Der Mensch ist fasziniert davon, komplexe Räume in klar getrennte Bereiche zu zerstückeln und dadurch kontrollierbar zu machen, so virtuell und fantasielos Grenzen auch sein mögen. „In allen Epochen gab es rücksichtslose Landnahmen (…). Territorialverhalten ist animalisch, liegt also auch in der Natur des Homo sapiens“, so Thomas Huber, der zusammen mit seinem Künstlerkollegen Wolfgang Aichner als Münchner Künstler-Duo GÆG (Global Aesthetic Genetics) agiert.

Für ihr aktuelles Projekt „Linear“ durchwanderten sie im Business-Outfit Wüsten, Prärien und Gebirge Amerikas und zeichneten dabei mit einem riesigen silberfarbenen Kugelschreiber eine Linie in die Erde. Das rechteckige Areal, das sie auf diese Weise markierten, deklarierten sie als „Freies Territorium“. Das Duo versteht es weniger als geografisches Gebilde denn als Wirkungsbereich, wie ihn Banken und große Konzerne für sich beanspruchen. Linear steht für den Versuch, die geoökonomische Ordnung neu zu definieren. Denn, so Aichner: „Staatlichkeit ist doch von gestern“.

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„Es ist keine öffentliche Solidarität zu erwarten“

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„Swantje Kühn wurde nicht zur Rechenschaft gezogen“

Die Februarausgabe der Garten und Landschaft zum Thema „Frauen in der Planung“, die unter anderem die Diskriminierung von Frauen in der Planung sichtbar macht, hat die Aufmerksamkeit von Kamel Louafi erregt und den Landschaftsarchitekten dazu bewogen sich zum jüngsten Diskriminierungsfall aus unserer Branche zu äußern.

Sie haben es vermutlich mitbekommen, aber hier nochmal der jüngste Diskriminierungsfall aus unserer Branche zusammengefasst: Ein junger Ägypter bewirbt sich im Januar 2020 auf ein Praktikum in einem Berliner Büro: GKK Architekten in Berlin. Swantje Kühn, Eigentümerin bei GKK, die auch als Professorin tätig ist, schreibt an ihre Sekretärin als Antwort auf seine Bewerbung: „Bitte keine Araber.“ Die E-Mail wird versehentlich an den Studenten gesendet, der sie auf Twitter veröffentlicht. In den sozialen Netzwerken verbreitet sich sein Tweet rasend schnell. Swantje Kühn sagte, es sei ein Versehen und sie will „den Araber“ zu einem Gespräch einladen. Das Büro schreibt in einer Stellungnahme, die Bewerbung wäre versehentlich einer laufenden Stellenanzeige für Projekte in China zugeordnet worden. Sie suchten einen Mitarbeiter für China und der Praktikant spreche auch kein Chinesisch.

Für mich ist die Stellungnahme eine klare Ausrede. Dennoch hatte ich gehofft, dass nach dem rassistischen Patzer nun eine Debatte über Diskriminierung allgemein, also aller Minderheiten, Frauen, Menschen mit Behinderung, Ausländern oder auch Berufsanfängern in der Branche hervorgerufen würde. Die Hoffnung war leider sehr, sehr kurz. Es ist nichts passiert. Swantje Kühn wurde weder von Universitäten noch von Architektenvereinen, der Kammer oder in ihrer zweiten Funktion als Aufsichtsratsmitglied des Zoologischen Gartens Berlin zur Rechenschaft gezogen. Und das, obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – die Nichtbeachtung der Gleichbehandlung verbietet.

„Der anonyme Wettbewerb war und ist die beste Möglichkeit im Beruf zu bestehen“

Was ist das für ein Signal für all jene Menschen, die hierherkommen, um Wissen zu erlangen? Was mich angeht – ich werde über Ausgrenzung immer berichten und jeder von uns sollte solche Themen in unserer Branche bei jeder Gelegenheit, wie bei Vorträgen und Diskussionen, in Foren, auf Messen und Konferenzen thematisieren. Und sie nicht einfach, wie es meistens in unserer Branche passiert, zu den Akten legen.

Ich bin froh 90 Prozent meiner Projekte über anonyme Wettbewerbe realisiert zu haben. Eine Jurorin wie Swantje Kühn hätte ja nicht erraten können, welcher Mensch – also in meinem Fall ein Araber –hinter der Arbeit steckt. Diese Form des Wettbewerbs war und ist für alle Menschen und vor allem für jene, die eventuell diskriminiert würden, die beste Möglichkeit im Beruf zu bestehen.

„In Sachen Diskriminierung ist keine öffentliche Solidarität von Kolleginnen und Kollegen zu erwarten“

Ich glaube nicht, dass die Politik in irgendeiner Weise die Diskriminierung und Benachteiligung von Minderheiten oder die Nichtbeachtung der Gleichbehandlung erfolgreich bekämpfen kann, auch nicht mit Quotenregelung. Von Kolleginnen und Kollegen unserer Branche ist ebenso keine Solidarität in Sachen Diskriminierung oder Gleichbehandlung zu erwarten – ebensowenig wie von den Verbänden. Ich hoffe eher auf eine Generation der Globalisierung, deren Herzen nicht die Makel der Ausgrenzung in sich tragen. Aber die Gesellschaft, insbesondere in unserer Branche, zu sensibilisieren ist zurzeit allemal wichtig und notwendig.

„Glücklicherweise gibt es die Zivilgesellschaft“

Die G+L schreibt in ihrem aktuellen Heft: „Derzeit ist es sogar regelrecht hip, sich für Frauenrechte einzusetzen, und ein absolutes No-Go, sich nicht an den entsprechenden Debatten zu beteiligen“ – und ja, die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Thema, dem sich heutzutage keiner entziehen kann. Es ist richtig und notwendig dieses aufzunehmen und darüber zu debattieren, wie es auch ebenso richtig wäre andere Themen der Diskriminierung zu behandeln. Ich kann nur von Glück sprechen, dass es die Zivilgesellschaft gibt, die nicht aufhört, Diskriminierung anzuprangern und dabei auch sehr kreativ ist: Man denke zum Beispiel an die jüngste Google-Verortung des GKK-Büros: als öffentliche Toilette markiert mit dem Germania Gebäude im Hintergrund.

Kamel Louafi ist ein Berliner, Deutsch-Algerier, Kartograf, Landschaftsarchitekt, Künstler und Autor. Er hat Kartografie in Algerien und Landschaftsarchitektur an der TU Berlin studiert. Trotz seines Abschieds aus dem operativen Geschäft, wird er weiter – wie in diesem Meinungskommentar hier – in den gesellschaftlichen Diskurs eingreifen.

Hochschule auf der Landesgartenschau 2020

Die Hochschule Weihenstephan-Trierdorf wird an der Landesgartenschau in Ingolstadt 2020 einen Themengarten unterhalten. Der Entwurf dazu stammt von Studierenden der landschaftsarchitektonischen Fakultät. 

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird 2020 auf der Landesgartenschau in Ingolstadt mit einem Ausstellungsbeitrag vertreten sein. Studierende der Fakultät Landschaftsarchitektur erstellten im Rahmen des Wahlpflichtfachs Design and Construction Entwürfe für die Gestaltung des hochschuleigenen Themengartens.

Die Studierenden stellten ihre Entwürfe am 29. Mai der Jury vor. Die Jury, bestehend aus dem Präsidenten Prof. Dr. Eric Veulliet, den betreuenden Professoren Prof. Ingrid Schegk, Prof. Dr. Thomas Brunsch sowie Prof. Dr. Matthias Drösler als Vertreter der forschungsaktiven Professoren wählten den geeignetsten Entwurf für die Umsetzung aus.

Klara Faistauer und Joshua Lenze (Studiengang Landschaftsbau & -Management) überzeugten mit dem Konzept ClimateMove – Applied Sciences for Future.