02.11.2022

Gesellschaft

Deutschland 2050 – Buchrezension

von Jie Wang
Deutschland 2050 Cover © Kiepenheuer & Witsch
Deutschland 2050, Cover: Kiepenheuer & Witsch

Warum nehmen die meisten Menschen den Klimawandel als zeitlich und räumlich weit von ihnen entfernt wahr? Dieses Phänomen lässt sich durch „psychologische Distanz“ erklären. In dem dokumentarischen Buch „Deutschland 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ zeigen die deutschen Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud, dass der Klimawandel im menschlichen Leben allgegenwärtig ist und unbemerkt alles verändert.

Deutschland 2050 – Die Zeit als Spiegel

In den letzten 30 Jahren hat die Umweltverschmutzung zu erheblichen Veränderungen der Lebensweise geführt. Obwohl Deutschland und die Welt daran arbeiten, die Schadstoffe zu reduzieren, werden die angesammelten Treibhausgase die Lufttemperatur erhöhen. Mit der Zeit als Spiegel nehmen die Autoren die Leser*innen in diesem 374 Seiten umfassenden, bildfreien Buch mit auf eine Reise durch die kommenden 30 Jahre.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wird die Durchschnittstemperatur bis 2050 um mindestens zwei Grad Celsius ansteigen. Die Art und Weise, wie die Menschen in Deutschland leben, arbeiten, sich erholen und reisen, wird sich verändern. Die Menschen werden zudem mit neuen Viren kämpfen und zurechtkommen müssen. Naturkatastrophen werden häufiger vorkommen und Flora und Fauna werden gefährdet sein. Auch Städte und Landschaften werden ihr Gesicht verändern. Das Buch zeigt, dass die Reaktionen der Menschen auf historischen Erfahrungen beruhen. Währenddessen stellt der Klimawandel ein völliges Versagen des erworbenen Wissens dar. Daher wird dieser die Zukunft noch mehr gefährden.

Psychologische Perspektive

Das Buch ist keine Science-Fiction, sondern eine Dokumentation über die durch den Klimawandel verursachten Katastrophen der Vergangenheit. Das breite Publikum machte es sofort zu einem Bestseller, denn ein jeder fragt sich, was das Morgen bringen wird. Die Autoren nutzen die Gelegenheit, das Wissen über viele relevante Themen zu popularisieren. Dabei betonen sie auf subtile Weise das Klima als den wichtigsten Einflussfaktor. In ihrem vorherigen Buch, „Wir Klimaretter“ (2007), schlugen die Autoren praktische Maßnahmen vor, um die Hälfte der Kohlenstoffemissionen bis 2020 zu reduzieren. Leider hat die Realität ihre Erwartungen nicht erfüllt. In diesem neuen Buch wählen die Autoren daher einen neuen Ansatz aus einer psychologischen Perspektive, anstatt den Menschen vorzuschreiben, was sie tun sollen.

Inhalt

Durch die Nennung von Zahlen und Fakten machen die Autoren den Menschen den Klimawandel bewusst. Zudem nehmen sie ihnen die Angst, damit die sogenannte „psychologische Distanz“ verringert werden kann. Zahlreiche Aspekte sind für die Zukunft eines Landes relevant: Mensch und Natur, Stadtbild, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Das kategorisierte Inhaltsverzeichnis ermöglicht es dem*der Leser*in, auf einen Blick die Themen zu finden, die ihn am meisten interessieren. Die negativen Fakten im Buch sind verblüffend. Sicher ist auf jeden Fall, dass die Temperaturen steigen werden. Neben der physischen Gesundheit und der sozialen Sicherheit sollten auch psychologische Aspekte stärker berücksichtigt werden. Dies soll die Menschen dazu befähigen, sich den Veränderungen und Gefahren zu stellen.

Dieses Buch ist prophetisch und mahnend zugleich. Es wird Fachleuten aus so unterschiedlichen Bereichen wie Architektur, Industrie- und Produktdesign, Unternehmensinvestitionen und politischen Initiativen zweifellos Einblicke in künftige Herausforderungen bieten. Vor allem Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen sollten sich Gedanken darüber machen, wie Städte der Zukunft angesichts der Entwicklung von Flüssen und Wäldern, der Nutzung neuer Energieressourcen, der Veränderungen im Verkehrswesen und in den Lebensgewohnheiten der Bevölkerung aussehen sollten.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Passend zum Thema beschäftigt sich auch Elke Mertens Buch „Die Resisliente Stadt“ mit dem Klimawandel – und damit, welche Rolle dabei die Landschaftsarchitektur spielt.

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