Weltkongress Gebäudegrün – verschoben

DER WELT­KON­GRESS GEBÄUDE­GRÜN 2020 FIN­DET VOM 16-18. JUNI IN BER­LIN STATT. (LOGO: BUGG)

Ursprünglich hätte der Weltkongress Gebäudegrün im Juni 2020 stattfinden sollen. Nach mehrmaligen Verschieben steht nun der neue Kongresstermin fest: Der Weltkongress Gebäudegrün wird auf den 27. bis 29. Juni 2023 verlegt. Mit dabei ist unter anderem der weltbekannte Fassaden- und Wandbegrüner Patrick Blanc.

Nachhaltigkeit, Politik und Praxisbeispiele

 

Klimawandel, Anpassungsstrategien, Erwartungen an nachhaltiges Bauen, Regenwasserbewirtschaftung, biologische Vielfalt erhalten, Fördermöglichkeiten, Kosten-Nutzen-Betrachtungen – all das wird am Weltkongress Gebäudegrün 2023 in Berlin behandelt. Vom 27. bis 29. Juni 2023 kommen 100 Referent*innen, 40 Aussteller*innen sowie 20 Kooperationspartner*innen zusammen, um Wissen zur Gebäudebegrünung zu vermitteln, Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen und zu netzwerken.

Das sind die Themenschwerpunkte des Weltkongress Gebäudegrün:

Veranstalter des Weltkongress Gebäudegrün ist der Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG), flankiert durch die Welt- und Europa-Verbände (WGIN und EFB) sowie die beiden Partnerverbände aus Österreich (VfB) und der Schweiz (SFG).

Details zum Veranstaltungsprogramm, zum Veranstaltungsort sowie die Möglichkeiten zur Anmeldung  finden Sie hier. 

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Digitale Ökobilanzen für städtische Bauprojekte

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Atemberaubende Luftaufnahme einer Schweizer Stadt von Chundy Tanz, die urbane Planung und digitale Entwicklung eindrucksvoll zeigt.

Ökobilanzierung in der Stadtplanung? Was vor wenigen Jahren noch nach Excel-Tabelle im Hinterzimmer klang, ist heute Hightech, Echtzeit, datengetrieben – und längst ein entscheidender Hebel für nachhaltige Bauprojekte. Digitale Ökobilanzen liefern nicht nur Zahlen, sondern machen die Klimaauswirkungen städtischer Bauvorhaben erstmals sichtbar, vergleichbar und steuerbar. Zeit, einen genauen Blick auf Chancen, Fallstricke und praktische Umsetzung zu werfen.

  • Was digitale Ökobilanzen sind und wie sie klassische Methoden ablösen
  • Die wichtigsten Datenquellen, Tools und Schnittstellen für städtische Projekte
  • Rechtliche, technische und kulturelle Herausforderungen bei der Implementierung
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – von Pilotprojekten und Best Practice
  • Die entscheidende Rolle von Transparenz, Partizipation und Governance in der Ökobilanzierung
  • Chancen für Stadtplanung, Architektur und nachhaltige Quartiersentwicklung
  • Gefahren digitaler Ökobilanzen: Algorithmische Verzerrung, Intransparenz, Greenwashing
  • Wie digitale Ökobilanzen den Paradigmenwechsel in der Planung vorantreiben
  • Empfehlungen für Kommunen, Planungsbüros und Entwickler zur erfolgreichen Einführung

Vom Rechenblatt zum digitalen Bauökosystem: Was sind digitale Ökobilanzen?

Digitale Ökobilanzen sind weit mehr als schicke Grafiken für den Nachhaltigkeitsbericht: Sie sind das datenbasierte Rückgrat moderner Stadtentwicklung. In der klassischen Ökobilanz – häufig auch als „Life Cycle Assessment“ (LCA) bezeichnet – werden Umweltwirkungen eines Bauprojekts über den gesamten Lebenszyklus hinweg analysiert. Dazu zählen Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Bau, Betrieb, Sanierung und Rückbau. Während diese Berechnungen früher meist statisch, papierbasiert und retrospektiv erfolgten, eröffnen digitale Tools heute ganz neue Dimensionen in puncto Präzision, Dynamik und Interaktivität.

Im Zentrum steht ein digitaler Zwilling des Bauprojekts oder Quartiers, der sämtliche relevanten Materialflüsse, Energieverbräuche und Emissionen simuliert. Die eingesetzten Softwarelösungen – von spezialisierten LCA-Tools bis zu komplexen BIM-Integrationen – ermöglichen es, verschiedene Entwurfsvarianten bereits in der frühen Planungsphase miteinander zu vergleichen. So kann beispielsweise abgeschätzt werden, wie sich unterschiedliche Dämmmaterialien, Fassadentypen oder Energiekonzepte auf den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes auswirken.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Erstens lassen sich Zielkonflikte – etwa zwischen Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Kosten – transparent machen. Zweitens können Planer dynamisch auf neue Rahmenbedingungen reagieren, etwa geänderte Baustoffpreise, technische Innovationen oder verschärfte Klimaziele. Drittens unterstützen digitale Ökobilanzen die Kommunikation mit Behörden, Investoren und Öffentlichkeit, indem sie komplexe Zusammenhänge verständlich visualisieren.

Doch was unterscheidet die digitale Ökobilanz konkret von ihrem analogen Vorgänger? Zunächst ist es die Datenintegration: Moderne Systeme greifen auf umfangreiche Datenbanken zu, aktualisieren sich automatisch und können sogar Echtzeitdaten aus Sensorik und IoT (Internet of Things) einbinden. Hinzu kommt die Möglichkeit, Szenarien und Sensitivitätsanalysen zu erstellen, also etwa Worst-Case- und Best-Case-Varianten durchzuspielen. Und nicht zuletzt öffnen Schnittstellen zu GIS (Geoinformationssystemen), BIM (Building Information Modeling) und urbanen Datenplattformen ganz neue Wege der Vernetzung – von der Quartiers- bis zur Stadtebene.

Ein Beispiel aus der Praxis: In Zürich werden bei städtischen Neubauprojekten sämtliche Bauprodukte digital erfasst und ihre ökologischen Kennwerte automatisiert analysiert. Damit können Planer bereits in der Entwurfsphase gezielt Materialien mit niedrigem CO₂-Fußabdruck auswählen – und die Auswirkungen jeder Planänderung in Echtzeit bewerten. Ähnliche Ansätze gibt es in Wien, München und Basel, wo digitale Ökobilanzen zunehmend zum Standard werden. Die zentrale Botschaft: Wer heute noch nach Bauchgefühl plant, hat morgen ein echtes Problem.

Daten, Tools, Schnittstellen: Die technische DNA der digitalen Ökobilanz

Die technische Umsetzung digitaler Ökobilanzen ist alles andere als trivial. Im Zentrum steht die Verknüpfung multipler Datenquellen – von Baustoffdatenbanken wie ÖKOBAUDAT oder ecoinvent über lokale Emissionsdaten bis hin zu Echtzeitwerten aus Sensorik und Smart-Metering. Die Qualität und Aktualität dieser Daten bestimmt maßgeblich die Aussagekraft der Ökobilanz. Gerade bei städtischen Bauprojekten, die häufig komplexe Materialströme, Nutzungsmischungen und unterschiedliche Lebenszyklusphasen vereinen, kommt der Datenintegration eine Schlüsselrolle zu.

Ein weiteres zentrales Element ist die Wahl der richtigen Software. Während klassische LCA-Tools wie GaBi, SimaPro oder openLCA etabliert sind, setzen immer mehr Planungsbüros auf BIM-basierte Lösungen. BIM – kurz für Building Information Modeling – verknüpft digitale Gebäudemodelle mit Echtzeitdaten und erlaubt eine dynamische Kopplung von Planung, Ausführung und Betrieb. Im Idealfall entsteht so ein durchgängiges Bauökosystem, in dem die Ökobilanz keine isolierte Disziplin mehr ist, sondern integraler Bestandteil des Gesamtprozesses.

Eine der größten Herausforderungen für Kommunen und Entwickler ist der Aufbau von Schnittstellen: Wie lassen sich Geodaten, Materialdaten, Betriebsdaten und Nutzerfeedback effizient verknüpfen? Hier punkten offene Standards und Plattformen, die Interoperabilität und Datensouveränität sichern. Auch der Datenschutz spielt eine immer größere Rolle, insbesondere wenn personenbezogene Daten – etwa zur Gebäudenutzung oder Mobilität – in die Bilanzierung einfließen. Ohne klare Governance, Verantwortlichkeiten und Zugriffsregeln läuft die digitale Ökobilanz schnell Gefahr, zur Black Box zu werden, in der niemand mehr den Überblick behält.

Ein weiteres technisches Thema ist die Skalierbarkeit: Während die Bilanzierung eines einzelnen Gebäudes vergleichsweise einfach erscheint, wird es bei größeren Quartieren, Infrastrukturprojekten oder gar ganzen Stadtteilen richtig spannend. Hier kommen urban digitale Zwillinge ins Spiel, die wie ein Nervensystem sämtliche relevanten Datenströme bündeln, auswerten und für die Ökobilanzierung nutzbar machen. Städte wie Helsinki und Rotterdam zeigen, wie solche Systeme nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Resilienz, Nutzerkomfort und Betriebssicherheit optimieren können.

Abschließend lohnt ein Blick auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen: Diese Technologien helfen, enorme Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und Prognosen für zukünftige Umweltauswirkungen zu erstellen. Doch Vorsicht: Je komplexer die Modelle, desto größer die Gefahr algorithmischer Verzerrungen. Deshalb gilt auch hier: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und regelmäßige Validierung sind Pflicht – alles andere ist digitales Greenwashing.

Rechtliche und organisatorische Hürden: Warum die Praxis oft hinter der Technik zurückbleibt

So überzeugend die technischen Möglichkeiten sind, so groß sind die Hürden in der Umsetzung. Ein zentrales Problem: Die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Ökobilanzen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch alles andere als einheitlich. Während auf europäischer Ebene mit der Taxonomie-Verordnung und der neuen Bauprodukteverordnung erste Weichen gestellt werden, fehlt es auf nationaler und kommunaler Ebene oft an klaren Vorgaben. Welche Daten müssen erhoben werden? Wer ist für die Qualitätssicherung verantwortlich? Wie werden Ergebnisse dokumentiert und geprüft? All diese Fragen sind vielfach offen – und sorgen für Unsicherheit in Planung und Genehmigung.

Ein weiteres Hemmnis ist die fragmentierte Zuständigkeit in der Verwaltung: Während das Umweltamt für Emissionsdaten zuständig ist, verwalten Bauämter die Planungsunterlagen, während wiederum das Statistikamt Betriebsdaten erhebt. Ohne zentrale Koordination und einheitliche Datenstandards bleibt die Ökobilanzierung Flickwerk. Erfolgreiche Städte setzen deshalb auf Urban Data Plattformen und interdisziplinäre Projektteams, die alle relevanten Stakeholder – von Planern über Betreiber bis zu Bürgern – an einen Tisch holen.

Hinzu kommen kulturelle Vorbehalte: Viele Akteure fürchten, mit der Digitalisierung Kontrolle abzugeben oder sich von Algorithmen „entmündigen“ zu lassen. Dass die Ökobilanz plötzlich transparent macht, wo bisher Unklarheit herrschte, sorgt nicht selten für Konflikte – etwa zwischen Investoren, die auf schnelle Rendite setzen, und Planern, die langfristige Nachhaltigkeit im Blick haben. Hier braucht es eine neue Planungskultur, die Daten als Chance und nicht als Bedrohung begreift.

Auch die Schulung und Weiterbildung von Fachkräften ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Die wenigsten Architekten, Ingenieure oder Stadtplaner sind von Haus aus Datenexperten. Umso wichtiger sind Weiterbildungsangebote, die digitale Kompetenzen, ökologisches Grundwissen und rechtliche Rahmenbedingungen verknüpfen. Hochschulen und Kammern sind hier ebenso gefordert wie Softwareanbieter und Kommunen.

Schließlich darf die Frage der Finanzierung nicht unterschätzt werden: Die Einführung digitaler Ökobilanzen kostet Geld – für Software, Datenintegration, Schulung und laufenden Betrieb. Gerade kleinere Kommunen und Büros stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Förderprogramme, Partnerschaften und Open-Source-Ansätze können helfen, die Einstiegshürden zu senken. Doch klar ist: Wer jetzt nicht investiert, zahlt später drauf – sei es durch ineffiziente Gebäude, teure Nachbesserungen oder verpasste Klimaziele.

Best Practice und Lessons Learned: Wie Städte und Quartiere von digitalen Ökobilanzen profitieren

Die gute Nachricht: Es gibt sie, die Vorreiter in Sachen digitaler Ökobilanzierung. Ein Blick nach Hamburg zeigt, wie im Rahmen des Projekts „Stadtquartier 4.0“ sämtliche Planungs- und Betriebsdaten in einem digitalen Zwilling zusammengeführt werden. Hier können Planer in Echtzeit sehen, wie sich Materialwahl, Energiekonzept oder Nutzerverhalten auf den CO₂-Ausstoß des Quartiers auswirken. Die Ergebnisse fließen direkt in die Entscheidungsfindung ein – etwa bei der Frage, ob eine Tiefgarage wirklich notwendig ist oder alternative Mobilitätskonzepte ökologisch sinnvoller sind.

In Zürich hat die Stadtverwaltung einen eigenen „Ökobilanzmanager“ entwickelt, der sämtliche städtischen Bauprojekte systematisch bewertet und miteinander vergleicht. So lassen sich Best-Practice-Lösungen identifizieren, skalieren und auf andere Projekte übertragen. Besonders spannend: Auch Bürger können über eine Online-Plattform eigene Vorschläge einbringen und die Auswirkungen verschiedener Szenarien selbst simulieren. Das schafft Akzeptanz, Verständnis und Transparenz.

Wien wiederum setzt auf eine enge Verzahnung von BIM, GIS und LCA-Tools. Bei der Entwicklung neuer Stadtteile wie Aspern Seestadt werden alle Bauprodukte digital erfasst, geprüft und bilanziert – von der ersten Skizze bis zum Rückbau. Die Stadt arbeitet dabei eng mit Universitäten, Softwareanbietern und Planungsbüros zusammen. Das Ergebnis: Gebäude, die nicht nur effizient, sondern auch ressourcenschonend, klimafreundlich und kreislauffähig sind. Die digitale Ökobilanz ist hier kein Add-on mehr, sondern Pflicht in jedem Planungsschritt.

Auch kleinere Kommunen profitieren: In der Schweiz nutzt die Gemeinde Uster ein einfaches, webbasiertes Ökobilanztool, mit dem selbst Laien die Umweltwirkungen von Bauprojekten nachvollziehen können. Das stärkt die Beteiligung und sorgt dafür, dass Nachhaltigkeit kein Elitenprojekt bleibt. Entscheidend ist dabei die Einfachheit der Bedienung und die klare Visualisierung komplexer Sachverhalte – schließlich will niemand in endlosen Zahlenkolonnen versinken.

Was alle diese Beispiele eint: Die digitale Ökobilanz wird zur Entscheidungsinstanz. Sie liefert nicht nur Zahlen, sondern ermöglicht eine ganz neue Qualität der Stadtentwicklung – transparent, partizipativ und dynamisch. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht in der Technik, sondern in der Zusammenarbeit: Wer Daten, Kompetenzen und Perspektiven intelligent vernetzt, schafft lebenswerte Städte für die Zukunft.

Chancen, Risiken und der Paradigmenwechsel in der Planungskultur

Digitale Ökobilanzen sind kein Allheilmittel – aber sie sind der mächtigste Hebel, um nachhaltige Stadtentwicklung in der Praxis zu verankern. Sie ermöglichen es, Zielkonflikte sichtbar zu machen, Innovationen zu testen und Entscheidungen auf eine solide Datenbasis zu stellen. Gerade angesichts immer strengerer Klimavorgaben, begrenzter Ressourcen und wachsender Anforderungen an Lebensqualität sind sie unverzichtbar.

Doch mit der neuen Macht der Daten wachsen auch die Risiken. Algorithmische Verzerrungen, fehlerhafte Eingaben oder mangelnde Transparenz können dazu führen, dass Bauprojekte schlechter abschneiden als in der Realität – oder umgekehrt als „grün“ verkauft werden, obwohl der ökologische Nutzen fragwürdig ist. Stichwort Greenwashing: Wenn digitale Ökobilanzen zur reinen PR-Maßnahme verkommen, verspielen Städte und Entwickler ihre Glaubwürdigkeit – und am Ende das Vertrauen der Öffentlichkeit.

Auch der Umgang mit Unsicherheiten bleibt eine Herausforderung. Selbst die beste Bilanz kann nicht jede Zukunft exakt vorhersehen – zu viele Faktoren sind volatil, von Energiepreisen bis zu Nutzerverhalten. Deshalb gilt: Digitale Ökobilanzen sind Werkzeuge zur Steuerung, keine Orakel. Sie müssen regelmäßig überprüft, angepasst und ergänzt werden. Nur so bleiben sie relevant und verlässlich.

Ein weiteres Risiko ist die Kommerzialisierung der Bilanzierung: Wenn proprietäre Softwareanbieter die Datenhoheit übernehmen, droht die Stadtentwicklung zum Spielball wirtschaftlicher Interessen zu werden. Offene Standards, Open-Source-Lösungen und klare Governance-Strukturen sind deshalb essenziell, um digitale Souveränität zu sichern. Nur so bleibt die Ökobilanz ein öffentliches Gut – und kein exklusives Privileg großer Konzerne.

Am Ende geht es um einen Paradigmenwechsel in der Planungskultur: Weg vom Bauchgefühl, hin zur datenbasierten, partizipativen und dynamischen Stadtentwicklung. Wer diesen Wandel aktiv gestaltet, profitiert von effizienteren Prozessen, besseren Gebäuden und zufriedeneren Bürgern. Wer ihn verschläft, riskiert Stillstand, Ineffizienz und verpasste Chancen. Die digitale Ökobilanz ist dabei nicht das Ziel – sondern der Weg.

Fazit: Die digitale Ökobilanz ist mehr als ein Tool – sie ist der Taktgeber nachhaltiger Stadtentwicklung

Digitale Ökobilanzen verändern die Spielregeln der Stadtplanung – und das auf allen Ebenen. Sie machen Umweltwirkungen sichtbar, vergleichbar und steuerbar. Sie ermöglichen es, Innovationen zu testen, Zielkonflikte zu lösen und Entscheidungen auf eine solide Datenbasis zu stellen. Doch ihr Erfolg hängt nicht allein von der Technik ab, sondern von der Fähigkeit, Daten, Menschen und Prozesse intelligent zu vernetzen. Transparenz, Partizipation und offene Standards sind dabei ebenso wichtig wie technisches Know-how und politischer Wille. Wer heute in digitale Ökobilanzen investiert, sichert nicht nur die Einhaltung von Klimazielen und Ressourcenschutz – sondern schafft lebenswerte, zukunftsfähige Städte. Die Zeit der Excel-Tabellen ist vorbei. Die Zukunft gehört den Daten – und denen, die sie verantwortungsvoll nutzen.

4,9 Millionen Euro für Haus der Statistik

 Das Haus der Statistik erhält eine Förderung, die es in sich hat: Neben 23 weiteren Projekten unterstützt das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ auch das Projekt in Berlin-Mitte. Nach zehn Jahren Leerstand will die gleichnamige Initiative den DDR-Gebäudekomplex gemeinwohlorientiert entwickeln. Sie reichte die Entwicklung der Erdgeschossflächen beim Bundesprogramm ein. Mit Erfolg: Der Bund fördert das Haus der Statistik mit 3,27 Millionen Euro, das Land Berlin gibt noch 1,63 Millionen Euro dazu.

Zehn Jahre Leerstand, jetzt die Veränderung. Kooperativ und gemeinwohlorientiert wollen Künstler*innen, Architekt*innen, Kulturschaffende und Politiker*innen das Haus der Statistik in Berlin-Mitte entwickeln. Der Gebäudekomplex liegt in der Otto-Braun-Straße, südlich angrenzend an die Karl-Marx-Allee. Er war von 1968 bis 1970 Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik in der DDR. Im Zuge der Wiedervereinigung zogen hier bundesdeutsche Behörden ein.

Seit 2008 steht der Bau mit 46 000 Quadratmeter Grundfläche leer. Investoren wollten das Gebäude gar 2015 kaufen und abreißen. Dies verhinderte die sogenannte „Initiative Haus der Statistik“ – ein Zusammenschluss aus Künstler*innen, Architekt*innen, Kulturschaffende und Politiker*innen. Sie setze sich dafür ein, das ganze Areal neu und kooperativ zu entwickeln. Die Ideen griffen anschließend die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte und später der Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Berlin-Regierung auf.

Das Land Berlin kaufte das Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Modellprojekt nahm seinen Anfang. Mitte März meldete nun das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, dass das Haus der Statistik im Zuge des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ ausgewählt wurde. Demnach soll die Erdgeschossflächen des Haus der Statistik „zum Ausgangspunkt für die Entwicklung eines resilienten Stadtbausteins werden.“

Baurecht für Haus der Statistik

 

Verantwortlich für das Projekt „Haus der Statistik“ zeichnet eine Berliner Akteurskonstellation mit dem Namen „Koop5“. Die fünf Kooperationspartner*innen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, das Bezirksamt Berlin-Mitte, die landeseigenen Gesellschaften WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte und BIM Berliner Immobilienmanagement sowie die ZUsammenKUNFT Berlin eG arbeiten seit Januar 2018 zusammen.

Sie sollen im Rahmen des BMI-Förderprogramms nun verstärkt gemeinwohlorientierte Pioniernutzungen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung in die Erdgeschossflächen des Gebäudekomplexes überführen. Das übergeordnete Ziel des Haus der Statistik: Das Schaffen eines lebendigen Begegnungsortes.
Hierfür lief von September 2018 bis Februar 2019 ein städtebauliches Werkstattverfahren mit den drei Planungsteams Teleinternetcafe und Treibhaus, COBE Berlin und Studio Sörensen sowie ISSS research&architecture, Octagon Architekturkollektiv und Man Made Land.

Die Ideen der Planungsgemeinschaft Teleinternetcafe und Treibhaus aus Berlin und Hamburg überzeugten schließlich die Gutachter*innen. Ihr Entwurf definiert sich dadurch, dass er die Nutzer*innenperspektive stark in den Fokus nimmt. Er bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung, der Bezirk Mitte möchte ihn bis 2021 mittels Bebauungsplan-Verfahren in Baurecht überführen.

Entwurf von Teleinternetcafe und Treibhaus

Die aktuelle Planung des Quartiers „Haus der Statistik“ definiert sich durch rund 65 000 Quadratmeter Neubau. Sie soll den Bestand mit 46 000 Quadratmetern ergänzen. Teleinternetcafe und Treibhaus sehen zudem drei Höfe mit dem Spitznamen „Stadtzimmer“ in der Mitte des Areals vor. Sie sollen der gemeinschaftlichen Nutzung und Begegnung dienen.

Eine Wohnbebauung mit zwei 15- und 12-geschossigen Wohnhochhäusern schließt entlang der Berolinastraße östlich ab. Im Westen entsteht ein 16-geschossiger Büroturm an der Otto-Braun-Straße für das neue Rathaus Mitte. Ein definitives Highlight sind die drei sogenannten „Experimentierhäuser“ mit wechselnden Nutzungen. Für zusätzliches Grün in der Nachverdichtung sorgen mehrere Dachgärten und Gemeinschaftsterrassen.

3,27 Millionen Euro vom Bund

Das neue Rathaus für den Bezirk Berlin-Mitte soll bis 2031 im neuen Quartier entstehen.

Im Januar 2021 meldete die Initiative „Haus der Statistik“, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und Bezirk Berlin-Mitte ein innovatives Partizipationsverfahren für das „Rathaus der Zukunft“ startet. Berliner Bürger*innen sollen sich per digitaler Beteiligung aktiv mit Ideen zur Architektur, Interaktion einer modernen Verwaltung, den Zugänglichkeiten eines „Rathaus der Zukunft“ und der Werten, die das Gebäude widerspiegeln soll, einbringen.

Und nun die nächsten good news: Im Förderprogramm des BMI „Nationale Projekte des Städtebaus“ konnte sich das Haus der Statistik mit seiner Bewerbung „Kuratierte Erdgeschossflächen im Haus der Statistik“ durchsetzen. Das Projekt erhält hierbei eine Bundesförderung in Höhe von 3,27 Millionen Euro, das Land ergänzt den Betrag um weitere 1,63 Millionen Euro.

Äußerst positiv äußerten sich dazu Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Sie freue sich sehr, dass der Bund mit dem Haus der Statistik ein Projekt des Landes Berlin ausgewählt hätte, das mittels neuer Kooperationsformel und einer breiten Mitwirkung der Zivilgesellschaft Flächen für einen Nutzungsmix aus Kultur, Bildung, Sozialem, öffentlicher Verwaltung und bezahlbarem Wohnraum schaffe, so von offizieller Stelle. Man setze gemeinsam mit den Partner*innen am Haus der Statistik wichtige Impulse einer solidarischen, nachhaltigen und innovativen Stadtentwicklung.

98 Bewerbungen für Bundesprogramm

Seit 2014 fördert der Bund mit dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ jährlich gemeinwohlorientierte und konzeptionelle Vorhaben mit besonderem nationalem oder internationalem Wert. Die ausgewählten Projekte – wie das Haus der Statistik eben auch – definieren sich durch hohe baukulturelle Qualität, überdurchschnittliches Investitionsvolumen sowie ein Innovationspotenzial.

Nach sieben Jahren Laufzeit weist das Bundesprogramm 193 Projekte vor. Die gesamthafte Fördersumme beläuft sich auf 596 Millionen Euro. Ab 2021 fördert der Bund nun 24 weitere Projekte mit insgesamt 75 Millionen Euro. Neben Berlin und dem Haus der Statistik hatten sich insgesamt 98 deutsche Städte und Gemeinden beworben.

Welche Projekte für das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ im Jahr 2021 noch ausgewählt wurden, finden Sie hier.

Und by the way: Neben dem Haus der Statistik gibt es auch den Kiez der Statistik. Alles dazu hier.