Gender Pay Gap: Neues Gerichtsurteil für Equal Pay

Eine Frau aus Dresden klagte erfolgreich gegen einen unfairen Lohnunterschied. So ist ein wichtiger Präzedenzfall zur Gender Pay Gap entstanden. Bildquelle: Unsplash
Eine Frau aus Dresden klagte erfolgreich gegen einen unfairen Lohnunterschied. So ist ein wichtiger Präzedenzfall zur Gender Pay Gap entstanden. Bildquelle: Unsplash

Im Februar 2023 entschied das Bundesarbeitsgericht, dass „Verhandlungsgeschick“ kein Argument für eine Gender Pay Gap zwischen Männern und Frauen sein darf. Alles zum Urteil und zum Thema Equal Pay in der Landschaftsarchitektur hier.

Faire Bezahlung für Frauen

Das Bundesarbeitsgericht hat im Februar 2023 offiziell verkündet, dass Frauen Anspruch auf die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen haben. Handelt es sich dabei wirklich um einen Meilenstein für die faire Bezahlung von Frauen? Bis heute ist der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland etwa 18 Prozent groß. Bei gleicher Qualifikation und gleichen Anforderungen beträgt er immer noch etwa 7 Prozent.

Der jährliche Equal Pay Day in Deutschland zeigt, wie viele Tage Frauen pro Jahr arbeiten, ohne bezahlt zu werden: Über 40 Tage lang verdienen sie umgerechnet kein Gehalt, wenn man den Lohn mit männlichen Kollegen vergleicht. Dies entspricht dieses Jahr dem Zeitraum vom 1. Januar bis 7. März 2023. Entsprechend ist der Equal Pay Day am 7. März, nur einen Tag vor dem internationalen Frauentag am 8. März.

Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts wurde vom Bundesfamilienministerium als „bemerkenswert und ein deutliches Zeichen für die Durchsetzung der Entgeltgleichheit für gleiche Arbeit“: Laut dem Urteilsspruch haben Frauen das Recht auf die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen, und zwar selbst dann, wenn diese ein höheres Gehalt verhandelt haben. Lässt sich so die Gender Pay Gap langsam schließen?

Das Gender Pay Gap Gerichtsurteil

Zum Rechtsstreit rund um die Gender Pay Gap war es auf Anliegen einer Mitarbeiterin in einem Metallunternehmen in Dresden gekommen. Sie wurde Anfang 2017 angestellt, beinahe zeitgleich mit einem männlichen Kollegen, der die gleiche Position wie sie innehatte. Dann fand die Frau heraus, dass der Kollege trotz Einführung eines Tarifvertrags deutlich mehr Gehalt verdiente als sie. Dies ist nicht nur moralisch falsch, sondern widerspricht auch EU-Recht.

Deutschland hat als Mitglied der EU das „Entgelttransparenzgesetz“ erlassen, das auf dem Entgeltgleichheitsgebot basiert. Es besagt, dass keine Arbeitnehmer*innen bei gleichwertiger Arbeit weniger verdienen dürfen als Kolleg*innen des anderen Geschlechts. Auf dieser Grundlage klagte die Frau aus Dresden gegen ihren Arbeitgeber, der sich auf die Vertragsfreiheit berief. Er gab an, dass der männliche Kollege besser verhandelt hätte. Das Arbeitsgericht in Dresden und das Landesarbeitsgericht in Sachsen wiesen die Klage ab, aber sie ging in die nächsthöhere Instanz.

Das Bundesarbeitsgericht stellte im Urteilsspruch Az. 8 AZR 450/21 fest, dass die Klägerin aufgrund ihres Geschlechts vom Arbeitgeberin benachteiligt wurde. Die Frau erhielt 14 500 Euro entgangenen Lohn und eine Diskriminierungsentschädigung in Höhe von 2 000 Euro. Diese Entscheidung stellt ein wichtiges Zeichen für Frauen dar. Zwar sind individuelle Gehaltsunterschiede nach wie vor möglich, aber diese müssen auf Leistung oder Erfahrung basieren. Verhandlungsgeschick gilt nicht als Grund für eine Gehaltslücke.

„Verhandlungsgeschick“ darf laut Bundesarbeitsgericht kein Grund für eine Gender Pay Gap sein. Bildquelle: Unsplash
„Verhandlungsgeschick“ darf laut Bundesarbeitsgericht kein Grund für eine Gender Pay Gap sein. Bildquelle: Unsplash

Vergleichen statt verhandeln

Das Gerichtsurteil ist ein wichtiger Präzedenzfall, auf den sich Frauen künftig berufen können. Es handelt sich um eine gute Nachricht für Arbeitnehmerinnen. Dennoch ist keine Klagewelle zu erwarten, denn zunächst gilt es, herauszufinden, ob eine Gender Pay Gap vorliegt. In größeren Unternehmen ist es möglich, Auskunftsansprüche geltend zu machen oder sogar den Betriebsrat einzuschalten, um Informationen zu Gehältern zu erhalten.

In kleineren Unternehmen, wo keine gleichwertigen Jobs vorhanden sind, dürfte der Vergleich nach wie vor schwierig werden. Daher gilt es, in der Gehaltsverhandlung von Anfang an selbstbewusst aufzutreten und ein Minimal- sowie ein Maximalziel festzulegen. Vergleichsportale bieten Informationen zu den üblichen Gehältern für die jeweilige Position.

Dennoch wird das Urteil des Bundesarbeitsgerichts voraussichtlich auch in kleinen Unternehmen Auswirkungen haben: Personalverantwortliche werden immer mehr für die Entgeltgleichheit sensibilisiert. Das bedeutet, dass sie Frauen, die in der Gehaltsverhandlung zu niedrig ansetzen, Hinweise auf ein angemessenes Gehalt geben werden, um ähnliche Klagen wie in Dresden zu vermeiden. Was heißt das für die Landschaftsarchitektur und die Planung?

Die Gender Pay Gap in der Landschaftsarchitektur

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen hat unter anderem durch seine Umbenennung Maßnahmen ergriffen, um die Geschlechtergerechtigkeit in der Branche zu verbessern. Einige Landesverbände haben bereits Workshops zu Themen wie Chancengleichheit und Vielfalt in der Landschaftsarchitektur organisiert. So soll eine gendergerechte, diverse und inklusive Planung erreicht werden.

Und auch inhaltlich setzt der bdla neue Prioritäten: Um Freiräume nicht nur ökologisch und ökonomisch, sondern auch sozial attraktiv zu gestalten, gibt der Bund Empfehlungen für Freiräume. Dabei erwähnt er sowohl das Geschlecht als auch das Alter, den Förderbedarf und die sozialen und kulturellen Hintergründe von Nutzer*innen. Er ruft dazu auf, diese verschiedenen Bedarfe zu verstehen und sie im öffentlichen Raum sowie im Freiraum zu berücksichtigen. So kann laut bdla eine soziale und gerechte Infrastruktur entstehen.

Auch bei Architekt*innen und Planer*innen zeigt sich eine große Lücke in der Bezahlung von Männern und Frauen: Laut einem Vergleich der Bruttojahresgehälter von Mitgliedern der Bundesarchitektenkammer liegt die Gender Pay Gap bei 26 Prozent. Dies lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass mehr Frauen in Architektur- und Stadtplanungsbüros arbeiten, während männliche Architekten in der gewerblichen Wirtschaft tätig sind. Dennoch zeigt der Vergleich, dass große Lücken bestehen.

Übrigens: Mehr zum Thema Equal Pay und Gender Pay Gap in der Landschaftsarchitektur lesen Sie in diesem Beitrag.

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Wettbewerbsausschreibung für das ‘International Garden Festival 2019’

Jedes Jahr präsentiert das internationale Garten Festival in Quebec temporäre Gärten. Das International Garden Festival 2019 gilt als eines der Wichtigsten seiner Art in Nord Amerika. Zum 20. Jubiläum suchen die Veranstalter bis zum 20. Dezember Entwürfe, die das Festivalgelände ab Juni 2019 zeigen wird.

Das diesjährige Thema der Gärten ist „Terrain de Jeu“. Das Spielfeld oder Spielplatz soll Raum für Kreativität auf kompakten Grundstücken bieten. Innerhalb der vorgegebenen Parzellen, können sich die Teilnehmer Konzepte zu kreativem Spiel überlegen. Die Entwürfe sollen spielerisch sein, ohne dabei kindisch zu wirken, und abenteuerlich ohne dabei gefährlich zu sein. Teilnehmen können Landschaftsarchitekten, Architekten, Künstler oder interdisziplinäre Teams.

Dieses Jahr neu: Raum für junge Talente

Für die Jubiläumsausgabe des Festivals führen die Organisatoren ein Parallelprogramm für junge Designer ein. Den Sommer über bietet das Programm ein Sommercamp für experimentelle Landschaftsarchitektur. Dieser Wettbewerb ist offen für Studenten unterschiedlichster Fächer.

Interessenten haben bis zum 20. Dezember 2018 Zeit Ihre Entwürfe einreichen. Mehr Informationen zu den beiden Wettbewerben finden Sie hier.

 

Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen (Ton Matton)
Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen (Ton Matton)(Cover: JOVIS Verlag GmbH)

Das Buch „Zweifellos. Aktivistische Stadtplanung in 13 Briefen“ ist eine Sammlung thematisch diverser Briefe von dem Stadtplaner und performativen Urbanist Ton Matton. In diesem geht er auf generelle Entwicklungen und eigene Erfahrungen bei Stadtplanungsprozessen ein. Was die beste Aussage des Buches ist und mit welchem Wissen man nach dem Lesen angeben kann, fasst Julia Treichel in ihrer Buchrezension zusammen.

Worum es in Zweifellos von Ton Matton geht:

In 13 Briefen reagiert Künstler und Urbanist Ton Matton auf generelle Entwicklungen und persönliche Erfahrungen rund um Stadtplanungsprozesse. Er beginnt die Sammlung mit einem Auszug aus seinem Bewerbungsschreiben für die Professur space&designSTRATEGIES an der Kunstuniversität Linz. Er endet mit einem Brief zu seinem Austritt. Dazwischen richtet er Post an Abgeordnete, persönliche Bekannte oder auch Angela Merkel. In seinen Briefen behandelt er Themen wie die Energiewende, Migration und Flucht, Identitäten, Natur und Ökosysteme oder Neoliberalismus und Demokratie gleichermaßen. In klugen Beobachtungen kommentiert er Geschehnisse. Und trägt Gestaltungsvorschläge für eine bessere Welt vor. Mit scharfer Zunge, jedoch stets selbstkritisch.

Was Ton Matton auszeichnet:

Prof. Ton Matton ist Stadtplaner und performativer Urbanist aus Rotterdam. An der Kunstuniversität Linz hatte er die Professur für Raum- und Designstrategien inne. Im mecklenburgischen Wendorf lebt und lehrt er ein neues Paradigma von Stadt und Land. Durch unkonventionelle Rauminterventionen erlangte er internationale Bekanntheit und ist als Redner in Architektur- und Stadtplanungsdebatten gefragt.

Das ist die beste Aussage:

„Demokratie heißt oder hieß nicht, dass die Mehrheit gewinnt, sondern eher, dass die Mehrheit sich auch um die Minderheit kümmert.“

Das ist eine Aussage, die zum Nachdenken anregt:

„Die Aufgabe einer Universität ist es nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu finden, sondern die Frage zunächst einmal genauer zu durchdenken und auf langfristige Sicht zu präzisieren.“

Der Klappentext wird eher nicht erfüllt, weil:

…er mehr eine allgemeine Einstimmung zum Thema Klima Resilienz gibt und eher wenig Auskunft über den tatsächlichen inhaltlichen Aufbau des Buches als Orts- und Projektsammlung.

Mit diesem Wissen aus dem Buch kann man angeben:

Zum Beispiel, auf welch vielfältige Weise sich Globalisierung zeigt. Matton sprach in Mali mit einer Künstlerin, die ihren Schmuck unter dem Label „Lokales Handwerk“ verkauft, diesen aber aus geschmolzenen chinesischen Flipflops herstellt, weil es günstiger ist.

Mehr Trend als Klassiker, weil:

…es einen sehr persönlichen Blick Mattons auf seine Projekte und seine Wahrnehmung der Gesellschaft zeigt.

Haptik:

Das Buch kommt im DinA6-Format daher, klein und kompakt für unterwegs.

Design:

Das grell-orangene Cover zieht Blicke auf sich. Die Schrift im Inneren ist orange auf weiß gut lesbar, wobei die Texte den Leser*innen durch die Farbwahl geradezu alarmierend ansprechen.

Lesefluss:

Ton Matton gelingt es, seine Briefe gleichzeitig klug und provokant zu formulieren. So wird man über die kurzen Absätze rasch hinweggetragen.

Bildsprache:

Das Buch enthält keinerlei bildliche Darstellungen – diese werden jedoch nicht vermisst.

Information:

Die thematisch diversen Briefe halten zu unterschiedlichen Bereichen spannende Informationen und Schlagwörter bereit, die einen zum Nachdenken und Nachforschen anregen.

Was sonst noch wichtig wäre:

Das Buch ist eine Sammlung reflektierter, aber subjektiver Kommentare. Als Leser*in kann man in den kreativen Gedankenwelten versinken und entwickelt überdies einen starken Impuls, selbst aktiv zu werden.

Noch mehr spannenden Lesestoff bietet zum Beispiel Harald Kegels Buch über Resilienz.