S. 46) thematisiert genau das

“Entwürfe von Bahnhofsarealen sind alle gleich: schön, funktional, clean.”

Bahnhöfe: Sie sind der zentrale Dreh- und Angelpunkt einer Stadt, ihr Mobilitätszulieferer und -verteiler. Gleichzeitig steht sein Umfeld, das Bahnhofsviertel, in der Regel im Verruf. Es gilt als sozialer Brennpunkt. In der Februarausgabe der Garten+Landschaft diskutieren wir das Phänomen Bahnhofsquartier. G+L Redakteurin Theresa Ramisch darüber, warum wir das Heft gemacht haben, seine Inhalte und Projekte.

 

Wie heißt es so schön? „Es ist der erste Eindruck, der zählt.“ Wenn das auf unsere Städte zutrifft, könnten eigentlich viele Zugreisende auf dem Absatz kehrtmachen, sobald sie aus der Bahnhofshalle in Richtung Stadt treten. Der ambivalente Charme eines Bahnhofs­viertels ist nicht jedermanns Sache. Und auch den Städten sind ihre Bahnhofsareale oftmals ein Dorn im Auge. Frankfurt, München, Stuttgart – die hohe Anzahl von Bahnhofs­projekten bestätigen dies.

Das interessante an den Projekten ist, dass trotz aller Unterschiede die Städte in der Regel die selben Ziele verfolgen: Sie wünschen sich identifikationsstiftende Areale, die als „Visiten­karte der Stadt“ fungieren. Für mich ist das Dampfplauderei. Denn die Entwürfe sind letztlich stets alle gleich: schön, funktional, clean. Von identifikationsstiftenden Maßnahmen keine Spur. Was nutzt uns der schönste Stadteingang, wenn er mit den Menschen, die sich dort tagtäglich aufhalten, die dort leben, nicht harmoniert?

Wir Planer und unser latenter Drang zur ästhetischen Kontrolle. Alles soll geordnet sein, ineinandergreifen und gut aussehen. Dabei lebt doch gerade das Bahnhofsviertel von seiner Vielfalt, von seinem Chaos. Zugegeben, diese Vielfalt ist nicht immer leicht zu ertragen. Verkehr, Spielcasinos und Hotels, Junkies, Obdachlose und Prostituierte – schnell fühlt man sich unsicher, vielleicht sogar überfordert, weil die eigene Realität auf eine unbekannte prallt. Aber es ist diese Vielfalt, die das Bahnhofsviertel zur festen Institution im städtischen Gefüge macht. Als Knotenpunkt, Treffpunkt und Zufluchtsort. Auch für Menschen, die in unserer Realität sonst keinen Platz finden.

“Sie ist nicht leicht zu ertragen, die Vielfalt von Bahnhofsquartieren.”

Aber dies ist kein Abgesang auf die Planung. Es geht vielmehr darum, die bestehenden Strukturen zu schützen, indem man Platz für alle zulässt – für Anwohner, Stadtbewohner und Reisende. Wie das gelingen kann, stellen wir Ihnen im diesem Heft anhand zweier Projekte vor: Das von Townshend Landscape Architects in London gestaltete Bahnhofsquartier von King’s Cross und St Pancras sowie das Bahnhofsareal im niederländischen Arnheim stehen exemplarisch dafür, wie man in Bahnhofsnähe Räume für Menschen schafft, die Aufenthalt und alternative Entwicklungen ermöglichen. Sie sind Beispiele, von denen sich die gerade (an)laufenden Projekte in Augsburg, Dortmund oder Hamburg (ebenfalls im Heft) etwas abschauen können.

Spielt man diesen human-zentrierten Ansatz bis zum Ende durch, entwickelt sich im besten Fall im Bahnhofsquartier eine eigenständige, durch die Menschen vor Ort getragene Identität, die dann wiederum den jeweiligen Bahnhof und sein Umfeld zum USP der Stadt macht. Ergo: Der Planer hat seine Visitenkarte, die Menschen ihre Räume – und alle sind glücklich. Oder?

Interessiert? Hier können Sie die G+L Ausgabe zum Thema “Bahnhofsviertel” bestellen.

Coming up:

In der Märzausgabe der G+L dreht es um das Thema Naturstein und Beton: Bodenbeläge sind das wesentliche Gestaltungsmittel eines Freiraums. Die Textur des gewählten Materials entscheidet über Wirkung und Nutzung eines Ortes. Wir zeigen an Projekten aus dem In- und Ausland wie wirkungsvoll die Materialentscheidung sein kann und was es Neues gibt zum Thema Naturstein und Beton. Das Heft erscheint am 5. März 2019.

Copyright Coverbild vom Dortmunder Hauptbahnhof: Geramond Verlag / Gerhard Launer

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Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats hat vergangene Woche den Einstieg in eine konkrete Planung für einen Tunnel durch den Englischen Garten beschlossen. Geplant wird ein 390 Meter langer Tunnel unter dem Isarring, der den bislang getrennten Stadtpark wiedervereinen soll.

Seit Jahrzehnten trennt eine Verkehrsader, über die sich täglich tausende Autos schieben, den Englischen Garten in Nord- und Südteil. Die Idee für eine Untertunnelung des Rings existiert bereits seit vielen Jahren, jetzt hat das Projekt einen weiteren großen Schritt Richtung Realisierung genommen. Nach der Bestätigung durch die Stadtrats-Vollversammlung wird das Baureferat nun in die Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung für einen Tunnel im Englischen Garten einsteigen.

Geprüft wurden drei unterschiedlich lange Tunnel-Varianten: Das Planungsreferat bevorzugt dabei die mittellange Version, die nun auch geplant wird.

Das Bauwerk soll 390 Meter lang sein und etwa 125 Millionen Euro kosten. Die mittellange Variante bietet, so das Prüfungsergebnis, die größten Vorteile bei der Reparatur des Gartenkunstwerks Englischer Garten und erlaubt die Wiederherstellung des durchgängigen historischen Wegenetzes, der einstigen Bachläufe sowie der Wiesen und Gehölzstrukturen auf der Tunneldecke.

Aber die optische Verschönerung durch den Wegfall der Autoschneise ist nicht der einzige Vorteil des Tunnels: Die Lärmbelästigung für direkte Anwohner reduziert sich und der bislang weniger frequentierte Nordteil des Englischen Gartens ist wieder direkt zugänglich.

Wir unterhielten uns für unsere Januar 2017-Ausgabe mit dem Architektenpaar Grub-Lejeune, Gründer der Initiative „(M)Ein Englischer Garten“, über Widerstände, Erfolgserlebnisse und den Mut, beständig gegen den Strom zu schwimmen.

Hier geht’s zum Video „Wiedervereinigung Englischer Garten“

Libeskind entwirft Einstein Discovery Center

Ein Mann und drei Frauen stehen in einer Halle. Daniel Libeskind, Nancy Hecker-Denschlag, Nina Libeskind und Ditte Endriß in der alten Paketposthalle in Ulm. Foto: Petra Böger
Daniel Libeskind, Nancy Hecker-Denschlag, Nina Libeskind und Ditte Endriß in der alten Paketposthalle in Ulm. Foto: Petra Böger

Seit kurzem ist es offiziell: Daniel Libeskind wird das Albert Einstein Discovery Center in Ulm bauen. Über ein Stück Architektur, das gleichzeitig als Brücke zwischen zwei Städten fungieren soll. 

 

 

 

Daniel Libeskind entwirft in Ulm und Jerusalem

Es ist einer der großen Namen in der Gegenwartsarchitektur: Daniel Libeskind. In seinem Portfolio finden sich Projekte wie das Jüdische Museum in Berlin oder das neue World Trade Center in New York City. In nicht allzu ferner Zukunft darf sich nun auch Ulm über einen Bau des Star-Architekten freuen. Denn Daniel Libeskind wird die Planung des geplanten Albert Einstein Discovery Centers in Ulm übernehmen. Dazu unterzeichnete er nun den entsprechenden Vertrag. Und nicht nur das: Zeitgleich erarbeitet Libeskind den Bau eines neuen Einstein-Museums an der Hebrew University in Jerusalem. Das Projekt wird beide Städte in besonderer Weise architektonisch verbinden.

Einstein Discovery Center als Teil eines Brücken-Projektes

In Ulm wurde Albert Einstein 1879 geboren. In Jerusalem begründete er 1919 die Hebrew University mit – auch sein wissenschaftlicher Nachlass wird bis heute dort verwaltet. Durch die Arbeit Libeskinds treten die Stationen in Einsteins Leben nun in eine neue Art von Austausch. „Gemeinsam mit unseren Partnern in Ulm und Jerusalem möchten wir eine Brücke im Namen Albert Einsteins schlagen, der mich von jeher fasziniert“, sagte Libeskind dazu im letzten Jahr. Nach mehrmonatigem intensivem Austausch mit Beteiligten des Einstein Discovery Centers hatte er vergangenen Monat seine endgültige Zusage zum Projekt erteilt.

Erste Schritte in Ulm

In Ulm steht nun zunächst die Vorplanungsphase an. Dazu hatte Daniel Libeskind bereits im vergangenen Jahr den Projektort erstmalig besucht. Seine Frau Nina sowie der Architekt Stefan Blach vom Studio Libeskind begleiteten ihn bei der Besichtigung. Auf einem Grundstück am Ulmer Hauptbahnhof, wo heute die alte Paketposthalle steht, wird das Einstein Discovery Center entstehen. Die endgültig zur Verfügung stehende Fläche ist noch nicht abschließend geklärt. Dazu stehen Abstimmungen sowohl mit öffentlichen als auch privaten Parteien an. Libeskind und sein Team konnten in der ersten Besichtigung jedoch einen Eindruck gewinnen und somit zumindest konzeptuell bereits Ideen ausloten. Weiterhin traf er den Baubürgermeister Tim von Winning und Verantwortliche des Ulmer Discovery Centers.

Einstein Discovery Center bis 2029

Die Euphorie vor Ort ist groß: „Daniel Libeskinds Besuch hier in Ulm war für uns alle eine tolle Erfahrung. Die Gespräche und seine ersten Ideen haben uns begeistert und die Stimmung war hervorragend – das motiviert uns selbstverständlich“, beurteilte Nancy Hecker-Denschlag, Vorsitzende des Ulmer Discovery Centers den Besuch. Das Projekt soll nicht nur eine Brücke zu Einsteins Wirken in Jerusalem schlagen. Es soll auch für die Stadt Ulm ein bedeutender Baustein im Stadtensemble werden. Geplant ist eine Mischung aus Museum und Wissenschaftsspielwiese, die Besucher*innen selbst zum Entdecken einlädt. Im Jahre 2029 soll das Erlebniszentrum in Ulm fertiggestellt sein, pünktlich zu Albert Einsteins 150. Geburtstag. In Jerusalem hingegen ist der Bauprozess bereits weiter fortgeschritten. Dort wird das neue Einstein-Museum bereits in zwei Jahren – 2025 – eröffnet.

Es ist eine große und spannende Aufgabe, der sich Daniel Libeskind an gleich zwei Standorten stellt. Das Brücken-Konzept, das beide Wirkräume des Physikers einbezieht, stellt auch für den renommierten Architekten und sein Studio eine besondere Entwurfsaufgabe dar. Eine Herausforderung, der sich Libeskind mit Freuden stellt: „Mein Team und ich freuen uns, dieses großartige Projekt aktiv begleiten und mitgestalten zu dürfen.“

Was sich sonst in Ulm tut? Zum Beispiel dieses Projekt zur Umgestaltung der Innenstadt.