03.05.2023

Wettbewerb

Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2023 vergeben

Spezial | Landschaftsarchitektur-Preis
Das Projekt "Neue Ufer Überlingen" von relais Landschaftsarchitekten wurde 2021 im Rahmen der Landesgartenschau Überlingen realisiert. Bildquelle: ©Hanns Joosten
Das Projekt "Neue Ufer Überlingen" von relais Landschaftsarchitekten wurde 2021 im Rahmen der Landesgartenschau Überlingen realisiert. Bildquelle: ©Hanns Joosten

Der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis 2023 geht an das Projekt „Neue Ufer Überlingen“ vom Büro relais Landschaftsarchitekten. Außerdem gab es Auszeichnungen in neun weiteren Kategorien. Welche Projekte und Büros die Auszeichnungen erhielten und was die Planer*innen von relais Landschaftsarchitekten in Überlingen umsetzten, lesen Sie hier.


Ein erster Preis und neun Auszeichnungen

Am 21. April 2023 entschied die Preisgerichtssitzung über den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2023. Der erste Preis geht an das Projekt „Neue Ufer Überlingen“ von relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB. Die vom bdla einberufenen Preisrichter*innen sichteten unter Leitung von Ute Aufmkolk die nominierten Arbeiten. Neben dem ersten Preis vergaben sie auch Auszeichnungen in neun Kategorien. Die Auszeichnungen in den folgenden Kategorien gingen an:

  • Kategorie Öffentlicher Raum als Zentrum: Marktplatz und Lammegarten, Bad Salzdetfurth; Entwurfsverfasser*innen: POLA Landschaftsarchitekten GmbH
  • Kategorie Wohnumfeld: Prinz-Eugen-Park, München; Entwurfsverfasser*innen: liebald + aufermann landschaftsarchitekten und stadtplaner PartGmbB
  • Kategorie Pflanzenverwendung: Planten un Blomen, Dag-Hammarskjöld-Platz, Hamburg; Entwurfsverfasser*innen: POLA Landschaftsarchitekten GmbH
  • Kategorie Junge Landschaftsarchitektur: Brettspiel, Bochum; Entwurfsverfasser*innen: SOWATORINI Landschaft
  • Kategorie Landschafts- und Stadtentwicklung: Waller Sand, Bremen; Entwurfsverfasser*innen: A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH
  • Kategorie Historische Anlagen: Brutalism reloaded. Gustav-Mahler-Treppe, Kassel; Entwurfsverfasser*innen: LOMA architecture . landscape . urbanism mit Riehl Bauermann + Partner Landschaftsarchitekten
  • Kategorie Landschaftsarchitektur im Detail: Hafenumfeld Bad Karlshafen; Entwurfsverfasser*innen: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt
  • Kategorie Grün-blaue Infrastruktur: Gartenschau Eppingen 2022; Entwurfsverfasser*innen: PLANORAMA Landschaftsarchitektur
  • Kategorie Reifeprüfung – Projekte, 20 Jahre und älter: Landschaftspark Duisburg-Nord, Duisburg; Entwurfsverfasser*innen: Prof. em. o.e. Peter Latz, LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung

Die Ehrung zum Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2023 wird am 15. September 2023 im Rahmen einer abendlichen Festveranstaltung in Berlin stattfinden. Bis dahin sind die Ergebnisse bereits auf der Website des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises zu sehen.

Das preisgekrönte Projekt gestaltet einen früheren Gewerberaum am Ufer des Bodensees um. Bildquelle: ©Hanns Joosten
Das preisgekrönte Projekt gestaltet einen früheren Gewerberaum am Ufer des Bodensees um. Bildquelle: ©Hanns Joosten

Kulturlandschaftliche Perspektive

Der sechs Hektar große Uferpark zwischen Bahngleisen und Bodensee stellt eine Neugestaltung dar. Früher befanden sich auf dem Areal in bester Uferlage vor allem Gewerbe und Parkplätze. Marianne Mommsen, federführende Leitung des Projektes, beschrieb den Entwurf für „Neue Ufer Überlingen“ als kulturlandschaftliche Perspektive. Uferpark und urbane Promenade stellen dabei Gegenpole dar, die das Ufer auf einer Strecke von 2,5 Kilometern neu definieren sollen.

Das Büro relais Landschaftsarchitekten hat sich mit dem Projekt auf zukunftsweisende Themen wie Klimawandel, Artenvielfalt und die Entwicklung von Ökosystemen konzentriert. Der Park ist landschaftsbezogen, während die Promenade historische Stadtstrukturen inszeniert. Durch diese behutsamen neuen Akzente sollen Stadt- und Uferraum hervorgehoben werden.

Ökologie und Landschaftsgenuss stehen bei „Neue Ufer Überlingen“ im Vordergrund. Das Konzept setzt auf Synergien, um im schmal zugeschnittenen Park sowohl Freiraumnutzung als auch ökologische Aspekte zu beachten. So ist ein strukturreicher Landschaftsraum entstanden.

Anstelle der früheren Ufermauer gibt es nun eine bewegte Ufertopographie mit steilen und flacheren Bereichen. Die neue Wechselwasserzone fördert den dynamischen Austausch zwischen Wasser und Land. Bei Hochwasser erhält der See mehr Raum, während die ortsspezifische ökologische Entwicklung gefördert wird. Und zugleich bietet der Park Raum für Erkundung und spielerische Aneignung.

Mit einer Kombination aus Uferpark und urbaner Promenade schafft relais zwei Gegenpole. Bildquelle: ©Hanns Joosten
Mit einer Kombination aus Uferpark und urbaner Promenade schafft relais zwei Gegenpole. Bildquelle: ©Hanns Joosten

Neuentdeckung von Vertrautem

Mit „Neue Ufer Überlingen“ möchten die Landschaftsarchitekt*innen von relais dazu einladen, vertraute Räume neu zu entdecken. Auch das Bepflanzungskonzept folgt diesem Ziel. Dafür haben die Architekt*innen die klassische Ästhetik des Parks mit Elementen einer Kulturlandschaft kombiniert. Das Ergebnis ist ein besonderes Erscheinungsbild mit verschiedenen Strauchpflanzungen, die die wärmeliebenden Gebüsche der Steilufer am Bodensee aufgreifen. Hinzu kommen Schmuckgehölze, Strandrasen und weitere Arten, die früher am Bodensee verbreitet waren.

Dank der gewonnenen ökologischen Vielfalt entsteht ein abwechslungsreiches Parkerlebnis, das die landschaftliche Situation des Bodenseeufers unterstreicht. Laut relais soll dieses Konzept „dem Unkontrollierbaren als gestalterisches Mittel einen konkreten Stellenwert für das Parkerlebnis“ verleihen.

Der Uferpark und die Promenade am historischen Stadtzentrum von Überlingen wurden im Rahmen der Landesgartenschau Überlingen 2021 realisiert. Mehr über die Landesgartenschau lesen Sie hier.

Der Uferpark ist mit für den Bodensee typischen Arten bepflanzt und unterstützt das Stadtklima. Bildquelle: ©Hanns Joosten
Der Uferpark ist mit für den Bodensee typischen Arten bepflanzt und unterstützt das Stadtklima. Bildquelle: ©Hanns Joosten

Gelungener Umgang mit der Ressource Landschaft

Beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2023 handelt es sich bereits um den 16. Wettbewerb seit der ersten Auslobung im Jahr 1993. Der Preis befasst sich mit einer sozial und ökologisch orientierten Siedlungs- und Landschaftsentwicklung sowie mit einer zeitgemäßen Freiraumplanung. Ökologische, soziale und ökonomische Maßnahmen sind nötig, um die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen.

Daher würdigt der Deutsche Landschaftsarchitektur-Preis viel mehr als nur schöne Landschaften: Es geht um Projekte, die sich dem fortschreitenden Klimawandel, der zunehmenden Ressourcenknappheit und dem Verlust der Artenvielfalt widmen. Vorhandene Infrastrukturen, die angepasst werden, sowie sozial bewusste Projekte haben dabei gute Chancen. Insgesamt möchte der Wettbewerb ein grundsätzliches Umdenken und visionäres Handeln auf allen Planungsebenen fördern, um die Entwicklung klimaresilienter Freiräume und Landschaften zu ermöglichen.

„Neue Ufer Überlingen“ zeigt, wie sich auch auf knappem Raum ein gelungener Umgang mit der Ressource Landschaft realisierten lässt. Der Uferpark ist ein Beispiel für einen gut gestalteten Freiraum, der lokale Ökosysteme unterstützt, das Stadtklima angesichts des Klimawandels fördert, und die Biodiversität in den Fokus stellt. Darüber hinaus handelt es sich um einen gelungenen und beliebten öffentlichen Freiraum.

Der erste Preis im Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2023 ist bereits die zweite wichtige Auszeichnung für das Projekt „Neue Ufer Überlingen“. Im Jahr 2022 erhielt es auch den Baden-Württembergischen Landschaftsarchitekturpreis.

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