Die Rückkehr des Menschen

Sie haben es bestimmt schon gehört: Teilen ist das neue Besitzen. So schnörkellos sich das liest, so weitreichend ist, was der Gedanke, der seit geraumer Zeit Geschäftsmodelle wie Carsharing und Couchsurfing beflügelt, impliziert: einen Verweis auf den Wandel in unserem Verhältnis zu Haben und Nicht-Haben. Das Sich-etwas-leisten-können und das Etwas-sein-Eigen-nennen-können entscheidet nicht mehr in gleichem Maße über gesellschaftliche Anerkennung, wie es lange der Fall war. Dann leihe ich mir eben ein Auto. Und? Das zeigt auch: Viele von uns sind entspannter, wenn es um Statussymbole geht, das Recht des – hier finanziell – Stärkeren erfährt ganz offensichtlich mindestens eine Abschwächung. An seine Stelle treten Erwägungen, die auch das große Ganze, ökologische Aspekte, Nachhaltigkeit referenzieren. Mancher wird einwenden, das sei nur eine Modeerscheinung. Vieles aber deutet darauf hin, dass wir es mit einem Paradigmenwechsel zu tun haben.

Interessant wird es, wenn wir uns fragen, wie das zu unseren Städten passt. Auch in der Stadt- und Verkehrsplanung galt lange fraglos und mit unausgesprochener Selbstverständlichkeit das Vor-Recht des Stärkeren – des Autos. Infrastruktur und Freiraum gruppierten sich wohlfeil um seine Belange, die seiner Fahrer und derer, die vom Autoverkehr profitieren. Das ändert sich. Die Verschiebung der Machtverhältnisse im Stadtraum ist in Metropolen ebenso wie in Kleinstädten Thema und wird dort auch schon mit Nachdruck betrieben. Nicht mehr nur möglichst viele Parkplätze oder Straßen entscheiden, wie (ökonomisch) wertvoll ein Stadtraum ist. Der Lebens-Wert für den Stadtbewohner und der Mensch, sein Tempo, sein Maßstab werden nicht nur wichtiger, sondern zum Dreh- und Angelpunkt der Diskussion. Etwa in New York, wo auch mit Hilfe von Jan Gehl Teile des Times Square vom Autoverkehr befreit und auf für viele undenkbare Weise transformiert wurden.

Dieses eine plakative Beispiel reicht aus, um zu verstehen: Straßen stehen früher oder später wieder als Freiraum zur Debatte. Grund genug für ein Landschaftsarchitekturmagazin, nachzufragen, welche Spielarten die Rückkehr des Menschen als machtvoller an Stadt und Stadtverkehr teilnehmender Akteur haben kann – und welche interessengesteuerte Plattentektonik sie nach sich zieht. Nicht-motorisierte Bewegung, Bewegung aus eigener Kraft spielt hier eine wichtige Rolle: Wir blicken in der aktuellen Ausgabe nach Groningen, London und Berlin, wo man genau hier ansetzt und intensiv über Konzepte einer Fahrradinfrastruktur nachdenkt. Das Motto ist überall das gleiche: Wenn sich der Mensch sicher aus eigener Kraft in der Stadt bewegen kann, ist er gesünder. Und mit ihm auf lange Sicht auch die Stadt. Mit allen wirtschaftlichen Implikationen.

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Zum Tod von Hans Luz

Am 9. April ist der Garten- und Landschaftsarchitekt Hans Luz mit knapp 90 Jahren verstorben. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war zeitlebens seine Heimatstadt Stuttgart. Nach einer Lehre als Landschaftsgärtner folgte von 1953 bis 1955 die Weiterbildung zum Gartenarchitekten bei Otto Valentien. 1956 tritt Hans Luz in die Fußstapfen seines Vaters, Karl Luz, und wird freischaffender Landschaftsarchitekt.

Seinen ersten öffentlichen Auftrag erhielt er 1961 im Zuge der Bundesgartenschau in Stuttgart womit er den Schwerpunkt seiner Arbeit vom Privatgarten in den öffentlichen Freiraum verlagerte. Außenanlagen von Wohnsiedlungen, Hochschulen und Krankenhäusern zählten in den Folgejahren ebenso zu seinen Projekten wie Friedhöfe und Stadtgärten. Das Grüne U in Stuttgart aber ist zweifelsohne eines seiner bekanntesten Werke: Das verknüpfende Parkband in Form eines „U“ entstand anlässlich der IGA 1993 und erstreckt sich über acht Kilometer von den Schlossgärten bis zum Höhenpark Killesberg und fand 2012 mit der Grünen Fuge seinen Abschluss.

Für sein Gesamtwerk erhielt Hans Luz 1993 den ersten Landschaftsarchitektur-Preis des BDLA, 1997 folgte die Auszeichnung mit dem­ Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring. 1998 wurde Luz+Partner zu Luz Landschaftsarchitektur, das Büro wird inzwischen von seinem Sohn Christof Luz geleitet.

Ein Denkmal für Euthanasie-Opfer

70 Jahre nach den sogenannten Euthanasie-Morden der Nationalsozialisten wird es nun endlich einen würdigen Gedenk- und Informationsort in Berlin geben. Bei der “Aktion T4” (benannt nach der Adresse der damaligen Planungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen durch SS-Ärzte und Pflegekräfte ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Taten als Euthanasiemorde bezeichnet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architektin Ursula Wilms, dea Konzeptkünstlers Nikolaus Koliusis aus Stuttgart und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann aus Aachen hat nach der Juryentscheidung vom 23. November mit ihrem Konzept den 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs gewonnen.

Mit einer 31 Meter langen und 3,10 Meter hohen transparenten und hellblau eingefärbten Glaswand möchte die Arbeitsgemeinschaft auf einer schiefen Fläche aus anthrazitfarbenen Betonplatten an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern. Eine 40 Meter lange Sitzbank verbindet die Tiergartenstraße mit dem Denkmal. Die nach Westen ausgerichtete, schräg gestellte Betonwand dient als Grundkonstruktion für ein durchlaufendes Informationspult in 13 Elementen. Dieses soll Opferbiographien beispielhaft präsentieren und 13 Medienstationen aufnehmen.

Das Preisgericht hob hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich  nicht aufdränge und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setze.
Den Wettbewerb „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‘Euthanasie’-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ hatten das Land Berlin und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobt. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000 Euro stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung. Am 10. November 2011 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, auf dem historischen Areal der Berliner Tiergartenstraße 4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde” zu errichten.
Der zweite Preis ging an Yves Dreier von Dreier Frenzel Architektur + Kommunikation aus Lausanne, die Künstlerin Susanne Muller und k1 Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin.