Lange schlummerte die überwucherte Anlage des Fort Vechten im Dornröschenschlaf. West 8 hauchte der Festung neues Leben ein. Foto: Jeroen Mush

Einst schützte die Nationale Wasserlinie die Niederlande vor Eindrinlingen von Westen. Heute ist sie – es klingt wie eine Ironie des Schicksals – ein Beispiel für erfolgreiche Grenzüberschreitung: Ein interdisziplinäres Team um die Landschaftsarchitekten von West 8 schuf rund um eine der Festungen der Wasserlinie, das Fort bei Vechten, ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Landschaft wie selbstverständlich die Oberhand gewinnt. 

Quer durch die Niederlande, vom Süd-westen bis nach Norden, verläuft die Nationale Wasserlinie. So sperrig der Name klingt, so sperrig sollte sie auch sein: Die Wasserlinie ist eine 85 Kilometer lange Verteidigungsanlage, die den Küstenstaat seit dem 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg vor Eindringlingen von Westen schützte. Feinde sollten durch die kontrollierte Überflutung eines mehrere Kilometer breiten Korridors am Vordringen ins Landesinnere gehindert werden. Dieses wahrscheinlich größte Infrastrukturprojekt der Niederlande ist heute eine gewaltige interdisziplinäre Aufgabe.

Die alten Festungen – längst nutzlos geworden, weil sie Angriffen aus der Luft nicht standhalten würden – sind die sichtbarsten Elemente der Nationalen Wasserlinie. Ansonsten nehmen Fußgänger – oder „Vorbeigänger“, wie sie im Niederländischen heißen – nur noch grüne Erhöhungen in der Landschaft wahr.

Das ändert sich seit 2005. Seinerzeit wurde entschieden, einige der insgesamt 46 Festungen zu renovieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das galt auch für das Fort bei Vechten. Nie von Angreifern attackiert, schlummerte die hoch über dem Wasserpegel gelegene Anlage im Dornröschenschlaf, seitdem sie 1960 aufgegeben worden war. Als 2006 über eine Neunutzung nachgedacht wurde, war das Fort Vechten eine überwucherte, archäologische und historische Stätte, die zum Rückzugs- und Lebensraum für gefährdete Fauna und Flora geworden war.

Diesen zu schützen war genauso Ziel wie einen attraktiven, informativen und öffentlich zugänglichen Ort zu schaffen. Das ließ sich nur in enger Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen verwirklichen: Landschaftsarchitekten, Architekten und Experten für schützenwerte Fauna und Flora, für Bunker- und Erdbauwerke waren mit an Bord. Eine enge Abstimmung mit unterschiedlichen Akteuren, die als Eigentümer des 17 Hektar großen Areals eine Stimme hatten, war ebenso nötig.

Das nach einem Wettbewerb mit dem Masterplan beauftragte Büro West 8 nahm sich in einem großen, je nach Aufgabenschwerpunkt unterschiedlich zusammengesetzten Team der Aufgabe an. Dem Team um West 8 gelang es, allen Belangen Rechnung zu tragen: Einerseits einen öffentlichen Ort mit Museum und Besucherzentrum zu schaffen und gleichzeitig das Fort als Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere zu erhalten. Sie schufen ein Ensemble, in dem Architektur und Landschaft miteinander verschmelzen.

Die Planer entschieden sich, das Gros des über Jahre gewachsenen Walds zu schützen und zu erhalten. Nur in einem zentralen, sich quer über die gesamte Wallanlage ziehenden Streifen von 80 Metern Breite und 450 Metern Länge stellten sie den Originalzustand von 1880 wieder her. Hier wurden Erdwälle, Mauern und Teile der Wallanlage neu gestaltet. Dem Besucher präsentieren sich verschiedene Schichten der Geschichte. Es herrscht keine typische Museums-Atmosphäre, es bleibt der Wunsch der Gestalter spürbar, die Kraft des Ortes sprechen zu lassen. Sie haben Klarheit geschaffen und zugleich die Geheimnisse aus über 40 Jahren verschlafenem Daseins erhalten. […]

Wie erreicht wurde, dass Baukunst und Umgebung scheinbar verschmelzen, und wie die Besucher Geschichte interaktiv im Innenhof erleben können erfahren Sie in GARTEN+LANDSCHAFT 04/2016 – Ort und Einfluss.

Ein Video auf Niederländisch zu der Entstehung des neuen Forts und einige Eindrücke bekommen sie hier:

Fort bei Vechten, Niederlande
Auftraggeber: Gemeinde Utrecht, Niederlande
Landschaftsarchitektur: West 8 urban design & landscape architecture
Architektur: Rapp+Rapp in Kooperation mit Jonathan Penne Architecten, Architectenbureau K2, BunkerQ, Parklaan, Anne Holtrop
Zeitraum: 2006 bis 2015
Fläche 17 Hektar

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Klimaangepasste Stadtentwicklung per Mausklick? New York wagt das Unvorstellbare: Mit Zoning 2.0 testet die Metropole, wie digitale Tools, Echtzeitdaten und KI-gestützte Szenarienplanung die urbane Anpassung an Klimawandel revolutionieren können. Was steckt hinter dem neuen Ansatz, wie funktioniert er – und was kann die DACH-Region daraus lernen?

  • Zoning 2.0 in New York: Von der starren Baunutzungsverordnung zum dynamischen, klimaresilienten Regelwerk
  • Digitale Werkzeuge und Urban Digital Twins als Rückgrat für Echtzeitanalysen und Szenarienbildung
  • Wie Klimadaten, soziale Faktoren und Infrastrukturmodelle in die Planung integriert werden
  • Anwendungsbeispiele: Kühlungszonen, Hitzeschutz, Hochwasserschutz und soziale Gerechtigkeit
  • Governance, Datenhoheit und Partizipation – Herausforderungen und Chancen für demokratische Stadtentwicklung
  • Vergleich mit der Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Risiken: Kommerzialisierung, algorithmische Verzerrung und neue Exklusionen
  • Fazit: Warum Zoning 2.0 mehr als ein Update ist – und was Planer im deutschsprachigen Raum jetzt wissen müssen

Zoning 2.0: Die digitale Revolution der Baunutzungsplanung

Wer in New York derzeit über Stadtentwicklung spricht, kommt an einem Begriff nicht mehr vorbei: Zoning 2.0. Was auf den ersten Blick wie ein weiteres Buzzword aus dem Silicon Valley klingt, ist in Wahrheit ein radikaler Paradigmenwechsel, der die Regeln für Stadtentwicklung, Nutzungsmischungen und Flächensicherung grundlegend neu denkt. Traditionelle Zoning-Maps, wie sie seit 1916 das Bild der amerikanischen Stadt prägen, sind starr, oft unflexibel und reagieren allenfalls mit jahrelanger Verzögerung auf neue Herausforderungen. Doch die Zeiten, in denen Bebauungs- und Nutzungspläne einmal festgelegt und dann jahrzehntelang unverändert blieben, sind vorbei.

Mit Zoning 2.0 testet New York erstmals ein System, das auf digitalen Stadtmodellen, Echtzeitdaten und KI-gestützten Prognosen basiert. Das Ziel: Die Stadtentwicklung soll nicht nur klimaresilienter, sondern auch sozial gerechter und dynamischer werden. Im Zentrum stehen dabei Urban Digital Twins – digitale Abbilder der Stadt, die sämtliche relevanten Daten zu Klima, Infrastruktur, Bevölkerung, Energie und Mobilität zusammenführen. Diese digitalen Zwillinge ermöglichen es, die Auswirkungen verschiedener Planungsentscheidungen – etwa die Umwandlung eines Industriegebiets in einen Mixed-Use-Block oder die Einführung von Kühlungszonen – in Echtzeit zu simulieren und zu bewerten.

Der Clou: Zoning 2.0 ist kein starres Regelwerk mehr, sondern eine prozessuale Architektur, die fortlaufend auf neue Daten und Entwicklungen reagiert. So kann beispielsweise bei sich häufenden Hitzewellen die erlaubte Flächenversiegelung temporär reduziert oder die Mindestanforderungen an Dachbegrünung angepasst werden. Auch sozialräumliche Faktoren wie Mietbelastungen oder die Verfügbarkeit von Grünflächen können direkt in die Zoning-Regeln einfließen und so für mehr Ausgewogenheit sorgen.

Diese Flexibilität wird durch eine Kombination aus Governance-Modellen, partizipativen Verfahren und technischen Plattformen ermöglicht. Akteure aus Verwaltung, Politik, Planung und Zivilgesellschaft erhalten Zugriff auf die zugrunde liegenden Modelle und können Szenarien gemeinsam entwickeln, visualisieren und bewerten. Die Einführung von Zoning 2.0 markiert damit nicht weniger als den Einstieg in eine neue Ära der Stadtplanung – eine, in der Anpassung, Resilienz und Teilhabe im Zentrum stehen.

Natürlich ist dieser Ansatz nicht ohne Risiken und Widerstände. Die Einführung digitaler Planungssysteme erfordert nicht nur neue Kompetenzen, sondern auch ein Umdenken in Bezug auf Planungshoheit, Datenschutz und Verantwortlichkeiten. Doch New York hat erkannt: Die Herausforderungen des Klimawandels lassen sich mit den Instrumenten des 20. Jahrhunderts nicht mehr bewältigen. Zoning 2.0 ist der Versuch, das Planungsrecht ins 21. Jahrhundert zu holen – und dabei neue Maßstäbe für die ganze Welt zu setzen.

Für Planer im deutschsprachigen Raum lohnt es sich, genau hinzusehen: Denn was in der Millionenmetropole am Hudson erprobt wird, könnte in abgewandelter Form schon bald auch hierzulande die Diskussion um klimaangepasste Planung und digitale Governance prägen.

Digitale Stadtmodelle, KI und Echtzeitdaten: Das Rückgrat von Zoning 2.0

Die technologische Grundlage für das neue Zoning bildet eine komplexe Dateninfrastruktur, in deren Zentrum der Urban Digital Twin steht. Anders als klassische GIS-Systeme oder 3D-Modelle sind diese digitalen Zwillinge nicht nur räumlich exakt, sondern auch dynamisch und lernfähig. Sie verarbeiten eine Vielzahl von Datenquellen – von Klimasensoren und Verkehrsströmen über soziale Indikatoren bis hin zu Echtzeitaufnahmen aus Wetterstationen und Satelliten.

Durch die Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning werden diese Daten nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet und für Prognosen genutzt. So können beispielsweise Veränderungen im Mikroklima, etwa durch den Bau neuer Hochhäuser oder die Umgestaltung von Straßenräumen, mit hoher Präzision simuliert werden. Die Auswirkungen auf Luftzirkulation, Hitzeinseln oder Überflutungsrisiken lassen sich so bereits in der Planungsphase abschätzen und visualisieren.

Ein besonders spannendes Element ist die sogenannte „Scenario Engine“. Sie ermöglicht es, verschiedene Planungsoptionen – etwa unterschiedliche Dichtegrade, Flächennutzungen oder Begrünungsmaßnahmen – gegeneinander abzuwägen und ihre Wechselwirkungen in Echtzeit zu beobachten. Dadurch werden die Folgen von Eingriffen nicht mehr erst nach der Realisierung sichtbar, sondern können schon im Vorfeld datenbasiert bewertet werden.

Dabei geht es nicht nur um technische Raffinesse, sondern auch um Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Die Plattformen, auf denen Zoning 2.0 operiert, setzen auf offene Standards und Schnittstellen, sodass auch externe Akteure – etwa Forschungseinrichtungen, lokale Initiativen oder private Entwickler – eigene Analysen einbringen können. Das Ziel: Eine kollaborative, lernende Planungskultur, in der Wissen und Daten geteilt werden und so die Entscheidungsqualität steigt.

Natürlich werfen diese neuen Möglichkeiten auch Fragen auf: Wer kontrolliert die Daten? Wie werden algorithmische Verzerrungen vermieden? Und wie lassen sich die Interessen der verschiedenen Stakeholder transparent abbilden? Die New Yorker Lösung: Ein Governance-Modell, das auf geteilte Datenhoheit, regelmäßige Audits und partizipative Entscheidungsprozesse setzt. Damit wird Zoning 2.0 nicht nur zum technologischen, sondern auch zum institutionellen Innovationslabor.

Im Vergleich zu vielen deutschen Städten, in denen Daten oft noch in Silos schlummern und Digitalisierungsprojekte sich im Klein-Klein verlieren, ist der Ansatz bemerkenswert mutig. Er zeigt, wie digitale Werkzeuge, Echtzeitdaten und KI-gestützte Analysen eine neue Qualität der klimaangepassten Stadtplanung ermöglichen können – vorausgesetzt, es gibt den politischen Willen und die institutionellen Strukturen, sie auch zu nutzen.

Klimaresilienz, soziale Gerechtigkeit und Governance: Was Zoning 2.0 leistet

Der eigentliche Mehrwert von Zoning 2.0 liegt in seiner Fähigkeit, komplexe Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Spaltung und Infrastrukturbelastung ganzheitlich zu adressieren. Dazu werden Umwelt- und Sozialdaten systematisch in die Regelwerke integriert. So können beispielsweise in besonders hitzegefährdeten Stadtteilen strengere Vorgaben für Dach- und Fassadenbegrünung, reflektierende Baumaterialien oder Mindestanteile an entsiegelten Flächen definiert werden. Gleichzeitig lässt sich die Entwicklung der Sozialstruktur – von Einkommensverteilung bis Zugang zu Grünflächen – laufend beobachten und in die Planung zurückspiegeln.

Ein zentrales Anwendungsfeld ist der Hochwasserschutz. Mithilfe digitaler Zwillinge werden Überflutungsrisiken auf Parzellenebene sichtbar gemacht, sodass die Zoning-Regeln flexibel reagieren können: Bei erhöhtem Risiko werden bauliche Anforderungen, wie Mindesthöhen für Neubauten oder die Verpflichtung zu Retentionsflächen, automatisch angepasst. Das senkt nicht nur das Schadenspotenzial, sondern erhöht auch die Planungssicherheit für Investoren und Anwohner.

Auch das Thema soziale Gerechtigkeit wird neu gedacht. In New York werden beispielsweise Indikatoren wie Mietbelastungsquote, Zugang zu Bildung oder Anteil gefährdeter Bevölkerungsgruppen in die Zoning-Algorithmen integriert. Das Ziel ist es, Verdrängungstendenzen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern – etwa durch Förderquoten für bezahlbaren Wohnraum, Vorgaben für soziale Infrastruktur oder gezielte Verbesserungen der öffentlichen Räume.

Die Governance-Struktur von Zoning 2.0 setzt auf geteilte Verantwortung. Neben Verwaltung und Politik sind auch zivilgesellschaftliche Akteure, Forschung und Privatwirtschaft eingebunden. Entscheidungsfindungen werden transparent dokumentiert, Zielkonflikte offen diskutiert – und die Ergebnisse laufend evaluiert. So entsteht ein lernendes System, das nicht nur auf Krisen reagiert, sondern proaktiv auf Veränderung setzt.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Befürchtet wird etwa, dass algorithmische Entscheidungsfindung zu neuen Formen der Exklusion führen könnte – etwa wenn bestimmte Gruppen in den Daten unterrepräsentiert sind oder kommerzielle Interessen das Regelwerk dominieren. Auch die Frage nach dem Schutz sensibler Daten und der Sicherung demokratischer Kontrolle bleibt virulent. Doch der New Yorker Ansatz zeigt: Durch Transparenz, partizipative Prozesse und klare Verantwortlichkeiten lassen sich viele dieser Risiken zumindest abmildern.

Für Planer und Stadtentwickler im deutschsprachigen Raum ist Zoning 2.0 ein faszinierender Prüfstein: Es macht deutlich, wie viel Potenzial in der Verbindung von Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und Digitalisierung steckt – und wie wichtig es ist, technische Innovationen mit institutionellen Reformen zu verzahnen.

Lehren für Deutschland, Österreich und die Schweiz: Chancen und Stolpersteine

Was bedeutet der New Yorker Vorstoß für die Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Zunächst einmal ist klar: Die Herausforderungen sind vergleichbar. Auch hier steht die Stadtplanung vor der Aufgabe, auf Klimawandel, demografische Veränderungen und soziale Disparitäten flexibel zu reagieren. Doch im Vergleich zu New York ist die Planungskultur im deutschsprachigen Raum stärker von föderalen Strukturen, rechtlichen Vorgaben und traditionellen Beteiligungsformaten geprägt.

Digitale Stadtmodelle und Urban Digital Twins werden zwar auch hierzulande diskutiert – etwa im Rahmen von Smart City-Initiativen oder Modellprojekten wie Connected Urban Twins oder MGI. Doch die Integration in das Bauplanungsrecht und die systematische Verknüpfung mit Klima- und Sozialdaten stehen noch ganz am Anfang. Oft fehlt es an interoperablen Plattformen, klaren Governance-Strukturen und dem notwendigen Mut, bestehende Regelwerke zu öffnen.

Gleichzeitig bieten die Erfahrungen aus New York wertvolle Impulse: Sie zeigen, wie eine datenbasierte, adaptive Zoning-Politik dazu beitragen kann, Flächen effizienter zu nutzen, klimaresiliente Quartiere zu schaffen und soziale Gerechtigkeit zu fördern. Besonders spannend ist die Möglichkeit, Szenarien und Zielkonflikte bereits in der Planungsphase sichtbar zu machen – und so tragfähigere, akzeptierte Entscheidungen zu treffen.

Doch der Weg dorthin ist steinig. Die größten Stolpersteine liegen in der Fragmentierung der Zuständigkeiten, mangelnder Standardisierung und der Angst vor Kontrollverlust. Hinzu kommen Herausforderungen wie Datenschutz, IT-Sicherheit und die Notwendigkeit, Planungsprozesse stärker zu öffnen und zu demokratisieren. Wer Zoning 2.0 will, muss nicht nur technisch aufrüsten, sondern auch neue Formen der Kooperation und Partizipation entwickeln.

Eines ist aber sicher: Die Klimakrise duldet keinen Aufschub. Wer jetzt nicht beginnt, Planungsrecht und digitale Werkzeuge zusammenzudenken, riskiert, von der Realität überrollt zu werden. Die gute Nachricht: Mit Projekten wie Urban Digital Twins, offenen Datenplattformen und partizipativen Governance-Modellen gibt es viele Anknüpfungspunkte, um auch in der DACH-Region die Weichen für eine klimaangepasste, gerechte und resiliente Stadtentwicklung zu stellen.

Planer, Verwaltung und Politik sind gleichermaßen gefordert: Es gilt, aus den internationalen Vorreitern zu lernen – und eigene, kontextspezifische Lösungen zu entwickeln. Der Blick nach New York zeigt: Zoning 2.0 ist kein ferner Traum, sondern längst gelebte Realität. Es liegt an uns, daraus das Beste zu machen.

Fazit: Zoning 2.0 – Mehr als nur ein Update, sondern ein Neustart für die Stadtplanung

Die Einführung von Zoning 2.0 in New York markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Stadtplanung. Digitale Zwillinge, KI-gestützte Analysen und adaptive Regelwerke machen es möglich, auf die Herausforderungen des Klimawandels, sozialer Spaltung und infrastruktureller Belastung flexibel und vorausschauend zu reagieren. Was früher Jahre gedauert hat, kann heute in Echtzeit simuliert, bewertet und angepasst werden.

Doch so faszinierend die technischen Möglichkeiten auch sind: Entscheidend ist, wie sie genutzt werden. Zoning 2.0 ist kein Selbstläufer, sondern verlangt nach neuen Formen der Governance, nach Transparenz, Teilhabe und Verantwortlichkeit. Die Risiken – von algorithmischer Verzerrung bis zur Kommerzialisierung der Planung – sind real, aber beherrschbar, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Für die Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet der New Yorker Ansatz eine Blaupause – und eine Herausforderung. Es reicht nicht, digitale Tools einzuführen; gefragt ist ein grundlegendes Umdenken in der Planungskultur. Nur wenn technische Innovation und institutionelle Reform Hand in Hand gehen, lässt sich die Stadt der Zukunft wirklich klimaresilient, sozial gerecht und lebenswert gestalten.

Garten und Landschaft wird die Entwicklung genau verfolgen – mit einem klaren Fazit: Zoning 2.0 ist mehr als ein Update. Es ist der Einstieg in eine neue Ära der Stadtplanung, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts endlich gerecht werden kann. Wer jetzt mutig ist, kann nicht nur die eigene Stadt, sondern vielleicht sogar die Disziplin selbst neu erfinden.

Das Thema der G+L Novemberausgabe sind Bahnhöfe. Cover: © ingenhoven associates / HGEsch
Das Thema der G+L Novemberausgabe sind Bahnhöfe. Cover: © ingenhoven associates / HGEsch

Hamburg, München und natürlich Stuttgart – in all diesen Städten entstehen mitunter neue Bahnhöfe. In dieser Ausgabe diskutieren wir die Innen- und Außengestaltung der Großprojekte und wollen wissen: Was muss ein Bahnhof heute leisten?

"Es gehört inzwischen regelrecht zum guten Ton über die Deutsche Bahn zu meckern…"

Was die Deutsche Bahn betrifft, vertrete ich eine inzwischen höchst unpopuläre Meinung. – Ich bin großer Fan. Ernsthaft. Ich liebe Zugfahren, ich liebe Bahnhöfe, ich liebe die DB mobil – und die meisten Zugbegleiter*innen finde ich auch recht sympathisch. Für diese Position muss ich mich seit ein paar Jahren immer wieder rechtfertigen. Ich beobachte: Es gehört inzwischen regelrecht zum guten Ton über die Deutsche Bahn zu meckern. Ich hingegen kann das ewige Geknatsche um die Verspätungen, die Tiraden zu den Verfehlungen der Bahn nicht mehr hören. Es nervt. Und ist wenig konstruktiv. Insbesondere wenn wir in puncto Verkehrswende so dringend voran kommen müssen.

Große Projekte, zaghafte Kommunikation

Sie werden also im vorliegenden Heft keine vernichtende Kritik über die Deutsche Bahn lesen, ja. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass diese Ausgabe uns auch in der Redaktion einiges an Nerven gekostet hat. Denn so spannend die aktuellen Großumbauprojekte der DB auch sind (und sein werden), so zaghaft und vorsichtig sind sämtliche, beteiligten Akteure in ihrer Kommunikation. Man merkt regelrecht: Die Proteste und der mediale Eklat rund um die großen Infrastrukturprojekte der jüngeren Vergangenheit wie Stuttgart 21 oder der BER haben ihre Spuren hinterlassen – und die Deutsche Bahn genießt eine große Autorität, was den Auftritt nach außen angeht. Man möchte es sich mit ihr nicht verscherzen.

Die DB, Planungsbüros und verantwortliche Stadtbauräte

Und trotzdem legen wir in diesem Heft in den Gesprächen mit der Deutschen Bahn, den beauftragten Planungsbüros und den verantwortlichen Stadtbauräten den Finger in akute Wunden. Mit der Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk besprachen wir, warum Umbaumaßnahmen so besucherunfreundlich sind, mit dem Hamburger Oberbaudirektor Franz-Josef Höing unterhielten wir uns über die Grenzen von Öffentlichkeitsbeteiligung, und Oliver Hasenkamp von der DB fragten wir, was er als Architekt und Leiter der Projektentwicklung gegen die Verspätungen tun kann.

Fünf Jahrhundertaufgaben in verschiedenen Stadien

Der Fokus in diesem Heft liegt auf den Hauptbahnhofsprojekten in Duisburg, Hamburg, München, Stuttgart und Ulm. Alle fünf sind Mammutprojekte, tatsächliche Jahrhundertaufgaben in verschiedenen Stadien, die durch die Hände (und Köpfe) sehr vieler entstehen. Nicht zu allem Ja und Amen zu sagen ist wichtig, definitiv, aber auch Anerkennung für das zu zeigen, was da tagtäglich für die Bahnhöfe unserer Zukunft geleistet wird.

Das Heft ist hier im Shop erhältlich.

In der letzten Ausgabe der G+L drehte sich alles rund ums Thema Wettbewerbe. Mehr dazu im Editorial.

Passend zum Thema Bahnhöfe begeben sich unsere Kolleg*innen vom Baumeister in der Novemberausgabe auf eine Reise mit dem Orient Express, zu sieben besonderen Destinationen. Alles dazu hier.