Landschaft in geschlossenen Räumen

Ausstellungen zu Landschaft und Landschaftsarchitektur – ein ungenutztes Potenzial? In ihrer Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ untersucht Fanny Brandauer die Relevanz des Mediums „Ausstellung“ für die Landschaftsarchitektur. Am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum von Regine Keller, TU München, analysiert sie, inwiefern Landschaft und Landschaftsarchitektur in Ausstellungen übersetzt werden können und welche Bedeutung diese für die Präsenz der Disziplin in unserer Gesellschaft haben könnten.

„Landschaft darstellen“, das kann man auf vielfältige Art und Weise, je nach Auslegung des Landschaftsbegriffs und des zu erfüllenden Zwecks. Sowohl im Außen- als auch im Innenraum stößt man auf reale und künstliche Landschaften, auf Abbilder, Imitate und Modelle. Während sich die bildende Kunst bereits seit mehreren Jahrhunderten mit Landschaft und Natur im Innenraum beschäftigt, hat die Landschaftsarchitektur das Potenzial des Innenraums als Repräsentations- und Ausstellungsfläche für die Disziplin noch nicht vollends entdeckt.

Schwer fassbar

Es wird selten über die Medien Plan, Grafik, Modell und Projektfotografie hinausgedacht. Das kann unterschiedliche Gründe haben: die zeit- und forschungsintensive Vorbereitung, der finanzielle Aufwand oder das ungewohnte Arbeitsumfeld des kulturinstitutionellen Innenraums. Doch vor allem der Ausstellungsgegenstand an sich – die Landschaft – fordert heraus. Landschaft ist als ein komplexes und vielschichtiges System zu verstehen, das sehr individuellen Definitionen unterliegt. Landschaft ist Natur, Kultur und Interpretation ebenso wie Kontext, Reflexion und Zeit und daher sehr schwer fassbar, geschweige denn räumlich ausstellbar. Kann Landschaft als kontextabhängiges System überhaupt im Innenraum ausgestellt werden? Oder kann sie nur fragmentarisch wiedergegeben werden? Ist es dann noch Landschaft? Oder nur ein symbolhaftes Abbild von ihr?

Landschaft muss erfühlt werden

In ihrer Gesamtheit ist es nicht möglich, Landschaft auszustellen, sondern nur als Teilaspekt oder Bestandteil ihrer selbst. Möchte man Landschaft installativ in den Innenraum holen, geht es darum, die auszustellende Landschaft auf ihre Charakteristika zu untersuchen und sie als konzentrierte „Landschaftsessenz“ wiederzugeben. Man muss sie isolieren und im Innenraum in einen neuen Kontext betten. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Miteinbeziehen und ganz bewusste „Triggern“ sinnlicher Reize. So wie Landschaft nicht über einen singulären Sinn wahrgenommen wird, so muss auch die Landschaft im Innenraum über unterschiedliche Modalitäten der Wahrnehmung vermittelt und erfahrbar gemacht werden: über das Sehen und Hören, Schmecken, Tasten und Riechen. So können neues Erleben produziert und Interpretations- und Assoziationsräume geöffnet werden.

Der vollständige Beitrag ist in Garten+Landschaft 9/2019 zu lesen.