Temporäre Architektur als Konzept

Die Ausstellung „Does ­permanence matter? Ephemeral urbanism“ im Architekturmuseum der TU München zeigt bis 18. März 2018 Beispiele neuer flexibler Architektur – weltweit.

Temporäre Bauformen kennen wir seit Langem: als Alltagsbehausungen der Nomadenvölker, als Expeditionslager, als Notunterkunft nach Naturkatastrophen, als Raumerweiterung bei Platzmangel oder als Orte für religiöse Veranstaltungen. Die Forschung allerdings hat sie bislang vernachlässigt, da Architektur grundsätzlich mit dem Prinzip der Permanenz und Haltbarkeit verbunden ist. Seit 2014 analysieren der Urbanistik-Professor Rahul Mehrotra zusammen mit dem Architekten Felipe Vera von der Harvard Graduate School of Design (Harvard GSD) erstmals Siedlungsformen, die mit einem Ablauf­datum geplant sind.

Ausstellung im Architekturmuseum München

Das Architektur­museum der TU München zeigt bis 18. März 2018 erste Ergebnisse dieses wissenschaftlichen Projekts der Harvard GSD. Für die Ausstellung „Does ­permanence matter? Ephemeral urbanism“ wählte Direktor Andres Lepik rund 20 der Fallbeispiele weltweit aus – von der kleinstmöglichen Hütte, der jüdischen Sukka, über das Münchner Oktoberfest bis hin zum hinduistischen Festival „Kumbh Mela“ mit täglich 30 Millionen Besuchern. Die Schau zeigt, dass eine neue Generation von Architekten flexiblere Formen erprobt hat – Infrastrukturelemente wie Strommasten, Straßen und Brücken wurden aus Materialien gebaut, die wiederverwendbar sind oder recycelt werden können – und dass das, was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, durchaus festen Regeln folgt. Bestes Beispiel dafür ist der Mae Klong Markt bei Bangkok, der sich auf 4 000 Quadratmetern entlang eines Bahngleises erstreckt. Kurz bevor der Zug einfährt, klappen die Händler ihre Stände ein. Ephemere Bauten können sich eben perfekt den Bedingungen anpassen.

Einen Film zum Mae Klong Markt in Bangkok finden Sie hier.