Wie digital sind deutsche Städte?

Vor ein paar Jahren als Katalysator technischer Entwicklung gefeiert, heute als Klimakiller verschrien. Die Digitalisierung stellt uns als Gesell­schaft vor Herausforderungen. Wir untersuchen anhand der Themen Mobilität, Energie, Umwelt und Governance, wie digital unsere Städte heute tatsächlich sind, und diskutieren die neuesten Digitalstrategien – darunter auch die der Stadt Hamburg. Das Editorial der G+L 04 von Theresa Ramisch. 

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Wie vermutlich viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, arbeiten auch wir diese Tage von zu Hause aus. Im Zuge der Corona-Krise sind sämtliche Redaktionen der Georg Media, zu der auch die G+L gehört, binnen eines Tages ins Homeoffice gezogen. Dass das so reibungslos möglich war, verdanken wir rigorosen Digitalisierungsmaßnahmen, die letztes Jahr in unserem Haus vorgenommen wurden. Aber ehrlich gestanden: Der Weg dorthin hat uns Redakteure einige Nerven gekostet. Serverprobleme, unstetes Internet, neue Softwareprogramme – Digitalisierung ist vieles, aber definitiv nicht leicht auszuhalten.

Davon können auch unsere Stadtverwaltungen ein Lied singen. Viele deutsche Kommunen stellen sich seit geraumer Zeit den komplexen Herausforderungen der Digitalisierung – und das auf sämtlichen Ebenen. Gelingen tut ihnen das unterschiedlich gut. Das bestätigt der SMART CITY INDEX 2019 von Bitkom. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. veröffentlichte vergangenen Herbst ein Digitalranking, das die 81 größten Städte Deutschlands in den Kategorien Verwaltung, IT- und Telekommunikations-Infrastruktur, Energie und Umwelt, Mobilität, Gesellschaft auf ihre „Smartness“ bewertet. Im vorliegenden Heft diskutieren wir ab Seite 18 die Ergebnisse und stellen dabei auch die Frage, welche Bedeutung wir Städterankings tatsächlich beimessen dürfen.

Digitalstrategien – nicht nur in Großstädten

Gleichzeitig waren wir bemüht, in diesem Heft nicht nur die Metropolen zum Thema zu machen. Digitalisierung ist nicht allein Sache der Großstädte. Das beweist Lemgo. Seit zwei Jahren betreibt das Fraunhofer IOSB-INA in der nordrhein-westfälischen Mittelstadt Lemgo das sogenannte IOT-REALLABOR LEMGO DIGITAL und entwickelt hier digitale Transformationsprozesse für Klein- und Mittelstädte.

Die aktuelle Pandemie führt uns die Bedeutung der Digitalisierung für unsere Gesellschaft vor Augen. Selten waren mobile Endgeräte wichtiger als im Corona-Isolations-Alltag – um auf dem Laufenden zu bleiben, um arbeiten zu können oder um Familie und Freunde kontaktieren zu können. Unsere Autorin Katja Deutsch stellt in ihrem Artikel zur Hamburger Digitalstrategie gar die These auf, dass es im Zuge der Corona-Krise selbst Digitalisierungs-Zögerern oder -Ablehnern nicht mehr möglich sein wird, die Vorteile der Digitalisierung zu leugnen. Entwickelt sich COVID-19 folglich zum Digitalisierungs-Beschleuniger? Und wenn dem so wäre, wäre das so schlecht?

Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund.