Köln platzt aus allen Nähten. Deshalb baut die Stadt ein neues Quartier in ihrem Norden. Das ist nicht das erste Mal. Auch der berühmt berüchtigte Stadtteil Chorweiler war auf der grünen Wiese entstanden. In seiner Nähe soll nun Köln Kreuzfeld entstehen. Drei Entwürfe dafür kommen in die nächste Runde.

Im Kölner Norden entsteht ein neuer Stadtteil. Auf der grünen Wiese soll zukünftig Köln Kreuzfeld wachsen. Der Planungsprozess für dieses neue Stück Stadt ist schon lange im Gange. Nun ist er in eine nächste Phase gekommen. Sechs Entwürfe von Arbeitsgemeinschaften aus Stadtplaner*innen, Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen wurden begutachtet und drei von ihnen schließlich ausgewählt. Diese werden nun weiter ausgearbeitet und konkretisiert.

Wieder ein neues Stück Köln

 

Die Ankündigungen für den neuen Stadtteil Kreuzfeld in Köln klingen vertraut. Es soll ein Ort mit vielfältigen Angeboten und Arbeitsplätzen entstehen. Darüber hinaus müssen auf einer Fläche von etwa 80 Hektar mindestens 3 000 Wohneinheiten wachsen. Das Programm erinnert an Planungen aus der Nachkriegszeit. Damals wurde der Wohnungsnot mit der Neuen Stadt Chorweiler begegnet. Leider sorgte die Hochhaus-Siedlung über viele Jahre nicht immer für gute Schlagzeilen. Dessen ist sich die Stadt Köln bewusst. Deshalb ist sie bestrebt, Köln Kreuzfeld sozialgerecht zu entwickeln und damit den gesamten Kölner Norden weiter zu stärken; auch Chorweiler. Dementsprechend werden ein Angebot an sozialer Infrastruktur, unterschiedliche Möglichkeiten zum Arbeiten, multifunktionale Freiräume und eine nachhaltige Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur von Anfang an für Kreuzfeld mitgedacht.

Leitbild und Entwurf für Köln Kreuzfeld

Viele Jahre schon bereitet die Stadt Köln den Bau des neuen Stadtteils Kreuzfeld vor. Im Jahr 2019 schloss sie schließlich den Prozess zur Entwicklung des Leitbilds ab, das der Rat dann 2020 genehmigte.

Die Konkretisierung dieses Leitbilds entsteht nun in einem wettbewerblichen Dialog, in dem die Öffentlichkeit, die Politik, verwaltungsexterne und -interne Expert*innen mit Planungsteams zusammenarbeiten. Sie wählen aus den anfänglich sechs teilnehmenden Teams eines aus. Diese Auswahl erfolgt auf der Grundlage von städtebaulichen und freiräumlichen Rahmenplänen, die alle Arbeitsgemeinschaften entwickeln. Diese Phase ist derzeit im Gang. Nun steht der dritte Verfahrensschritt an: die integrierte Planung. In der wird ein ausgewählter Entwurf zu einem Masterplan für Köln Kreuzfeld weiterentwickelt. Und auf dessen Grundlage basiert später die Bauleitplanung.

Nun sind drei der sechs angetretenen Planungsteams in die nächste Runde gekommen. Dazu gehört das Büro Adept aus Kopenhagen mit ihrem Konzept „The Woodhood“. Auch der Entwurf „Kreuzfelder Stadt-Natur“ von KCAP aus Zürich kam weiter. Schließlich überzeugte auch das Konzept „Vier Quartiere – ein Veedel“ von Rheinflügel Severinaus Düsseldorf und rückte in die nächste Runde vor.

Kreuzfeld Köln: Grüne Visionen

 

Derzeit ist die 80 Hektar große Fläche, auf der der Stadtteil Köln Kreuzfeld entstehen soll, grün. Sie wird vor allem landwirtschaftlich genutzt. Das wird sich ändern, wenn hier 3 000 Wohnungen wachsen. Aber Grün bleibt das große Thema im neuen Kreuzfeld. Denn die drei ausgewählten Visionen der Arbeitsgemeinschaften zeigen, dass alle den neuen Stadtteil grün gestalten wollen. Viele der präsentierten Pläne und Visualisierungen für Köln Kreuzfeld zeigen großzügige Grünflächen, viele Bäume und eine kompakte und vergleichsweise hohe Bebauung im großstädtischen Maßstab. Im Detail sehen die Entwürfe folgendes vor:

The Woodhood – Kreuzfeld als moderne Gartenstadt

 

Das Planungsteam ADEPT aus Kopenhagen, das mit den Landschaftsarchitekt*innen Karres en Brands aus Hilversum und Argus Stadt und Verkehr aus Hamburg sowie Metabolic aus Amsterdam zusammenarbeitet, sieht Kreuzfeld als moderne Gartenstadt. Dafür geben ihnen die umliegenden Wälder reiche Inspirationen. Nicht umsonst heißt das Konzept The Woodhood. Die städtebauliche Struktur des neuen Stadtteils besteht aus vielen kleinen Subzentren. In deren Mitte liegt jeweils ein öffentlicher Raum, das Herz eines jeden Unterzentrums.

 

Kreuzfelder Stadt-Natur

Das Planungsteam, das Expert*innen von KCAP aus Zürich, Realace aus Berlin, Ramboll Studio Dreiseitl aus Überlingen, Fugmann Janotta und Partner aus Berlin und dem Happold Ingenieurbüro aus Berlin umfasst, sieht grüne Korridore vor. Die verlaufen von Norden nach Süden durch Kreuzfeld und geben Durchlüftung und Grün viel Raum. Die Korridore prägen aber auch die städtebauliche Struktur, die sich in vier Quartieren konzentriert. Jede dieser neuen Nachbarschaften soll dabei für sich funktionieren können.

 

Vier Quartiere – ein Veedel

Das Planungsteam, das aus dem Rheinflügel Severin aus Düsseldorf, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur aus München, Rietmann – Beratende Ingenieure aus Königswinter, Obermeyer Infrastruktur aus Köln und EGS-Plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik aus Stuttgart besteht, sieht auch vier Quartiere vor. Sie schlagen vier kompakte, durchmischte Bereiche vor: ein Bahnquartier, ein Waldquartier, ein Bruchquartier und ein Produktivquartier. Wie die Namen bereits zeigen, bekommt jedes Quartier eine eigene Identität. Dennoch fügen sie sich alle zu einem großen Ganzen zusammen; zu einem neuen Kölner Veedel in Kreuzfeld.

 

Kreuzfeld Köln: Blick in die Zukunft

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln blickt optimistisch auf den Prozess und den nächsten Schritt. Sie freut sich über die Auswahl der drei Konzepte. Das ist ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von Köln Kreuzfeld. Sie lobt die Visionen und Entwürfe, die die drei ausgewählten Teams entwickelt haben. Sie ist sich darüber hinaus sicher, dass Köln auf gutem Weg ist, ein lebenswertes, gemischtes und grünes Quartier in Kreuzfeld zu entwickeln.

Überall wird gebaut: 2 000 Wohnungen sollen in dem neuen Quartier Pankower Tor in Berlin entstehen. Erfahren Sie mehr über die Gewinner des Wettbewerbs.

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Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerbsübersicht März 2019 (2/2)

Quartierspark Linsingenkaserne in Hameln, 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen, 1. Preis impuls Landschaftsarchitektur, Jena

Im Zentrum des geplanten Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem ehemaligen Kasernengelände Linsingen soll ein Quartierspark entstehen. Das Planungsbüro hutterreimann Landschaftsarchitektur entwickelt den Park als quartiersverbindendes Element, das die Barriere der bisher abgeschlossenen Kaserne durchkreuzt. Dafür spannen die Planer ein Wegenetz auf und verknüpfen den Park über fünf „Ankerplätze“ an den Eingängen mit den angrenzenden Quartieren und dem Bildungscampus. Das Wegenetz teilt die Parkfläche in vier Grünflächen auf. In der formalen Ausgestaltung zwar ähnlich, weisen sie jeweils einen eigenständigen Charakter auf: Die „Arena“ im Nordwesten nimmt die Topographie des alten Exerzierplatzes auf und bietet sportliche Intensivflächen für Skaten, Streetball, Rollsport und Calisthenics. Extensivere Parkbereiche bilden im Süden die „feuchte Senke“, mit ihrer Retentionsmulde, die freie Wiese als offene Spielfläche, sowie das Wäldchen als Rückzugsort für Naturerlebnis und Rodelfläche im Winter.

 

Regenpromenade und –brücke Mitterdorf in Roding, 1. Preis DKFS Architects, London mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

impuls Landschaftsarchitektur überzeugte mit einer reduzierten, aber sehr differenzierten und zukunftsorientierten Entwurfsidee, die Ort und Historie berücksichtigt. Der Entwurf arbeitet den Platz als großes zusammenführendes Zentrum heraus. Das Rathaus rückt so in den Mittelpunkt und erhält als raumstarkes Gegenüber das Baumpaket der bestehenden Platanen. Südlich des Rathauses ergänzen zwei weitere Hochstämme die bestehende Platane zu einem Platanendach. Die beiden Baumdächer im Süden und Norden erhalten einen Formschnitt und bieten jeweils kompakte schattenspendende Aufenthaltsbereiche. Eine Reihenpflasterung aus Kleinstein fasst den Platz bis zu seinen Rändern. Der Innenbereich des Platzes hebt sich mit gesägter Oberfläche als Intarsie hervor. Sie nimmt die Fluchten des Rathauses auf und betont die zentrale Stellung des Gebäudes. Parallel der umfassenden Gebäudekanten verlaufen flache Entwässerungsrinnen aus Naturstein. Sie rahmen die Platzfläche zusätzlich, und ermöglichen, den Platz nahezu barrierefrei an die Gebäude anzubinden.

 

Die Stadt Roding will den Uferbereich des Regens im gegenüberliegenden Ortsteil Mitterdorf hochwassergerecht gestalten, sowie eine eigenständige Fuß- und Radwegeverbindung über den Regen schaffen. So wenig Gebautes und Befestigtes wie nötig, und so viel Grün wie möglich, lautet die Zielsetzung des Siegerteams aus DKFS Architects und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten. Nicht das Design der Schutzanlagen, sondern deren Integration in die Naturlandschaft steht im Vordergrund. Die Brücke präsentiert sich skulptural anspruchsvoll, fügt sich aber zugleich unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Hochwasserschutzmauer verläuft geschwungen, mit vorgelagerten Beetflächen und gliedernden Sitznischen. Die Uferpromenade führt relativ nah am Wasserspiegel entlang und bleibt frei von Einbauten. Die Öffnungen zum Uferraum lassen sich im Hochwasserfall schließen. Die Durchgänge bilden wie die Brücke inszenierte Ausblicke auf die Flusslandschaft und sind über Stufen oder Rampen an die Uferpromenade angebunden.