Ein Denkmal für Euthanasie-Opfer

70 Jahre nach den sogenannten Euthanasie-Morden der Nationalsozialisten wird es nun endlich einen würdigen Gedenk- und Informationsort in Berlin geben. Bei der “Aktion T4” (benannt nach der Adresse der damaligen Planungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen durch SS-Ärzte und Pflegekräfte ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Taten als Euthanasiemorde bezeichnet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architektin Ursula Wilms, dea Konzeptkünstlers Nikolaus Koliusis aus Stuttgart und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann aus Aachen hat nach der Juryentscheidung vom 23. November mit ihrem Konzept den 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs gewonnen.

Mit einer 31 Meter langen und 3,10 Meter hohen transparenten und hellblau eingefärbten Glaswand möchte die Arbeitsgemeinschaft auf einer schiefen Fläche aus anthrazitfarbenen Betonplatten an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern. Eine 40 Meter lange Sitzbank verbindet die Tiergartenstraße mit dem Denkmal. Die nach Westen ausgerichtete, schräg gestellte Betonwand dient als Grundkonstruktion für ein durchlaufendes Informationspult in 13 Elementen. Dieses soll Opferbiographien beispielhaft präsentieren und 13 Medienstationen aufnehmen.

Das Preisgericht hob hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich  nicht aufdränge und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setze.
Den Wettbewerb „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‘Euthanasie’-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ hatten das Land Berlin und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobt. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000 Euro stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung. Am 10. November 2011 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, auf dem historischen Areal der Berliner Tiergartenstraße 4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde” zu errichten.
Der zweite Preis ging an Yves Dreier von Dreier Frenzel Architektur + Kommunikation aus Lausanne, die Künstlerin Susanne Muller und k1 Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin.

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Metropolitan Open Space – Freiräume in der wachsenden Stadt

manuel frauendorf fotografie | skyfilmberlin)

Weltweit stehen Metropolen – so auch Berlin – aktuell vor großen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf ein deutliches Bevölkerungswachstum.

Die sozialen, ästhetischen und ökologischen Qualitäten öffentlicher Räume wie Grünanlagen, Parks, Plätze, Sportflächen oder der Straßenraum prägen den Charakter einer Stadt und tragen maßgeblich zur Lebensqualität bei. Vor allem in wachsenden Städten wird der öffentliche Raum zum Verhandlungs- und Gestaltungsraum der Zukunft.

Die internationale Konferenz metropolitan open space – Freiräume in der wachsenden Stadt anlässlich der IGA Berlin 2017 widmet sich Fragen, die mit dieser Entwicklung einhergehen: Welche Bedeutung haben urbane Freiräume für nachhaltiges Wachstum? Welche Beiträge können Landschaftsarchitektur, Stadt- und Freiraumplanung sowie Gartenkultur leisten, wenn es darum geht, vor Ort Antworten auf globale Herausforderungen zu geben?

Neben einem Abendempfang (18. Mai), Vorträgen und Workshops (19. Mai) bietet die dreitägige Veranstaltung eine Besichtigung der IGA (20. Mai) und Projektexkursionen zu „Grünen Hot Spots“ in Berlin mit den Landschaftsarchitekten (21. Mai).

Veranstalter sind: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und die IGA Berlin 2017 GmbH. Kooperationspartner: Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla). Garten + Landschaft ist als Medienpartner dabei.

Weitere Informationen, Programm und Online-Anmeldung finden Sie hier.

Floriade Expo 2022
Foto: Floriade Expo 2022, Almere

Schon der Veranstaltungsort ist besonders. Die Floriade 2022 findet in Almere statt. Wo früher Wasser war, präsentieren die Niederlande in diesem Jahr Ideen für wachsende grüne Städte. Die Floriade Expo ist mehr als eine bunte Schau von Gärten. Hier wird thematisiert: Wie können unsere Städte trotz des Klimawandels lebenswerter, grüner und nachhaltiger werden? Alles was Sie zur Floriade wissen müssen lesen Sie hier. Mehr zum Konzept des Deutschen Pavillons vom studio grüngrau gibt es übrigens hier.

Auf sechzig Hektar Land bringt die Floriade 2022 vierzig inspirierende Länderpräsentationen, einen spektakulären Gewächshauskomplex und eine Seilbahn quer zusammen. Schon das macht die Veranstaltung zu einer der wichtigsten Gartenbauausstellungen der Welt. Seit den 1960er Jahren laden die Niederlande alle zehn Jahre zu einer Floriade ein. Jedes Mal an einem anderen Ort. In diesem Jahr ist die Stadt Almere an der Reihe. Sie bildet die Kulisse für eine zukunftsweisende, grüne Veranstaltung. Denn auf der Floriade Expo 2022 lautet das Motto: Growing Green Cities.

Growing Green Cities

Zum siebten Mal findet 2022 eine Floriade Expo in den Niederlanden statt. Dabei geht es nicht nur um Grün in und um Städte herum. Unter dem Motto Growing Green Cities präsentieren die Niederländer*innen ein Stück ihrer Auseinandersetzung mit klimaneutralen, grünen, gesunden, urbanen Strukturen. Die Floriade 2022 präsentiert dementsprechend neue Technologien, zukünftige Produkte und Lösungen für die globale Urbanisierung, für unsere Lebensmittelversorgung, Gesundheit und Energiegewinnung. In all diesen Bereichen sind Innovationen erforderlich, um unser Leben sicherer, gesünder und attraktiver zu machen. Von diesen innovativen Ideen präsentiert die Floriade 2022 zahlreiche. Sie alle fügen sich zu einer Entdeckungsreise zusammen, die die Besucher*innen herausfordert und dazu inspiriert, ein grüneres und bewussteres Leben zu führen.

Das breite Themenspektrum der Floriade Expo 2022 ist in folgende, vier Themenfeldern aufgeteilt: Greening the City, Feeding the City, Healthying the City und Energizing the City. Alle vier Themen tauchen nicht nur in den zahlreichen Pavillons und dem riesigen Gewächshauskomplex auf dem Gelände immer auf. Auf der Floriade Expo 2022 sind sie auch im Arboretum und dem reichen Kunst- und Kulturprogramm der Weltausstellung zu finden.

Almere als Kulisse der Floriade

Das Nachdenken über dicht bebaute Städte und deren Ausstattung mit Grün steht im Mittelpunkt der Floriade 2022. Wie diese urbanen Orte grüner, lebenswerter und nachhaltiger werden können, das sind Fragen, die die Niederländer*innen in Almere thematisieren. Dabei könnte kaum eine Stadt besser für die Auseinandersetzung mit nachhaltiger Grünflächenentwicklung taugen. Denn Almere ist auch ohne die Floriade 2022 bereits eine Art Living Lab, ein Ort der Experimente und des Neuentwickelns. Von April bis Oktober 2022 wird die Stadt nun zum Schauplatz für Innovationen aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Lebensmittelproduktion. Als Weltausstellung wird sie Akteur*innen aus der ganzen Welt zusammenbringen.

Floriade mit Nachhall

Die siebte Floriade in den Niederlanden ist anders als ihre Vorgängerinnen. Denn zum ersten ist sie nicht nur als Messe organisiert, die nach einem halben Jahr wieder abgebaut wird. Vielmehr wächst aus den Grundsteinen der Floriade 2022 ein neuer Stadtteil. Die gesamte Infrastruktur der Schau bleibt erhalten und wird auch langfristig ein Beispiel für Nachhaltigkeit sein. So sind die breiten Gehwege so angelegt, dass Regenwasser gut ablaufen kann. Auch das Arboretum, eine Art Pflanzen-Bibliothek voller Gerüche und Farben, ist von Nachhaltigkeit geprägt. Alle Bäume und Pflanzen stammen von einheimischen Züchtern. Darüber hinaus wurden sie ausgewählt, weil sie die Luftqualität verbessern, helfen, die Temperatur zu senken, Biodiversität fördern oder als Nahrungsquelle dienen.

Die Gärten der Welt

Das gesamte 60 Hektar große Gelände der Floriade 2022 ist in Quadrate aufgeteilt, die alphabetisch nach den botanischen Namen der dort angesiedelten Pflanzen benannt sind. Wie kann es in den Niederlanden anders sein, als dass das T für die Tulpe reserviert ist? Durch diese Strukturierung und Bepflanzung entsteht eine Patchworkdecke aus Gärten, die von Kanälen mit Brücken aus recycelten Materialien durchzogen ist. Das ist sozusagen die Basis für den neuen Stadtteil, der nach der Floriade Expo 2022 hier wachsen wird.

Neben den Vorbereitungen für das Entstehen einer neuen, zukunftsfähigen Stadt hat Almere die Welt eingeladen, sich zu präsentieren. Gut 30 Länder errichteten deshalb einen eigenen Pavillon, in dem sie ihre Ideen für die grüne Stadt der Zukunft vorstellen. In diesem Kontext zeigen zum Beispiel die Niederlande wie mit biologischen Produkten nachhaltig und klimaschonend gebaut werden kann. China hingegen lädt zu einem Rundgang durch einen wachsenden Bambusgarten ein. Im Pavillon von Indien gehen die Besucher*innen auf eine spirituelle Reise. Der Staat Katar zeigt auf der Floriade 2022, wie durch traditionelle Bauformen und moderne Technologien Wüsten ergrünen.

Deutschlands Ausstellungsbereich mit studio grüngrau

Gemeinsam mit gtp2 architekten und insglück hat studio grüngrau Landschaftsarchitektur 2021 den 1. Preis für die Gestaltung des deutschen Ausstellungsbereichs gewonnen. Ihr Konzept auf der Floriade Expo 2022 heißt BIOTOPIA – Growing Community. Schon von Weitem ist die Konstruktion des Pavillons aus hölzernen Kuben zu erkennen. Das zweistöckige Gebäude ist auch Teil eines Gartens. Dazu tragen insbesondere seine bepflanzten Fassaden bei, die sich wie ein lebendiges Ökosystem ständig verändern. Die Ideen für BIOTOPIA stammen von gtp2 architekten und insglück, die mit studio grüngrau Landschaftsarchitektur den Deutschen Garten in Almere gestalteten.

Wo einst Meer war, ist heute Almere

Neben den zahlreichen Pavillons bringt eine spektakuläre, 850 Meter lange Seilbahn die Besucher*innen zum Staunen. Ihre Höhe garantiert einen atemberaubenden Blick auf das Gelände der Floriade 2022 und reicht bis zur Skyline der Stadt Almere. Aber auch das Arboretum ist besonderer Natur. Es zieht sich wie ein grüner Faden durch das gesamte Gelände der Weltausstellung.

Nicht nur die Exponate der Floriade Expo 2022 sind innovativ. Schon der Veranstaltungsort, die Stadt Almere, ist besonderer Natur. Sie hat etwa 220 000 Einwohner*innen und gilt als die jüngste Stadt der Niederlande. Denn vor kaum 50 Jahren dominierte hier noch das Meer. Der Untergrund für die Stadt wurde dem Wasser regelrecht abgerungen. Damit ist Almere noch heute ein Symbol für den Kampf gegen die Naturgewalten oder vielmehr ein Zeichen für den geschickten Umgang mit der Natur.

Klassische niederländische Idylle hat Almere allerdings nicht zu bieten. Die Stadt wurde vielmehr auf dem Reißbrett entworfen und dann mit spektakulären Architekturen bestückt. Das geht weiter, denn Almere wächst. Vom City-Strand sind bereits Konturen des neuesten Stadtviertels zu erkennen. Hier entsteht ein verlockender, grüner Dschungel namens Hortus. Doch bevor hier die neuen Bewohner*innen das Viertel beziehen, kommen wahrscheinlich noch zwei Millionen Besucher*innen der Floriade 2022 vorbei.