ZukunftStadt2016: Berliner Stadtansichten

Was macht gute Stadträume aus? Garten + Landschaft und die Messe Berlin luden im Februar zum Vortragsforum ZukunftStadt@Grünbau im Rahmen der Bautec nach Berlin. Im Fokus: Projekte, Modelle, Verfahren, die als Prototypen wegweisenden Charakter für die Landschaftsarchitektur von morgen entfalten können. Einige Erkenntnisse in Schlagworten.  

Rainer Sachse über … PLANUNGSSKEPSIS:

Früher stand die Bevölkerung Freiraum-Projekten meist positiv gegenüber, doch das hat sich geändert: Heute ist die Öffentlichkeit auch gegenüber Maßnahmen im öffentlichen Raum erst einmal negativ eingestellt. Diese Planungsskepsis nährt sich aus einer generellen Veränderungsskepsis. Davon müssen wir bei unserer Arbeit immer ausgehen. Meiner Erfahrung nach ist die Skepsis aber relativ schnell passé, wenn im Beteiligungsprozess das Vertrauen zu Gestalter und Planer wächst. Das geschieht meist ganz von selbst. Die Vertrauens­basis hilft, die Leute für das Projekt zu begeistern. Und so sind sie dann bereit, sich mehr und mehr darauf einzulassen und einzustellen. Dass die destruktive Haltung vom Anfang bleibt, ist aus meiner Sicht höchst selten der Fall.

Beate Voskamp über … MOTIVATION:

In den Beteiligungsprozessen, die ich moderiere und leite, mache ich die Erfahrung: Es funktioniert nur über Engagement. Und Menschen engagieren sich dann, wenn sie erkennen, dass eine Veränderung mit ihrem Lebensalltag zu tun hat und sie auf ihr Befinden wirken wird. Dieses Engagement ist in kleineren Städten häufiger zu finden als in Metropolen, weil die Betroffenheit dort für viele noch unmittelbarer spürbar ist; aber auch in großen Städten engagieren sich die Menschen dafür, wie sie in ihrem Quartier und ihrem Viertel zusammenleben wollen und wie sie die Räume erleben möchten, in denen sie sich täglich bewegen. Das gesellschaftliche Bedürfnis mitzugestalten, hat sich verändert und ist heutzutage generell groß.

Trotzdem besteht ein ganz entscheidender Teil unserer Arbeit darin, jene zu erreichen und zu motivieren, die vielleicht noch gar nicht ahnen, dass auch sie selbst betroffen sind. Wir müssen also vermitteln: Deine Stadt, Dein direktes Lebensumfeld verändert sich. Nehmen wir zum Beispiel Stuttgart: Mit dem Bau des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 werden die riesigen Bahnflächen im Zentrum voraussichtlich verschwinden. Etwa 85 Hektar Fläche im Herzen der Stadt werden dann frei.

Mit der „Entwicklungsfläche Rosenstein“ – so der Name dieses neuen Viertels – werden Stadtteile ganz neu miteinander verbunden. Auch wenn es bis zum Baubeginn noch dauert, ist die Bevölkerung jetzt schon eingeladen sich einzubringen. Wie man das schafft? Es gibt keine fertigen Konzepte aus der Schublade. Immer geht es darum, eine Vorgehensweise zu entwickeln, die zu dem jeweiligen Projekt und den Personen passt. In Stuttgart erreichen wir die Bürger neben öffentlichen Veranstaltungen und einem Forum aus Vertretern der Stadtgesellschaft über verschiedenste offene Formate.

Dafür gehen wir in die Vereine, Kirchen, multikulturellen Zentren, Schulen, Kindergärten – wir gehen dort auf sie zu, wo sie tatsächlich sind und sich ihr Alltag abspielt. Die Herausforderung hier ist, die ganze Stadt für den gemeinsamen Diskurs und den Gestaltungsprozess zu motivieren und einzubeziehen.

Hanna Bornholdt über … GRÜNE DÄCHER:

Etwa ein Zehntel der Hamburger Landesfläche und damit 65 Quadratkilometer sind Dachfläche. Da schlummert einiges an Potential. Hamburg hat eine Gründachstrategie unter dem Motto „Auf die Dächer – fertig – grün!“ entwickelt. Im Kern stehen die Fragen: Wie soll Hamburg weiterwachsen? Und welche Antwort finden wir auf den Klimawandel mit Starkregenereignissen und zunehmender Hitze? 200 Personen kommen täglich in die Stadt, die Verdichtung schreitet voran. Das bringt immer weniger Freiräume mit sich, immer mehr Menschen nutzen die verbliebenen Freiräume.

Die Gründachstrategie hat das Ziel, vielfältige Dachräume zu schaffen, auf denen man Sport treiben und gärtnern kann und wo Kinder ungestört vom Straßenverkehr spielen können. Begrünte Dächer halten Regenwasser zurück, binden Feinstaub, kühlen die Luft ab und feuchten sie an. In Stadt und Gebäude entsteht so ein angenehmes Klima. Andere positive Nebeneffekte: Bitumendächer werden im Sommer bis zu 90 Grad heiß, Gründächer nur 30.

Die Umgebungstemperatur sinkt und Photovoltaikanlagen erzeugen so höhere Stromerträge. Die Dächer sind auch Rückzugsorte für viele Tier- und Pflanzenarten. Natürlich gibt es auch Ressentiments gegen Gründächer. Wenn man die Effekte unserer Strategie anschaut, spricht der Erfolg aber für sich: Seit Anfang des Jahres 2014 entstanden in Hamburg 44 Hektar Grünfläche auf Dächern.

Tobias Baldauf über …  FUßGÄNGERZONEN:

Sehr erfreut bin ich hier und heute über die Zusammensetzung des Publikums, denn ich glaube, das der Umbau, der Weiterbau von Stadt uns alle etwas angeht. Wir, als Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, bekommen in unserem Arbeitsalltag tagtäglich mit, wie schwer es ist auch junge Menschen für diesen Prozess zu begeistern, sie miteinzubeziehen. Dieses Vortragen, Weiterführen begonnener Ideen, das ist für uns ein ganz wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft.

Ich möchte Sie einladen auf eine Suche nach Öffentlichkeit. Wir, das Kollektiv Bauchplan, versuchen spezifische Räume zu entwickeln, lieben das Entwerfen als Experiment. Die Vielschichtigkeit der Orte ist unserer Meinung nach, das was gesellschaftlichen Zugang weitet. Wir sind vor allem im öffentlichen Raum aktiv. Heute werde ich speziell über ein Projekt sprechen, die neue Meile in Böblingen, die Bahnhofsstraße, die wir in eine Fußgängerzone umgebaut haben.

 

Rainer Sachse ist Geschäftsführer von scape Landschaftsarchitekten und Professor für Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen.

Beate Voskamp ist Geschäftsführerin der Mediator GmbH in Berlin und Inhaberin des Büros Voskamp Landschaftsarchitektur bdla.

Dr. Hanna Bornholdt ist ausgebildete Staudengärtnerin und studierte Landschaftsplanung in Berlin und London. Sie betreut für die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie die Hamburger Gründachstrategie. 

Tobias Baldauf ist Mitbegründer von dem Landschaftsarchitekturbüro bauchplan mit Sitz in München und Wien.

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Am 8. Oktober wird an der Universität EPFL in Lausanne im Rolex Education Centre der diesjährige Topos Landscape Award verliehen. Dies geschieht im Rahmen einer von Archizoom veranstalteten Konferenz zum Thema „The Narrative of Landscape“. Der Schwerpunkt wird auf der Bedeutung des Bodens für die Landschaft liegen, die Betrachtung wird interdisziplinär sein. Zu den eingeladenen Referenten zählen Richard Sennett, Saskia Sassen, Adriaan Geuze und David R. Montgomery. Näheres zum Programm und zur Anmeldung unter http://archizoom-nls.epfl.ch.

Der Topos Landscape Award 2014 geht an die Landschaftsarchitekten von LOLA aus Rotterdam/Niederlande. Das 2006 gegründete Büro beschäftigt sich konzeptionell mit großmaßstäblichen Ökosystemen und entwickelt Ideen zu Raum und Natur, realisiert aber auch Projekte im urbanen und ländlichen Kontext. LOLA begibt sich, nach eigener Darstellung, auf die Suche nach innovativen und sublimen Landschaften (www.lolaweb.nl).
Der Topos Landscape Award wird seit 2002 von der Redaktion der Zeitschrift Topos verliehen. Geehrt wird mit dieser Auszeichnung ein Landschaftsarchitekturbüro, das mit seinen Projekten wesentlich zur qualitätvollen zeitgemäßen Gestaltung von Stadt und Landschaft beiträgt und durch innovative Ideen die Landschaftsarchitektur-Szene bereichert und dessen Werk stellvertretend für die Arbeit zeitgenössischer Landschaftsarchitekten steht. Der Topos Landscape Award will auf die Lebendigkeit und Dynamik sowie auf die Vielschichtigkeit der landschaftsarchitektonischen Aufgaben hinweisen.
Bisher ging die Auszeichnung an Stig L. Anderssons Tegnestue (Kopenhagen), Karres en Brands (Hilversum), Gross.Max. (Edinburgh), McGregor and Coxall (Sydney), Stoss LU (Boston), Antje Stokman (Hamburg), Taktyk (Brüssel/Paris).

2013 wurde, abweichend von den Kriterien, kein junges Büro geehrt, sondern ein erfolgreicher Landschaftsarchitekt mit internationaler Bedeutung: Peter Latz aus Kranzberg bei Freising in Bayern, Deutschland.
Konferenz und Würdigung von LOLA stehen im Kontext zu Lausanne Jardins, deren temporäre Landschaftsinterventionen noch bis 14. Oktober zu besichtigen sind.
http://lausannejardins.ch

Mit freundlicher Unterstützung der Baumschule Lorberg

„Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat“

Advertorial Artikel Parallax Article

Seit 1985 plant das Büro TB MARKERT Stadtplaner * Landschaftsarchitekt haupt­sächlich für kommunale und private Auftraggeber*innen. Von Nürnberg aus arbeiten Teams aus Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen überwiegend an Projekten in Bayern. New Monday sprach mit Teamleiter und Büropartner Rainer Brahm über Herausforderungen im Homeoffice und die Arbeitskultur bei TB MARKERT.

Ecken und Kanten

Was ist für Sie wichtiger – Anschreiben, Lebenslauf oder Portfolio?

Es ist schwierig, da eine Abstufung zu finden. Das Portfolio ist jedoch gerade
bei Absolvent*innen weniger aussagekräftig, da diese häufig noch nicht so viel vorzuweisen haben. Der Lebenslauf ist wichtig, um zu sehen, wie die Bewerber*innen an dem Punkt angelangt sind, sich bei uns zu bewerben und was sie bisher gemacht haben. 

Gibt es beim Lebenslauf besondere Erfahrungen oder Kriterien, die den Bewerbenden für Sie besonders interessant machen?

Tatsächlich ist es häufig so, dass es die Brüche im Lebenslauf sind, die uns interessieren. Bewerber*innen, die eine glatte Laufbahn haben und zwischen Schule, Universität und ersten Berufserfahrungen nahtlos übergegangen sind, sind häufig weniger spannend. Wir möchten sehen, ob und wie jemand seine Persönlichkeit im Laufe seiner Vita entwickelt hat. Und dazu gehören häufig unkonven­tionellere Lebenswege. 

Was ist für Sie beim Bewerbungsgespräch wichtig?

Hauptsächlich geht es darum, dass sich Bewerber*innen authentisch darstellen. Diejenigen, die ehrlich und offen herüberkommen, bleiben am meisten im Gedächtnis und interessieren uns dadurch besonders. Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat – und diese auch zeigt. 

TB MARKERT hat eine ausgeprägte Gesprächskultur

Thema Homeoffice: War das schon vor Corona üblich bei Ihnen?

Homeoffice war bei uns eher ein Randthema. Es gab natürlich Mitarbeiter*innen, die auch schon vor dem Lockdown im Homeoffice gearbeitet haben. Aber die meisten wollten das gar nicht. Und das merken wir auch jetzt: Fast alle unserer Mit­arbeiter*innen bedauern es, dass sie derzeit nicht ins Büro kommen können. Mich schließe ich da ein. 

Was macht Ihre Arbeitskultur aus?

Wir haben eine wertebasierte Unternehmenskultur. Bevor ich zu TB|MARKERT kam, habe ich selbst etliche Büros durchlaufen. Was mir hier gefällt, sind die flachen Hierarchien: Wir sind in drei Teams organisiert, die jeweils von einem Teamleiter betreut werden, und das Büro wird von vier Partnern geleitet. Aber das spielt in der täglichen Praxis eigentlich gar keine Rolle, da wir innerhalb der Teams sehr eng zusammenarbeiten. Außerdem gefällt mir die ausgeprägte Gesprächskultur unter den Kolleg*innen. Auch teamübergreifend sprechen wir sehr viel miteinander und tauschen uns aus. Deshalb fällt uns wahrscheinlich das Homeoffice auch so schwer. Wir vermissen einfach den Austausch untereinander.

Assessment Center für Landschaftsarchitekt*innen? Yes please, sagen Gaus Architekten.

Hier finden Sie das Gespräch mit Eik Kammerl von kammerl + kammerl zum Thema Lebenslauf.

Mehr Einblicke in Planungsbüros finden Sie auf www.new-monday.de.