05.12.2023

Porträt

Dirk Schelhorn, ein Nachruf

von Bernd Schnabel
Bildbeschreibung: Ein lächelnder Mann in weißem Hemd vor grünem Hintergrund. Dirk Schelhorn war gelernter Bildhauer, machte sich als Landschaftsarchitekt selbstständig und führte bis 2020 sein Planungsbüro LS2. Foto: Sandra Escher
Dirk Schelhorn war gelernter Bildhauer, machte sich als Landschaftsarchitekt selbstständig und führte bis 2020 sein Planungsbüro LS2. Foto: Sandra Escher

Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn realisierte Spiel- und Bewegungsräume; die Beteiligung von Nutzer*innen – besonders von Kindern und Jugendlichen – war ihm ein großes Anliegen. Auch im Bereich der Stadtplanung war seine Expertise gefragt, so beim Masterplan für urbane Bewegungsräume Stuttgart. Anfang September ist Dirk Schelhorn nun verstorben. Ein Nachruf.


Fordernde und fördernde Freiräume und Spielräume schaffen

Das Büro LS2 trauert um seinen Geschäftspartner Landschaftsarchitekt Dipl.-Ing. Dirk Schelhorn. Der am 28. Februar 1956 geborene gelernte Bildhauer studierte in Berlin und machte sich dann als Landschaftsarchitekt in Frankfurt am Main selbständig. Sein Planungsbüro führte er bis zum Jahr 2020, bevor es Anfang 2021 in die Partnerschaftsgesellschaft LS2 Schelhorn, Lukowski, Schnabel überging. Bis zuletzt war er als Berater, Ideengeber und „Netzwerker“ für das Büro tätig.

Sein umfassendes Wissen zum Thema Bewegung und Spiel war enorm. Die Beteiligung und Einbindung von Nutzerinnen und Nutzern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen in Planungsprozesse waren ihm ein Herzensanliegen. Unzählige Partizipationsprozesse hat er angeleitet und moderiert und dabei die Kreativität und die Ästhetik nie aus den Augen verloren. „Haben Sie jemals ihrem Kind mindestens drei Stunden beim Spielen zugesehen, ohne einzugreifen?“ Das war eine seiner zentralen Fragen an Erwachsene, um die Bedürfnisse der Kinder in den Fokus zu rücken.

Bis an die Grenzen gehen, Herausforderungen bieten, fordernde und fördernde Freiräume und Spielräume schaffen, das konnte Dirk Schelhorn wie wenige andere. Denn Dirk war der Meinung: „Fallen lernt man nur durch Fallen“ und „Lebe wild und gefährlich“.


Bewegungsanlagen sollten immer auch Begegnungsanlagen sein

Beständig hat er die Idee von Spiel- und Bewegungsräumen weiterentwickelt und dabei etliche neue Spielgeräte und Spielstrukturen entworfen. Sein Knowhow war auch im Bereich der Stadtplanung gefragt. So hat er unter anderem am Masterplan für urbane Bewegungsräume Stuttgart erfolgreich mitgearbeitet. Darüber hinaus hat er, selbst „Extremsportler“ und Teilnehmer an Ultra-Bergläufen, sich intensiv mit der Verknüpfung der Themen Spiel und Sport befasst und sich als Autodidakt im Bereich Sportwissenschaften umfassende Kenntnisse angeeignet. Das führte ihn sogar als Referent auf einen Ärztekongress, bei dem er über Gesundheitsförderung durch Bewegung informierte.

Die Entwicklung des Konzepts für die „alla-hopp-Bewegungsanlagen“ der Dietmar-Hopp- Stiftung und die Erstellung von sechs der insgesamt 19 im Rhein-Neckar-Raum geschaffenen Anlagen waren Highlights seiner beruflichen Laufbahn. Die von ihm geplanten Bewegungsanlagen sollten immer auch Begegnungsanlagen sein. Attraktive Orte, an denen Menschen aller Altersgruppen zusammenkommen können.


Herzensprojekt Sport- und Bildungscampus Bürstadt

Am 22. September 2023 wurde der Sport- und Bildungscampus Bürstadt feierlich eröffnet. Seit 2015 hatte er gemeinsam mit der Bürgermeisterin Barbara Schader für dieses „Herzensprojekt“ und seine Realisierung gekämpft. Die Vision eines Sport- und Bildungscampus, nutzbar für alle Bürgerinnen und Bürger, konnte wohl kaum jemand so großartig in Worte fassen, überzeugend beschreiben und umsetzen wie Dirk Schelhorn.

Nur sechs Tage nach der Eröffnung, am 28. September 2023, starb Dirk Schelhorn nach schwerer Krankheit und hinterlässt fachlich, vor allem aber menschlich eine große Lücke. „Das geht nicht“, war ein Satz, der für Dirk nicht galt und der uns weiter bei der Fortführung seiner und unserer Arbeit begleiten wird. Wir haben einen außergewöhnlichen Menschen, Kollegen, Berater, Mentor und Vordenker verloren. Er war ein Macher, Gestalter, Ideengeber, Vorbild. Seine Tatkraft, seine mitreißende und begeisternde Art, sein grenzenloser Optimismus werden uns sehr fehlen.

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