Englischer Garten: Viele Besucher*innen genießen die Sonne im südlichen Teil des Englischen Gartens. (Foto: Ignacio Brosa / Unsplash)

Englischer Garten: Viele Besucher*innen genießen die Sonne im südlichen Teil des Englischen Gartens. (Foto: Ignacio Brosa / Unsplash)

Englischer Garten: Mit 375 Hektar Fläche zählt die Parkanlagen in München zu den größten dieser Welt. Seit 2010 engagiert sich eine Initiative um das Planer*innenehepaar Grub / Lejeune für die Untertunnelung des Parks. Diese soll die seit 1966 durch eine Verkehrsschneise getrennten Teile des Englischen Gartens wieder zusammenführen. 2017 stimmte der Stadtrat für die Untertunnelung, 2023 sollen die Bauarbeiten von vier Jahren beginnen.

Der Englische Garten ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Münchens. Die Parkanlage, die sich entlang der Isar durch den nordöstlichen Teil der Stadt zieht, beherbergt zahlreiche Pflichtbesuche für Tourist*innen: historische Bauwerke wie der Monopteros oder Biergärten wie dem am Chinesischen Turm. Darüber hinaus ist der Englische Garten ein beliebter Ort der Erholung bei der Münchner Bevölkerung. Nicht zuletzt findet sich hier mit der stehenden Welle im Eisbach gar ein international bekannter Surfspot mitten in der bayerischen Hauptstadt.

Englischer Garten zweigeteilt

Mit seinen 375 Hektar Fläche gehört der Englische Garten zu den größten Parkanlagen der Welt. Er übertrifft sogar den New Yorker Central Park oder den Tempelhofer Park in Berlin noch um einige Hektar. Seit vielen Jahren jedoch gibt es einen Makel, und der zieht sich ähnlich wie eine Narbe durch den Englischen Garten, spaltet ihn sozusagen in zwei Teile. Die Rede ist vom Isarring. In den 1940ern als militärisch genutzte Lastenstraße entstanden, stellt er seit 1966 einen der meistbefahrenen Korridore in München dar. Täglich bewegen sich dort 100 000 Autos durch.

Der Isarring teilt den Englischen Garten in einen kleineren Bereich im Süden von etwa zwei Kilometern Länge und 130 Hektar Fläche (der ursprüngliche “Englische Garten”) und eine nördliche Fläche mit 245 Hektar und drei Kilometern Länge (die “Hirschau”). Fußgänger*innen und Radfahrende können den Isarring bislang über eine schmale Brücke queren und so zwischen den Teilen verkehren. Die Brücke fungiert als eine Art Flaschenhals für die Parkbesucher*innen: Während den südlichen Teil des Englischen Gartens sowohl Tourist*innen als auch Einheimische relativ stark frequentieren, bewegen sich relativ wenige über die Brücke in den nördlichen Teil.

Wiedervereinigung: Von Utopie bis Beschluss in sieben Jahren

Hermann Grub und Petra Lejeune, die im Münchner Stadtteil Schwabing ein Architekturbüro betreiben, kämpfen seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft für eine Wiedervereinigung des Englischen Gartens. Die Idee: Um die beiden Teile des Parks wieder zu verbinden, soll der Isarring in einen Tunnel unter die Erde verlegt werden. Grub und Lejeune traten mit ihrem Vorschlag einer 380 Meter langen Untertunnelung des Isarrings erstmals 2010 vor den Münchner Stadtrat. Zunächst erfolglos; die Idee wurde zwar als reizvoll, aber utopisch abgetan. Das hielt das Architektenehepaar jedoch nicht davon ab, weiter unermüdlich Werbung für ihre Vision zu machen. Sie bezeichnen das Projekt als ihre „größte und wichtigste Initiative“.

Tunnel hilft auch dem Autoverkehr

Das sollte nicht ohne Erfolg bleiben. Fünf Jahre nach der Niederlage vor dem Münchner Stadtrat wusste das Architektenehepaar bereits über 80 Prozent der Münchner*innen hinter sich. Sie sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage 2015 für die Vereinigung der getrennten Parkteile aus. Nur ein Jahr später gab das Land Bayern Fördermittelzusagen über 40 Millionen Euro für das Projekt, 2017 beschloss der Münchner Stadtrat dann, den Parktunnel zu bauen. Die geschätzten Kosten für die Maßnahmen belaufen sich auf etwa 125 Millionen Euro.

Auf einem Kilometer wird der Isarring dann abgesenkt und über eine Länge von etwa 350 Metern unter dem Englischen Garten verlaufen. Überirdisch entsteht eine entsprechend breite Grünverbindung. Weg fallen dann auch die raumgreifenden Zufahrtsschleifen vom Isarring für die Gastronomien am Kleinhesseloher See und in der Hirschau. Eine Zufahrt über eine Anliegerstraße ersetzen die jetzigen Verkehrsschleifen; neue Parkplätze entstehen am südöstlichen Teil des Isarrings.

2023 sollen die Bauarbeiten beginnen und voraussichtlich bis 2027 dauern. Dann wird nicht nur der Englische Garten wieder ein durchgehender Park sein, sondern auch seine ursprünglichen Sichtachsen, die Wegverbindungen und der Biotopverbund wieder hergestellt. Auch die Münchner Autofahrer*innen können sich freuen. Denn der untertunnelte Isarring wird zukünftig sechs statt nur vier Spuren bereithalten. Das soll gleichzeitig Stauprobleme an der Iffland- und Dietlindenstraße lösen.

Mehr zur Untertunnelung des Isarrings im Bereich des Englischen Gartens in München können Sie bei „M-ein Englischer Garten“ erfahren.

2017 hat die G+L bereits über die Vision (M)ein Englischer Garten geschrieben. Lesen Sie mehr über die utopischen Anfänge, die nun Wirklichkeit werden.

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Desert City heißt der neue Hotspot für Kakteenliebhaber. In San Sebastián, schufen die Architekten des spanischen Büros Garciagerman ein Garten Center der stacheligen Art.

Vegetative Vielfalt

Das heiße und trockene Klima Madrids assoziiert man nicht mit grüner, fruchtbarer Vegetation. Doch die Spezialisierung der Desert City auf Xerophytes, ­Gewächse mit geringem Wasserbedarf wie Kakteen und Sukkulenten, verwandelt eine 16 000 Quadratmeter große, brach liegende Fläche nördlich der Hauptstadt in ein eindrucksvolles Kaktus-Paradies. Über 400 verschiedene Pflanzenarten aus fünf Kontinenten bewohnen unzählige Trockenbeete in einem großen Gewächshaus und einem Außenbereich, der einem Botanischen Garten gleicht. Das Garten Center präsentiert eine vegetative Vielfalt, die man in natura in keinem vergleichbaren Maße erleben kann und die es als eines der größten Europas auszeichnet.

Oase neben Autobahn

Trotz direkter Nähe zur viel befahrenen Autobahn A-1, gelang es den Architekten, mit „Desert City“ eine wahre Oase zu schaffen. Zwei flachgedeckte, rundum verglaste Gebäude flankieren den zentralen, dicht bewachsenen Garten. Sie bieten neben Trockenbeeten Raum für Ausstellungen, Verkaufsflächen und ein Restaurant. Das Hauptgebäude, ein großes Gewächshaus, zeichnet sich durch eine helle, lichtdurchlässige Dachkonstruktion aus. Mit Leichtigkeit überspannt sie die große Grundfläche. Ein langgestreckter, aufgeständerter Glaskorridor führt über den Kakteengarten hinweg und verbindet das große Gewächshaus mit dem zweiten, kleineren Trakt. Durch die Lage des Ganges parallel zur Autobahn greifen Garciagerman die Ausrichtung der Straße auf und schirmen den Kakteengarten gleichzeitig partiell von dieser ab.

Nachhaltigkeit und Transformation

Ein besonderes Anliegen der Architekten war die Nachhaltigkeit des Komplexes. Sie verwenden ausschließlich vorfabrizierte, modulare Elementen, die vor Ort montiert wurden. Um den Energieverbrauch des Gebäudes einzudämmen, setzen sie Photovoltaikglas ein und ermöglichen die Wasseraufbereitung sowie die Nutzung von Erdwärme.

Die Transformation des scheinbar so unfruchtbaren Geländes nahm nur zwei Jahre in Anspruch. Nun steht die Desert City täglich offen und bietet ihren Besuchern Veranstaltungen wie Workshops, Führungen, Ausstellungen und kleine Tagungen.

www.imagensubliminal.com

Grünes Licht für Lowline

Finanzierungsphase läuft

Wenn Städte aus allen Nähten platzen geht das zu erst auf die Kosten des öffentlichen Raums. Die Planer James Ramsey und Daniel Barasch arbeiten seit 2009 in New York City an einer Lösung, die auch in extrem dichten Vierteln wieder mehr Parkfläche schaffen kann, der Lowline. In einem stillgelegten Straßenbahndepot in der Lower East Side in Manhattan soll der Park durch eigens entworfene Lichtkollektoren mit natürlichen Sonnenlicht versorgt werden, so dass Pflanzen dort wachsen können. Anfang Juli gab die New Yorker Stadtverwaltung den Planern den Zuschlag für die Nutzung der unterirdischen Fläche.

Das Konzept stellen die Planer seit Oktober 2015 im sogenannten Lowline Lab vor, nahe der eigentlichen Baustelle. Mit der Freigabe durch die Stadtverwaltung fiel auch der Startschuss für die erste Finanzierungsphase. Insgesamt soll das Projekt rund 53 Millionen Euro kosten, der jährliche Unterhalt etwa 3,5 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung fordert 8,8 Millionen Euro bis Juli 2017, Ramsey und Barasch hoffen auf die weitere Unterstützung bisheriger Förderer, darunter Unternehmen, Organisationen und private Spender – auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hält die Lowline den Rekord als größtes gefördertes Public Space Projekt.

Metropolen informieren sich über Untergrundpark

Inzwischen stehen auch andere Metropolen, darunter Moskau, Paris und Seoul, mit dem Team in Kontakt und informieren sich über die Möglichkeiten – Moskau hat mit 6,6 Millionen Fahrgästen das größte U-Bahn-System ausserhalb von Asien. 2030, schätzt die UN, wird es 41 Mega-Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern geben. Der Planung des öffentlichen Raums kommt eine entscheidende Rolle zu, wenn es darum geht, die Lebensqualität in diesen Städten zu sichern. Wenn sich das Konzept der Lowline, die im Sommer 2021 eröffnet werden soll, dem Alltag stand hält, scheint das ein Ausweg für den öffentlichen Raum in Großstädten. Dem Forbes Magazine sagte Daniel Barasch: “Im 21. Jahrhundert bauen wir Orte aus, die im 20. Jahrhundert vergessen wurden. Unter unseren Bordsteinen liegt ein enormes Potenzial.”

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