Arbeits-, Lebenswelt und Anspruchsgruppe

Wir finden Landschaftsarchitektinnen sind unterrepräsentiert. Deswegen geben wir ihnen in der G+L 02/2020 eine Plattform. Wir stellen Projekte von Frauen vor, diskutieren, warum es so wenige Büroinhaberinnen gibt und ob der Gender Pay Gap und die wenigen frauengeführten Büros individuelle oder strukturelle Probleme sind. Warum die G+L zum Thema Frauen in der Planung so wichtig ist? Weil wir uns zu sehr in Sicherheit wiegen.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter? Die befürworten wir fast alle. Derzeit ist es sogar regelrecht hip, sich für Frauenrechte einzusetzen, und ein absolutes No-Go, sich nicht an den entsprechenden Debatten zu beteiligen. Feministische Fragestellungen sind in Diskussionen mit Familie und Freunden angekommen. Sieht man sich jedoch im eigenen beruflichen Umfeld mit Fragen zu egalitären Geschlechterverhältnissen konfrontiert, wird es schon kniffliger. Tatsächlich braucht es Mut und Überwindung, vor dem eigenen Arbeitgeber oder den Kollegen Forderungen nach Gleichberechtigung zu vertreten.

Eine ähnliche Erfahrung haben wir auch bei der Arbeit mit dem vorliegenden Heft gemacht. Wir fragten bei zahlreichen Planerinnen und Planern Statements zum Themenfeld „Frauen in der Planung“ an. Die Resonanz war verhalten, um es gelinde auszudrücken. Ein Planer schrieb uns in einer Mail, dass das Thema für ein Statement zu komplex sei. Wenn dem so ist, dann wollen wir in der Redaktion erst recht die Diskussion eröffnen.

Im vorliegenden Heft betrachten wir einerseits die Arbeits- und Lebenswelt von Planerinnen im Jahr 2020, und andererseits, ob und wie Planerinnen und Planer auf Frauen als eigene Anspruchsgruppe in unseren Entwürfen reagieren müssen.

Die Profession wiegt sich in Sicherheit

Wir holen uns im Interview fachlichen Input von Tanja Mölders, Juniorprofessorin für Sender und Raum an der Leibniz Universität Hannover, und sprechen mit ihr über Gender Pay Gap, Elternzeit und Quoten. Die Profession lassen wir direkt zu Wort kommen, darunter Doris Grabner von grabner huber lipp, die ihre positiven Erfahrungen im Berufsstand beschreibt, und Laura Vahl von lavaland, die dafür plädiert, dass die Politik mehr Vorgaben für geschlechtergerechte Freiräume macht. Nur so würden diese Realität werden.

Was wir aus der Arbeit mit dem Heft gelernt haben? Bezogen auf Gehalt, Karriere und Familienplanung besteht auch in der Planung ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen – zum Nachteil der Frauen. Die Profession selber nimmt das jedoch kaum wahr. Sie wiegt sich in Sicherheit. Dadurch fehlt der Grund, sich mit dem Thema stärker auseinanderzusetzen. Das möchten wir ändern und bitten Sie, sich den Kommentar in der aktuellen G+L zu Herzen zu nehmen, denn: Wir müssen offener diskutieren.

Die G+L 02/2020 zum Thema Frauen in der Planung können Sie hier erwerben.

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Zum Tod von Hans Luz

Am 9. April ist der Garten- und Landschaftsarchitekt Hans Luz mit knapp 90 Jahren verstorben. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war zeitlebens seine Heimatstadt Stuttgart. Nach einer Lehre als Landschaftsgärtner folgte von 1953 bis 1955 die Weiterbildung zum Gartenarchitekten bei Otto Valentien. 1956 tritt Hans Luz in die Fußstapfen seines Vaters, Karl Luz, und wird freischaffender Landschaftsarchitekt.

Seinen ersten öffentlichen Auftrag erhielt er 1961 im Zuge der Bundesgartenschau in Stuttgart womit er den Schwerpunkt seiner Arbeit vom Privatgarten in den öffentlichen Freiraum verlagerte. Außenanlagen von Wohnsiedlungen, Hochschulen und Krankenhäusern zählten in den Folgejahren ebenso zu seinen Projekten wie Friedhöfe und Stadtgärten. Das Grüne U in Stuttgart aber ist zweifelsohne eines seiner bekanntesten Werke: Das verknüpfende Parkband in Form eines „U“ entstand anlässlich der IGA 1993 und erstreckt sich über acht Kilometer von den Schlossgärten bis zum Höhenpark Killesberg und fand 2012 mit der Grünen Fuge seinen Abschluss.

Für sein Gesamtwerk erhielt Hans Luz 1993 den ersten Landschaftsarchitektur-Preis des BDLA, 1997 folgte die Auszeichnung mit dem­ Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring. 1998 wurde Luz+Partner zu Luz Landschaftsarchitektur, das Büro wird inzwischen von seinem Sohn Christof Luz geleitet.

Ein Denkmal für Euthanasie-Opfer

70 Jahre nach den sogenannten Euthanasie-Morden der Nationalsozialisten wird es nun endlich einen würdigen Gedenk- und Informationsort in Berlin geben. Bei der “Aktion T4” (benannt nach der Adresse der damaligen Planungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen durch SS-Ärzte und Pflegekräfte ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Taten als Euthanasiemorde bezeichnet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architektin Ursula Wilms, dea Konzeptkünstlers Nikolaus Koliusis aus Stuttgart und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann aus Aachen hat nach der Juryentscheidung vom 23. November mit ihrem Konzept den 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs gewonnen.

Mit einer 31 Meter langen und 3,10 Meter hohen transparenten und hellblau eingefärbten Glaswand möchte die Arbeitsgemeinschaft auf einer schiefen Fläche aus anthrazitfarbenen Betonplatten an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern. Eine 40 Meter lange Sitzbank verbindet die Tiergartenstraße mit dem Denkmal. Die nach Westen ausgerichtete, schräg gestellte Betonwand dient als Grundkonstruktion für ein durchlaufendes Informationspult in 13 Elementen. Dieses soll Opferbiographien beispielhaft präsentieren und 13 Medienstationen aufnehmen.

Das Preisgericht hob hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich  nicht aufdränge und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setze.
Den Wettbewerb „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‘Euthanasie’-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ hatten das Land Berlin und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobt. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000 Euro stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung. Am 10. November 2011 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, auf dem historischen Areal der Berliner Tiergartenstraße 4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde” zu errichten.
Der zweite Preis ging an Yves Dreier von Dreier Frenzel Architektur + Kommunikation aus Lausanne, die Künstlerin Susanne Muller und k1 Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin.