Die mit der Zeit spielen

Konversion ist Mannheims großes Thema: Dort werden fünf Millionen Quadratmeter ehemaliges US-Militärgelände in zivile Stadtareale umgewandelt, in denen sich Wohnen, Kultur und Gewerbe vermischen. Dass Wandel auch anders aussehen kann, spontaner, ungezwungener und innovativer als vielerorts, zeigt Yalla Yalla! – Studio for Change. Das junge Mannheimer Planungsbüro macht mit temporärer Architektur, Zwischennutzungen und urbanen Interventionen Chancen des Wandels im Kleinen sichtbar und gibt dem öffentlichen Raum Impulse und Optionen.

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Robin Lang und Wulf Kramer (Foto: Yalla Yalla Studio)

Yalla Yalla! ist arabisch und bedeutet „Auf geht’s!“. Tatendrang und Lust aufs Machen – beides ist für Robin Lang und Wulf Kramer Programm. Ihr Büro im Mannheimer Szeneviertel Jungbusch liegt im C-Hub, einem Kreativ-Wirtschaftszentrum, das den Esprit der Stadt und auch ihren eigenen atmet: initiieren und partizipieren. Yalla Yalla! steht für Aufbruch, Engagement und Veränderung. Die zwei Planer und studierten Architekten begeistern sich für den urbanen und gesellschaftlichen Wandel und entwickeln neue, kreative Möglichkeiten, den städtischen Raum zu nutzen und weiterzuentwickeln.„Urbane Räume müssen in Zukunft anders genutzt werden“, so Wulf Kramer.

„Wir müssen weg von einer reinen Autostadt. Parkplätze werden etwa nur zu einem Teil des Tages genutzt. Hier muss man umdenken“, erklärt er weiter. Yalla Yalla! will den Freiraum aufwerten, neu programmieren, will Flächen Optionen bieten. Ihr zentrales Thema ist temporäres Bauen. „Temporäre Architektur bietet die Möglichkeit zur Partizipation, Identikation, zur positiven Wahrnehmung der Stadt“, so Kramer. Im Zuge der Konversion wird sich Mannheims urbaner Freiraum in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Da braucht es kreative Köpfe, die mit ihren Projekten der Stadt, ihren Akteuren und Einwohnern Denkanstöße geben.

Temporäre Architektur für Nachhaltige Stadtentwicklung

Wie kreativ und visionär die beiden Raumpioniere sein können, zeigten sie beim Festival „Theater der Welt“, das 2014 in Mannheim Station machte. Im Vorfeld des Festivals nahmen sie an dem Projektwettbewerb „Hotel shabbyshabby“ teil und realisierten als eines der Gewinnerteams ein temporäres Hotelprojekt im öffentlichen städtischen Raum Mannheims. „Unsere Hoteleinheit Collini Bay Resort bestand aus drei Lodges, gefertigt aus Europaletten, und lag direkt am Neckarstrand“, berichtet Robin Lang. Theaterschauspieler und -besucher residierten während des Festivals im Hotel. Ziel war es, eine neue Perspektive auf die Stadt einzunehmen und einer nicht genutzten Fläche eine temporäre Nutzung anzuvertrauen.

Für Lang und Kramer sind temporäre Bauten und Zwischennutzungen die Basis für eine langfristige und nachhaltige Stadtentwicklung. „Pop-up-Architektur und Zwischennutzungen machen niemandem Angst. Sie inspirieren, haben das Potenzial, Mut für große Veränderungen im städtischen Raum zuzulassen“, so der Architekt. Gute Stadtplanung braucht Zeit, muss die Meinungen aller relevanten Akteure und der Zivilgesellschaft berücksichtigen und Partizipation ermöglichen. Gerade im Zuge dieses Prozesses bieten Zwischennutzungen und temporäre Baulösungen die Chance, eine neue, kreative Freiraum- und Baukultur entstehen zu lassen.