Garden Bridge: Eine unnötige Geldverschwendung

In London wird derzeit eines der kontroversesten Parkprojekte der Welt umgesetzt: die Garden Bridge. Über 366 Meter soll die Brücke von Heatherwick Studio das Nord- und Südufer der Themse zwischen Waterloo und Blackfriar’s Bridge verbinden. Die Öffentlichkeit verfolgt gehässig die negativen Schlagzeilen über das Projekt, doch nun wird es ernst: Die Baumaßnahmen starten diesen Sommer.

In Kurzform: 2013 bekam Heatherwick Studio, das bereits seit einigen Jahren mit der Schauspielerin Joanna Lumley an dem Konzept einer Gartenbrücke arbeitete, vom Verkehrsbetrieb Transportation for London die Chance „Ideen einer neuen Fußgänger­brücke zu entwickeln“. Das veranschlagte Budget des Entwurfs überstieg die Vorschläge der weitaus erfahreneren Konkurrenz bei Weitem. Trotzdem erreichte die Garden Bridge die höchste Punktzahl in der Auswertung des Verkehrsbetriebs Transport for London. Eine Auswertung, die niemand mehr nachvollziehen kann weil die Dokumente vernichtet wurden.

Ein Fall von Vetternwirtschaft?

Noch bevor überhaupt zur Bewerbung aufgerufen wurde, traf sich Boris Johnson, damals  Bürgermeister, mit den Designern der Brücke, Joanna Lumley und Thomas Heatherwick. Mit ihm und der damaligen Stadträtin für Transport Isabel Dedring unternahm Johnson auch eine Reise zum Computerhersteller Apple in San Francisco, um für die Finanzierung für ein Projekt zu werben, das komplett aus privaten Mitteln gestemmt werden sollte. Auch das, bevor der Aufruf zur Bewerbung kam. Der ehemalige Bürgermeister reagierte mit Wutausbrüchen und Beleidigungen, wenn man ihn auf diesen merkwürdigen Umstand ansprach – ein übliches Verhalten, wenn er sich ertappt fühlt.

Denn natürlich ist die Garden Bridge kein rein privat finanziertes Projekt. 60 Millionen Pfund werden aus öffentlichen Mitteln gestemmt. Zu den 30 Millionen Pfund aus der Staatskasse sagte der britische Rechnungshof: „Schatzkanzler George Osborne hat den offiziellen Weg und die Aufsicht des Departement for Transportation umgangen um Boris Johnson Geld für die Garden Bridge zur Verfügung zu stellen und hat ihn gewarnt, dass das Projekt normalerweise nicht genehmigt worden wäre.“ Der neue Bürgermeister Sadiq Khan veranlasste als eine seiner ersten Amtshandlungen überhaupt eine Untersuchung dieses Prozesses, auch wenn er das Projekt an sich unterstützt. Seiner Meinung nach sei bereits zuviel Steuergeld in den Entwurf geflossen, als dass es sich lohnen würde, die Reißleine zu ziehen.

Jetzt will man, dass wir Londoner uns mit dem Bau der Brücke abfinden. Dabei sind noch viele Fragen offen. Warum gibt es keinen Radweg? Warum ist sie nicht rund um die Uhr geöffnet? Warum kann die Brücke für die Bevölkerung früher geschlossen werden, nur weil der Trust eine Spendenparty schmeißen will?

Ich finde, es hätte nie soweit kommen dürfen. Die Garden Bridge hätte auf Eis gelegt und eine angemessenere Fußgänger- und Fahrradbrücke entwickelt werden müssen. Eine Brücke, die einfachen Prinzipien folgt: eine zügige Verbindung von A nach B und der Öffentlichkeit immer zugängig zu sein. Eine abgespeckte, elegante Brücke wäre schließlich günstiger als die 175 Millionen Pfund, die für die Garden Bridge veranschlagt wurden. Eine Brücke im Stadtteil Rotherhithe für Fußgänger und Fahrradfahrer wird zum Vergleich nur etwa 88 Millionen Pfund kosten – und sie wird sogar große Schiffe passieren lassen können.

 

Ende August rechtfertigte Thomas Heatherwick im britischen Fernsehen sein Projekt, nachdem eine Finanzierungslücke von 22 Millionen Pfund aufgedeckt worden war. Mehr dazu lesen Sie hier.