ein gemeinschaftliches Zusammenleben empfindet es die Projektgruppe als essenziell, dass auch sogenannte „Kombinationsmöglichkeiten“ wie zum Beispiel Lebensmittelläden und gemeinschaftliche Einrichtungen in den Wohnkomplex integriert sind. Genauso wichtig ist der Projektgruppe auch ein bewusster Umgang mit der Zonierung der Öffentlichkeit sowie der Funktionalität bis hin zur Multifunktionalität. Bei der Erschließung der Räume zwischen den Häusern sollte auf ein Zusammenspiel mit dem kommunikativen Wohnkonzept geachtet werden.

Das Projektgebiet befindet sich in der Stadt Freising in Bayern und hat eine Fläche von rund 18 500 Quadratmetern. Zu den Anwohner*innen gehören Familien, Ehepaare und Rentner*innen. Südlich des Planungsgrundstücks sieht man die räumlich nächste Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Lantpert. Nach Nord-Westen hat man einen außergewöhnlichen Blick auf die Domtürme von St. Maria und St. Korbinian und das Freisinger Erlebnis Schwimmbad gleich um die Ecke. Zwar gibt es nur wenige kleine Grün- oder Parkflächen in der näheren Umgebung, dafür aber größere Freianlagen in guter Fahrraddistanz.

Der erste Schritt vor der Planungsphase ist die Analyse des Gebietes. Dies geschieht in verschiedenen Gruppen nach bestimmten Themen. Ziel dieser Analyse ist es, sich mit dem Gebiet vertraut zu machen, um vor der Planung wichtige Grundlagen zu sammeln.

Städtebauliches Konzept für Lerchenfeld, Freising

Um den städtebaulichen Prinzipen zu entsprechen, hat die Projektgruppe den modernen Wohnkomplex aus einer seitlichen Parallelen des Angerbachs entwickelt. Entstanden sind dabei zwölf Gebäude, die sich in ihren Nutzungen, Höhen sowie Formen unterscheiden. Die unterschiedlichen Gebäudeformen ergeben eine abwechslungsreiche und moderne Struktur des Wohngebietes. Durch die sorgfältige Analyse der Umgebung ergeben sich verschiedene Gebäudehöhen, durch die sich das Projekt wie eine Hügelkette in das Gebiet einpasst.

Zur wohnlichen Nutzung bestehen acht Gebäude, die zum Teil auch wirtschaftlich genutzt werden können, etwa für einen Unverpackt- oder Fahrradladen. Die Dächer sind alle multifunktional geplant, beispielsweise als Dachgarten, Ruhezone oder zur grünen Energiegewinnung.

Wohnungsangebot, Erschließung und ruhender Verkehr

Eine Kita, ein Café, eine Bar und eine Mosterei unterstützen den Quartier-Charakter. Das Café mit der Rooftop-Bar ist das nördliche Eingangstor zum Wohnviertel. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick in das Quartier, auf den Anger und auf die grünen Freiräume. Der östliche Eingang ist von einer Streuobstwiese geprägt, deren Früchte die quartiereigene Mosterei zu schmackhaftem Saft oder Kompott verarbeitet.

In den acht Wohngebäuden entstehen unterschiedliche Wohnungen auf zwei bis vier Stockwerken, die auf die Zielgruppen angepasst sind. Dabei wurde beachtet, dass alle Wohnungen barrierefrei mit einem Lift erreichbar sind. Es entstehen dabei 74 Wohnungen mit Flächen zwischen 60 und 140 Quadratmetern. Maximal 282 Bewohner*innen finden im Quartier Platz.

Das gesamte Gebiet ist autofrei, wobei Zubringer*innen und Rettungsdiensten die Durchfahrt ermöglicht wird. Die Gebäude und Freiräume sind über ein einfach erreichbares Wegenetz fußläufig erschlossen. Das neu geplante Wegenetz verbindet die beiden Ost- und Nordseiten Lerchenfelds stärker miteinander. Im Norden entsteht ein Autohotel mit 20 Stellplätzen für die Anwohner*innen und 200 Quadratmetern Stellfläche für Fahrräder, Behinderten- und Car-Sharing-Parkplätzen. Auch im Osten kann ein Parkfeld realisiert werden, das 17 weitere Stellplätze bietet. Somit gibt es im Quartier einen halben Stellplatz pro Wohnung. Dazu kommen zwischen den einzelnen Wohngebäuden kleine, einstöckige Schuppen, die als Stellflächen für Fahrräder, Gartengeräte oder Mülltonnen dienen.

Freiraum und Ökologie, Nachhaltigkeit

Der Anger zwischen den Gebäuden ist mit Bäumen gesäumt. Die Retentionsflächen fungieren zugleich als Liegewiesen. Entlang der öffentlichen Wege laden zahlreiche Angebote zu Spiel und Erholung ein. Der Angerbach ist für alle zugänglich und bietet beispielsweise einen Wasserspielplatz für Kinder. Jedes Wohngebäude besitzt seinen eigenen Gemeinschaftsgarten sowie jeweils einen Dachgarten. Somit besteht unter anderem genügend Rückzugsraum für alle Bewohner*innen. Die neuen Gebäude sind nach höchstem ökologischem Standard geplant. Dies beinhaltet sowohl den Einsatz nachhaltiger Baustoffe wie auch ein Energiekonzept.

Streuobstwiese in Lerchenfeld, Freising, stärkt Artenvielfalt und kontrastiert City

Denn einer der wichtigsten Aspekte bei der Planung des Projekts ist die Nachhaltigkeit. Schon während des Planungsprozesses hat die Projektgruppe immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, nachhaltige Elemente einfließen zu lassen, ohne von dem ursprünglichen Konzept abzuweichen. Die Gebäude sind so platziert, dass sie eine Durchlüftung des Angers begünstigen. Damit ist gewährleistet, dass die Luft in Nord-Süd und Ost-West Richtung ohne große Widerstände hindurchwehen kann.

Die Gebäudematerialien bestehen aus nachhaltigen Ressourcen. Die Grundlage aller Gebäude ist eine Holzständerbauweise mit Hanf-Kalk-Ziegeln. Dadurch erübrigt sich eine zusätzliche thermische und akustische Isolierung. Ein positiver Effekt dieser Ziegel besteht darin, dass sie sich, ähnlich wie Lehm, positiv auf die Luftreinheit und Feuchtigkeit auswirken. Zusätzlich fällt bei dieser Bauweise besonders wenig nicht recyclebarer Abfall an.

Alle nicht direkt vom Menschen genutzten Flächen stellen wichtige Faktoren im Klimaschutz dar. Die nicht intensiv oder extensiv genutzten Flächen auf den Dächern der Hauptgebäude und der Schuppen sind als Photovoltaikstandorte gestaltet. An den Außenwänden, die zum Garten ausgerichtet sind, hilft Fassadenbegrünung das Gebäudeklima mit natürlichen Mitteln zu regulieren und die Umgebungstemperatur zu senken.

Durch das sehr präsente Wasser-Management wird aufgezeigt wie fließendes, eingestautes und versickerndes Wasser Teil einer Stadtnatur, die nah an natürlichen Systemen gebaut wurde, sein kann. Die Grünflächen des Angers dienen als Retentionsflächen und damit der Hitze- sowie Versickerungsregulation. Sie können das Wasser lokal aufnehmen und speichern, wodurch das neue Wohngebiet als Element der Schwammstadt fungiert und besser an den Klimawandel angepasst ist.

Eine Streuobstwiese am westlichen Ausgang des Angers stärkt die Artenvielfalt, lässt einen zusätzlichen Kohlenstoffspeicher entstehen und stellt einen angenehmen Kontrast zur Stadt her.

Für uns Studierende war das Projekt eine großartige Gelegenheit, nachhaltige, gemeinschaftliche und moderne Elemente zu vereinen. Wir lernten dabei viel neues über Städtebau, Nachhaltiges Bauen und die Verbindung zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur.

Simon Benz, Jakob Berger, Jacqueline Bucheli und Laura Michanickl studieren an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landschaftsarchitektur. In ihrem vierten Semester, dem Sommersemester 2021, besuchten sie den Kurs „Planen und Entwerfen“ unter der Leitung von Prof. Sonja Hörster und Prof. Christoph Jensen. Dabei entstand der Entwurf „Wohnen am Anger(bach)“ unter dem Aspekt „Kommunikatives Wohnen“.

Im September richten wir den Fokus auf Studierende der Planung: Die G+L 09/21 stellt herausragende studentische Arbeiten vor. Hier geht es zum Shop.

Weitere studentische Arbeiten finden Sie außerdem hier – es lohnt sich!

Ein Park für die Hamburger HafenCity

Mit dem Lohsepark, der Anfang Juli eröffnet wurde, erhielt die HafenCity in Hamburg ihren bisher ersten Park. Wie ein grünes Band zieht sich das 80 Meter breite Gelände vom Ericusgraben im Norden, gegenüber des Spiegel-Gebäudes, bis zum Baakenhafen im Süden. Im Kontext der Gesamtstadt ist der Lohsepark die Fortführung des innerstädtischen Wallrings, der als Grüngürtel von den Landungsbrücken, über Planten un Blomen und den Hauptbahnhof bis hin zu den Deichtorhallen rund um die Hamburger Innenstadt verläuft. Der Lohsepark verlängert diesen Ring und führt ihn durch die HafenCity zurück an die Elbe.

Eine Sichtachse durch den Park, gesäumt von 500 Bäumen, unterstreicht den Eindruck des grünen Bandes. Die Planung stammt aus der Feder von Vogt Landschaftsarchitektur Zürich/Berlin. Mit seinen weiten Rasenflächen bietet der neue Park auf rund vier Hektar ausreichend Raum für unterschiedliche Spiel- und Sportaktivitäten. Im Gegensatz zu den meist steinernen Plätzen an den Uferkanten der HafenCity entstand im Lohsepark zum ersten Mal eine grüne Uferböschung am Ericusgraben. Im Zuge der Parkgestaltung wurde anstelle des durch den Krieg stark beschädigten und im Jahr 1955 gesprengten Gebäudes des Hannoverschen Bahnhofs ein angemessen würdevoller Ort des Gedenkens an die Opfer der Deportationen aus Hamburg errichtet. Eine diagonal den Lohsepark durchziehende Fuge nimmt den Verlauf der ehemaligen Gleisanlagen auf. Terrassen und Böschungen dienen als verbindende Elemente zwischen den verschiedenen Höhenniveaus des Gedenkortes und gleichzeitig als Aufenthaltsorte. Vogt Landschaftsarchitekten schichten den Lohsepark in drei Ebenen: eine „historische Ebene“ mit 5,4 Metern Höhe, eine „Parkebene“ 6,5 Metern und eine „Stadtebene“ auf acht Metern jeweils über NN.

Mehr zum Lohsepark in Garten + Landschaft 11/2016