Der neue DFB-Campus in Frankfurt

Der DFB-Campus kombiniert Sport und Verwaltung unter einem Dach. Bildquelle: DFB
Der DFB-Campus kombiniert Sport und Verwaltung unter einem Dach. Bildquelle: DFB

Am 1. März 2023 findet eine exklusive Führung über den DFB-Campus statt. Der Komplex in Frankfurt am Main eröffnete im Sommer 2022 und ist nun fertiggestellt. Kadawittfeldarchitektur und GREENBOX Landschaftsarchitekten haben unter dem Motto „Eat, Sleep, Play, Repeat“ verschiedene Funktionen unter einem Dach vereint – mehr dazu hier.

Eine Kombination aus Sport, Architektur und Design

Der neue DFB-Campus in Frankfurt am Main ist schon seit dem Sommer 2022 offen. Nun wurden auch die letzten Arbeiten beendet. Entsprechend laden Dirk Lange und Kilian Kada von kadawittfeldarchitektur sowie Hubertus Schäfer von GREENBOX Landschaftsarchitekten am 1. März 2023 zu einer Führung für Pressemitglieder ein. Dabei zeigen sie die „ästhetisch-funktionale Verschmelzung von Sport, Architektur und Design“.

Früher befand sich auf dem Gebäude des jetzigen Campus eine Galopprennbahn. Heute hat hier der Deutsche Fußball-Bund e.V. seinen Campus mit einer Fläche von 15 Hektar. Zum ersten Mal sind Sport und Administration unter einem Dach, was Raum für Austausch und Begegnungen schaffen soll. Mitten im Frankfurter Stadtwald gelegen, hat der DFB-Campus einen grünen Rahmen. Aus der Kombination von gebauten Räumen, Sportplätzen, Lichtungen und kleinen Plätzen entsteht ein Campus.

Der etwa 300 Meter lange Gebäudekomplex beheimatet die DFB-Akademie, die Verwaltung mit Pressebereich, eine Fußballhalle, eine Mehrzweckhalle und ein Athletenhaus mit 33 Zimmern. Auch 3,5 Naturrasenplätze und Trainingsflächen im Außenbereich gehören zum DFB-Campus. Der Boulevard dient als prägendes Element und innerer Stadtraum. Er eröffnet den Blick über alle Etagen sowie ins Freie und soll als kommunikatives Bindeglied dienen. Statt harter Grenzen setzt der DFB damit auf einen informellen Austausch und Wechselbeziehungen zwischen den verknüpften Funktionsbereichen.

Bei der Eröffnung des DFB-Campus im Sommer 2022. Bildquelle: DFB
Bei der Eröffnung des DFB-Campus im Sommer 2022. Bildquelle: DFB

Abwechslungsreiches Raumprogramm

Bauherr des DFB-Campus ist der DFB in Kooperation mit GREENBOX Landschaftsarchitekten und kadawittfeldarchitektur. Das Duo gewann den 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb und widmete sich von 2018 bis 2021 der Realisierung des neuen Campus. Das große neue Gebäude bietet ein abwechslungsreiches Raumprogramm mit Akademie, Zentralverwaltung, Leistungs-, Konferenz- und Schulungszentrum an einem Ort. Dabei sind die Funktionen auf mehrere Gebäudeteile verteilt, um etwa den Athlet*innen im Athletenhaus Ruhe zu bieten.

Sie alle gruppieren sich unter dem überspannenden Dachkörper um die Trainingsfelder und Freianlagen. Dies erlaubt aus jedem Fenster den Blick ins Grüne und erinnert zugleich daran, dass der Sport hier im Vordergrund steht.

In Nord-Süd-Richtung verläuft der Sportboulevard über den DFB-Campus. Er verbindet alle Bereiche und erleichtert die Orientierung. Zugleich dient er als „kommunikatives Verbindungsglied“, der zum informellen Austausch einladen und den Blick auf die Sportfelder eröffnen soll. So sind die früher eigenständigen Adressen von Verwaltung und Akademie miteinander verknüpft.

„Der Sport formt das Haus“ ist das Motto für diese neue Heimat des deutschen Fußballs. Die 3,5 Naturrasenplätze mit einer Fläche von fast 30.000 Quadratmetern, 543 Arbeitsplätze mit Open-Plan- und Zellenbüros, 33 Athletenzimmer und Platz für 100 Ärzt*innen und Physiotherapeut*innen gehören zum Campus. Jährlich sollen die etwa 220 Tagungen und Workshops des DFB in den 9 Seminar- und Konferenzräumen stattfinden.

Der Sport formt den DFB-Campus, wie etwa mit den vom Fußball bekannten fünfeckige Formen. Bildquelle: DFB
Der Sport formt den DFB-Campus, wie etwa mit den vom Fußball bekannten fünfeckige Formen. Bildquelle: DFB

Klimafreundlicher Waldcampus

GREENBOX Landschaftsarchitekten haben mit ihrem Entwurf für die Freiräume des neuen DFB-Campus dazu beigetragen, die zentralen Säulen Nationalmannschaft, Bildung und Innovation zu vereinen. Ähnlich wie in einer kleinen Stadt sind Fußball und Verwaltung unter einem Dach aufgehoben. Der grüne Rahmen aus Fußballfeldern und Frankfurter Stadtwald dient dabei als natürlicher Puffer zur Umgebung. Auch das Wechselspiel aus bebauten Räumen, Sportplätzen, Wald und Lichtungen trägt zum Campus-Gefühl bei.

Dabei bestand die Grundidee der Freiraumkonzeption laut GREENBOX in der Anlage eines zusammenhängenden und klimaresilienten Waldcampus. Dieser sollte sich in den bestehenden Stadtwald einbetten und den Spielenden, Trainer*innen und Schiedsrichter*innen optimale Bedingungen zum Lernen und Weiterbilden bieten. Im Norden des Grundstücks ist ein neuer Bürgerpark entstanden. Dieser trägt dazu bei, die Gesamtfläche zu begrünen. Zudem schafft er neue Freizeitmöglichkeiten für die Bürger*innen.

Die Verzahnung von Gebäude, Blätterdach sowie Sport- und Freiflächen soll ein „spannungsreiches Mosaik in der Stadtlandschaft“ darstellen, das eine geschützte Einheit bietet. In dem flexiblen Freiraum sind unterschiedliche Nutzungen möglich. Dazu nimmt der DFB-Campus durch seine Gestaltung auch den Charakter der umliegenden Landschaft und des Städtebaus auf.

Die Landschaftsarchitektur des DFB-Campus bietet verschiedene Räume mit Qualitäten wie Konzentration, Entspannung und Arbeit. Große Blumenwiesen sollen die Biodiversität am Standort fördern, während schattige Nischen als Orte der Regeneration dienen.

Der grüne DFB-Campus soll sich an den Frankfurter Stadtwald und den Städtebau der Umgebung anpassen. Bildquelle: DFB
Der grüne DFB-Campus soll sich an den Frankfurter Stadtwald und den Städtebau der Umgebung anpassen. Bildquelle: DFB

Raum für Besuch auf dem DFB-Campus

Schon seit der Eröffnung 2022 ist es möglich, den DFB-Campus als Privatperson zu besuchen. Der Boulevard mit seinen Sportbereichen und internen Funktionen beginnt ab der Schwarzwaldstraße, aber im Süden des Campus ist ein öffentlicher, repräsentativer Bereich vorhanden. Dieser ist von der Kennedyallee aus zugänglich. Verwaltungsgebäude, Besprechungsräume, Besucherzone inklusive Fanshop und Pressebereich gehören zu diesem öffentlichen Teil. Besucher*innen werden durch eine Grünfläche zum Entrée geleitet. Bei besonderen Anlässen ist es hier auch möglich, die Mannschaftsbusse oder andere VIPs zu begrüßen.

Der große Platz vor dem öffentlichen Eingang beheimatet unter anderem eine große, bestehende Eiche, die einen Bereich zum Verweilen bietet. Extensive Pflanzenböschungen, ein grüner Schattenhain und ergänzte Bestandsgehölze bieten eine grüne Pufferzone zur Kennedyallee. Die fünfeckigen Grünflächen mit ihren immergrünen Bodendeckern und Sitzstufen bieten Aufenthaltsqualität und erinnern an die Pentagone eines Fußballs. Weitere fünfeckige Bodenintarsien in schwarzen und weißen Tönen nehmen das Thema ebenfalls auf. Sie verbinden Innen -und Außenbereich miteinander und erinnern immer wieder an den Fußball.

Das etwa 150 Millionen Euro teure Projekt, das durch Corona einige Verspätungen hinnehmen musste, wurde im Juni 2022 feierlich eröffnet. Etwa 300 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft waren anwesend.

Weiterlesen: Mehr zur Wirkung von Straßenfußball in der Stadtplanung lesen Sie hier.

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Petra Kahlfeldt im Interview zu der Kritik an ihrer Person

Foto: Sebastian Gabsch
Foto: Sebastian Gabsch

Die Startvoraussetzungen für die neue Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt waren von Anfang an schwierig. Bereits im Vorfeld der Ernennung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin hatten zahlreiche Architekt*innen öffentlich ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Position gefordert. Als dann die Berliner SPD die Architektin Petra Kahlfeldt im Dezember 2021 als neue Berliner Senatsbaudirektorin vorstellte, hagelte es Kritik. Allen voran von einer Gruppe von acht Architekt*innen. Wir sprachen im Interview mit Petra Kahlfeldt: was die Kritik mit ihr macht und ob sie zum Dialog mit ihren Kritiker*innen bereit ist.

„Ich bekleide nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Petra Kahlfeldt, zunächst einmal Glückwunsch zur Ernennung als neue Senatsbaudirektorin. Welche Herausforderungen der Berliner Stadtentwicklung gehen Sie jetzt als erstes an?

Ich freue mich, als Senatsbaudirektorin an der Gestaltung Berlins aktiv mitwirken zu können. Stadtentwicklung ist ein ständiger Prozess und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Im Moment stehen im Fokus der Neubau bezahlbarer Wohnungen Schulneubau und Sanierung der bestehenden Schulen, der Kultur- und Wissenschaftsbauten, die Gestaltung wichtiger Ort, wie der ehemalige Flughafen Tegel, die Qualifizierung des Hermannplatzes oder die Entwicklung des Molkenmarkts als ein dichtes, sozial und funktional gemischtes Quartier in Berlins historischer Mitte, um nur einige zu nennen. Unser Ziel ist, schneller von der Planung zum Bauen zu kommen – das ist eine große Herausforderung, aber notwendig, wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Nachbarschaften und Quartiere lebendig und lebenswert bleiben.

Ihre Ernennung hat nicht nur Jubel in der Architekturszene ausgelöst. Eine Initiative von acht Architekt*innen spricht Ihnen öffentlich die Eignung für das Amt ab, fordert die Zurücknahme Ihrer Benennung, der BDA definiert in einer Stellungnahme die Neubesetzung der Senatsbaudirektion als „intransparent und ohne Vision“. Was macht das mit Ihnen?

Das Amt der Senatsbaudirektorin hat immer Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen, das ist vor allem in Berlin nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe, bevor ich überhaupt auch nur eine inhaltliche Entscheidung habe treffen können. Ich bin Senatsbaudirektorin, aber auch Staatssekretärin für Stadtentwicklung, bekleide also nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt. Das wird immer vergessen, wenn einige Architektinnen und Architekten die Art der Neubesetzung kritisieren. Ich bin jetzt vier Wochen im Amt und übernehme viele, bereits laufenden Projekte. Vieles kann ich prozessual und gestalterisch mittragen, in einigen Projekten werde ich eigene Akzente und neue Impulse setzen.

„Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im ‘Elfenbeinturm sitzt’.“

Arno Lederer wiederum stellte sich öffentlich gegen die „Diffamierungen“ Ihrer Person. Er forderte den BDA Berlin auf, für einen konstruktiven Dialog einzutreten. Lederer befürwortet aber auch die vorangegangene gemeinsame Forderung der Profession für ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung. Petra Kahlfeldt, hätte man das Verfahren Ihrer Meinung nach anders aufbauen sollen?

Arno Lederer hat recht, wir müssen nicht Vergangenes bewerten, sondern gemeinsam Zukünftiges schaffen. Es wird immer Menschen geben, die einer Entscheidung widersprechen, obwohl das Regelwerk zur Besetzung einer Position festgelegt ist. Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im „Elfenbeinturm sitzt“. Was immer für das Erscheinungsbild unserer Stadt entschieden wird, ist das Ergebnis von Diskussionsprozessen. Deshalb wird auch die Arbeit des Baukollegiums, werden die Begleitkreise und Partizipationsprozesse fortgeführt.

„Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Laut Arno Lederer habe die gemeinsame Forderung nach mehr Transparenz in der Neubesetzung zudem gezeigt, dass die deutsche Architekturszene mit einer Stimme sprechen könne. Von der Seitenlinie betrachtet: Sowohl die gemeinsame Forderung als auch die öffentliche Kritik, die nun folgte, sprechen wiederum dafür, dass Personen der Profession politische Entscheidungen hinterfragen und nicht nur hinnehmen. Über die Art und Weise kann man streiten, aber: Hat das Ganze Ihrer Meinung nach auch etwas Positives im Sinne einer gelebten Demokratie?

Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen. Solange öffentliche Kritik zum Wohl unserer Stadt geäußert wird, setze ich mich gern damit auseinander, auch das gehört zu den Aufgaben einer Senatsbaudirektorin. Nicht nur die Planerinnen und Planer sowie die Architektinnen und Architekten haben unterschiedliche Auffassungen und Interessen; auch die Bürgerinnen und Bürger wollen mit Ihren Meinungen und Bedürfnissen wahrgenommen werden und Gehör finden. Deshalb gibt es in Berlin die gesetzlichen Leitlinien für die Beteiligung der Bevölkerung. Ich werde die bereits gut etablierte Beratungs- und Prozesskultur weiterführen, um möglichst viele Interessen einzubinden.

Petra Kahlfeldt ist bereit für den Dialog mit ihren Kritiker*innen

Wie gehen Sie nun weiter? Werden Sie das Gespräch mit Ihren Kritiker*innen suchen?

Einem konstruktiven Dialog habe ich mich nie verschlossen und natürlich werde ich bei meiner Arbeit auch Kritikerinnen und Kritikern gegenüberstehen. Wenn es um konkrete Projekte geht, bin ich gern zur Diskussion bereit, denn dann geht es um die Sache und nicht mehr um Entscheidungen, die getroffen wurden und feststehen.

Was bisher geschah, haben wir Ihnen in einem Übersichtsartikel zusammengefasst. Hier lesen Sie alles zu der Kritik, aber auch zu der Unterstützung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Corona und die Städte

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In ihrem Buch analysiert Ingrid Karl, welchen Einfluss die dichten, stets wachsenden Städte auf die Corona-Pandemie und die erodierende Demokratie haben und wie die fortschreitende Globalisierung das Virus begünstigt. Warum der Untertitel “Suche nach einer neuen Normalität” nicht hält was er verspricht, aber wieso das Buch trotzdem absolut lesenswert ist, erklärt Anne Fischer. Eine Buchrezension.

Potenzial zum Klassiker

Worum es geht: Ingrid Krau analysiert, wie dicht bebaute, wachsende Städte die erodierende Demokratie und die Globalisierung den Pandemieverlauf begünstigen. Dabei richtet sie den Blick auf asiatische Megalopolen als wahrscheinlichen Virus-Ursprungsort, auf Urbanität als Lebensform, die dessen Ausbreitung begünstigt, und die Desorientierung vieler Bürger*innen durch soziale Medien, die dafür sorgt, dass im Lockdown giftige Debatten über die politische Entscheidungsgewalt ausbrechen. Im Zentrum ihrer planerischen Überlegungen stehen Städte, die sich, so die Autorin, trotz Klimakrise und daraus folgender Probleme „ihrer früheren Planungsmaxime ‚Licht, Luft und Sonne‘ in erstaunlichem Maß entledigt haben“ – und somit die perfekte Virenumgebung bieten.

Was die Autorin auszeichnet: Die Architektin und Autorin Ingrid Krau lehrte bis 2007 als Professorin für Städtebau und Stadtentwicklung an der TU München. Bereits zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit den Risiken, die extreme Bebauungen mit sich bringen. Krau schreibt vor allem über Städtewachstum und die Folgen fossiler Energiegewinnung.

Das ist die beste Aussage: „Die Vorstellung, wenn jetzt alle zusammen für eine kurze Zeit in den Shutdown gehen, wäre das Virus gebannt, ist ökonomisches Wunschdenken. Es bleibt wegen der Unordnung des Urbanen in den Nischen übersehener Populationen lebendig und tritt an unerwarteter Stelle wieder ans Tageslicht.“

Das erwartet die Leser*innen: Die Unterzeile „Suche nach einer neuen Normalität“ führt Erwartungen in die Irre – denn Krau seziert lediglich den Status quo. Das Buch bietet weniger Anleitung aus dem Schlamassel als präzise Analyse dazu, welchen Anteil der Städtebau an dessen Entstehung trägt. Erst auf den letzten 30 Seiten fordert sie konkrete Maßnahmen für die Zukunft, etwa Bodenfonds für Wohnzwecke, die Be- grenzung von Nachverdichtung, die Erweiterung von Grün- und Durchlüftungsräumen. Sie plädiert für „politischere“ Planung – ohne allerdings der Illusion zu erliegen, es sei einfach, den Boden der Städte „aus seiner Rolle als Spekulationsobjekt internationaler Transaktionen herauszuführen“.

Mehr Klassiker als Trend, weil … Pandemien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesellschaft eigentlich genauso wenig neu sind wie planerische Anstrengungen, Antworten auf das Städtewachstum zu finden, die möglichst wenig Luft und Grün opfern – aber, wie Krau es formuliert: „Wachstum und Fortschritt verbinden sich mit Naturvergessenheit.“

Corona und die Städte – das Buch

Haptik: Die Planerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, hat sich folgerichtig einen Verlag gesucht, der mit Öko-Anspruch druckt – und auch auf E-Books setzt.

Design: Nicht vom futuristisch-platt geratenen Cover abschrecken lassen.

Lesefluss: Krau kombiniert umfangreiches Wissen mit präziser und geschliffener Sprache, hier und da wiederholt sie sich aber.

Fazit: Krau liefert eher meinungsstarkes Essay als lupenreines Sachbuch und zeigt Zusammenhänge im großen Erzählbogen auf: von historischen Pandemien über Kompaktwohnformen im frühen 20. Jahrhundert, die Nachverdichtung europäischer Metropolen und Lebensbiotope, die sich Menschen und Wildtiere durch zunehmende Urbanisierung teilen müssen, bis hin zur aktuellen Pandemielage, die öffentliche Räume, aber auch das Arbeiten ins Netz verlagert (und so nebenbei den Flächenbedarf verändert) und wohl langfristige Auswirkungen auf städtebauliche Konzepte haben wird. Das macht das Buch zur kurzweiligen Lektüre für Planer*innen.

Corona und die Städte. Suche nach einer neuen Normalität.

Ingrid Krau

120 Seiten
ISBN: 978-3-96238-291-9
Oekom Verlag, 2021

Print 16 Euro, E-Book 12,99 Euro

Mehr zum Thema Planung, Städte und Corona erfahren Sie in hier.