Garten + Landschaft im September

Themenvorschau zu Garten + Landschaft 9/2015 – 125 Jahre Garten + Landschaft

 

In der Ausgabe zum 125. Geburtstag von Garten + Landschaft gehen wir auf die Suche. Was hat die landschaftsarchitektonischen Leuchttürme heutiger Zeit geprägt? Fünf Begriffe – Volkspark, Industrienatur, Infrastruktur, Stadtumbau und Position – weisen den Weg zu richtunggebenden Projekten und Gedanken der vergangenen Jahrzehnte wie dem Landschaftspark Duisburg-Nord oder dem Münchner Olympiapark. Und wir schauen in die Zukunft. Wie geht es der Profession? Wohin führt ihr Weg? Im Interview erklären Jens Spanjer, Präsident der DGGL, und Professor Rainer Schmidt, Gründer von Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, warum Moderation und Netzwerk für Landschaftsarchitekten immer wichtiger werden.

 

Volkspark

 

Regine Keller Das Öffentliche: Platz für alle
Mit dem Hamburger Volkspark wurde die Idee des Parks für alle geboren, der der dichten Stadt eine landschaftliche Weite für Spiel und Sport gegenüberstellt. Bis heute bestimmt der Volkspark-Gedanke die Diskussion über die großen Stadtparks, zu denen auch der Münchner Olympiapark und das Berliner Gleisdreieck gehören.

Ulrike Böhm, Cyrus Zahiri Paradigmenwechsel im Entwurf
Die Wettbewerbsentwürfe von OMA und Bernard Tschumi für den Parc de la Villette markieren einen neuen Abschnitt des Entwurfsverständnisses in der Landschaftsarchitektur. Die Auseinandersetzung mit dem städtebaulichen Kontext und geschichtlichen Bezügen, die zeitgenössisch interpretiert werden, wird in den Achtzigern zunehmend wichtig.

Frauke Burgdorff, Oliver Brügge Kooperatives Grün
Parks geben im Idealfall Raum für das offene Miteinander einer heterogenen Stadtgesellschaft. Der Park Spoor Noord in Antwerpen und der Park am Gleisdreieck in Berlin realisieren diese Idee auf unterschiedliche Weise. Beide Entwürfe entstanden in enger Zusammenarbeit mit den künftigen Nutzern und zeigen: Ohne Beteiligung und Teilhabe wird es künftig nicht mehr gehen.

 

Industrienatur

 

Wolfram Höfer Post-industrieller Paradigmenwechsel
Der Entwurf von Duisburg-Nord prägte durch Überlagerung von industriellen und landschaftlichen Strukturen eine neue Semantik der Landschaftsarchitektur. Er beeinflusste nicht nur in Deutschland die Diskussion über den Umgang mit Industrierelikten.

 

Infrastruktur


Emscher-1
Infrastruktur: Auf 70 Kilometer Länge wird die Emscher zu einem mäandrierenden Fluss umgestaltet. Grafik: Emschergenossenschaft

 

Antje Stokman Nachhaltiger Systemwandel: Urbane Flussräume der Zukunft
Der Isar-Plan und der Masterplan Emscher:Zukunft zeigen wie Anforderungen an hydrologisch-infrastrukturelle Systeme und ökologische Ansprüche mit neuen Nutzungsmöglichkeiten und Gestaltungsstrategien verbunden werden können. Damit stehen sie für einen grundlegenden Paradigmenwechsel der Gestaltung von Infrastruktursystemen, bei der Landschaftsarchitekten eine neue Rolle einnehmen.

Sören Schöbel, Sabine Kern Transformationen der Landschaft
Die Energiewende wird die Kulturlandschaft nachhaltig verändern. Jetzt, am Beginn der Entwicklung, besteht die Chance, Einfluss auf die Gestaltung der neuen Energielandschaft zu nehmen. Der Prozess sollte in einen neuen Landschaftsvertrag münden.

 

Stadtumbau

 

Uwe Rada Der Blick auf die Landschaft
Die Interbau 1957 hat mit dem Berliner Hansaviertel das Thema Stadtlandschaft auf die Agenda gebracht. Zwischenzeitlich verpönt, feiert es in alternativem Gewand seine Wiederauferstehung.

Cordelia Polinna Umbau bedeutet nicht Rückbau
Der Stadtumbau Ost beschränkte sich nie auf den Rückbau, sondern wollte genauso Siedlungen und Quartiere erhalten und anpassen. Das ist eine der herausragenden Qualitäten des Umgangs mit Schrumpfung in Deutschland. Noch vor zehn Jahren wurde auch der Abriss von Wohnraum gefördert – sogar in Berlin. Ein Ziel, das heute, in Zeiten mangelnden bezahlbaren Wohnraums, irritiert und überholt ist.

 

Position

 

Interview: Tanja Braemer, Alexander Gutzmer „Man sitzt nicht mehr nur da und plant“
Plätze, Parks, Gärten und urbane Freiräume müssen denen, die sie nutzen, heute etwas anderes geben als noch vor Jahren. Und: Gestaltungsprozesse und ihre Teilhaber verändern sich. Darauf muss die Profession reagieren. Wie sich Landschaftsarchitektur wandelt und wie die DGGL diesen Prozess aufgreift, beantworten Jens Spanjer, Präsident der DGGL, und Professor Rainer Schmidt, Gründer von Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Bundesschatzmeister der DGGL.

Udo Weilacher Manifest zur Zukunft der Landschaftsarchitektur
Vor über 20 Jahren verfasste der Landschaftsarchitekt Dieter Kienast 10 Thesen zur Landschaftsarchitektur. Das bewusst provokante Manifest hat nichts an Aktualität verloren, wie hier beispielhaft an zwei Thesen erläutert wird.

 

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Studio Loader Monteith revitalisiert einen Platz in Glasgow

Die revitalisierte St. Columbkille’s Church in Glasgow mit dem neu gestalteten einladenden Platz. Foto: ©Will Scott
Die revitalisierte St. Columbkille’s Church in Glasgow mit dem neu gestalteten einladenden Platz. Foto: ©Will Scott

Das Glasgower Architekturstudio Loader Monteith hat einen Gemeinschaftsplatz in der schottischen Stadt mit neuem Leben versehen. Gemeinsam mit Landschaftsarchitekten Mark Donaldson haben die Architekt*innen den Zugang zu der Piazza vor der Kirche St Columbkille’s deutlich verbessert. Diese Geste des Willkommens an die Stadtgemeinschaft ist gut angekommen.

St Columbkille’s Church in Glasgow wurde ursprünglich im Jahr 1851 gegründet. Die katholische Kirchengemeinde besitzt ein imposantes Gebäude aus dem Jahr 1940 – eine der wenigen Kirchen, die nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges errichtet wurden. Der Bau ist eine moderne Interpretation einer römischen Basilika und befindet sich direkt an der Main Street von Glasgow. Er ist ein wichtiger Bestandteil der katholischen Gemeinschaft. Entworfen wurde das Gebäude, das für seine eindrucksvolle Fassade aus rotem Backstein und für sein schieres Volumen bekannt ist, von Jack Coia von Gillespie, Kidd & Coai Architects. Aber der Eingang zu dem Gelände hatte bislang keinen besonders einladenden Charakter, weshalb Loader Monteith mit der Revitalisierung beauftragt wurde.

Eine Willkommensgeste

Bislang bestand der Vorplatz von St Columbkille’s aus einer Mischung aus Pflaster und Beton mit einer kurzen Treppe, die einen wenig imposanten Eingang zu der großen Kirche bot. Der barrierefreie Zugang war seitlich zu finden und bestand aus einer steilen Rampe, die ohne Unterstützung kaum zu bewältigen war.

Das Glasgower Architekturbüro Loader Monteith hat den Eingang zu der eindrucksvollen Kirche neu erfunden. Die Piazza für die Gemeinschaft steht dabei im Zentrum. Sie ist bepflanzt und bietet sowohl Grünfläche als auch besseren Zugang zur Straße. Ein Belag aus Backsteinen führt von der Straße zur Piazza und stellt einen kontinuierlichen, einheitlichen Übergang dar.

Eine neue Rampe befindet sich im Zentrum des neuen Designs. Sie ist in die geschwungenen Steinstufen aus York Stone integriert und ermöglicht einen barrierefreien Zugang. Somit wird die Zugänglichkeit der Kirche für alle symbolisiert. Dabei hat das Büro Inspiration in den internen Proportionen der Kirche sowie in den gemischten Rampen am Frank Lloyd Wright‘s Guggenheim Museum in New York gefunden. Die Rampe kulminiert in einem langen Eingangsbereich mit Terrasse für die Kirchengänger*innen.

Der neu gestaltete, stufen- und rampenförmige Eingang der St. Columbkille’s Church, mit einer integrierten, geneigten Rampe und geschwungenen York-Stein-Stufen, bietet barrierefreien Zugang und schafft einen einladenden Raum für alle. Foto: ©Will Scott
Der neu gestaltete, stufen- und rampenförmige Eingang der St. Columbkille’s Church, mit einer integrierten, geneigten Rampe und geschwungenen York-Stein-Stufen, bietet barrierefreien Zugang und schafft einen einladenden Raum für alle. Foto: ©Will Scott

Die Gemeinschaft zusammenbringen

Ab jetzt können die Gemeindemitglieder von St Columbkille’s sich vor und nach dem Gottesdienst auf den Treppen und der Terrasse vor der Kirche treffen. Dieser Ort hatte bisher gefehlt. Der neue Vorplatz bietet außerdem integrierte Sitzmöglichkeiten, die für Menschen jeder Glaubensrichtung gedacht sind und eine Einladung an alle darstellen, diesen öffentlichen Platz zu genießen.

Die detaillierten Backsteinmuster auf der Piazza spiegeln die Fassade der Kirche wider. Zudem geben sie der Umgebung Textur und visuelles Interesse, wodurch ein Ambiente wie auf einem europäischen Platz entsteht. Father Bernard Mournian, der seit 2017 der Gemeinde vorsteht, hat einen Teil seines Studiums in Rom absolviert, wo er sah, wie das Leben auf der Straße die Gemeinschaft zusammenbringen kann. Dies inspirierte seine Vorstellungen für die Revitalisierung des Platzes. Loader Monteith hat bereits Erfahrung darin, kulturelles Erbe mit neuem Leben zu versehen. Zudem brachten die Architekt*innen viel Liebe zum Detail mit und schafften es so, den Außenraum mit der historischen Architektur des Kirchengebäudes zu verbinden.

Um die steinernen Bereiche und die Backsteinfassade von St Columbkille’s aufzulockern, haben Loader Monteith und Mark Donaldson auch einige Beete integriert, die rund um das Jahr Farbe bringen sollen. Eine neue Treppenbeleuchtung macht es auch in den dunklen Monaten leicht, sich zu orientieren. Diese Elemente rahmen die Kirche ein und betonen, dass ihre Umgebung für Gemeindemitglieder und Besuchende zugleich gedacht ist.

Der neue Vorplatz der St. Columbkille’s Church mit Sitzgelegenheiten, dekorativem Mauerwerk und Pflanzbeeten bietet der Gemeinde einen einladenden Treffpunkt. Foto: ©Will Scott
Der neue Vorplatz der St. Columbkille’s Church mit Sitzgelegenheiten, dekorativem Mauerwerk und Pflanzbeeten bietet der Gemeinde einen einladenden Treffpunkt. Foto: ©Will Scott

Ein angemessener Platz für eine Kirche

Die Revitalisierung dieser Piazza soll zugleich als Beispiel und Inspiration für künftige Projekte dienen, die mit kulturellem Erbe befasst sind – so die Hoffnung von Loader Monteith. Durch die Kombination von historischem Respekt und moderner Zugänglichkeit kann es gelingen, ein neues Herz für eine Gemeinschaft zu gestalten.

Iain King, Iain King, Facharchitekt für Denkmalpflege und Direktor bei Loader Monteith, sagte: „Es ist uns eine Ehre, die Kirche bei der Verwirklichung der ehrgeizigen Ziele dieses Projekts zu unterstützen und die positiven Ergebnisse zu sehen. Dieses Projekt hat die Präsenz der Kirche in Rutherglen gestärkt, indem es einen einladenden, für alle zugänglichen Eingang geschaffen hat, der durch die Öffnung der Kirche und den Abbau von Barrieren die Öffentlichkeitsarbeit fördert.

Durch die Integration einer Rampe mit geringem Gefälle in die stufenförmig angelegten Terrassen gewährleisten wir Inklusion, ohne die Integrität des Bauwerks zu beeinträchtigen. Die weiche Landschaftsgestaltung ergänzt die Eingangsachse mit einer Bepflanzung, die das Kirchenjahr widerspiegelt und saisonal interessant ist.

Die Gemeinde hat den neuen Platz mit offenen Armen aufgenommen. Pfarrer Bernard Mournian sagte: „Die Gemeindemitglieder und ich sind begeistert, wie das Projekt geworden ist, es hat unsere Erwartungen übertroffen, der neue Platz passt jetzt zum Inneren unserer Pfarrkirche.“

Loader Monteith ist dafür bekannt, dass er „in jedes Design eine Geschichte von Bedeutung und Zweck einwebt“, wie es in der eigenen Beschreibung heißt. Seit seiner Gründung im Jahr 2016 schafft das Architekturstudio Räume für Kunst, Kultur, Bildung, Wohnungen und Arbeitsplätze in Großbritannien und darüber hinaus.

Weiterlesen: In der kleinen Stadt Paisley vor den Toren Glasgows gibt es ebenfalls ein faszinierendes Erneuerungsprojekt.

Catharijnesingel > © 2021 OKRA landschapsarchitecten
Finalist beim European Prize for Public Space 2022: Catharijnesingel © 2021 OKRA landschapsarchitecten

In diesem Jahr gingen 326 Projekte aus 35 Ländern in das Rennen um den European Prize for Urban Public Space. Aus dieser großen Anzahl von Bewerbungen sind nun fünf Finalist*innen ausgewählt. Im November wird in Barcelona ein*e Sieger*in gekürt. 

Die international besetzte Jury des European Prize for Urban Public Space kam Mitte Juli zusammen. Nach intensiver Arbeit wählten die Expert*innen fünf Projekte für die finale Runde aus. Aus diesen herausragenden Realisierungen wird im November ein*e Sieger*in gekürt. Diese Auswahl und die feierliche Verleihung des Preises finden im Centre de Cultura Contemporània de Barcelona statt. Aber schon jetzt ist klar: Mit 326 Projekten aus 35 Ländern ist die diesjährige Auslobung ein großer Erfolg. Die Vielzahl an Einreichungen macht deutlich, welche wichtige und zentrale Rolle öffentliche Räume in unseren Städten schon heute und in Zukunft spielen werden.

European Prize for Urban Public Space

Der European Prize for Urban Public Space wird seit 2000 alle zwei Jahre verliehen. Er gilt als Ehrung für die besten Projekte, die zur Entwicklung, zur Transformation sowie zur Erneuerung von öffentlichen Räumen in europäischen Städten beitragen. Die Auslobung und Organisation liegt beim Centre de Cultura Contemporània de Barcelona. Bereits am 17. Mai 2022 endete die Frist zur Einreichung der Bewerbungen. Danach wählte Mitte Juli 2022 eine international besetzte Jury aus den über 300 guten Beispielen die fünf besten aus. Sie alle sind zwischen 2018 und 2021 realisiert worden. 

Schon bei Bewerbungsschluss im Mai überraschte die große Zahl von eingereichten Projekten. Anders gesagt, mit der elften Ausschreibung gewinnt des European Prize for Urban Public Space an Bedeutung. Die Resonanz darauf ist viel höher als in den vorausgegangenen  Jahren 2018 und 2016. Damals blieben die Anzahl der eingereichten Unterlagen unter 300. Zu den Ländern, die die größte Zahl von Projekten beheimaten, gehören Spanien, Polen, Italien, Frankreich und Portugal. Zum ersten Mal gehört zu den 35 einreichenden Ländern auch Armenien. Darüber hinaus sind auch wieder Projekte aus Zypern, Island, Georgien und Litauen eingesandt worden. Sogar die Ukraine ist mit einem Projekt vertreten.

Eine international besetzte Jury

Die Jurysitzung in Barcelona wurde von der Landwirtschafts-Ingenieurin und Freiraumgestalterin Teresa Galí-Izard geleitet. Sie unterrichtet auch Landschaftsarchitektur an der ETH Zürich. Darüber hinaus war Hans Ibelings Mitglied der Runde, der als Architekturkritiker, Historiker und Redakteur von The Architecture Observer bekannt ist. Eleni Myrivili war auch Teil der Jury. Sie promovierte in Anthropologie und ist Beraterin für Resilienz und Nachhaltigkeit in Athen. Auch der bekannte Andreas Ruby, der Direktor des Schweizer Architekturmuseums in Basel, war in Barcelona mit dabei. Ebenso arbeitete Paloma Strelitz als Architektin und Kreativdirektorin von Patch mit. Ebenso war Špela Videčnik, Architekt und Gründer des Architekturbüros OFIS in Ljubljana, Mitglied der Jury. Begleitet wurde die hochkarätig besetzte Jury außerdem von Lluís Ortega, der als Sekretär des European Prize for Urban Public Space agierte. 

Die Finalisten

Zu den fünf Projekten, die es in ins Finale schaffen, gehört das Projekt „Catharijnesingel“ in Utrecht, Niederlande, sowie „FLOW“ in Brüssel, Belgien. Auch das Projekt „Hage“ in Lund, Schweden, kam in die letzte Runde, ebenso wie der „Saint Sernin Square“ in Toulouse, Frankreich. Schließlich gehört der “Sporta pils dārzi – urban garden“  in Riga, Litauen, zur Gruppe der Finalisten. Wer als Sieger*in aus der finalen Runde hervorgeht, entscheidet sich im November.

Ebenfalls interessant: die Gewinner*innen des European Prize for Urban Public Space 2018