DGGL-Kulturpreis 2019

„Wächst der Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft, oder schrumpft er?“ Diese Frage stand am Anfang der Verleihung des Kulturpreises 2019 „Bürgerschaftliches Engagement für Gärten, Parks und Plätze“, zu der die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, DGGL e.V., am 6. April 2019 in das Allianz Umweltforum in Berlin geladen hatte.

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Alle Preisträger des diesjährigen DGGL-Kulturpreises (Foto: Ute C. Bauer)

 

60 Projekte hatten sich beworben und damit demonstriert, dass sich in Deutschland viele Menschen für Parks, Gärten und Plätze als kulturelles Lebensumfeld und als Orte der Begegnung engagieren. Die Spannbreite der eingereichten Projekte überraschte und zeigte einmal mehr, dass bürgerschaftliches Engagement in unserer heutigen Gesellschaft tief verankert ist. Die drei Preise und vier Anerkennungen machen deutlich, dass, egal ob es sich um klassische oder neue Formen des Engagements handelt, man die Spielräume der Zivilgesellschaft immer wieder neu ausgelotet muss. Um Spielräume zu erweitern, brauchen die Akteure oft einen sehr langen Atem, besondere Fähigkeiten, eine größere Bürgerschaft zu aktivieren und zu begeistern, und zudem das Wohlwollen der politisch Verantwortlichen.

Preise

Diesen langen Atem haben unter anderem zwei der Preisträger bewiesen: Das Münchner Architektenpaar Petra Lejeune-Grub und Hermann Grub setzt sich seit neun Jahren für eine Tunnellösung zur „Wiedervereinigung“ des Englischen Gartens ein. Mit ihrem Engagement haben sie die Münchner Bürgerschaft ebenso wie die politisch Verantwortlichen von dem Vorhaben überzeugt.

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DGGL-Kulturpreis für das Ehepaar Grub Le Jeune für Ihren Einsatz den Englischen Garten durch einen Tunnel "wiederzuvereinen“. Von links nach rechts: Dr. Markus Söder (Bayerischer Ministerpräsident), Ehepaar Grubs, Dr. Ludwig Spaenle (damaliger Bayerischer Kultusminister), Dr. Lutz Spandau (Vorstand Allianz Umweltstiftung), Robert Brannekämper (Bayerischer Landtagsabgeordneter). (Foto: Alfred Müller)

 

Der Preis für „klassisches bürgerschaftliches Engagement“ erhielten die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins Seifersdorfer Thal e.V.. Sie pflegen und entwickeln nunmehr seit 1981 den gleichnamigen Englischen Landschaftsgarten bei Dresden. Dabei fühlen sie sich nicht nur der Gartendenkmalpflege verpflichtet, sondern setzen sich auch für die Landschaftspflege und den Naturschutz im Seifersdorfer Tal und dem angrenzenden Landschaftsraum ein.

Den Kulturpreis für „Naturschutz und Nachhaltigkeit“ erhielt der Stadtparkverein Hamburg e.V. für das Projekt „ökologischer Park“. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist es, ökologische und denkmalpflegerische Belange in einem der größten deutschen Volksparks aufeinander abzustimmen. Das Bemühen, oft widerstreitende Ansprüche auszugleichen und dadurch eine zeitgemäße Entwicklung der Parkanlage voranzutreiben, galt der Jury als beispielhaft für einen integrativen Umgang mit den konkurrierenden Ansprüchen, die besonders an innerstädtische Grünräume in Zeiten von Nachverdichtung und Klimawandel gestellt werden.

Anerkennungen

Die erste Anerkennung ging an die „Hannover Voids“, einen Verein, der sich gerade in der Gründung befindet. Die DGGL zeichnete den innovativen Ansatz der Gruppe von Studierenden, die mit Installationen, Performances und vielen anderen Aktionen freie Räume in der Innenstadt „bespielen“ aus. Mit ihrem Engagement wollen Hannover Voids unbeachtete Orte als Möglichkeitsräume sichtbar machen und sie gemeinsam mit anderen lebenswerter gestalten.

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Der Verein "Hannover Voids" erhielt eine Anerkennung. Hier abgebildet ist eine Aktion, mit der die Mitglieder auf die Raumpotentiale von Parklücken hinweisen wollten. (Foto: Hannover Voids)

 

Das Interesse an und die Wertschätzung für die Herrenhäuser Gärten zu steigern, ist das Anliegen der Garten Lotsen aus Hannover. Dafür stehen die ehrenamtlich arbeitenden „Herrenhausen-Fans“ – alle haben vorab eine fachliche Schulung  durchlaufen – seit mehreren Jahren an den Wochenenden im Großen Garten für das Publikum bereit. Interessierten Besuchern beantworten sie Fragen zum Gartendenkmal oder geben praktische Tipps zum Aufenthalt. Sie erhielten eine  Anerkennung für ihre „besondere Vermittlungsstrategie“.

Mit der dritten Anerkennung wurde die „differenzierte Pflanzenverwendung“ der ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft Kloster Kamp gewürdigt. In dem seit 2012 geöffneten duftenden und blühenden Kräutergarten bilden insbesondere Würz- und Heilkräuter das Gerüst der Pflanzung. 2016 wurde der Garten in einem bundesweiten Wettbewerb bereits zum einem der „50 schönsten Gärten 2016“ gekürt.

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Die ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaft Kräutergarten Kloster Kamp erhielt eine Auszeichnung für ihre differenzierte Pflanzenverwendung. (Foto: Kräutergarten Kloster Kamp)

 

Last but not least erhielt der Förderverein historische Parkanlagen Wuppertal eine Anerkennung für den Aufbau seiner lokalen „umfassenden Netzwerkstruktur“. Der Verein engagiert sich seit 2004 für „Wuppertals grüne Anlagen“. Unter anderem veranstalten die Mitglieder Vorträge und Führungen, unterhalten eine umfassende Website mit Informationen zu grünen Orten in und um Wuppertal und unterstützen die denkmalgerechte Wiederherstellung von Gartendenkmalen.

Autorin:

Dr. Anne Haß-Wiegand promovierte an der Uni Kassel.  Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschichte und Struktur der Umweltwissenschaften, Ideengeschichte der Natur und Wissenschaftstheorie der Interdisziplinarität. Seit acht Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich als Patin bei Amsoc – Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern.