04.07.2016

Event

Cities Initiative Forum Connective Spaces in Berlin: Bl­ur­red Li­nes

Chefredakteurin des Topos-Magazins

Cities Initiative Forum Connective Spaces

Was macht den städtischen Raum zugänglich? Welches sind die Schlüssel, um zu gewährleisten, dass sich Bewohner und Besucher ihn gleichermaßen zu eigen machen und ihn nutzen? Wie kann grüne Infrastruktur die größtmögliche Offenheit des öffentlichen Raums fördern? Und schließlich: Was können technische Innovationen dazu beitragen, Städte in wirklich integrative Orte zu verwandeln? Das Cities Initiative Forum Connective Spaces, das von Topos, der deutschen Architekturzeitschrift Baumeister und dem Beleuchtungsspezialisten Schréder veranstaltet wurde, ging diesen entscheidenden Fragen nach und löste lebhafte Debatten zwischen vier Teilnehmern mit sehr unterschiedlichem Hintergrund aus: dem Landschaftsarchitekten Leonard Grosch, dem Architekten Jan Liesegang, der akademischen Expertin Undine Giseke und dem Schréder-Topmanager Ernst Smolka. In einem Punkt waren sie sich jedoch einig: Der Erfolg der Städte der Zukunft hängt davon ab, inwieweit die bestehenden Berufe, genauer gesagt die in ihnen tätigen Fachleute, in der Lage sind, die Grenzen ihrer Disziplinen und Denkweisen zu überschreiten.

Das Forum, das im Rahmen der diesjährigen Metropolitan Solutions Konferenz in Berlin stattfand, ist Teil der “Baumeister Topos Cities Initiative”: Sie wurde 2015 ins Leben gerufen und beleuchtet in Veranstaltungen und Publikationen eine Vielzahl von Aspekten der Stadtgestaltung, Stadtplanung und -entwicklung. Im Jahr 2016 steht das Thema Konnektivität im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Initiative. Wenn es um verbindende Räume und die Vernetzung von Menschen geht, denkt man zunächst an die technische Infrastruktur. Dr. Ernst Smolka, Geschäftsführer der Schréder GmbH, zeigte auf, wie neue modulare Technologien wie Schréders “Shuffle” einen Wandel in der Wahrnehmung von Lichtlösungen im urbanen Kontext anstoßen können: Die Leuchte funktioniert nicht mehr nur als Werkzeug zur Beleuchtung eines Raumes. Stattdessen wird sie zu einem komplexen interaktiven Instrument, das eine Vielzahl unterschiedlichster Funktionen integriert, die den Ansprüchen gerecht werden, die die Bürger von heute zunehmend an den öffentlichen Raum und seine Infrastruktur stellen werden. Der Zugang zu öffentlichem WLAN, die Bereitstellung von Strom und die Verfügbarkeit als Sicherheitseinrichtung sind nur drei Beispiele. Es ist daher nicht verwunderlich, dass den Leuchttürmen der Zukunft große Aufmerksamkeit gewidmet wird und dass sie in der Lage sind, die von den Stadtbewohnern geforderten Ressourcen und Dienstleistungen zu erbringen.

In der Tat ist Infrastruktur nur ein Aspekt, unter dem das Konzept der Konnektivität betrachtet werden kann. Leonard Grosch, Partner bei Atelier Loidl Landschaftsarchitektur, Berlin, erläuterte, wie moderne Großstadtparks wie der Park am Gleisdreieck in Berlin von Atelier Loidl auf subtile, moderne und zeitgemäße Weise Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hintergründe zusammenbringen wollen – und wie dieses zentrale Ziel einen Gestalter bei der Planung beeinflusst. Er betonte, dass der aufwändige partizipative Prozess, der der Planungsphase für das Gleisdreieck vorausging und sie begleitete, es den Landschaftsarchitekten ermöglichte, besser zu verstehen, was dieser Raum, der ein Park werden sollte, für die Menschen tatsächlich bedeutet. Auch wenn die Diskussionen leicht in Detailfragen ausfransten und viele der Beteiligten an den romantischen Eisenbahnszenarien, die das Gleisdreieck einst prägten, festhielten, betonte Grosch, dass die Beteiligung von Bürgern und anderen Akteuren die Gestaltung eines Ortes maßgeblich zum Besseren verändern kann. Denn in diesem Prozess müssen Designer und Landschaftsarchitekten die Ansprüche der Bürger, die ästhetischen Qualitäten des Raums und sein Potenzial für die städtischen Verbindungen und das Umfeld in Einklang bringen.

Grenzen zwischen den berufen aufheben

Jan Liesegang, Architekt im Raumlabor Berlin, würde hier sicherlich zustimmen. Gemeinsam mit Undine Giseke, Professorin für Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung an der TU Berlin, diskutierte er die Frage, wann genau die Beteiligung in den Planungsprozess einfließen sollte. Beide betonten, dass ein frühzeitiger Einstieg das gegenseitige Verständnis und Vertrauen zwischen Planern und zukünftigen Nutzern fördert. Auf die Frage, ob die Bürgerinnen und Bürger heute bereit sind, räumliche Veränderungsprozesse aktiv zu unterstützen und zu beeinflussen, kamen Giseke und Liesegang zu demselben Ergebnis: Die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich zu beteiligen, ist größer als je zuvor. In der Tat sind Liesegang und Giseke der Meinung, dass Architekten und Landschaftsarchitekten so eng wie möglich mit Herstellern und Baufirmen zusammenarbeiten sollten, die verbindende Lösungen entwickeln. Nicht nur, um adäquate Produkte für solche Lösungen zu finden, sondern auch, um deren Auswirkungen auf die Stadtkultur kurz- und langfristig abzuschätzen. Liesegang, Giseke, Grosch und Smolka teilen die Überzeugung, dass die Stadt der Zukunft umso integrativer wird, je mehr Fachleute die Grenzen zwischen ihren Berufsfeldern aufheben und stattdessen den Weg frei machen für neue Kombinationen von Know-how und Kreativität. Und umso mehr Menschen werden von dieser Entwicklung profitieren.

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