Eine Stadt ohne Werbung?

Das scheint unvorstellbar. Ob an der Bushaltestelle, an Mülleimern, oder öffentlichen Toiletten: Überall und immerzu begegnen uns Werbebotschaften im städtischen Raum. Die Ausstellung „Hacking Urban Furniture“ im Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin hinterfragt diese Tatsache und liefert Gegenentwürfe.

Künstler, Stadtforscher, Politiker und Aktivisten präsentieren alternative oder werbefreie Nutzungen von Stadtmobiliar. Die Projekte der Teilnehmer entstanden in Kooperation mit der Allianz Bedrohter Berliner Atelierhäuser (AbBA), Refunc, OpenBerlin und der Technischen Hochschule Wildau. Die Exponate der Ausstellung reichen von der Dokumentation einer begrünten Bushaltestelle, über Kinderwagentresore hin zu Terrassen auf öffentlichen Toilettenhäuschen.

Eine Stadt ohne Werbung – Utopie?

Die Initiative „Berlin Werbefrei“ möchte, dass Berlin frei von Werbung wird. Das soll Ausblicke auf Grünflächen, Straßenfluchten oder auf die Stadt öffnen. Im Rahmen der Ausstellung präsentieren die Initiative „Berlin Werbefrei“ die Städte São Paulo und Grenoble, in denen werbefreier urbaner Raum schon Realität ist. São Paolo ist seit Anfang 2010 werbefrei und damit die erste Metropole weltweit. Dabei war die brasilianische Großstadt bekannt für ihre vielen bunten Plakate: Großflächige Werbungen hüllten alle Gebäude ein, die sich in Renovierung befanden – und davon gab es viele. Der Bürgermeister Eric Piolle von Grenoble gab 2014 den Anstoß grün und nicht kommerziell zu sein. Die Stadt verbannte jegliche Werbeflächen aus dem öffentlichen Raum und pflanzte anstelle der 326 Werbetafeln, 50 Bäume. Die Initiative möchte, dass auch Berlin werbefrei ist. In ihren Vorstellungen dürfen nur noch politische, kulturelle oder sportliche Veranstaltungen beworben werden. Produktwerbung hingegen hängt nur noch in kommerziellen Räumen wie Läden oder Gaststätten. Eine Infoveranstaltung von Berlin „Werbefrei“ findet am 22. März um 20:30 im ZK/U statt.

Die Ausstellung „Hacking Urban Furniture“ ist noch bis zum 25. März 2018 im ZK/U zu sehen. Die Installation der Künstler Eva Hertzsch und Adam Page, die zuletzt auf der Documenta X in Kassel zu sehen war, steht jedoch bis Oktober 2018 auf dem Freigelände des ZK/U.